— Ich hatte meiner Mutter dieses Geld versprochen! Bring alles zurück in den Laden! — empörte sich der Mann.

Der Staubsauger war im Oktober kaputtgegangen. Ein altes Gerät, mit Kabel, das schon lange nicht mehr richtig zog, mit einem Staubbeutel, den man über dem Mülleimer ausklopfen musste, während man fast am Staub erstickte.
Marina hatte ihn morgens vor der Arbeit eingeschaltet. Er brummte etwa fünf Minuten, dann gab es ein seltsames Knacken — und er verstummte. Es roch nach Verschmortem. Sie zog den Stecker aus der Steckdose, öffnete die Balkontür, um den Geruch herauszulassen, und stellte den Staubsauger in die Ecke des Flurs. Dort stand er nun schon den dritten Monat.
Jetzt fegte sie. Mit einem ganz normalen Besen, und danach wischte sie die Böden mit dem Mopp. Wie früher in der Kindheit bei der Großmutter auf dem Dorf. Nur war die Wohnung nicht auf dem Dorf — eine Dreizimmerwohnung im Plattenbau, zweiundsiebzig Quadratmeter, zwei Teppiche, Linoleum in Küche und Flur, Laminat in den Zimmern. Mit dem Besen wurde es natürlich nicht perfekt, aber was sollte sie machen.
— Witja, sollen wir nicht doch einen Staubsauger kaufen? — fragte sie eines Abends, als ihr Mann mit dem Handy auf dem Sofa saß.
Er hob nicht einmal den Blick.
— Jetzt ist nicht die Zeit dafür.
— Wie „nicht die Zeit“? Ich putze seit zwei Monaten mit dem Mopp.
— Marina, hab Geduld. Mama geht’s wieder schlecht. Der Arzt hat neue Medikamente verschrieben, teuer. Dazu Massagen, irgendwelche Anwendungen. Sie braucht das Geld gerade dringender.
Marina wischte sich die Hände am Küchentuch ab und setzte sich auf die Sofakante.
— Und wie lange soll ich noch geduldig sein?
— Ich weiß nicht. Bis sich ihr Zustand stabilisiert.
Sie schwieg, dann sagte sie vorsichtig:
— Hör zu… vielleicht kaufe ich ihn selbst. Von meinem Gehalt. Ich lege jeden Monat etwas zurück.
Viktor riss endlich den Blick vom Bildschirm los und sah sie an.
— Mach doch, was du willst, mit deinem Geld. Ich hab nichts dagegen.
— Wirklich?
— Hab ich doch gesagt.
Marina nickte und ging in die Küche, um Tee aufzubrühen. In ihrer Brust zog sich etwas zusammen — ob Erleichterung oder Kränkung, konnte sie nicht sagen. Sie begann im Kopf zu rechnen, wie viel sie zurücklegen könnte. Ein großer Teil ihres Gehalts ging für Lebensmittel drauf, die sie selbst kaufte, außerdem für die Monatskarte und Kleinkram.
Wenn sie sparte, würde es gehen. In einem halben Jahr käme genug zusammen für einen ordentlichen Saugroboter mit Wischfunktion. Mit Absaugstation, damit er den Schmutz selbst entleert und das Wischtuch ausspült. Sie hatte solche Geräte im Internet gesehen, abends Rezensionen gelesen, wenn Viktor schon schlief und sie mit dem Handy dalag, unfähig einzuschlafen.
Der Gedanke an den Saugroboter wärmte sie. Er würde durch die Wohnung fahren, während sie bei der Arbeit war, und wenn sie heimkäme, wäre alles sauber. Keine Wochenenden mehr für Putzen. Sie könnte sich ausruhen, lesen oder einfach nur daliegen. Wann hatte sie zuletzt einfach nur gelegen, ohne etwas zu tun?
