— Mein Junge hat es gut getroffen – geheiratet und gleich eine Wohnung dazu! Jetzt habe auch ich in der Stadt einen Platz zum Wohnen! — sagte die Mutter des Mannes zufrieden.

— Mein Junge hat es gut getroffen – geheiratet und gleich eine Wohnung dazu! Jetzt habe auch ich in der Stadt einen Platz zum Wohnen! — sagte die Mutter des Mannes zufrieden.

Olga stand am Fenster und sah zu, wie der erste Schnee sich auf die Dächer der Nachbarhäuser legte. Die Wohnung hatte sie vom Großvater geerbt — eine Zweizimmerwohnung in einem alten Backsteinhaus mit hohen Decken und knarrendem Parkett. Der Großvater hatte hier über dreißig Jahre gelebt, und jede Ecke bewahrte seine Erinnerung: die Bücherregale, die er selbst gezimmert hatte, der massive Tisch am Fenster, der abgenutzte Teppich im Wohnzimmer.

Nach der Hochzeit schien der Umzug die natürliche Entscheidung. Die gemietete Einzimmerwohnung am Stadtrand war längst unerquicklich, und hier — gleich zwei Zimmer, keine Miete, nur die Nebenkosten. Der Mann stimmte ohne großes Zögern zu. An einem Wochenende brachten sie die Sachen rüber.

Das erste Familienessen veranstalteten sie eine Woche später. Sie luden die Eltern des Mannes ein — Schwiegervater und Schwiegermutter. Olga deckte den Tisch und holte aus dem Schrank das alte Service des Großvaters. Alles verlief ruhig: Gespräche über die Arbeit, über das Wetter, darüber, wie schnell das Jahr vergangen war.

Dann lehnte sich die Schwiegermutter im Stuhl zurück, ließ den Blick durch den Raum schweifen und sagte mit einem zufriedenen Lächeln:

— Mein Junge hat es gut getroffen – geheiratet und gleich eine Wohnung dazu! Jetzt habe auch ich in der Stadt einen Platz zum Wohnen!

Die Worte klangen leicht, fast beiläufig, doch Olga spürte, wie sich ihre Schultern anspannten. Die Schwiegermutter lächelte weiter und schenkte sich Tee ein. Der Schwiegervater nickte und machte sich über den Salat her. Auch der Mann reagierte nicht, als wäre nichts Besonderes gesagt worden.

Olga nahm die Gabel und konzentrierte sich auf ihren Teller. Sie wollte den Abend nicht verderben. Vielleicht nur ein missglückter Scherz. Vielleicht meinte die Schwiegermutter nichts Böses.

Aber die Worte steckten wie ein Splitter fest.

Ein paar Tage später rief die Schwiegermutter an und sagte, sie komme kurz vorbei — sie bringe Gläser mit Marmelade. Sie kam zur Mittagszeit und blieb bis zum Abend. Sie saß in der Küche, fragte nach den Nachbarn und gab Ratschläge, wie man die Möbel im Flur besser stellen könne.

— Bei euch ist es natürlich gemütlich, aber die Blumen auf der Fensterbank musst du umstellen. Dann kommt mehr Licht rein, — sagte die Schwiegermutter und rückte den Topf mit dem Ficus zurecht.

Olga stellte den Topf schweigend wieder an seinen Platz, als der Besuch gegangen war.

Der nächste Besuch folgte drei Tage später. Die Schwiegermutter brachte Tüten mit Lebensmitteln mit.

— Ich wollte helfen — jungen Leuten fehlt doch immer Geld, — erklärte sie und stellte Reis, Konserven und Packungen mit Nudeln auf den Tisch.

Olga bedankte sich, obwohl im Kühlschrank genug war. Die Schwiegermutter blieb wieder bis spät. Der Mann kam von der Arbeit, aß zu Abend und schaltete den Fernseher ein. Die Schwiegermutter setzte sich neben ihn, diskutierte die Nachrichten. Olga saß in der Küche und spülte, lauschte den Stimmen aus dem Zimmer.

