Hör auf, dich in meiner Wohnung wie zu Hause aufzuführen! Nimm deine Tochter – und pack deine Sachen und verschwinde von hier! – spuckte ich hervor

Hör auf, dich in meiner Wohnung wie zu Hause aufzuführen! Nimm deine Tochter – und pack deine Sachen und verschwinde von hier! – spuckte ich hervor.

Jana stieg die Treppe hinauf und trug eine Tüte mit Lebensmitteln in den Händen.
Der Arbeitstag war anstrengend gewesen, sie wollte einfach nur nach Hause kommen, duschen und auf das Sofa fallen.
Die Frau schloss die Tür mit dem Schlüssel auf – und blieb wie erstarrt auf der Schwelle stehen.

Aus der Küche waren Stimmen zu hören. Igor und seine Tochter Anja.
Jana zog leise die Schuhe aus und ging in den Flur, während sie dem Gespräch lauschte.

— Papa, schau mal! – Anjas Stimme klingelte vor Aufregung. – Solche Ballons kann man aufhängen! Und hier steht, dass man eine Girlande mit meinem Namen bestellen kann!

— Schön, – antwortete Igor. – Anja, wie viele Leute möchtest du einladen?

— Na, alle Freundinnen aus der Klasse, das sind zehn. Dann noch Mascha vom Tanzen, Dima, die Nachbarin Polina … Das werden so zwanzig Leute!

Jana ging langsam in die Küche und blieb im Türrahmen stehen.
Anja saß am Tisch und hatte vor sich ausgedruckte Bilder ausgebreitet.
Igor stand daneben und betrachtete die Fotos mit der Festdekoration.

— Hallo, – sagte Jana und stellte die Einkaufstüte auf den Boden.

— Oh, Jana! – Igor drehte sich lächelnd um. – Du kommst genau richtig. Anja und ich besprechen gerade ihren Geburtstag. Zeig Jana mal, was du ausgesucht hast.

Das Mädchen reichte der Frau einen Stapel Bilder. Bunte Ballons, festlich gedeckte Tische, Torten mit Figuren.

— Diese Torte gefällt mir, – Anja zeigte mit dem Finger auf ein Foto einer dreistöckigen Torte mit rosa Blumen. – Aber Papa sagt, sie ist teuer. Und diese hier ist billiger, aber auch schön.

Jana blätterte schweigend durch die Bilder und spürte, wie in ihr die Gereiztheit hochkochte.
Sie besprachen einen Geburtstag. In ihrer Wohnung. Ohne sie überhaupt zu fragen.

— Zwanzig Personen sind ziemlich viele, – sagte Jana und legte die Bilder beiseite. – Wo wollt ihr die denn alle unterbringen?

— Na wo wohl? – Igor zuckte mit den Schultern. – Hier. Die Wohnung ist groß, wir bekommen alle unter. Die Tische können wir ins Wohnzimmer stellen, noch einen in die Küche.

Anja nickte eifrig.

— Ja! Papa, können wir auch in meinem Zimmer einen kleinen Tisch aufstellen? Für die Freundinnen, die mit mir spielen werden?

— Natürlich, mein Schatz, – Igor strich seiner Tochter über den Kopf.

Jana stand mit verschränkten Armen da. Der Mann sah sie nicht einmal an.
Er fragte nicht nach ihrer Meinung. Er entschied einfach für sie.

— Papa, und wo hängen wir die Girlande auf? – Anja sprang auf und rannte ins Wohnzimmer. – Hier, über dem Sofa?

Igor folgte seiner Tochter.
Jana blieb in der Küche stehen und ballte die Fäuste. Aus dem Wohnzimmer drangen ihre fröhlichen, aufgeregten Stimmen zu ihr.
Sie planten ein Fest in ihrem Zuhause – ohne auch nur daran zu denken, sie zu fragen.

Die Frau ging ins Wohnzimmer.
Anja hüpfte vor dem Sofa herum und zeigte mit den Händen, wie sie die Dekoration aufhängen wollte.
Igor stand daneben, nickte und stimmte ihr zu.

— Und hier stellen wir die Tische hin, – das Mädchen zeigte auf die Mitte des Zimmers. – Ein großer Tisch für die Erwachsenen und ein kleiner für die Kinder. Nein, warte! Vielleicht lieber zwei Tische für die Kinder? Wir passen doch nicht alle an einen!