Der November war schwer. Die Schwiegermutter, Walentina Petrowna, fühlte sich tatsächlich schlecht — sie rief Viktor jeden Abend an, klagte über das Herz, über den Blutdruck, über Atemnot. Er fuhr zweimal pro Woche zu ihr, kaufte Medikamente, brachte sie zu Ärzten. Marina beobachtete schweigend, wie ihr gemeinsames Budget immer dünner wurde.
— Noch zehntausend brauchen wir, — sagte er eines Morgens beim Frühstück. — Für ein EKG und einen Ultraschall. In der Poliklinik ist die Warteliste einen Monat, aber privat nehmen sie sofort.
Marina nickte und strich Butter auf das Brot.
— Nimm von der Karte.
— Da ist fast nichts mehr.
— Wie lange noch bis zum Gehalt?
— Anderthalb Wochen.
Sie holte das Portemonnaie aus der Tasche, zählte fünf Tausender-Scheine ab.
— Hier. Den Rest… kriegen wir schon irgendwie hin.
Viktor nahm das Geld und steckte es in die Jackentasche.
— Danke. Ich geb’s dir zurück.
Aber er gab es nicht zurück. Marina hatte es auch nicht erwartet.
Im Dezember passierte etwas, womit sie nicht gerechnet hatte. Auf der Arbeit wurde angekündigt, dass es zum Jahresabschluss Prämien geben würde. Marina arbeitete als Ökonomin in einer kleinen Baufirma, und Prämien waren dort nichts Garantiertes. Aber dieses Jahr liefen die Projekte gut, und der Direktor wollte die Mitarbeiter belohnen.
Am dreiundzwanzigsten Dezember, an einem Freitag, wurde sie zum Direktor gerufen. Er reichte ihr einen weißen Umschlag.
— Frohes neues Jahr. Für gute Arbeit.
Marina verließ das Büro und drückte den Umschlag an die Brust. Auf der Toilette schloss sie sich in einer Kabine ein und riss ihn mit zitternden Händen auf. Sie zählte die Scheine. Siebzigtausend. Sie schloss die Augen und lehnte die Stirn gegen die kalte Wand. Siebzigtausend. Das reicht für genau den Staubsauger, den sie schon im November ausgesucht hatte. Mit Basisstation, mit Wischfunktion, mit App am Handy. Neunundvierzigtausendneunhundert. Und es bliebe sogar noch etwas übrig.
Den ganzen Abend war sie wie auf Flügeln. Sie putzte und summte vor sich hin, kochte Abendessen, lächelte Viktor an, der irgendwas von der Arbeit erzählte. Der Umschlag lag in ihrer Tasche, in einem versteckten Reißverschlussfach.
— Was ist mit dir los? — fragte er, als sie schlafen gingen.
— Ich hab einfach gute Laune. Bald ist Silvester.
— Na ja.
Er drehte sich auf die Seite und schnarchte nach einer Minute schon leise. Marina dagegen lag da, starrte in die Dunkelheit und spielte den nächsten Tag im Kopf durch. Samstag. Morgens schlafen sie sonst bis zehn, dann Frühstück, und dann könnten sie ins Einkaufszentrum fahren. Dort gab es einen großen Elektronikmarkt; sie wusste schon, auf welcher Etage und in welcher Abteilung ihr Staubsauger stand. Lieferung am selben Tag, wenn man vor Mittag bestellt. Am Abend würde sie ihn schon starten und zusehen, wie er um die Möbel herumfährt, den Boden wischt und saubere Spuren hinterlässt.
Am Morgen wachte sie früher auf als Viktor. Leise zog sie sich an, ging in die Küche, kochte Kaffee. Sie setzte sich an den Tisch, nahm die Tasche, öffnete das versteckte Fach.
Der Umschlag war leer.

Sie schüttelte ihn, rüttelte daran. Nichts. Sie durchsuchte alle Fächer der Tasche, krempelte das Futter um. Nichts. Ihr Herz hämmerte so stark, dass es in den Ohren rauschte. Sie ging zurück ins Schlafzimmer und machte das Licht an.
