— Endlich bin ich diese Bettlerin losgeworden, — erklärte der Mann bei der Scheidung. Doch als er von meinem Erbe hörte, verschlug es ihm die Sprache.

Alexej kehrte an einem Oktobernachmittag mit ernstem Gesichtsausdruck nach Hause zurück. Natalia bereitete das Abendessen zu, schnitt Gemüse für den Salat und bemerkte den seltsamen Ausdruck im Gesicht ihres Mannes. In acht Jahren Ehe hatte sie so einen Blick noch nie gesehen.
— Natalia, ich muss dir etwas sagen, — sagte Alexej, trat in die Küche und blieb am Tisch stehen.
Natalia legte das Messer beiseite und sah ihren Mann aufmerksam an. Irgendetwas in seinem Ton ließ sie misstrauisch werden.
— Ich habe die Scheidung eingereicht. Heute Morgen war ich beim Gericht.
Die Worte blieben in der Luft hängen. Natalia wischte sich langsam die Hände mit einem Handtuch ab und dachte über das Gehörte nach.
— Warum? — fragte sie ruhig.
— Ich bin es leid, dich zu unterhalten. Ich arbeite wie ein Verrückter, und du sitzt nutzlos zu Hause. Du bist zweiunddreißig und hängst mir wie ein Klotz am Bein, — Alexej verschränkte die Arme vor der Brust.
Natalia faltete das Handtuch sorgfältig zusammen und ließ sich Zeit mit der Antwort. Vor acht Jahren hatte sie einen Programmierer geheiratet, der damals ganz gut verdiente, aber von großen Plänen sprach. Sie beschlossen, dass Natalia sich um den Haushalt kümmern würde, bis Kinder kämen. Kinder kamen nie, und Arbeit zu finden wurde immer schwieriger.
— In Ordnung, — sagte sie nur.
Alexej hatte offensichtlich mit Tränen, Hysterie oder Bitten gerechnet. Diese Reaktion brachte ihn aus dem Konzept.
— Denk nicht, dass du irgendetwas aus der Scheidung bekommst. Die Wohnung gehört mir, das Auto auch. Du hast nichts in unsere Familie investiert.
— Verstehe.
— Morgen treffen wir uns beim Anwalt. Alle Unterlagen sind schon fertig.
Am nächsten Tag wirkte Alexej im Büro der Kanzlei sehr selbstsicher. Der Anzug war gebügelt, die Dokumente ordentlich in der Mappe sortiert. Natalia kam in einem schlichten Kleid und mit einer kleinen Tasche.
— Gut, dass es ohne Drama abläuft, — sagte Alexej, als der Anwalt kurz hinausging, um Kaffee zu holen. — Endlich bin ich diese Bettlerin los. Ohne mich wirst du untergehen, aber das ist nicht mehr mein Problem.
Natalia runzelte die Stirn, unfähig zu glauben, dass ihr Mann das laut ausgesprochen hatte. Acht Jahre hatten sie zusammen gelebt, und jetzt solche Worte. Doch sie schwieg, nickte nur.
In diesem Moment klingelte Alexejs Telefon. Die Schwiegermutter.
— Aljoscha, wie läuft es? Hast du dich schon mit dieser … wie heißt sie noch getroffen? — Die Stimme der Mutter war deutlich zu hören. Fortsetzung im Kommentar.
— Ja, Mama, alles läuft nach Plan.
— Schon gut, Sohn. Mein Sohn verdient etwas Besseres und nicht so eine Last. Ich habe immer gesagt, dass du dich bei der Wahl geirrt hast.
Alexej sah Natalia an und wartete auf eine Reaktion. Doch seine Frau blieb ruhig sitzen und blätterte weiter in einigen Unterlagen in ihrer Mappe.
— Mama, wir reden zu Hause, — sagte er und legte auf.
— Deine Mutter hat recht, — sagte Natalia plötzlich. — Du verdienst wirklich etwas Besseres.
Alexej war überrascht über ihre Gelassenheit. Er hatte Vorwürfe und Tränen erwartet, doch stattdessen bekam er Zustimmung.
Als der Anwalt zurückkam, begannen sie die Details zu besprechen. Die Wohnung war auf Alexej eingetragen, das Auto ebenfalls. Gemeinsame Ersparnisse gab es nicht. Keine Kinder. Ein scheinbar einfacher Fall.
