Der Mann gab unser Geld seiner Schwester. Ich verkaufte sein Auto in einer Stunde.

Der Mann gab unser Geld seiner Schwester. Ich verkaufte sein Auto in einer Stunde.

Pawel schniefte, seine Augen huschten nervös hin und her.

— All… versteh doch, Katja brauchte es. Sie hat da ein Projekt… Sie zahlt es mit Zinsen zurück! In einer Woche, sagt sie, stehen wir im Geld!

Alla sah auf den roten Zettel und auf seine zitternden Hände.
— Du hast Katja das Geld gegeben? — fragte sie. — Deiner Schwester, die keinen einzigen Tag gearbeitet hat? Für ein Projekt? Welches Projekt, Pascha? Eine Mistpyramide?

— Schrei nicht! — kreischte Pawel und versuchte, seiner Stimme Selbstsicherheit zu geben. — Das… diese… na, wie heißen die, sie kennt sich aus! Hat gesagt, todsicher: Du investierst zwanzig und bekommst hundert zurück. Wir tun das doch für die Familie! Ich wollte dir Stiefel kaufen!

— Stiefel… — Alla verzog bitter das Gesicht. — Du hast mir keine Stiefel gekauft, Pascha. Du hast mir eine Schlinge um den Hals gekauft. Wir haben nichts zu essen, du Idiot! Siehst du die Hühnerkarkassen? Das ist unser Abendessen für drei Tage.

Pawel zog den Kopf zwischen die Schultern.

— Na, warum fängst du jetzt damit an… Mutter hat angerufen, hat gesagt, hilf deiner Schwester, sie hat ihre Chance im Leben. Ich bin doch ein Mann, ich muss helfen.

— Du bist kein Mann, Pascha. Du bist ein wandelnder Geldbeutel für deine Mama und deine Schwester. Und für uns bist du Ballast. Iss deine Suppe. Schlürf Wasser, das Fleisch lass dem Sohn.

Der Abend verging in Schweigen.

Mischa, der siebenjährige Sohn, aß schnell und rannte in sein Zimmer, um Hausaufgaben zu machen. Er spürte, dass seine Mutter unter Strom stand, und versuchte, nicht aufzufallen.

Alla spülte das Geschirr mit eiskaltem Wasser (das warme war schon vor einer Woche wegen Wartungsarbeiten abgestellt worden, die sich hingezogen hatten), ihre Hände schmerzten.

Sie trocknete die Hände an der Schürze ab und nahm das Telefon.

Sie wählte die Nummer der Schwägerin.

Es klingelte lange, schließlich wurde abgenommen.

— Hallo? — Katjas Stimme klang fröhlich, im Hintergrund dröhnte Musik. — Wer ist da?

— Hier ist Alla, die Frau deines Sponsors.

— Oh, Allotschka! — kicherte Katja. — Warum rufst du an? Willst du gratulieren? Wir haben hier mit Paschka den Deal begossen — na ja, ich habe für ihn getrunken!

— Katja, gib das Geld zurück, wir können die Hypothek nicht bezahlen und haben nichts zu essen.

— Ach, schon wieder dein Gejammer! — die Stimme der Schwägerin wurde quengelig. — Bei dir ist immer alles schlimm, sei keine Kröte, Allka! Geld liebt Leichtigkeit, ich habe es schon investiert. Warte ab, reiche Dame! Bald fährst du einen Mercedes!

— Katja, wenn morgen kein Geld da ist, komme ich vorbei und reiße dir die Haare aus.

— Pfui, wie grob! — schnaubte Katja. — Du bist echt vom Dorf, Allka. Ruf mich nicht an, ich bin beschäftigt.

Besetztzeichen.

Alla schleuderte das Handy auf das Sofa.

— Na, was hat sie gesagt?

— Sie hat gesagt, dass du ein Trottel bist, Pascha, und dass es kein Geld gibt.

— Ach komm schon… Sie gibt es zurück, Katja ist ehrlich, sie hat einfach nur Pech.

— Sie hat Glück, Pascha — sie hat so einen Dummen wie dich. Und wir haben Pech, uns ruft morgen die Bank an.

— Warte, reiche Dame, bald fährst du einen Mercedes! — lachte die Schwägerin ins Telefon.
Ich sah meinen Mann an, der uns das letzte Geld gestohlen hatte, und begriff: Dieses Problem muss ich selbst lösen.

Der Morgen begann nicht mit Kaffee, sondern mit einer SMS von der Bank:
„Sehr geehrter Kunde! Wir erinnern Sie an die planmäßige Zahlung …“

Alla sah auf den Kontostand: 350 Rubel.

Für den Weg zur Arbeit und zurück und für ein Brot.

