„Du lässt dich scheiden? Großartig! Dann zahl gefälligst selbst“: Ehefrau geht – und lässt ihren Mann allein mit Schulden und wütender Verwandtschaft

„Du lässt dich scheiden? Großartig! Dann zahl gefälligst selbst“: Ehefrau geht – und lässt ihren Mann allein mit Schulden und wütender Verwandtschaft

— Wir lassen uns scheiden.
Maxim knallte sein Sektglas so auf den Tisch, dass der Schaumwein über die Tischdecke spritzte. Die Gäste erstarrten, Tamara Iwanowna ließ die Gabel aus der Hand gleiten. Wera schnitt ihrem Sohn einen Apfel — fein, in Spalten, den Blick auf das Messer gerichtet.

— Maxim, was redest du da? — Tamara Iwanowna richtete sich auf und strich mit der Hand über die Schweizer Uhr an ihrem Handgelenk. — Ich habe Geburtstag, die Gäste sitzen am Tisch.

— Mama, alles gut. Ich lasse ihr die Wohnung, soll sie mit dem Jungen da wohnen. Ich bin ja kein Unmensch. Und ich ziehe zu Karina — sie ist wenigstens lebendig, kein Roboter.

Seine Schwester Oksana kicherte, in Erwartung eines Skandals. Aber Wera wischte nur das Messer ab und faltete die Serviette.
— Maxim, mach die Banking-App auf.

Er runzelte die Stirn, griff in die Tasche und warf das Handy auf den Tisch.
— Schau. Alles sauber, die Schicht ist rum, Geld ist da.

Wera nahm das Handy, sah auf den Kontostand, nickte.

— Ich sehe es. Aber morgen früh wird eine Rate abgebucht. Hypothek plus der Lkw. Das Geld reicht nicht.
Maxim wurde bleich, riss das Handy an sich.
— Welche Rate denn noch?

— Die Uhr für Mama. Das Festessen. Das Geschenk für Oksana — du hast ihr gestern überwiesen. Die Kreditkartenschulden hast du vorgestern beglichen. Die Zahlungen sind nicht verschwunden.

Tamara Iwanowna presste die Hand um ihr Handgelenk und versuchte, die Uhr zu verbergen. Oksana legte die Gabel hin und stand auf.
— Wera, veräppelst du uns?

— Wera… — Maxim zuckte mit der Schulter, seine Stimme zitterte. — Du hast doch eine gute Bonität. Überbrück das für ein paar Tage, ich zahl’s zurück.

Wera schüttelte langsam den Kopf.
— Du lässt dich scheiden? Perfekt! Dann zahl selbst.
— Wie bitte?

— Genau so. Du bist ein freier Mann. Die Wohnung ist dein Ding, die Entscheidungen sind deine, Karina ist deine. Also zahl selbst. Meine Tage des Rettens und Geradebiegens sind vorbei.

Maxim sprang auf, der Stuhl krachte zu Boden. Er lief im Zimmer hin und her, dann drehte er sich zur Mutter.

— Mama, hörst du? Sie ist meine Frau, sie muss helfen!

Wera wandte sich Tamara Iwanowna zu und sah ihr direkt in die Augen.
— Schöne Uhr. Aber übermorgen kommt noch eine Rate — für Ihr Auto. Der Kredit läuft auf Maxim. Sie können die Uhr im Laden zurückgeben, wenn Sie wollen.

Tamara Iwanowna fuhr auf und packte ihr Handgelenk mit beiden Händen.
— Was?! Maxim, das hast du mir nicht gesagt!

— Mama, das ist doch nichts, ich regel das! — Maxim hetzte zwischen Tisch und Fenster, rote Flecken traten in sein Gesicht. — Wera, hör auf!

Wera stand auf und ging zur Garderobe. An der Tür stand ein Koffer — längst gepackt. Maxim erstarrte.
— Du… hast das vorher geplant?

— Ich habe nur gerechnet, Maxim. Ich bin Buchhalterin, das ist nicht schwer. — Sie zog den Mantel an und knöpfte ihn zu. — Den Scheidungsantrag stell, wann du willst. Der Unterhalt für Denis wird automatisch vom Gehalt abgezogen — ein Viertel. Plus die Kredite. Rechne aus, was dir dann noch für Karina und den Wodka bleibt.

