Sein Sohn stieß seinen gelähmten Vater, der im Rollstuhl saß, direkt in den Swimmingpool.
Er hoffte, der alte Mann würde nie wieder an die Oberfläche kommen und die Firma, das Haus sowie das gesamte Vermögen würden endlich ihm gehören. Doch er ahnte nicht, welche Folgen diese grausame Tat nach sich ziehen würde.

Nach einem schweren Schlaganfall war der Vater vollständig gelähmt geblieben. Er konnte weder sprechen noch seine Arme oder Beine bewegen. Nur seine Augen wirkten noch lebendig, und manchmal zuckte der Zeigefinger seiner linken Hand beinahe unmerklich.
Die Ärzte hatten erklärt, dass eine Besserung durchaus möglich sei. Dafür brauche es jedoch viel Zeit, intensive Pflege und unendliche Geduld.
Anfangs hatte sich der Sohn als aufopferungsvoller Angehöriger dargestellt. Er reichte seinem Vater das Essen, begleitete ihn zu den Rehabilitationsbehandlungen, half ihm beim Anziehen und saß abends sogar stundenlang an seiner Seite.
„Mach dir keine Sorgen, Papa. Ich werde dich niemals im Stich lassen“, sagte er stets mit einem beruhigenden Lächeln.
Doch dieses Lächeln zeigte er nur, wenn Nachbarn, Ärzte oder Besucher anwesend waren. Sobald sie allein waren, verfinsterte sich sein Gesicht und sein Blick wurde kalt.
Wochen vergingen, dann Monate. Dem Sohn fiel es immer schwerer, sein Leben einem Mann zu widmen, der nicht einmal ein Wort des Dankes aussprechen konnte. Er seufzte ständig, verlor wegen jeder Kleinigkeit die Beherrschung und betrachtete seinen Vater zunehmend als unerträgliche Last.
Eines Abends, als im Haus vollkommene Stille herrschte, öffnete er einen Ordner voller Unterlagen und presste zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor:
„Solange du atmest, läuft alles weiterhin auf deinen Namen. Und ich habe es satt, noch länger zu warten.“
Sein Vater besaß ein erfolgreiches Unternehmen, ein großes Haus und beträchtliche Ersparnisse. Der Sohn hatte gehofft, schnell an das Erbe zu gelangen, doch nichts verlief so, wie er es sich vorgestellt hatte.

Seit dem Schlaganfall hatte der alte Mann kein einziges Dokument unterschrieben. Auch die Ärzte konnten nicht sagen, wann er wieder in der Lage sein würde, selbst Entscheidungen zu treffen.
Da setzte sich ein entsetzlicher Gedanke im Kopf des Sohnes fest.
Am nächsten Tag schob er seinen Vater zum Swimmingpool hinter dem Haus. Vorsichtig blickte er sich um. Niemand schien sie zu beobachten.
„Alle werden glauben, es sei ein Unfall gewesen“, flüsterte er.
Der Vater starrte ihn mit vor Angst weit aufgerissenen Augen an, als hätte er jedes einzelne Wort verstanden. Verzweifelt versuchte er, den einzigen Finger zu bewegen, der ihm noch gehorchte. Doch sein Körper blieb hilflos im Rollstuhl gefangen.
Der Sohn umklammerte die Griffe des Rollstuhls.
Dann stieß er ihn mit einer brutalen Bewegung ins Wasser.
Ein gewaltiges Platschen durchschnitt die Stille, bevor der Rollstuhl unter der Wasseroberfläche verschwand.
Einige Sekunden lang blickte der Sohn auf das aufgewühlte Wasser. Danach drehte er sich um und ging davon, fest davon überzeugt, dass niemand die Tat beobachtet hatte.
„Diesmal ist es endgültig vorbei“, murmelte er.
Doch er wusste noch nicht, dass seine grausame Handlung eine Kette von Ereignissen auslösen würde, die er sich niemals hätte vorstellen können.
Genau in diesem Moment beendete ein Mann seine morgendliche Joggingrunde und lief an dem Haus vorbei. Als er ein ungewöhnlich lautes Platschen hörte, drehte er sich um und sah, wie ein Rollstuhl unter der Wasseroberfläche des Pools versank.
„Mein Gott! Da ist jemand im Wasser!“, rief er entsetzt.
Ohne einen Augenblick zu zögern, sprang er vollständig bekleidet in den Pool. Mit großer Anstrengung gelang es ihm, den alten Mann wieder an die Oberfläche zu bringen. Anschließend zog er ihn aus dem Becken und alarmierte sofort den Rettungsdienst.
Nur wenige Minuten später hielt ein Krankenwagen vor dem Haus. Die Sanitäter handelten schnell und schafften es, das Leben des Vaters zu retten.

Als der Sohn im Krankenhaus eintraf, spielte er seine Rolle überzeugend. Er wirkte zutiefst erschüttert, als hätte er gerade von einem unbegreiflichen Unglück erfahren.
„Wie konnte das passieren? Ich war doch nur eine Minute weg“, erklärte er den Polizisten.
Doch seine selbstsichere Fassade begann schon bald zu bröckeln.
Einer der Beamten sah ihn ruhig an und sagte:
„Sie müssen uns begleiten.“
„Warum? Ich habe doch gar nichts getan“, erwiderte der Sohn nervös.
Daraufhin fügte der Polizist hinzu:
„In der Nähe des Pools war eine Überwachungskamera installiert. Sie hat den gesamten Vorfall aufgezeichnet.“
Mit einem Schlag wurde das Gesicht des Sohnes kreidebleich.
Auf den Aufnahmen war deutlich zu sehen, wie er den Rollstuhl absichtlich bis an den Rand des Pools schob. Zuvor blickte er sich sorgfältig um, um sicherzugehen, dass sich keine Zeugen in der Nähe befanden. Dann stieß er seinen eigenen Vater ins Wasser und ging anschließend seelenruhig davon.
Nun konnte er nichts mehr abstreiten.
Im Verlauf der Ermittlungen kam außerdem ans Licht, dass der Vater bereits vor seinem Schlaganfall ein sehr genau formuliertes Testament verfasst hatte.
Darin stand, dass sein Sohn automatisch jedes Erbrecht verlieren würde, sollte er ihm Schaden zufügen oder wegen eines Verbrechens gegen ihn verurteilt werden.
In diesem Fall sollte das Vermögen des Vaters an eine wohltätige Stiftung gehen. Ein weiterer Teil war für jene treuen Mitarbeiter bestimmt, die viele Jahre ehrlich und zuverlässig an seiner Seite gearbeitet hatten.
Der Sohn hatte alles so schnell wie möglich an sich reißen wollen.
Am Ende jedoch bekam er gar nichts.
Der alte Mann hingegen, den sein Sohn für völlig wehrlos gehalten hatte, überlebte dank eines Fremden, der zufällig zur richtigen Zeit vorbeigekommen war.
Und er lebte lange genug, um zu erkennen, dass die Gier seines eigenen Kindes schließlich genau das zerstört hatte, was zwischen ihnen eigentlich das stärkste Band hätte sein sollen.