— Witja. Witja, wach auf.
Er brummte etwas und schirmte die Augen mit der Hand ab.
— Was ist?
— Das Geld. Aus meiner Tasche. Wo ist es?
Er schwieg kurz, dann setzte er sich im Bett auf und rieb sich das Gesicht.
— Ach, du meinst die Prämie?
— Ja. Wo ist sie?
— Ich hab sie genommen.
Marina stand mitten im Zimmer, den leeren Umschlag in der Hand.
— Wie… genommen?
— Na ja, Mama brauchte es. Sie wollte eine Kur im Sanatorium bezahlt bekommen. Der Arzt hat es empfohlen, sagt, das würde guttun. Fürs Herz, für die Nerven. Ich hab mir die Angebote angeschaut, ein gutes gefunden, bei Moskau. Sechzigtausend für zwanzig Tage. Da hat deine Prämie genau gepasst.
Marina schwieg. Sie brachte kein Wort heraus.
— Ich dachte, du hast nichts dagegen, — fuhr Viktor fort und sah zu ihr hoch. — Du sagst doch selbst immer, dass man der Mutter helfen muss. Und überhaupt, das sind doch nicht so große Summen, du verdienst noch mehr.
Ihre Stimme klang seltsam, als wäre sie nicht ihre eigene:
— Du hast mein Geld genommen. Ohne zu fragen.
— Na, entschuldige. Ich dachte, du verstehst das. Mama ist doch krank.
— Und du hast es für ein Sanatorium ausgegeben.
— Nicht ihr gegeben — ich hab die Kur bezahlt. Sie fährt im Januar.
Marina drehte sich um und ging aus dem Zimmer. Sie zog die Jacke an, schlüpfte in die Stiefel.
— Wo gehst du hin?! — rief Viktor aus dem Schlafzimmer.
Sie antwortete nicht. Sie verließ die Wohnung, fuhr mit dem Aufzug hinunter, ging nach draußen. Es war ein frostiger, sonniger Tag, der Schnee knirschte unter den Füßen. Sie ging schnell, ohne auf den Weg zu achten, bis sie an einer Haltestelle stand. Sie stieg in den ersten Kleinbus, fuhr zum Einkaufszentrum.
Im Elektronikmarkt war es fast leer — Samstag, viele schliefen nach den Neujahrsfeiern noch aus. Marina ging zur Staubsaugerabteilung, fand das gewünschte Modell und rief einen Berater.
— Ich möchte den hier nehmen.
— Eine ausgezeichnete Wahl. Bar oder mit Karte?
— Auf Kredit.
— Kein Problem. Haben Sie Ihren Ausweis dabei?
Eine halbe Stunde später verließ sie den Laden mit dem Vertrag in der Hand. Die Lieferung wurde für den Abend zugesagt. Kredit über zwölf Monate, monatliche Rate viertausendfünfhundert. Sie würde es schaffen. Sie würde bei sich selbst kürzen — und es schaffen.
Zu Hause saß Viktor in der Küche, mit finsterer Miene.
— Wo warst du?
— Im Laden.
— Wofür?
— Ich hab einen Staubsauger gekauft.
Er fuhr hoch.
— Was?! Was für ein Staubsauger? Von welchem Geld?
— Auf Kredit.
— Bist du völlig…?! — Viktor sprang so abrupt auf, dass der Stuhl umkippte. — Du hast einen Kredit aufgenommen? Für einen Staubsauger?! Hast du überhaupt noch alle Tassen im Schrank?…
Marina nahm ruhig die Jacke ab und hängte sie an den Haken.
— Doch.