— Gute Idee, – Igor hockte sich neben seine Tochter. – Also drei Tische. Einer für die Eltern, zwei für die Kinder. Haben wir genug Stühle?

— Die müssen wir wohl noch kaufen, – überlegte Anja. – Oder wir fragen Oma.

Jana lehnte an der Wand und beobachtete diese Szene.
In ihr brodelte es.
Sie stellten sich imaginäre Tische vor. In ihrer Wohnung.
Sie planten, wo die Gäste sitzen würden. Ohne sie zu fragen.

— Und welche Spiele machen wir? – Igor stand auf und klopfte sich die Knie ab.

— Wir können tanzen! – Anja klatschte in die Hände. – Papa, mach Musik an, ich zeige dir, wie wir das machen!

Der Mann holte sein Handy heraus und schaltete irgendein Lied ein.
Anja begann zu tanzen und zeigte die Bewegungen. Igor lachte und feuerte sie an.
Jana stand mit zusammengebissenen Zähnen da. Jedes Lachen hämmerte ihr schmerzhaft in den Schläfen.

— Anja, und gibt es auch Wettbewerbe? – fragte Igor.

— Klar! – das Mädchen blieb stehen und atmete schwer. – Ich habe im Internet eine Kinder-Rallye gesehen. Man muss in der ganzen Wohnung Hinweise verstecken, und die Kinder suchen sie dann. Papa, hilfst du mir beim Verstecken?

— Natürlich, – Igor legte den Arm um ihre Schultern.

In der ganzen Wohnung.
Jana schloss die Augen und zählte bis zehn.
Nicht ausrasten. Noch nicht.

— Na gut, Anja, wir müssen los, – Igor sah auf die Uhr. – Wir müssen deiner Mama von unseren Plänen erzählen, damit sie auch Bescheid weiß.

— Mama? – Anja runzelte die Stirn. – Wozu?

— Na, sie ist doch auch bei der Feier dabei. Wir müssen besprechen, was wir kochen und wer was übernimmt.

Jana beobachtete schweigend, wie der Mann seine Tochter fertig machte.
Anja zog ihre Jacke an und nahm ihren Rucksack mit den Bildern.
Igor ging hinaus, um das Mädchen bis zum Auto zu begleiten.
Die Frau blieb allein in der Wohnung.

Sie ging durch das Wohnzimmer.
Stellte sich die Tische vor, die Kinder, den Lärm, das Geschrei.
Zwanzig Menschen. In ihrem Zuhause.
In dem Ort, der für sie ein Rückzugsort geworden war – ein Platz, an dem sie sich von der ganzen Welt erholen konnte.

Und nun wollte man ihren persönlichen Raum in einen Ort für ein Kinderfest verwandeln.

Jana trat ans Fenster und sah auf die Straße.
Igor setzte Anja ins Auto, winkte ihr zu und fuhr los.
Er brachte sie zu Olga, seiner Ex-Frau, um die Details zu besprechen. Natürlich.
Alle Entscheidungen wurden ohne Jana getroffen.
Man stellte sie einfach vor vollendete Tatsachen.

Die Frau setzte sich auf das Sofa und legte den Kopf in die Hände.
In ihr wuchs ein Gefühl tiefer Ungerechtigkeit.

Warum hatte niemand sie nach ihrer Meinung gefragt?
Warum entschied ihr Mann, dass er über ihre Wohnung verfügen durfte, als wäre es seine?

Als Igor zurückkam, saß Jana noch immer an derselben Stelle.
Der Mann betrat das Wohnzimmer und zog seine Jacke aus.

— Wir haben alles mit Olga besprochen, – sagte Igor fröhlich. – Sie hilft bei der Organisation. Sie bestellt die Torte, und ich kaufe die Dekoration. Dir bleibt dann nur noch …

— Stopp, – Jana hob den Kopf. – Stopp, Igor.

Der Mann blieb stehen und sah sie an.

— Was?

— Wer hat dir erlaubt, in meiner Wohnung eine Feier zu veranstalten? – Janas Stimme war eiskalt.

— Wie, wer? – Igor runzelte die Stirn. – Jana, es ist doch Anjas Geburtstag. Natürlich feiern wir zu Hause.

— Zu Hause? – die Frau stand auf.
— Igor, das ist nicht dein Zuhause. Das ist meine Wohnung, die ich gekauft habe, bevor wir geheiratet haben.

— Na und? – der Mann breitete die Hände aus.
— Wir sind doch eine Familie. Anja ist meine Tochter, ich will ihr ein schönes Fest machen.