Dann wurden die Besuche häufiger. Aus einmal pro Woche wurden zwei, dann drei. Die Schwiegermutter kam morgens und blieb bis spät abends. Manchmal sagte sie, es sei schon zu dunkel, um ins Dorf zurückzufahren, und blieb über Nacht. Olga machte ihr das Sofa im Wohnzimmer zurecht.

Eines Tages brachte die Schwiegermutter ein Kissen mit.

— Meins, gewohnt. Auf fremden schlafe ich nicht, — erklärte sie und legte es aufs Sofa.

Beim nächsten Mal tauchten Hausschuhe auf. Die Schwiegermutter stellte sie im Flur neben die Schuhe des Mannes ab.

— So ist es bequemer, als sie jedes Mal in einer Tüte mitzuschleppen, — sagte sie.

Olga antwortete nicht. Die Hausschuhe blieben.

Zu Winterbeginn erschien die Schwiegermutter fast jeden Tag. Sie kam mit Taschen, holte Lebensmittel heraus und fing an zu kochen. Olga kam von der Arbeit nach Hause und sah Töpfe auf dem Herd, schmutziges Geschirr in der Spüle, die Schwiegermutter am Tisch mit einer Tasse Tee.

— Ich bin früher gekommen und habe beschlossen, Suppe zu kochen. Männer brauchen schließlich warmes Essen, — sagte die Schwiegermutter.

Der Mann freute sich. Er lobte die Suppe, bedankte sich bei seiner Mutter. Olga aß schweigend.

Eines Abends, als der Mann sich bei der Arbeit verspätete, nahm Olga all ihren Mut zusammen.

— Hören Sie… vielleicht sollten Sie nicht so oft kommen? Wir kommen doch auch allein zurecht.

Die Schwiegermutter hob die Augenbrauen.

— Was heißt „so oft“? Ich komme zu meinem Sohn, ich schaue nach ihm. Oder darf ich jetzt etwa nicht mehr?

— Doch, natürlich. Nur… wir brauchen Privatsphäre.

— Privatsphäre? — wiederholte die Schwiegermutter und schnaubte. — Dein Mann hat auch einen Anteil an dieser Wohnung. Ich komme zu ihm, nicht zu dir.

Olga ballte unter dem Tisch die Fäuste.

— Welchen Anteil? Die Wohnung gehört mir, ich habe sie geerbt.

— Und wo wohnt dein Mann? Hier. Also hat er ein Recht. Und ich habe auch das Recht, meinen Sohn zu besuchen.

Das Gespräch endete ohne Ergebnis. Die Schwiegermutter ging spät abends und knallte die Tür. Olga saß in der Küche und starrte aus dem Fenster. Der Schnee fiel in dicken Flocken und deckte den Hof wie mit einer weißen Decke zu.

Als der Mann zurückkam, erzählte Olga ihm von dem Gespräch. Sie hoffte, er würde sie unterstützen, seiner Mutter sagen, sie solle seltener kommen.

Der Mann hörte zu, in der Tür stehend. Dann seufzte er.

— Mama macht sich einfach Sorgen. Sie will helfen.

— Helfen? — Olga konnte sich nicht beherrschen. — Sie wohnt hier, sie hilft nicht!

— Übertreib nicht. Sie kommt nur manchmal.

— Manchmal? Jeden Tag!

— Na und? Eine Mutter hat das Recht, ihren Sohn zu besuchen.

— In meiner Wohnung?

Der Mann runzelte die Stirn.

— In unserer Wohnung. Ich wohne doch auch hier.

— Du wohnst hier, weil ich es erlaubt habe. Die Wohnung gehört mir!

— Ach so? — Die Stimme des Mannes wurde härter. — Also bin ich hier nur ein vorübergehender Bewohner?…

Olga schloss die Augen. Sie wollte keinen Streit. Sie wollte diese Worte nicht. Aber sie brachen von selbst aus ihr heraus.

— Darum geht es mir nicht. Bitte deine Mutter einfach, seltener zu kommen.

— Das werde ich nicht. Meine Mutter ist mir wichtiger als deine Launen.