Sie ging zur Nachbarin, Baba Walja.

Baba Walja öffnete die Tür und hielt einen dicken roten Kater im Arm.

— Waljenka, leih mir fünftausend bis zum Zahltag, ich brauche es dringend.

Baba Walja presste die Lippen zusammen.

— Allotschka, Liebes, woher soll ich die nehmen? Wir selbst haben kaum was zu essen, die Rente kommt erst am Zehnten. Der Enkel war gestern da und hat alles leergeräumt. Nichts da, Kind. Geh lieber ins Pfandhaus, vielleicht kannst du den Ring verpfänden?

Alla sah auf ihren Ehering. Dünn, abgetragen. Dafür bekommt man höchstens anderthalbtausend, das rettet nichts.

— Danke, Baba Walja.

Auf der Arbeit (Alla arbeitete als Verpackerin in einem Apothekenlager) zog sich der Tag endlos hin.

Sie klebte Etiketten auf Kartons: „Vitamine für Schönheit und Jugend“, Preis — 2500 Rubel pro Packung.

Dumme Gedanken schlichen sich ein: „Und wenn ich einen einstecke? Die Sicherheit schläft. Bei Avito für die Hälfte verkaufen … Nein, sie erwischen mich, feuern mich, dann ist endgültig Schluss.“

Das Mittagessen ließ sie aus, es gab nichts. Sie trank Wasser aus dem Spender, um das Knurren im Magen zu übertönen.

Am Abend kam sie nach Hause zurück.

Im Treppenhaus war es dunkel — jemand hatte die Glühbirne herausgedreht.

Sie steckte den Schlüssel ins Schloss, die Tür ging auf.

In der Wohnung war es dunkel und still, kein Licht.

— Pascha? — rief sie.

Stille, nur Schnarchen aus dem Zimmer.

Alla klickte den Schalter, nichts.

Sie ging zum Sicherungskasten im Flur. Dort hing ein Zettel:
„Wegen Nichtzahlung abgeschaltet. Schulden 4800 Rubel. Mosenergo.“

Pascha hatte vergessen zu zahlen. Sie hatte ihm vor einem Monat Geld gegeben, fünftausend. Er hatte gesagt, er habe bezahlt. Und stattdessen … versoffen? Oder auch Katja gegeben?

Sie saß im Dunkeln auf der schmutzigen Fußmatte im Flur.

Aus dem Zimmer kam Mischa.

— Mama, bist du da? Ich kann die Hausaufgaben nicht fertig machen, es ist dunkel und ich habe Hunger.

Alla sah ihren Sohn an.

— Gleich, mein Junge, wir denken uns etwas aus.

Sie stand auf und ging ins Schlafzimmer.

Pawel schlief auf dem Sofa, angezogen. Daneben auf dem Boden lag eine leere Wodkaflasche. Er stank so nach Alkohol, dass es in den Augen brannte.

Er schnarchte pfeifend, die Arme ausgebreitet wie der Herr des Lebens. Ihm war warm unter der Decke, und die Hypothek, das Licht, der hungrige Sohn — alles war ihm egal.

Alla sah ihn an und spürte plötzlich Leere.

In ihr riss die Geduld und die Hoffnung ab, dass sich alles noch zum Guten wenden würde.

Es wird sich nicht wenden.

Morgen berechnet die Bank Strafzinsen, in drei Tagen kommen sie, um die Wohnung zu pfänden. Sie hat keinen Ort, wohin sie gehen kann. Keine Mutter, keinen Vater. Sie werden obdachlos — weil dieser … beschlossen hat, den guten Bruder zu spielen.

Sie wollte die schwere gusseiserne Pfanne aus der Küche nehmen und sie ihm auf den Kopf schlagen. Damit er still ist und aufhört zu schnarchen.

Aber selbst dafür hatte sie keine Kraft.

Alla setzte sich an den Rand des Sofas und heulte leise, lautlos, biss sich in die Faust, um Mischa nicht zu erschrecken.

„Ich bin doch ein Mann, ich muss meiner Schwester helfen!“ — hatte er gestern gebrüllt und unser letztes Geld hergegeben. Und heute schlief er, während man uns den Strom abstellte.
Ich sah die Schlüssel im Flur und begriff: Es gibt einen Ausweg.

Am Morgen stand Alla mit der Morgendämmerung auf.

Ihre Augen waren trocken, rot, böse.

Pawel schlief noch und sabberte ins Kissen.

Alla ging zum kleinen Tisch im Flur.

Dort lagen die Schlüssel.

Die Schlüssel zum Lada Vesta, Paschas Liebling, den er vor drei Jahren auf Kredit gekauft hatte. Er wusch ihn jedes Wochenende, kaufte Duftbäumchen und Sitzbezüge, selbst dann, wenn es zu Hause kein Brot gab.