— Wie konntest du nur?! Ich hatte dieses Geld meiner Mutter versprochen! Bring alles zurück in den Laden! — empörte sich der Mann und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Sie drehte sich zu ihm um. Zum ersten Mal seit vielen Jahren sah sie ihn lange, aufmerksam an. Sie bemerkte die roten Flecken an seinem Hals, die hervortretende Ader an der Stirn, die geballten Fäuste. Sie sah einen Mann, dem das Geld seiner Mutter wichtiger war als ihr Leben als Ehefrau — drei Monate Putzen mit dem Wischmopp. Einen Mann, der es für normal hielt, in ihre Tasche zu greifen und das Geld zu nehmen, das sie selbst verdient hatte.
— Welche „Gelder“, die du deiner Mutter versprochen hast? — fragte sie leise.
— Ich habe versprochen, ihr zu helfen! Glaubst du, wenn sie ins Sanatorium fährt, ist sie sofort gesund?
— Mein Geld. Meine Prämie, — wiederholte Marina. — Die ich verdient habe. Die ich für meine Arbeit bekommen habe. Dieses Geld hast du deiner Mutter versprochen?
— Was macht das denn für einen Unterschied, wessen Geld das ist! Wir sind doch Familie, wir teilen alles!
— Wir teilen, — nickte sie. — Und als ich einen Staubsauger brauchte, hast du gesagt: „Mach, was du willst, mit deinem Geld.“ Erinnerst du dich?
Viktor blinzelte verwirrt.
— Das war was anderes.
— Warum war das anders?
— Weil Mama krank ist! Sie braucht wirklich Behandlung!
— Ein Sanatorium ist keine Behandlung. Das ist eine Empfehlung vom Arzt, wenn man die Möglichkeit hat. Untersuchungen und Medikamente — ja, das ist notwendig, und dafür habe ich nie Geld gescheut. Aber deine Mutter fährt jedes Jahr in Sanatorien und Kurhäuser. Letztes Jahr war sie in Kislowodsk, davor in Schelesnowodsk. Und jedes Mal ist das unser gemeinsames Geld. Und mein Staubsauger — das ist Luxus, ja?
— Warum hängst du dich so an diesem Staubsauger auf?!
— Ich hänge mich nicht auf! — Zum ersten Mal in dem ganzen Gespräch hob Marina die Stimme. — Ich will einfach normal die Wohnung sauber halten! Ich bin diese Wischerei leid! Ich bin es leid, nach der Arbeit nach Hause zu kommen und drei Stunden zu putzen! Das ist doch ein elementares Stück Alltagserleichterung!
— Du hättest mich fragen müssen!
— Dich fragen? — sie verzog spöttisch den Mund. — Und hast du mich gefragt, als du das Geld aus meiner Tasche genommen hast?
Viktor öffnete den Mund, schloss ihn, öffnete ihn wieder.
— Ich dachte, du würdest es verstehen.
— Nein, — sagte Marina. — Das werde ich nicht. Und weißt du was? Dann lass uns das gleich fest abmachen. Ab jetzt kaufe ich von meinem Gehalt — so wie du gesagt hast — alles, was ich will. Für mich. Für mich selbst. Für den Haushalt, wenn ich es für nötig halte. Und du unterhältst deine Mutter von deinem Gehalt. Alle ihre Sanatorien, Anwendungen, Massagen — aus deiner Tasche. Abgemacht?
— Das ist unfair! Ich verdiene weniger!
— Aber was geht das deine Mutter an? Sie ist doch deine Mutter, nicht meine.
— Sie ist deine Schwiegermutter!
Marina schüttelte den Kopf.

— Nein. Sie ist deine. Ich helfe ihr, weil das richtig ist, menschlich. Aber ich werde mir nicht länger alles verkneifen, damit sie sich in Sanatorien gutgehen lassen kann. Medikamente — ja. Ärzte — ja. Aber das Sanatorium ist ihre persönliche Laune. Und deine. Also: Entweder du bezahlst das von deinem Geld, oder du sagst es ihr ab. Aber nicht mehr auf meine Kosten.
Sie standen sich gegenüber, auf zwei Seiten der Küche. Es roch nach abgekühltem Kaffee. Draußen lachte jemand — Kinder bauten im Hof einen Schneemann.