Der Mann ging ins Schlafzimmer. Olga blieb in der Küche. Sie saß bis spät in die Nacht, bis ihr die Füße kalt wurden. Dann legte sie sich auf das Sofa im Wohnzimmer. Schlafen wollte sie nicht.

Am nächsten Tag kam die Schwiegermutter morgens. Sie brachte Tüten mit Sachen.

— Ich habe beschlossen, ein bisschen bei meinem Sohn zu wohnen. Im Dorf ist es kalt, man quält sich nur mit dem Ofen, — sagte sie und zog ihren Mantel aus.

Olga stand im Flur und sah zu, wie die Schwiegermutter die Taschen an die Wand stellte, den Mantel an den Haken hängte und die Stiefel auszog.

— Wie lange wollen Sie bleiben?

— Weiß nicht. Vielleicht eine Woche, vielleicht länger. Das Wetter ist schlecht, ich habe keine Lust, ständig hin und her zu fahren.

— Hier ist kein Platz. Die Wohnung ist klein.

— Klein? — Die Schwiegermutter blickte sich im Flur um. — Zwei Zimmer, das geht doch. Ich schlafe auf dem Sofa, ich bin nicht anspruchsvoll.

Olga wollte widersprechen, aber die Schwiegermutter war schon in die Küche gegangen und schaltete den Wasserkocher ein.

Am Abend kam der Mann zurück und freute sich.

— Mama, bleibst du lange?

— Eine Woche, mein Sohn. Ich bin das Dorf leid, ich will ein bisschen in der Stadt sein.

Der Mann nickte und setzte sich an den Tisch. Die Schwiegermutter stellte das Abendessen hin. Olga aß, ohne aufzusehen. Nach dem Essen räumte sie das Geschirr weg und ging ins Schlafzimmer. Der Mann blieb mit seiner Mutter im Wohnzimmer. Olga hörte ihre Stimmen, ihr Lachen.

Aus einer Woche wurden zwei. Die Schwiegermutter richtete sich ein: Sie legte ihre Sachen aus, belegte die Hälfte des Schranks im Flur, stellte ihre Gläser und Kisten in der Küche in die Regale. Olga kam von der Arbeit nach Hause und fand die Schwiegermutter an ihrem Tisch, an ihrem Herd, in ihrer Wohnung.

Eines Abends versuchte Olga wieder, mit ihrem Mann zu reden.

— Wann fährt deine Mutter wieder?

— Keine Ahnung. Warum fragst du?

— Weil ich es leid bin, zu dritt zu leben.

— Das ist meine Mutter.

— Ich weiß. Aber das ist meine Wohnung.

— Schon wieder damit? — Der Mann legte das Handy weg. — Ich kann’s nicht mehr hören von „deiner Wohnung“.

— Und ich kann nicht mehr hören, dass deine Mutter hier die Hausherrin ist.

— Mama macht doch nichts Schlimmes. Sie kocht, sie räumt auf. Du solltest dankbar sein.

— Dankbar? Wofür? Dafür, dass man mich aus meiner eigenen Wohnung verdrängt?

Der Mann stand auf.

— Niemand verdrängt dich. Du bist einfach egoistisch. Du kannst nicht mal einen nahestehenden Menschen ertragen.

— Nahestehend dir, nicht mir!

Der Mann knallte die Tür zu und ging ins Wohnzimmer. Olga blieb allein. Sie setzte sich an den Bettrand und presste die Hände zusammen. In ihr kochte alles, aber es kamen keine Tränen. Nur Wut und Kränkung.

Am Morgen erklärte die Schwiegermutter, sie bleibe bis Neujahr.

— Im Dorf ist es langweilig, hier ist es lustiger. Wir feiern zusammen, — sagte sie und verteilte die eingekauften Sachen auf dem Tisch.

Olga schwieg. Sie fuhr früher als sonst zur Arbeit und kam spät zurück. Den ganzen Tag dachte sie nur an eins: Was tun?