— Mach es, – Jana trat näher. – Aber nicht hier. Miete ein Café, einen Festsaal, einen Raum. Aber nicht meine Wohnung.

— Jana, wovon redest du? – Igor sah sie verständnislos an. – Warum Geld für Miete ausgeben, wenn man doch zu Hause feiern kann?

— Das ist kein Zuhause! – die Frau hob die Stimme. – Das ist meine Wohnung! Und niemand hat mich um Erlaubnis gefragt!

— Mein Gott, was für eine Erlaubnis? – Igor winkte ab. – Das ist eine Familiensache. Anja will eine Feier, ich will meiner Tochter eine Freude machen. Bist du etwa dagegen?

— Dagegen, dass ihr alles ohne mich entschieden habt! – Jana schrie fast. – Du und Anja saßt hier und habt geplant, wo die Tische stehen und wo die Girlanden hängen. Ihr habt mich nicht einmal gefragt!

— Du wirst doch einem Kind nichts abschlagen, – Igor versuchte, ruhiger zu sprechen. – Anja wünscht sich das so sehr.

— Das ist deine Familie, Igor, – sagte Jana kühl. – Aber nicht meine.
Anja ist nicht meine Tochter.
Olga ist nicht meine Freundin.
Und ich bin nicht verpflichtet, mich euren Wünschen zu unterwerfen.

Der Mann wurde bleich.

— Das heißt, du lehnst es ab?

— Ja, – Jana nickte. – Ich bin категорisch gegen die Durchführung dieser Feier hier.

— Jana, das kannst du nicht machen, – Igor trat näher. – Anja hat schon alles geplant. Wir haben uns mit Olga geeinigt. Man kann jetzt nicht einfach alles absagen!

— Man hätte früher fragen müssen, – die Frau verschränkte die Arme. – Bevor ihr angefangen habt zu planen.

— Ich dachte, das versteht sich von selbst! – der Mann wurde laut. – Wir leben zusammen, wir sind eine Familie!

— Du und ich sind eine Familie, – korrigierte Jana. – Aber Anja lebt bei Olga. Wenn du ein Fest willst, dann veranstalte es dort.

Igor drehte sich um und verließ den Raum, wobei er die Tür hinter sich zuschlug.
Jana blieb mitten im Wohnzimmer stehen und atmete schnell und unregelmäßig.

Ihre Hände zitterten.
Doch innerlich spürte sie ein Gefühl von Recht.
Soll er wütend sein. Soll er beleidigt sein.
Aber ihre Grenzen würde sie nicht überschreiten lassen.

Die nächsten Tage vergingen in angespanntem Schweigen.
Igor sprach kaum mit seiner Frau.
Er kam spät nach Hause und ging früh wieder weg.
Jana versuchte nicht, den Kontakt zu verbessern.
Sie lebte einfach ihr Leben und versuchte, nicht an den Konflikt zu denken.

Doch der Mann gab nicht nach. Er telefonierte weiterhin mit Anja und Olga und besprach das Fest. Jana hörte Gesprächsfetzen – über die Torte, über die Dekoration, über die Gäste.

Und jedes Mal, wenn Igor die Wohnung erwähnte, biss die Frau die Zähne zusammen.

Einen Tag vor dem Geburtstag kam Jana früher als sonst von der Arbeit nach Hause. Sie öffnete die Tür – und erstarrte. Im Flur standen Kartons mit Luftballons und Girlanden.

Aus dem Wohnzimmer waren Stimmen zu hören.

Die Frau ging hinein und sah Igor mit Anja. Sie trugen gerade einen klappbaren Tisch ins Zimmer und versuchten, ihn mitten im Wohnzimmer aufzustellen.

— Papa, stell ihn hier hin, – Anja zeigte auf den Platz am Fenster. – Und den zweiten Tisch gleich daneben.

— Genau, – nickte Igor und klappte die Tischplatte auf.

Jana stand im Türrahmen und traute ihren Augen nicht.
Sie hatten Tische gebracht. Sie hatten Dekoration hergeschafft.
Sie bereiteten das Fest vor. Trotz ihres Verbots.

— Was passiert hier? – die Stimme der Frau klang leise, aber hart.

Igor und Anja drehten sich um. Der Mann richtete sich auf und ließ den Tisch los.

— Jana, hallo, – sagte Igor vorsichtig. – Wir bereiten uns hier auf die Feier morgen vor.