— Gibt es irgendwelches gemeinsames Eigentum, das aufgeteilt werden muss? — fragte der Anwalt.
— Nein, — antwortete Alexej schnell. — Meine Frau besitzt nichts.
— Und Sie, Natalia Witaljewna?
— Auch nichts, — antwortete die Frau ruhig.
Eine Woche später fand die erste Gerichtsverhandlung statt. Alexej kam mit seiner Mutter und seiner Schwester Swetlana. Die Verwandten setzten sich auf die Bank, bereit, ihn zu unterstützen.
— Euer Ehren, die Ehe hat sich überlebt, — begann Alexej. — Meine Frau besitzt nichts, arbeitet nicht, lebt auf meine Kosten. Ich bitte um eine schnelle Scheidung.
Swetlana nickte und stimmte jedem Wort ihres Bruders zu. Auch die Schwiegermutter blickte zustimmend zu ihrem Sohn.
— Natalia Witaljewna, stimmen Sie den Aussagen Ihres Ehemannes zu? — wandte sich der Richter an die Beklagte.
— Ich stimme der Scheidung zu. Zum Rest sage ich nichts.
— Warum widersprechen Sie nicht der Charakterisierung, die Ihr Mann Ihnen gibt?
— Ich halte das für unwichtig.
Alexejs Verwandte tauschten Blicke. Die Schwägerin lächelte sogar — alles lief wie am Schnürchen. Natalia wehrte sich nicht, forderte keinen Unterhalt, machte keine Ansprüche auf Eigentum geltend.
— Gut, — sagte der Richter. — Ich setze den nächsten Termin auf den 27. Oktober an. Bis dahin bitte ich um Vorbereitung aller notwendigen Unterlagen.
Nach der Verhandlung erzählte Alexej selbstzufrieden seinen Verwandten:
— Habt ihr gesehen, wie leicht alles lief? Natalia hat nicht einmal versucht, etwas einzuklagen. Sie weiß, dass sie ohne mich niemand ist.
— Du machst das richtig, Alexej Petrowitsch, — pflichtete die Schwiegermutter bei. — Jetzt findest du dir eine richtige Frau, die dir ebenbürtig ist.
— Ja, genau, — fügte Swetlana hinzu. — Gut, dass sie sich nicht an dich klammert. Wenigstens darin hat sie Vernunft bewiesen.
Währenddessen saß Natalia zu Hause und sortierte die Dokumente in ihrer Mappe. Sie nahm ihr Telefon und wählte eine Nummer.
— Jelena Wladimirowna, hier ist Natalia Witaljewna Stepanowa. Erinnern Sie sich? Vor einem halben Jahr sagten Sie, ich solle mich melden, wenn ich bereit sei?
— Natürlich erinnere ich mich. Was ist passiert?

— Ich lasse mich scheiden. Können wir uns morgen treffen?
— Ja, selbstverständlich. Kommen Sie um zehn Uhr morgens.
Am nächsten Tag traf sich Natalia mit der Notarin Jelena Wladimirowna. Eine etwa fünfzigjährige Frau, gepflegt, im strengen Kostüm.
— Erzählen Sie, was sich seit unserem letzten Gespräch geändert hat.
— Mein Mann hat die Scheidung eingereicht. Morgen ist die nächste Verhandlung.
— Verstehe. Dann müssen wir uns mit der Dokumentenerstellung beeilen. Haben Sie alle Unterlagen dabei?
— Ja, alles ist hier.
Jelena Wladimirowna prüfte die Papiere aufmerksam, markierte etwas und blickte dann auf:
— Natalia Witaljewna, sind Sie sicher, dass Sie das bis zum Ende des Scheidungsprozesses geheim halten wollen?
— Absolut. Alexej soll bekommen, was er verdient.
— Gut. Dann unterschreiben wir die Dokumente, und in sechs Monaten ist alles offiziell.
Zu Hause legte Natalia alle Unterlagen sorgfältig zurück in die Mappe. Morgen findet die letzte Verhandlung statt und Alexej wird die Wahrheit erfahren.
Am Abend rief Swetlana an:
— Natalia, hallo. Sag mal, du wirst wirklich nichts von Alexej verlangen?
— Wirklich nicht.
— Na, das ist gut. Wir hatten schon Angst, dass du es dir in letzter Minute anders überlegst und doch Forderungen stellst.