Am Abend, als der Mann schlafen ging, holte Olga die Unterlagen zur Wohnung hervor. Erbschein, Auszug aus dem Grundbuchregister. Alles lief auf ihren Namen. Die Wohnung gehörte nur ihr. Der Mann hatte keinen Anteil. Die Schwiegermutter hatte keinerlei Rechte.

Olga legte die Dokumente wieder weg und ging ins Bett. Die Entscheidung war von selbst gereift. Worte würden hier nichts lösen. Es war Zeit zu handeln.

Am Morgen sagte die Schwiegermutter beim Frühstück:

— Ich muss für ein paar Tage ins Dorf. Die Nachbarin hat mich gebeten, bei Papieren zu helfen. Aber die Sachen lasse ich hier, damit ich sie nicht ständig hin und her schleppen muss.

Olga nickte und aß ihren Brei zu Ende. Die Schwiegermutter packte eine kleine Tasche, verabschiedete sich von ihrem Sohn und fuhr los. Die Sachen blieben im Flur: zwei Taschen, eine Tüte mit Hausschuhen, eine Kiste mit Gläsern.

Olga wartete eine Stunde. Dann sammelte sie alles methodisch in große Säcke und brachte es in die Abstellkammer. Sie stellte alles ordentlich an die hintere Wand und schloss die Tür mit dem Riegel.

Nach dem Mittag fuhr Olga zum Bürgeramt. Sie nahm ihren Pass und die Wohnungsunterlagen mit. In der Schlange stand sie etwa zwanzig Minuten. Als sie am Schalter dran war, erklärte sie die Situation ruhig und klar:

— Ich möchte die Schlösser in der Wohnung austauschen lassen. Die Schlüssel könnten in die Hände von Unbefugten geraten sein.

Die Sachbearbeiterin nickte und nahm den Antrag entgegen. Sie bat um Unterschriften auf mehreren Formularen. Olga unterschrieb und bekam einen Beleg.

— Wann kann ich die neuen Schlüssel abholen?

— Morgen nach dem Mittag. Der Monteur kommt morgens und baut die Schlösser ein. Wir rufen Sie an.

Olga bedankte sich und ging hinaus. Draußen wurde es bereits dunkel. Der Schnee knirschte unter den Schuhen. Die Stadt bereitete sich auf die Feiertage vor — Schaufenster leuchteten in Girlanden, auf dem Platz stellte man einen Weihnachtsbaum auf.

Am nächsten Tag kam der Monteur um zehn Uhr. Ein junger Mann mit einem Werkzeugkoffer. Er arbeitete schnell und ohne unnötige Fragen. Nach anderthalb Stunden waren neue Schlösser in der Tür. Der Monteur übergab Olga zwei Schlüsselsets, ließ sie auf der Quittung unterschreiben und ging.

Olga schloss die Tür, drehte den Schlüssel. Das Klicken klang anders — lauter, entschlossener. Die alten Schlüssel lagen auf dem Regal im Flur. Nutzlose Stücke Metall.

Am Abend kam der Mann wie gewohnt zurück. Er stieg in den dritten Stock, holte den Schlüssel hervor und steckte ihn ins Schloss. Der Schlüssel drehte sich nicht. Der Mann runzelte die Stirn und versuchte es noch einmal. Wieder nichts.

Er klingelte. Olga öffnete.

— Warum passt der Schlüssel nicht?

— Ich habe die Schlösser ausgetauscht.

Der Mann erstarrte auf der Schwelle.

— Was heißt „ausgetauscht“?

— Ich habe einen Monteur gerufen, neue Schlösser wurden eingebaut. Hier ist dein Schlüssel.

Olga reichte ihm ein Set. Der Mann nahm es und betrachtete die neuen Schlüssel.

— Wozu?

— Zur Sicherheit. Man weiß nie, in wessen Hände die alten Schlüssel geraten sind.

— Wer hätte sie haben können außer uns?

Olga schwieg. Der Mann ging in die Wohnung, warf die Jacke ab.

— Hast du das wegen meiner Mutter gemacht?

— Ja.