— Auf welche Feier? – Jana trat ins Zimmer. – Ich habe doch gesagt, dass es hier keine Feier geben wird!

— Jana, hör mir doch zu, – versuchte der Mann beschwichtigend zu reden. – Anja hat sich so darauf gefreut. Wir haben schon alles organisiert. Jetzt kann man das nicht mehr absagen.

— Ich habe nicht gesagt, dass ihr sie absagen sollt, – Jana trat an den Tisch heran. – Ich habe gesagt: nicht hier.
Aber ihr habt beschlossen, mich einfach zu ignorieren, ja?

— Wir haben nur gedacht … – begann Igor.

— Was habt ihr euch dabei überhaupt gedacht?! – explodierte die Frau. – Seid ihr völlig dreist geworden? Ich habe ganz klar Nein gesagt! Und ihr schleppt hier Tische und Dekoration an und wollt morgen hier einen Riesentrubel veranstalten!

Anja stand an der Wand, ihre Augen füllten sich mit Tränen.

— Tante Jana, aber ich wollte doch so sehr ein Fest … – die Stimme des Mädchens zitterte.

— Das ist nicht mein Problem, – Jana sah das Kind nicht einmal an. – Wenn du ein Fest willst, soll deine Mutter es veranstalten. Bei sich zu Hause.

— Jana! – Igor wurde laut. – Hörst du überhaupt, was du sagst? Das ist ein Kind!

— Ja, das tue ich, – die Frau drehte sich zu ihrem Mann um. – Dein Kind. Aus deiner ersten Ehe. Das bei einer anderen Frau lebt. Und ich bin nicht verpflichtet, ihm Feste zu finanzieren! Und deine Ex in meiner Wohnung zu ertragen!

Anja schluchzte auf und rannte in den Flur. Igor stürzte ihr hinterher.

— Anja, warte!

Jana hörte, wie das Mädchen im Flur weinte. Der Mann sagte etwas zu ihr, versuchte sie zu beruhigen.
Die Frau stand im Wohnzimmer und starrte auf diesen verdammten Tisch. In ihr kochte alles.

Igor kam zurück, sein Gesicht war vor Wut rot.

— Bist du jetzt zufrieden? – zischte er. – Das Kind weint wegen dir!

— Nein, – Jana schüttelte den Kopf. – Wegen dir.
Weil du mein Nein nicht akzeptiert hast.
Weil du beschlossen hast, dass du in meiner Wohnung machen kannst, was du willst!

— Das ist unsere Wohnung! – der Mann schlug mit der Faust auf den Tisch. – Wir leben zusammen!

— Wir sind eine Familie! – Igor wurde lauter. – In einer Familie darf es kein „meins“ und „deins“ geben!

— In einer Familie muss es Respekt geben! – Jana drehte sich zu ihm um. – Du hättest mich fragen müssen!
Mit mir darüber sprechen! Und mich nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen!

— Ich dachte, das versteht sich von selbst! – der Mann breitete hilflos die Hände aus. – Es ist der Geburtstag eines Kindes!

— Es ist nicht mein Kind! – stieß die Frau hervor. – Igor, du hast eine Tochter. Das ist in Ordnung.
Ich habe nichts dagegen, dass du Kontakt zu ihr hast.
Aber zwing mich nicht, die Rolle der Stiefmutter zu spielen, die alles ertragen muss!

— Also bist du gegen Anja? – Igor kniff die Augen zusammen.

— Ich bin dagegen, dass meine Grenzen überschritten werden! – Jana schrie beinahe. – Du hast Tische und Dekoration in meine Wohnung gebracht und willst morgen zwanzig Leute hierher schleppen! Und das alles ohne meine Zustimmung!

Der Mann schwieg und sah auf den Boden.

— Geh, – sagte Jana leise, aber fest. – Sofort. Nimm deine Tochter und geh.

— Jana, lass uns ruhig reden … – versuchte Igor beschwichtigend.

— Nein, – sie schüttelte den Kopf. – Ich will nicht mehr reden. Ich will, dass ihr meine Wohnung verlasst.

— Und was dann? – der Mann verschränkte die Arme. – Lassen wir uns scheiden?

— Ja, – Jana nickte ohne zu zögern. – Ich werde die Scheidung einreichen.
Denn ich will nicht mit einem Menschen zusammenleben, der mich nicht respektiert.