— Keine Sorge. Alles wird fair laufen.
— Das ist ausgezeichnet. Dann bis morgen.
Natalia legte auf und lächelte. Morgen würde die Schwägerin erfahren, was „fair“ wirklich bedeutet.
Am Morgen des 27. Oktober versammelten sich alle Beteiligten im Gerichtssaal. Alexej wirkte entspannt, scherzte sogar mit den Verwandten. Natalia saß ruhig, die Mappe mit den Dokumenten lag neben ihr.
— Verhandelt wird die Scheidung zwischen Alexej Petrowitsch Morosow und Natalia Witaljewna Morosowa, — verkündete der Richter.
— Euer Ehren, — begann Alexej, — wir haben endgültig beschlossen, uns scheiden zu lassen. Wir haben keine Ansprüche gegeneinander.
— Natalia Witaljewna, bestätigen Sie das?
— Ich bestätige den Wunsch nach Scheidung. Aber es gibt eine Frage bezüglich der Vermögensaufteilung.
Alexej drehte sich abrupt um. Mit so einer Wendung hatte er nicht gerechnet.
— Welches Vermögen? — fragte er verärgert. — Du besitzt doch nichts.
— Doch, — antwortete Natalia ruhig und holte einige Dokumente aus der Mappe. — Ich habe ein Erbe von meiner Tante Polina Iwanowna.
Im Saal wurde es still. Alexej riss die Augen auf, die Schwiegermutter beugte sich nach vorne, Swetlana öffnete den Mund.
— Was für ein Erbe? — flüsterte Alexej.
— Meine Tante ist vor einem halben Jahr gestorben. Sie hat mir ihre Wohnung im Zentrum, ihr Datscha-Grundstück in der Umgebung von Moskau und ein Bankguthaben vermacht. Die Erbschaftsunterlagen habe ich gestern erhalten.
Der Richter prüfte die Dokumente aufmerksam.
— Nach Gesetz gilt geerbtes Vermögen als persönliches Eigentum des Erben und unterliegt nicht der Aufteilung, — stellte er fest.
Alexej erblasste. Die Schwiegermutter griff sich ans Herz. Swetlana schüttelte ungläubig den Kopf.
— Das kann nicht sein! — rief Alexej. — Du hast mir nichts davon gesagt!
— Warum auch? — antwortete Natalia ruhig. — Du hast doch gesagt, ich sei eine Bettlerin. Warum sollte eine Bettlerin von Geld erzählen?
— Aber… aber wir lassen uns scheiden! Also… wir lassen uns doch scheiden!
— Ja, aber das Erbe wurde während der Ehe empfangen. Doch laut Gesetz bleibt geerbtes Vermögen persönliches Eigentum.
Alexej versuchte zu begreifen, was gerade geschah. Noch gestern freute er sich, seine Frau ohne Verluste loszuwerden, und heute stellte sich heraus, dass er Millionen verlor.
— Wie viel… wie viel ist das? — fragte er mit heiserer Stimme.
— Die Wohnung ist etwa acht Millionen wert, das Datscha-Grundstück zwei Millionen, das Guthaben eineinhalb Millionen. Macht insgesamt elfeinhalb Millionen. Dein Anteil wären fünf Millionen siebenhundertfünfzigtausend.
Die Zahlen schlugen ein wie ein Blitz. Swetlana schnappte nach Luft, die Schwiegermutter fächelte sich mit einem Blatt Luft zu.
— Natalia, Liebes, — begann Alexej plötzlich mit sanfter Stimme, — vielleicht sollten wir uns doch nicht so voreilig scheiden lassen? Lass uns alles noch einmal in Ruhe überdenken?
— Nein, — antwortete die Ehefrau klar. — Du selbst hast gesagt, dass du es leid bist, mich zu unterhalten. Und überhaupt, ich habe bereits einen Anwalt für die Vermögensaufteilung gefunden.
— Was für einen Anwalt?
— Den gleichen, der deine Scheidungspapiere aufgesetzt hat. Er ist übrigens ein sehr kompetenter Spezialist.
Der Richter studierte aufmerksam die von Natalia vorgelegten Dokumente. Im Saal herrschte angespannte Stille. Alexej trommelte nervös mit den Fingern auf den Tisch, die Schwiegermutter schüttelte den Kopf, und Swetlana versuchte ihrem Bruder etwas zuzuflüstern.