— Ernsthaft? — Der Mann drehte sich um. — Du hast die Schlösser ausgetauscht, damit Mama nicht reinkann?

— Genau.

— Sie hat doch keine Schlüssel! Sie hat jedes Mal geklingelt!

— Jetzt ganz bestimmt nicht.

Der Mann warf die Tasche auf den Boden.

— Verstehst du überhaupt, was du da tust? Das ist meine Mutter!

— Ja, das verstehe ich. Aber das ist meine Wohnung.

— Schon wieder? — Seine Stimme wurde lauter. — Wie oft willst du das noch wiederholen?

Olga holte aus ihrer Tasche eine Mappe mit Dokumenten. Sie legte sie auf den Tisch.

— Schau. Erbschein. Grundbuchauszug. Die Wohnung ist ausschließlich auf mich eingetragen. Du hast keinerlei Anteil. Du wohnst hier, weil ich es dir erlaubt habe.

Der Mann nahm die Dokumente, überflog sie. Sein Gesicht wurde blass.

— Das heißt, du meinst, du hättest das Recht, meine Mutter rauszuwerfen?

— Habe ich. Und ich habe dieses Recht bereits genutzt.

— Du kannst nicht so handeln!

— Doch, kann ich. Das Gesetz ist auf meiner Seite.

Der Mann schleuderte die Papiere auf den Tisch.

— Also ist dir das Gesetz wichtiger als die Familie?

— Mir ist meine Ruhe wichtiger. Deine Mutter hat mein Leben zur Hölle gemacht. Ich bin es leid, alles zu ertragen.

— Mama hat doch nichts Schlimmes getan!

— Sie ist ohne zu fragen hier eingezogen. Sie hält diese Wohnung für ihre. Sie sagt, du hättest gut geheiratet, weil du eine Unterkunft bekommen hast. Ist das normal?

Der Mann schwieg. Er wandte sich zum Fenster.

— Mama wollte einfach näher bei ihrem Sohn sein.

— Auf meine Kosten. In meiner Wohnung. Ohne mein Einverständnis.

— Du hättest es aushalten können.

— Ich hätte. Aber ich will nicht.

Der Mann drehte sich um.

— Was soll ich Mama jetzt sagen? Dass meine Frau die Schlösser ausgetauscht hat und sie nicht ins Haus lässt?

— Sag die Wahrheit. Oder sag gar nichts. Ist mir egal.

Das Gespräch war beendet. Der Mann ging ins Schlafzimmer und knallte die Tür zu. Olga blieb in der Küche. Sie brühte Tee auf und setzte sich ans Fenster. Draußen fiel der Schnee ohne Pause.

Zwei Tage später rief die Schwiegermutter an. Olga sah den Namen auf dem Display und nahm nicht ab. Der Mann ging ran.

— Sohn, ich bin in einer Stunde da. Mach auf, ich habe die Hände voll.

— Mama, warte. Es gibt da eine Situation…

— Was für eine Situation? Ich sitze schon im Bus!

Der Mann zögerte, sah Olga an. Olga zuckte mit den Schultern.

— Mama, komm heute lieber nicht.

— Wieso? Ich habe doch gesagt, dass ich zurückkomme.

— Olga hat die Schlösser ausgetauscht.

Am anderen Ende herrschte Stille.

— Was heißt „ausgetauscht“?

— Es sind neue Schlösser drin. Deine Schlüssel passen nicht.

— Und wo sind meine Sachen?

— In der Abstellkammer.

Die Schwiegermutter schwieg einen Moment. Dann wurde ihre Stimme scharf:

— Sag dieser Undankbaren, dass ich trotzdem komme. Und meine Sachen hole. Und mit ihr ordentlich rede!

Der Mann sah Olga an. Olga schüttelte den Kopf.

— Mama, lass das. Machen wir ein anderes Mal.

— Was „anderes Mal“? Ich bin doch schon unterwegs!

— Dann komm. Aber Olga wird nicht öffnen.

— Soll sie’s doch versuchen! Ich rufe die Polizei!

— Die Wohnung gehört ihr. Laut Papieren. Die Polizei kann da nichts machen.