Alla nahm die Schlüssel.

Sie ging nicht direkt zum Auto, sondern nahm das Telefon.

Sie fand die Visitenkarte, die vor einer Woche im Briefkasten gelegen hatte.

„Autoankauf, jeder Zustand, Geld sofort. Problemfahrzeuge, Unfallwagen, ohne Papiere. Ashot.“

Sie wählte die Nummer.

— Hallo? Ashot?

— Ja, ich höre, Schönheit. Willst du etwas verkaufen?

— Ja. Lada Vesta, Baujahr 2021. Weiß, Zustand perfekt.

— Oh, gutes Auto. Papiere da?

— Der Fahrzeugbrief ist beim Mann, er schläft. Zulassung ist da, Schlüssel sind da, ich brauche es dringend. Nimmst du ihn für Ersatzteile? Oder so, zum Ausschlachten?

— Ohne Fahrzeugbrief wird’s billig, Schwester. Risiko, verstehst du.

— Wie viel?

— Na ja … Hunderttausend, wenn sofort.

Hunderttausend. Das Auto hatte eine Million gekostet. Aber eine Million ist lang — Anzeigen, Besichtigungen, Feilschen. Hunderttausend sind drei Monate Hypothek, Strom und Essen.

— Hundertfünfzehn und du kommst sofort. Abschleppwagen deiner.

— Abgemacht. Schick die Adresse.

Zwanzig Minuten später fuhr ein rostiger Abschleppwagen mit der Aufschrift „Service 24“ in den Hof.

Alla kam im Mantel heraus, über den Bademantel geworfen.

Ashot, ein stämmiger Armenier in einer Lederkappe, ging um das Auto herum und schnalzte mit der Zunge.

— Hör mal, ganz neu! Schade zum Ausschlachten. Vielleicht wacht dein Mann auf und gibt die Papiere? Ich würde dreihundert geben.

— Er wacht nicht auf, — schnitt Alla ab. — Lad auf, Ashot. Ich brauche das Geld jetzt. Das Kind hat nichts zu essen.

Ashot sah auf ihre grauen Wangen und die zitternden Hände.

Schweigend zog er ein Bündel Geld mit Gummiband aus der Tasche.

— Na gut, deine Sache. Hier, hundertfünfzehn.

Alla nahm das Geld, zählte es nach. Schmutzige, zerknitterte Scheine, sie rochen nach Benzin und Schawarma. Für sie rochen sie nach Leben.

— Danke.

Ashot winkte dem Fahrer, die Winde surrte.

Das widerliche, jammernde Kreischen der Winde weckte Pawel.

Er öffnete die Augen, verstand nichts, der Kopf dröhnte.

Er ging zum Fenster.

Und erstarrte.

Seine Schwalbe, seine weiße Schönheit, kroch langsam auf die Plattform des Abschleppwagens. Daneben stand Alla und verbarg etwas unter dem Mantel.

Pawel blinzelte, dachte, er träume, kniff sich — tat weh.

— Neeein! — schrie er so, dass die Scheiben zitterten.

Er stürzte aus der Wohnung, wie er war — in Unterhose und Feinripphemd, barfuß. Rannte die Treppe hinunter.

Er rannte in den Hof.

— Halt! — kreischte er und packte die Bordwand des Abschleppwagens. — Was machst du da?! Das ist Diebstahl! Polizei!

Ashot sah ruhig von oben auf ihn herab.

— He, Mann, geh weg. Die Besitzerin hat verkauft, alles legal.

Pawel drehte sich zu Alla um.

— Du … Du hast mein Auto verkauft?! Bist du verrückt?! Das ist mein Auto, dafür habe ich gespart!

Alla stand ruhig da, die Hände in den Taschen, ihr war nicht kalt — der Zorn wärmte besser als ein Pelz.

— War deins, Pascha, jetzt ist es Hypothek. Du hast doch in die „Zukunft der Familie“ investiert? In Katjas Betrug? Na siehst du, und ich habe in unsere Gegenwart investiert.

— Schlampe! — Pawel stürzte mit Fäusten auf sie zu. — Gib das Geld zurück, hol das Auto zurück!

Alla riss die Hand aus der Tasche. Darin war ein Pfefferspray.

Zisch.

Ein gelber Strahl traf Pawel direkt ins Gesicht.

Er heulte auf, packte sich an die Augen und fiel auf die Knie in den schmutzigen Novembermatsch.

— Aaaah! Meine Augen! Du hast mich geblendet!

— Beruhig dich, Pascha, — sagte Alla. — Ashot, fahr.