— Euer Ehren, — stand Alexej plötzlich auf, — ich möchte meine Scheidungsklage zurückziehen.
— Zu spät, — sagte Natalia deutlich. — Ich stimme der Scheidung zu und bestehe auf der Vermögensaufteilung.
— Aber Natalia, Liebes, wir können doch alles zu Hause besprechen, — versuchte Alexej sie zu beschwichtigen.
— Zu Hause gibt es nichts zu besprechen. Du hast doch selbst gesagt, du wirst die Bettlerin los.
Der Richter bat die Parteien, die endgültigen Eigentumsunterlagen vorzulegen. Natalia stand auf und holte weitere Papiere aus ihrer Mappe.
— Neben dem Erbe meiner Tante Polina Iwanowna, — sagte sie ruhig, — gibt es noch eine weitere Wohnung, ebenfalls von ihr.
Alexej drehte sich ruckartig um, die Augen vor Schreck geweitet.

— Eine zweite Dreizimmerwohnung im Stadtzentrum, — fuhr Natalia fort und legte die Dokumente auf den Tisch des Richters. — Meine Tante besaß zwei Wohnungen und hat sie mir beide vermacht.
Das Blut wich aus Alexejs Gesicht, er erblasste und starrte reglos vor sich hin, die Augen flatternd. Er konnte nicht glauben, was geschah.
— Das kann nicht wahr sein, — flüsterte die Schwiegermutter verwirrt. — Woher hat sie denn so eine reiche Tante?
— Im Gegensatz zu euch bin ich es nicht gewohnt, mit leeren Worten anzugeben, — entgegnete Natalia ruhig. — Hier sind die Beweise.
Der Richter prüfte die neuen Dokumente sorgfältig, verglich Stempel und Unterschriften.
— Die Wohnung in der Twerskaja-Straße, Haus siebzehn, gehörte ebenfalls der Bürgerin Semjonowa Polina Iwanowna. Laut Testament geht die Wohnung nach dem Tod der Erblasserin an ihre Nichte, Natalia Witaljewna Morosowa.
Die Verwandten von Alexej, die sich noch vor kurzem über Natalia lustig gemacht hatten, verstummten und senkten die Blicke. Swetlana nestelte nervös an ihrer Handtasche, die Schwiegermutter saß kreidebleich da.
— Wie viel ist diese Wohnung wert? — brachte Alexej mühsam hervor.
— Der geschätzte Wert der zweiten Wohnung beträgt zwölf Millionen Rubel, — antwortete der Richter nach Einsicht des Bewertungsdokuments.
Alexej wollte etwas sagen, doch seine Stimme zitterte, die Worte blieben ihm im Hals stecken. Es stellte sich heraus, dass der Gesamtwert von Natalias Erbe über dreiundzwanzig Millionen Rubel betrug.
— Moment mal, — fuhr Alexej plötzlich auf, — wenn das Erbe in der Ehe erhalten wurde, dann gehört doch die Hälfte mir!
— Falsch, — antwortete der Richter ruhig. — Laut Artikel 36 des Familiengesetzbuches der Russischen Föderation gilt Vermögen, das ein Ehepartner als Geschenk, durch Erbschaft oder durch andere unentgeltliche Geschäfte erhält, als persönliches Eigentum dieses Ehepartners und unterliegt nicht der Aufteilung.
Alexej sank wie erschlagen auf den Stuhl zurück. Die Schwiegermutter bedeckte das Gesicht mit den Händen.
— Aber wir lassen uns doch scheiden, — sagte der Ehemann schwach. — Heißt das, ich bekomme überhaupt nichts?
— Du bekommst das, was du selbst verdient hast, — antwortete Natalia. — Deine Wohnung und dein Auto.
— Natalia, was tust du da? Wir haben acht Jahre zusammen gelebt. Tut es dir denn gar nicht leid um mich?
— Hat es dir leid getan um mich, als du mich Bettlerin genannt hast?
— Ich war aufgebracht. Verzeih mir. Lass uns nicht scheiden, ja?
— Nein, Alexej. Du hast dein wahres Gesicht gezeigt. Als du dachtest, ich sei wirklich arm, hast du mich sofort abgeschoben.
— Aber ich wusste doch nichts vom Erbe!