Igor erstarrte, als könnte er nicht glauben, was er gehört hatte.

— Meinst du das ernst?

— Absolut, – die Frau ging zur Tür und riss sie auf. – Geh.

Der Mann blieb noch eine Minute stehen und ging dann langsam in den Flur.
Anja saß auf dem Boden und hatte die Knie an die Brust gezogen.
Igor nahm seine Tochter an der Hand.

— Komm, Anja.

Das Mädchen stand schluchzend auf. Igor zog sich die Jacke an und half seiner Tochter beim Anziehen. Jana stand an der Tür und hielt die Klinke fest. Der Mann trat in den Hausflur, Anja folgte ihrem Vater.

Die Tür fiel ins Schloss. Jana drehte den Schlüssel um und lehnte sich mit dem Rücken an den Türrahmen. Ihr Atem ging schnell, ihre Hände zitterten. Stille legte sich über die Wohnung. Langsam ging die Frau ins Wohnzimmer.

Mitten im Raum stand der Tisch, halb aufgeklappt. An der Wand lagen Kartons mit Luftballons. Jana ging hin, nahm einen Karton und trug ihn in den Flur. Dann den zweiten.

Und den dritten. Den Tisch klappte sie zusammen und stellte ihn an die Wand. Alles, was Igor hereingebracht hatte, sammelte sie zu einem Haufen neben der Wohnungstür.

Als im Wohnzimmer keine Spur der Vorbereitungen mehr zu sehen war, kam die Frau zurück und ließ sich auf das Sofa sinken. Sie sah sich um. Die Wohnung gehörte wieder ihr. Nur ihr. Keine fremden Dinge. Keine Pläne, die ihr ungefragt aufgezwungen wurden.

Jana lehnte sich an die Rückenlehne und schloss die Augen. In ihr herrschte eine seltsame Mischung aus Gefühlen. Wut – auf Igor, der sie nicht gehört hatte. Erleichterung – weil sie endlich ihre Grenzen verteidigt hatte. Traurigkeit – weil alles so geendet war.

Aber Mitleid verspürte sie nicht. Jana wusste: Hätte sie jetzt nachgegeben, wäre es immer wieder so gekommen. Igor hätte alles allein entschieden – und Jana wäre seinen Entscheidungen einfach gefolgt.

Ihre Meinung wäre ignoriert worden, ihr Wohlbefinden wäre missachtet worden. Nein. Lieber allein, aber nach ihren eigenen Regeln.

Das Handy vibrierte. Eine Nachricht von Igor:
„Wir kommen morgen, um die Sachen abzuholen.“

Jana löschte den Chat, ohne zu antworten. Sie stand vom Sofa auf und ging in die Küche. Sie nahm eine Flasche Mineralwasser aus dem Kühlschrank und setzte sich ans Fenster. Draußen wurde es dunkel, die Straßenlaternen gingen an.

Irgendwo dort draußen fuhr Igor mit Anja – wahrscheinlich brachte er seine Tochter zu Olga. Sie würden sich über die böse Stiefmutter beklagen, die das Fest verdorben hatte.

Sollen sie. Jana hatte nicht vor, sich noch zu rechtfertigen. Sie hatte nicht vor, weiter bequem zu sein. Sie hatte ihren Raum, ihre Grenzen verteidigt. Und wenn dafür die Ehe zerbrechen musste – dann war diese Ehe von Anfang an falsch aufgebaut gewesen.

Die Frau ging ins Bad. Sie ließ heißes Wasser ein und gab Schaum dazu. Sie legte sich in die Badewanne und schloss die Augen. Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte sie sich ruhig.

Niemand würde ohne Vorwarnung hereinplatzen. Niemand würde etwas planen, ohne sie zu fragen. Niemand würde ihre Ruhe stören.

Die Wohnung und ihr Leben gehörten jetzt nur noch ihr. Vor ihr lag das Ungewisse, vielleicht auch Einsamkeit. Aber es würde ein ehrliches Leben sein. Ohne Kompromisse, die einen von innen auffressen. Ohne ständige Anspannung und ohne das Warten auf die nächste Grenzüberschreitung.

Jana lächelte und blickte an die Decke. Ja, es würde schwer werden. Scheidung, Papierkram, mögliche Forderungen. Aber all das war zu bewältigen.

Das Wichtigste war: Sie fühlte sich wieder als Herrin ihres eigenen Lebens. Und das war mehr wert als jeder Kompromiss.

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