Der Abschleppwagen setzte sich in Bewegung und nahm die „Vesta“ mit. Pawel blieb in der Pfütze sitzen und verschmierte Rotz und Dreck im Gesicht.

— Was hast du getan … — heulte er. — Wie soll ich jetzt … Ich bin ein Mann ohne Räder …

— Die Schulden sind bezahlt, Pascha. Geh zu Katja, soll sie dich fahren. Oder frag deine Mutter, sie ist doch reich, bekommt Rente — kauft dir einen Roller.

— Du bist eine Hexe! — zischte er, im Matsch sitzend nach der Begegnung mit meinem Spray.
Ich grinste nur: Hexe oder nicht — heute wird mein Sohn satt sein, und mein Mann bekommt eine Lektion, die er nie vergessen wird.

Alla kehrte nach Hause zurück. Mischa sah sie mit ängstlichen Augen an.

— Mama, Papa hat draußen geschrien …

— Papa ist nur traurig, mein Junge. Man hat ihm sein Spielzeug weggenommen. Zieh dich an, wir gehen einkaufen. Wir kaufen ein Huhn und einen Kuchen.

— Einen Kuchen? — die Augen des Sohnes leuchteten. — Hat jemand Geburtstag?

— Wir, Mischa. Heute ist unser Tag der Befreiung vom Idiotismus.

Sie gingen zur Bank. Alla zahlte die Hypothek, beglich den Strom (mit Strafgebühr).

Sie gingen in den Supermarkt. Kauften ein ganzes Huhn, ein Kilo Kartoffeln, einen Kuchen „Vogels Milch“.

Als sie zurückkamen, saß Pawel in der Küche: schmutzig, nass, die Augen rot vom Pfeffer und von Tränen.

Als er Alla sah, zuckte er zusammen, schwieg aber — er hatte Angst. In ihren Augen sah er etwas, das jeden „Sofakönig“ erschreckt: völlige Gleichgültigkeit gegenüber seinem Schicksal.

Allas Telefon klingelte.

Katja.

— Bist du krank?! — brüllte die Schwägerin ins Telefon. — Pascha hat angerufen, geheult! Du hast ihm das Auto gestohlen! Ich zeige dich an, gib das Auto zurück, Diebin!

— Gibst du fünfzigtausend zurück, sage ich dir, auf welchem Schrottplatz du es suchen kannst, — antwortete Alla ruhig.

— Ich habe nichts! Ich habe es investiert! Du musst mich verstehen!

— Dann muss Pascha eben verstehen, dass zu Fuß gehen gesund ist.

Alla drückte „Auflegen“ und blockierte die Nummer.

Am Abend kam der Strom zurück.

Alla briet das Huhn, die Kartoffeln zischten im Blech, es roch nach Knoblauch und Gemütlichkeit.

Mischa aß Kuchen, verschmierte sich mit Creme und war glücklich.

Von dem Essen breitete sich Wärme im Magen aus, aber in der Seele blieb Eis.

Pawel saß in der Ecke auf einem Hocker. Niemand bot ihm Huhn oder Kuchen an. Vor ihm stand ein Teller Suppe aus Hühnerschultern (von gestern).

Er schwieg.

Er hasste sie mit seinem ganzen kleinen, feigen Inneren. Dafür, dass sie stärker war, ihn gedemütigt und ihm sein Lieblingsspielzeug genommen hatte.

Alla wusste das.

Sie sah auf die Quittung der Hypothekenzahlung.

Die Wohnung ist ihre, der Sohn ist satt — und der Mann …

Ein Mann, der Kindern das Brot wegnimmt, um die Launen seiner Schwester zu finanzieren, soll zu Fuß gehen. Durch den Dreck, in löchrigen Socken.

„Wird er mir verzeihen?“ — dachte Alla. — Nein. Wird er sich rächen? Vielleicht.

— Du bist eine Hexe, Alla.

— Ich bin eine Ehefrau, Pascha. Genau genommen war ich eine.

Sie ging ins Zimmer und schloss die Tür fest hinter sich.

Ist sie glücklich? Nein.

Aber sie hat ein Dach über dem Kopf.

Und Pascha hat Suppe aus Hühnerschultern und reiche Lebenserfahrung. Soll er kauen.

Und jetzt seid ihr dran.

Mädels, gebt es zu: Wem haben die Hände auch schon gejuckt, es genauso zu machen? Wer hat die „Spielzeuge“ des Mannes verkauft (Angelruten, Konsolen, Felgen), um Löcher im Familienbudget zu stopfen, die er selbst gerissen hat?
Oder habt ihr ausgehalten und Suppe aus der Axt gekocht, während er die Verwandtschaft gesponsert hat?

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