— Eben. Du wolltest mich nur dann zurück, als du wusstest, dass Geld im Spiel ist.
Alexej begriff die Ironie nicht und versuchte weiter sie umzustimmen:
— Natalia, überleg doch. Wir haben eine Wohnung, ein Auto, wir könnten gut leben!
— Von meinem Geld?
— Na ja… ich meine, von unserem.
— Wir haben nichts gemeinsam, Alexej. Das hast du selbst gesagt.
Nach einer Pause verkündete der Richter die Entscheidung. Die Ehe zwischen Alexej Petrowitsch Morosow und Natalia Witaljewna Morosowa wird geschieden. Das während der Ehe erworbene Vermögen verbleibt bei dem Ehepartner, auf den es eingetragen ist. Das Erbe von Natalia Witaljewna unterliegt keiner Aufteilung.
— Die Verhandlung ist geschlossen, — erklärte der Richter.
Alexej saß auf der Bank, den Blick auf den Boden gerichtet. Die Schwiegermutter schluchzte leise. Swetlana sah ratlos abwechselnd zu ihrem Bruder und zu Natalia.
— Alexej Petrowitsch, — wandte sich Natalia an ihren Ex-Mann, — ich wünsche dir, dass du eine Frau findest, die dich für deinen Charakter liebt.
— Natalia, geh nicht so, — versuchte der Ex-Mann sie aufzuhalten.
— Wie denn sonst? Du hast doch selbst gesagt, du seist mich endlich los.
— Ich habe es mir anders überlegt!
— Ich nicht.
Als Natalia den Gerichtssaal verließ, trug sie den Kopf erhoben. Sie sah keinen Ehemann mehr in ihm — nur einen Menschen, der selbst die Zukunft an ihrer Seite weggeworfen hatte. Draußen schien die Herbstsonne. Natalia holte ihr Telefon hervor und wählte die Nummer des Maklers.
— Guten Tag, hier ist Natalia Witaljewna. Erinnern Sie sich an das Haus außerhalb der Stadt, das Sie mir zeigen wollten? Ich bin bereit zur Besichtigung.
Alexej hingegen blieb mit seiner Mutter und seiner Schwester vor dem Gerichtsgebäude stehen. Die Schwiegermutter jammerte:
— Alexej Petrowitsch, was hast du nur getan? Dreiundzwanzig Millionen Rubel!
— Mama, woher sollte ich das wissen?
— Du hättest dich besser mit deiner Frau beschäftigen sollen, — tadelte Swetlana. — Acht Jahre verheiratet, und du wusstest nichts über ihre Verwandten.

— Sie hat nie etwas erzählt!
— Weil du dich nie interessiert hast. Du hast immer nur an dich gedacht.
Alexej schwieg. Tatsächlich hatte er in acht Jahren Ehe nie nach Natalias Verwandtschaft gefragt, sich nie für ihre Vergangenheit interessiert. Er hatte sie für eine graue Maus ohne Herkunft gehalten.
Einen Monat später erfuhr Alexej, dass Natalia ein Landhaus gekauft hatte und in einer Kunstgalerie arbeitete. Er traf sie zufällig in einem Café — sie sah jünger und glücklich aus.
— Natalia, — trat er an ihren Tisch.
— Alexej, — nickte sie höflich.
— Wie geht es dir?
— Gut. Ich arbeite und richte mein Haus ein.
— Hör zu, vielleicht…
— Nein, — unterbrach sie ihn. — Was auch immer du sagen willst — die Antwort ist nein.
— Aber ich habe mich geändert!
— Das freut mich für dich. Aber es interessiert mich nicht.
Natalia stand auf, legte Geld für den Kaffee hin und ging. Alexej blieb allein sitzen und verstand, dass er nicht nur seine Frau verloren hatte, sondern einen Menschen, der acht Jahre lang an seiner Seite gewesen war, ihn geliebt und an ihn geglaubt hatte. Und den er, als er glaubte, sie sei eine Last, erbarmungslos aus seinem Leben geworfen hatte.
Jetzt lebte Natalia in ihrem eigenen Haus, arbeitete in ihrem Traumberuf, reiste. Und Alexej zählte jeden Rubel und wünschte sich, die Zeit zurückdrehen zu können. Doch die Zeit kehrt nicht zurück — ebenso wenig wie das Vertrauen eines Menschen, den man verraten hat.