— So läuft das nicht, — sagte Viktor schließlich. — Wir sind doch eine Familie.
— Eben. Eine Familie. Wir zwei. Und deine Mutter ist erweiterte Familie. Ich bin bereit zu helfen, aber in vernünftigen Grenzen.
Viktor ging an ihr vorbei, griff nach seiner Jacke.
— Ich muss raus. Nachdenken.
Die Tür knallte. Marina blieb allein. Sie setzte sich mitten in der Küche auf den Boden, lehnte den Rücken an den Kühlschrank. Ihre Hände zitterten. Sie erkannte sich selbst nicht wieder. Noch nie hatte sie so scharf, so hart mit ihm gesprochen. Sonst hatte sie immer nachgegeben, zugestimmt, genickt.
Vielleicht war es falsch? Vielleicht hatte er recht und sie war egoistisch?
Nein. Sie strich mit der Hand über den Boden, über das Linoleum, das sie die letzten drei Monate mit dem Mopp geschrubbt hatte. Über den Boden, auf dem in ein paar Stunden ihr Staubsauger fahren würde. Ihrer. Von ihr verdient. Auf Kredit genommen, den sie selbst abbezahlen würde.
Am Abend, als der Staubsauger geliefert wurde und Marina ihn auspackte, kam Viktor zurück. Wortlos ging er ins Zimmer, legte sich aufs Sofa und starrte ins Handy. Sie beendete die Installation, richtete die App ein und startete die erste Reinigung. Der Roboter summte geschäftig los, rollte durch die Zimmer und wich Hindernissen aus.
Marina stand mitten im Wohnzimmer und sah ihm bei der Arbeit zu. Ihr Herz war schwer — und zugleich seltsam ruhig.
Am nächsten Tag redeten sie nicht miteinander. Viktor ging morgens zu seiner Mutter und kam spät abends zurück. Marina kochte Abendessen, er setzte sich, aß schweigend und ging ins Zimmer. So vergingen drei Tage.
Am vierten sagte er:
— Wir müssen reden.
Sie setzten sich an den Küchentisch. Marinas Hände wurden eiskalt.
— Ich habe nachgedacht, — begann Viktor, ohne sie anzusehen. — Vielleicht hast du recht. Wegen des Geldes. Lass uns die Ausgaben wirklich trennen. Ich — meins, du — deins. Miete halb und halb, Lebensmittel halb und halb. Den Rest entscheidet jeder selbst, wofür er sein Geld ausgibt.
Marina nickte.
— Gut.
— Also ist es abgemacht?
— Ja.
Sie schwiegen.
— Und was jetzt? — fragte sie.
— Ich weiß nicht, — antwortete er ehrlich. — Wir werden sehen.
Ein Monat verging. Sie führten eine Ausgabentabelle, legten zusammen für gemeinsame Kosten, und jeder gab sein eigenes Geld aus. Marina zahlte den Kredit für den Staubsauger ab. Zuhause wurde es sauberer — der Roboter reinigte täglich; sie hatte ihn über die App auf eine tägliche Reinigung programmiert, während sie bei der Arbeit war. Aber die Gespräche wurden karger. Sie redeten über Rechnungen, Einkäufe, Haushalt — sonst über nichts. Sie fragten einander nicht mehr, wie der Tag gewesen war. Sie machten keine Pläne.
Eines Abends rief Walentina Petrowna an und lud sie zu ihrem Geburtstag ein. Marina sagte, natürlich komme sie. Viktor nickte auch.
Im Auto fuhren sie schweigend. Marina sah aus dem Fenster auf die verschneiten Straßen, auf die gelben Laternenlichter. Sie dachte daran, dass sie inzwischen waren wie zwei Mitbewohner: höflich, beherrscht, fremd.