Die Schwiegermutter fluchte und legte auf. Der Mann legte das Telefon auf den Tisch.

— Zufrieden? — fragte Olga.

— Nein. Aber ich werde auch nicht streiten. Ich bin müde.

Eine Stunde später klingelte es an der Tür. Hartnäckig, fordernd. Olga trat zum Spion. Draußen stand die Schwiegermutter mit zwei großen Koffern.

— Mach auf! — schrie die Schwiegermutter. — Ich weiß, dass du zu Hause bist!

Olga antwortete nicht.

— Hörst du mich? Mach sofort auf!

Stille.

Die Schwiegermutter klingelte noch einmal. Dann begann sie mit der Hand gegen die Tür zu schlagen.

— Bist du völlig frech geworden? Das ist das Zuhause meines Sohnes! Mach auf!

Olga stand im Flur und hörte zu. Der Mann kam aus dem Zimmer.

— Vielleicht machst du auf? Redest mit ihr?

— Nein.

— Olga…

— Nein. Wenn du willst — mach du auf.

Der Mann rührte sich nicht. Die Schwiegermutter hämmerte weiter.

— Ich rufe die Polizei! Die werden dir schon beibringen, wie man mit Menschen umgeht!

Olga nahm ihr Handy und wählte die Nummer der Polizei.

— Guten Tag. Ich möchte eine Ruhestörung melden. Unter der Adresse… eine Frau schlägt gegen die Tür, droht und geht nicht weg.

Der Beamte fragte die Adresse nach und versprach, eine Streife zu schicken. Olga legte auf.

Die Schwiegermutter verstummte — offenbar hatte sie es durch die Tür gehört. Dann sprach sie leiser, beinahe flehend:

— Sohnchen, komm raus. Reden wir. Ich bin doch deine Mutter.

Der Mann sah Olga an. Olga nickte. Der Mann nahm den Schlüssel und öffnete die Tür.

Die Schwiegermutter stürmte in den Flur und musterte Olga von oben bis unten.

— Was fällt dir ein? Wie kannst du es wagen, mich nicht ins Haus zu lassen?

— Das ist mein Zuhause. Und ich entscheide, wen ich hereinlasse.

— Dein Zuhause? — Die Schwiegermutter schnaubte. — Mein Sohn wohnt hier! Also habe ich auch ein Recht!

— Nein. Haben Sie nicht.

— Sohnchen, hörst du, was sie sagt? Sag ihr was!

Der Mann schwieg.

— Sag’s! — wiederholte die Schwiegermutter und packte ihn am Ärmel.

— Mama, die Wohnung ist auf sie eingetragen. Laut Papieren. Ich habe keine Rechte.

— Wie, du hast keine? Du bist doch ihr Mann!

— Erbe wird nicht geteilt. Auch nicht in der Ehe.

Die Schwiegermutter wich zurück.

— Also stehst du auf ihrer Seite?

— Ich erkläre nur die Rechtslage.

— Rechtslage! — Die Schwiegermutter fuchtelte mit der Hand. — Und wo ist das Gewissen?

— Ein Gewissen gibt es auch, — mischte Olga sich ein. — Und es sagt mir, dass ich nicht verpflichtet bin, zu dritt in einer Zweizimmerwohnung zu leben.

— Zu dritt? Ich wollte doch nicht für immer bleiben!

— Sie haben Koffer mitgebracht. Offenbar wollten Sie länger bleiben.

Die Schwiegermutter blickte auf die Koffer am Eingang.

— Ich… ich dachte, ich bleibe zu Besuch. Bis Neujahr.

— Bis Neujahr, dann bis zum Frühling, dann bis zum Sommer. Ich weiß, wie das läuft.

— Undankbare! — Die Schwiegermutter ballte die Fäuste. — Mein Sohn hat dir eine Wohnung verschafft!

— Ihr Sohn hat die Wohnung durch mich bekommen. Nicht umgekehrt.

— Wie kannst du es wagen!

— Ich kann. Weil es die Wahrheit ist.

Die Schwiegermutter drehte sich zu ihrem Sohn.