Denis stand an der Tür, den Rucksack auf den Schultern. Er sah seinen Vater nicht an.

Tamara Iwanowna packte ihren Sohn am Ärmel.
— Maxim, ist dir klar, dass morgen alles abgebucht wird? Soll ich mit der Uhr ins Pfandhaus? Das Auto verkaufen?

Oksana beugte sich vor, ihre Stimme wurde scharf.
— Max, du hast mir gestern Geld für Nägel gegeben, ich bin schon eingetragen! Gib mir wenigstens das zurück!

Maxim zuckte zusammen und starrte Wera an.
— Du kannst nicht gehen! Du musst helfen, wir sind eine Familie!

Wera drehte sich auf der Schwelle um, sah lange — müde, ruhig.


— Familie, Maxim, ist, wenn man zusammen ist. Du hast Karina gewählt. Dann leb mit ihr.

Die Tür schloss sich leise. Tamara Iwanowna schluchzte und riss die Uhr vom Handgelenk, Oksana tippte hektisch etwas ins Handy. Maxim sank auf den Stuhl und vergrub das Gesicht in den Händen.

Der Morgen begrüßte Maxim mit einem Anruf der Bank. Er hatte verschlafen — nach dem Weggang der Gäste hatte er sich betrunken.

— Wir informieren Sie, dass die Zahlung nicht ausgeführt werden konnte. Bitte zahlen Sie den Betrag innerhalb von drei Tagen ein, andernfalls werden Verzugszinsen berechnet.

Maxim setzte sich auf und starrte aufs Handy. Er erinnerte sich — Wera, der Koffer, Denis an der Tür, die Mutter mit der Uhr. Alles kam auf einmal zurück.

Er rief Wera an. Einmal, zweimal, dreimal. Sie ging nicht ran. Er schrieb: „Komm zurück, wir reden normal.“ Dann: „Meinst du das ernst?“ Dann nur noch: „Wera“. Gelesen. Keine Antwort.

Maxim schleuderte das Handy weg und ging durch die Wohnung. Sie war leer — nicht im Sinne von Möbeln, sondern von Anwesenheit. Kein Cremegeruch am Nachttisch, keine Kinderschlappen an der Tür, kein Tablet am Ladegerät.

Das Handy klingelte wieder. Seine Mutter.
— Maxim, ich hab nachgedacht — vielleicht gehst du mit der Uhr ins Pfandhaus? Oder du bittest Karina, wenn sie so fröhlich ist? Das Auto verkaufe ich nicht, ich brauche es.

Er schwieg und umklammerte das Telefon so fest, dass seine Knöchel weiß wurden.
— Hörst du? Du hast dir die Kredite aufgeladen, und jetzt soll ich das ausbaden?…

— Ich kümmere mich darum, — presste er hervor und legte auf.

Ich kümmere mich darum. Wie denn? Unterhalt, Kredite — am Ende reicht es höchstens noch für ein Monatsticket. Karina? Er hatte ihr gestern geschrieben, dass er Hilfe mit Geld brauche. Sie war für ein paar Stunden verschwunden, dann kam eine ausweichende Antwort über eine schwierige Phase.

Gegen Mittag hielt Maxim es nicht mehr aus und fuhr zu Karina. Am Kiosk kaufte er Blumen — billige Chrysanthemen, mehr Geld hatte er nicht.

Karina öffnete nicht sofort. Sie trug einen Morgenmantel, ungeschminkt, die Haare zu einem schlampigen Knoten gebunden. Sie sah müde aus — und überhaupt nicht froh.

— Maxim, ich hab dir geschrieben — lass uns nichts überstürzen.

— Ich wollte dich einfach sehen. — Er hielt ihr die Blumen hin, doch sie nahm sie nicht, verschränkte die Arme vor der Brust.

— Hör zu, ich bin dazu nicht bereit. Du hast einen Berg Probleme — Scheidung, Kredite, ein Kind. Das brauche ich nicht. Ich bin zweiunddreißig, ich will leicht leben und nicht fremde Trümmer wegräumen.

— Ich regel alles, gib mir nur Zeit!

Karina seufzte und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. In ihren Augen sah Maxim etwas, das er vorher nicht bemerkt hatte — Gleichgültigkeit.

— Du bist wirklich toll. Aber ich brauche einen Mann, der schon alles geregelt hat — nicht einen, der es erst noch vorhat. Tut mir leid.