Bei der Schwiegermutter war es warm, es roch nach Piroggen. Walentina Petrowna begrüßte sie lächelnd und küsste beide auf die Wange. Am Tisch saßen ihre Schwester mit Mann, eine Freundin, eine Nachbarin. Marina half beim Decken, schnitt Salate, goss Getränke ein.
— Wie geht’s euch? — fragte Walentina Petrowna, als sie in der Küche kurz allein waren.
— Gut, — antwortete Marina.
— Witja ist in letzter Zeit so finster.
— Wahrscheinlich die Arbeit.
Die Schwiegermutter sah sie lange an.
— Streitet ihr euch?
— Nein. Alles in Ordnung.
Aber eine erfahrene Frau ließ sich nicht täuschen. Walentina Petrowna seufzte.
— Ich weiß doch, dass er viel Geld für mich ausgibt. Gibt es deswegen Streit?
Marina erstarrte, das Messer über der Möhre.
— Wir haben es geregelt. Jetzt entscheidet jeder selbst über sein Geld.
— Aha, — die Schwiegermutter nickte. — Vielleicht ist das sogar besser so. Ich habe ja gar nicht darum gebeten, ins Sanatorium geschickt zu werden. Witka hat selbst entschieden, dass ich das unbedingt brauche. Ich sage: Ich komme auch ohne Kurorte zurecht, ich habe meine Medikamente. Aber er besteht darauf.
Marina legte das Messer langsam hin.
— Sie haben nicht darum gebeten?
— Was für ein Sanatorium denn? Ich würde lieber einfach ruhig zuhause sitzen. Aber mein Sohn ist stur. Er hat entschieden, dass das besser ist — und damit basta.
Auf dem Heimweg sah Marina Viktor an. Er fuhr, sagte kein Wort, mürrisch, müde. Und plötzlich tat er ihr leid. Dieser sture Mensch, der für alle entschied, was sie brauchen. Für die Mutter, für die Frau. Ohne zu fragen, ohne sich abzusprechen — er entschied und handelte einfach.

— Deine Mutter hat gesagt, sie wollte gar nicht ins Sanatorium, — sagte Marina.
Viktor umklammerte das Lenkrad fester.
— Na und? Ich finde, es tut ihr gut.
— Witja, — sie seufzte. — Verstehst du überhaupt, dass das Problem nicht das Geld war?
— Sondern?
— Dass du für mich entscheidest. Für deine Mutter. Du nimmst mein Geld, ohne zu fragen. Du schickst sie irgendwohin, ohne zu prüfen, ob sie das überhaupt will. Du machst einfach, was du für richtig hältst — und fertig.
Er schwieg. Dann sagte er:
— Ich wollte nur helfen.
— Ich weiß. Aber so geht das nicht.
Sie kamen nach Hause, stiegen in ihren Stock. In der Wohnung stand der Staubsaugerroboter ruhig auf der Station und lud. Marina schaltete den Wasserkocher ein und stellte Tassen heraus.
— Wollen wir von vorn anfangen? — fragte sie.
— Wie?
— Ich weiß nicht. Aber so können wir nicht weitermachen. Wir sind zu Fremden geworden.
Viktor setzte sich auf einen Stuhl und rieb sich das Gesicht.
— Entschuldige. Dass ich das Geld ohne zu fragen genommen habe.
— Und du entschuldige mich. Für meine Schärfe.
Sie tranken Tee, einander gegenüber. Schweigend — aber nicht mehr so kalt wie zuvor. Etwas taute ein wenig auf.
— Ist schon ein praktisches Ding, — sagte Viktor und nickte in Richtung Staubsauger.
Marina lächelte.
— Ja. Sehr praktisch.
Vor ihnen lag etwas Ungewisses. Vielleicht würden sie lernen, neu miteinander zu sprechen, sich zu einigen, die Grenzen des anderen zu respektieren. Vielleicht würden sie begreifen, dass schon zu viel zerbrochen war. Aber jetzt saßen sie zusammen, tranken Tee — und das war der Anfang von etwas. Was genau, würde die Zeit zeigen.