— Willst du dir anhören, wie sie mich beleidigt?

Der Mann seufzte.

— Mama, fahr nach Hause. Bitte.

— Wie bitte?! Du wirfst mich raus?

— Ich bitte dich zu gehen. So kann es nicht funktionieren, dass wir alle zusammen hier wohnen.

— Also ist dir deine Frau wichtiger als deine Mutter?

Der Mann antwortete nicht. Die Schwiegermutter stand da und starrte ihn an. Dann griff sie ruckartig nach den Koffern.

— Gut. Ich merke mir das. Wenn ihr irgendwann Hilfe braucht — kommt nicht zu mir. Ich setze keinen Fuß mehr hier rein!

— Ihre Sachen sind in der Abstellkammer. Nehmen Sie sie mit, — sagte Olga.

Die Schwiegermutter ging zur Abstellkammer und zog die Säcke heraus. Der Mann half, sie bis zur Tür zu tragen. Die Schwiegermutter zog sich an, ohne Olga anzusehen.

— Sohnchen, du kannst immer zu mir kommen. Du weißt, wo du mich findest.

— Ich weiß, Mama.

Die Schwiegermutter ging. Die Tür fiel ins Schloss. Olga drehte den Schlüssel um und legte die Kette vor.

Der Mann stand im Flur und starrte auf den Boden.

— Zufrieden mit dem Ergebnis? — fragte er.

— Nein. Aber es gab keinen anderen Ausweg.

— Man hätte sich einigen können.

— Wir haben es versucht. Es hat nicht geklappt.

Der Mann ging ins Zimmer. Olga blieb allein. Sie ging in die Küche, brühte Tee auf und setzte sich ans Fenster. Der Schnee hatte aufgehört. Der Himmel klarte auf, Sterne kamen hervor.

Das Telefon klingelte. Schwiegermutter. Olga drückte weg. Dann noch ein Anruf. Noch einer. Olga blockierte die Nummer.

Am Abend kam der Mann in die Küche.

— Mama hat angerufen. Sie hat geweint.

— Tut mir leid.

— Wirklich?

— Ja. Aber das ändert nichts.

— Vielleicht hätte man es anders machen sollen?

— Wie denn? Bitten? Habe ich. Erklären? Habe ich. Deine Mutter wollte es nicht hören.

Der Mann schenkte sich Wasser ein und trank.

— Und was wird jetzt?

— Wir werden leben. Wie früher. Zu zweit.

— Und wenn Mama krank wird? Wenn sie Hilfe braucht?

— Dann helfen wir. Aber nicht hier.

Der Mann nickte und ging zurück ins Zimmer.

Olga saß bis spät in die Nacht in der Küche. Sie dachte über alles nach, was passiert war. Bereute sie es? Nein. War es richtig? Ja.

Die Wohnung war wieder ihr Zuhause. Ohne fremde Sachen im Flur. Ohne fremde Ratschläge in der Küche. Ohne fremde Ansprüche auf ihr Leben.

Eine Woche später rief die Schwiegermutter den Mann an. Sie sagte, der Groll sei vorbei. Sie sei bereit zu verzeihen. Sie wolle an den Feiertagen kommen.

Der Mann gab das Gespräch an Olga weiter. Olga antwortete kurz:

— Als Besuch — gern. Für ein paar Stunden. Aber über Nacht bleibt sie nicht.

Die Schwiegermutter kam nicht.

Neujahr feierte Olga mit ihrem Mann zu zweit. Sie deckten den Tisch, schalteten den Fernseher ein. Sie gratulierten einander. Der Mann war schweigsam, aber nicht wütend. Er akzeptierte die Situation.

Und Olga spürte endlich, dass das Zuhause ihr gehörte. Dass niemand sagen würde, wie gut ihr Mann es getroffen habe. Dass niemand diktieren würde, wo die Blumen stehen und was es zum Abendessen geben soll.

Die Wohnung des Großvaters kehrte zurück zur Stille und zum Frieden. So, wie es von Anfang an hätte sein sollen.

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