Sie schloss die Tür. Sanft, fast lautlos — aber endgültig.

Maxim stand mit den Blumen in der Hand da und starrte auf die geschlossene Tür. Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde er verlassen. Nicht er ging, nicht er entschied — man stellte ihn vor die Tür wie ein überflüssiges Ding.

Am Abend klingelte in der Wohnung wieder das Telefon. Tamara Iwanowna.

— Ich hab die Uhr ins Pfandhaus gebracht. Ich habe ein Drittel von dem bekommen, was sie wert war. Das deckt eine Rate. Eine, Maxim. Der Rest ist dein Problem.

Sie legte auf, ohne eine Antwort abzuwarten. Eine Minute später schrieb Oksana: „Bruder, ich meine es ernst. Gib mir das Geld für die Nägel zurück. Ich brauche es selbst.“

Maxim saß auf dem Sofa in der leeren Wohnung und starrte an die Decke. Wera antwortete nicht, Karina hatte die Tür zugemacht, die Mutter hatte sein Geschenk ins Pfandhaus gebracht, die Schwester verlangte ihre Kleingeldsumme zurück. Alles, was er für seins gehalten hatte — die Wohnung, die Freiheit, das neue Leben — war zur Falle geworden.

Er öffnete die Banking-App und sah auf den Restbetrag. Nach allen Raten und dem Unterhalt blieb ihm weniger, als er früher an einem Wochenende ausgab. Für Benzin, Essen, Tabak — und das war’s. Keine Karina, kein leichtes Leben.

Maxim rief Wera noch einmal an. Diesmal ging sie ran — nach langem Klingeln, fast im letzten Moment.

— Was? — Die Stimme war kalt, fremd.

— Wera, lass uns treffen. Ich hab alles verstanden. Ich war ein Idiot. Komm zurück.

Eine Pause. Lang, schwer.

— Nein.

— Wie nein? Ich hab doch meinen Fehler eingesehen!

— Maxim, du hast dich nicht geirrt. Du bist aufgeflogen. Das sind zwei verschiedene Dinge.

Sie legte auf. Maxim saß da, starrte auf den erloschenen Bildschirm und spürte zum ersten Mal seit vielen Jahren, dass er sich selbst in die Enge getrieben hatte. Mit seinen Entscheidungen, mit seiner Sicherheit, dass sich schon alles von allein regeln würde.

Wera saß mit Denis bei ihrer Mutter auf dem Sofa. Sie schauten einen Zeichentrickfilm, der Sohn schlief schon halb, an ihre Schulter gelehnt. Das Telefon lag neben ihr, mit dem Display nach unten, vibrierte immer wieder — Maxim schrieb, rief an, schrieb erneut.

— Mama, bleiben wir jetzt hier? — murmelte Denis schläfrig.

— Vorläufig ja. Später finden wir etwas Eigenes.

— Und Papa?

Wera strich ihm über den Kopf und zog ihn näher an sich.

— Papa wird dich sehen, wenn er will. Aber wir beide sind nicht mehr zusammen.

Denis nickte und schaute wieder zum Fernseher. Wera wusste: Es ist schwer für ihn, innen dreht sich alles um — aber er schweigt, will niemanden traurig machen. Und genau das tat am meisten weh: zu begreifen, dass ein Kind bereits lernt, den Schlag wegzustecken.

Das Telefon vibrierte ein letztes Mal. Wera nahm es, sah auf den Bildschirm: „Wera, ich hab alles verstanden. Verzeih. Komm zurück.“

Sie las es, sperrte ihn und legte das Telefon wieder weg. In der Küche der Mutter roch es nach Suppe, draußen wurde es dunkel, Denis schnaufte neben ihr. Wera schloss die Augen und atmete aus — lange, langsam, als würde sie alles aus sich herauslassen, was sich über Jahre angestaut hatte.

Maxim blieb dort — mit den Krediten, der wütenden Mutter, der Schwester, die ihr Kleingeld zurückforderte, und Karina, die die Tür geschlossen hatte. In der Wohnung, die nun kein Zuhause mehr war, sondern ein Käfig. Und sie war hier — mit ihrem Sohn, mit ihrer Ruhe. Und zum ersten Mal seit vielen Jahren war diese Ruhe keine Maske, sondern Wahrheit.

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