— Raus aus deiner Wohnung! fuhr die Geliebte Margarita an. — Ich habe mit deinem Mann eine Familie, wir werden hier leben.

Margarita blätterte gerade langsam die Seiten eines alten Fotoalbums um, als es plötzlich schrill an der Tür klingelte. Sie legte das Album auf den Couchtisch und ging zur Tür, verwundert, wer um diese Zeit kommen konnte. Auf der Schwelle stand eine junge Frau in einem knallroten Kleid, mit auffälligem Make-up und einem hochmütigen Lächeln auf den Lippen.
— Sind Sie Margarita? fragte die Unbekannte und musterte die Hausherrin abschätzend.
— Ja, und wer sind Sie?
— Ich bin Kristina. Darf ich reinkommen? Wir müssen reden.
Margarita trat widerwillig zur Seite und ließ die Besucherin in den Flur. Kristina ging, ohne eine Einladung abzuwarten, ins Wohnzimmer, setzte sich aufs Sofa und schlug lässig ein Bein über das andere.
— Ich bin gekommen, um Ihnen eine wichtige Neuigkeit mitzuteilen, begann sie ohne Umschweife. — Sie müssen aus dieser Wohnung ausziehen.
Margarita erstarrte.
— Bitte was?
— Raus aus deiner Wohnung! erklärte die Geliebte Margarita. — Ich habe mit deinem Mann eine Familie, wir werden hier leben.
Im Zimmer herrschte plötzlich Stille. Margarita sank langsam in den Sessel gegenüber.
— Sie sprechen von Viktor? Von meinem Mann Viktor?
— Genau von ihm. Wir sind seit einem halben Jahr zusammen. Er wollte es Ihnen schon lange sagen, hat sich aber nicht getraut. Deshalb bin ich selbst gekommen. Viktor zieht in den nächsten Tagen zu mir, und dann kommen wir zurück. Die Wohnung ist ja dreizimmerig, schön geräumig. Genau richtig für unsere zukünftige Familie.
Margarita saß reglos da und verarbeitete das Gehörte. In ihren Augen standen weder Tränen noch Hysterie — nur kühle Ruhe.
— Und Viktor weiß von Ihrem Besuch?
— Natürlich nicht! Er hätte mich nie gehen lassen. Er redet ständig davon, dass man Zeit brauche, dass er das nicht sofort könne. Aber warum hinauszögern? Je schneller Sie die Wohnung räumen, desto besser für alle.
— Ich verstehe, sagte Margarita leise. — Und wo ist Viktor сейчас?
— Auf Geschäftsreise. Er kommt in drei Tagen zurück. Bis dahin sollten Sie Ihre Sachen gepackt haben.
Kristina stand auf, zupfte ihr Kleid zurecht und ging zur Tür.
— Ich lasse Ihnen meine Nummer da. Rufen Sie an, wenn Sie bereit sind, die Schlüssel zu übergeben.
Die Tür fiel ins Schloss. Margarita blieb im Sessel sitzen und starrte auf die Visitenkarte, die die Geliebte ihres Mannes auf den Tisch geworfen hatte.
Am nächsten Morgen wachte Margarita mit einem klaren Ziel auf. Sie duschte, zog sich sorgfältig an und setzte sich an den Computer. Als Erstes öffnete sie das gemeinsame Familienkonto — genau das, auf das sie und Viktor die letzten fünfzehn Jahre gespart hatten. Die Summe war beachtlich.
Dann holte sie einen Ordner mit Dokumenten hervor. Die Wohnung, in der sie lebten, war einst von ihren Eltern gekauft und ihr zur Hochzeit geschenkt worden. Viktor hatte damals darauf bestanden, die Immobilie auf beide Ehepartner eintragen zu lassen — „wir sind doch eine Familie“, hatte er gesagt. Margarita hatte ohne nachzudenken zugestimmt.
Sie wählte die Nummer ihrer Freundin Jelena, die als Juristin arbeitete.
— Lena, ich brauche deine Hilfe. Sofort.
— Was ist passiert?
— Später. Kannst du vorbeikommen?
Eine Stunde später saß Jelena in der Küche und studierte aufmerksam die Unterlagen.
— Also, die Wohnung läuft auf euch beide, aber es gibt einen Ehevertrag. Erinnerst du dich, dass ihr den abgeschlossen habt?
— Vage. Viktor sagte damals, das sei nur eine Formalität.
— Eine Formalität, die dir jetzt helfen wird. Schau: Hier steht ganz klar: Im Fall von Untreue einer der Parteien verliert der untreue Ehepartner das Recht auf das gemeinsam erworbene Vermögen.
— Aber wie soll ich die Affäre beweisen?
— Du musst hier gar nichts beweisen. Ich habe eine bessere Idee.
Jelena nahm ihr Handy und suchte etwas.
— Hier, gefunden. Eine Kollegin von mir macht Familienrecht. Sie hilft, alles richtig aufzusetzen. Aber zuerst müssen wir etwas über diese Kristina herausfinden.
Die nächsten zwei Tage verbrachte Margarita mit Erledigungen. Sie überwies das Geld vom gemeinsamen Konto auf ihr persönliches, stellte eine Vollmacht für Jelena aus und sammelte die nötigen Dokumente.
Parallel tauchten interessante Details über Kristina auf. Die Frau war bereits zweimal verheiratet gewesen — und beide Ehen waren mit Skandalen geendet. Außerdem hatte sie Schulden bei mehreren Banken.
— PERFEKT, sagte Jelena und sah sich die gesammelten Informationen an. — Jetzt müssen wir nur noch die Partie richtig spielen.
— Was schlägst du vor?
— Viktor soll selbst eine Entscheidung treffen. Wir schaffen nur die richtigen Bedingungen dafür.
Viktor kam am Abend des dritten Tages von der Dienstreise zurück. Margarita empfing ihn wie gewohnt: Sie deckte den Tisch, fragte nach der Reise. Der Mann wirkte angespannt, warf ständig Blicke auf sein Handy.
— Alles in Ordnung? fragte Margarita und goss Tee ein.
— Ja, ich bin nur müde.
In diesem Moment klingelte es an der Tür. Viktor fuhr zusammen, doch Margarita war schneller.
— Ich mache auf.

Auf der Schwelle stand Kristina, diesmal in einem strengen Kostüm und mit einem Aktenordner in der Hand.
— Ist Viktor zu Hause? fragte sie und ignorierte Margarita.
— Kommen Sie rein, antwortete Margarita ruhig.
Viktor erstarrte in der Küchentür, als er seine Geliebte sah.
— Kristina? Was machst du hier?
— Was wohl? Wir hatten doch eine Abmachung! Du hast versprochen, alles zu regeln!
Margarita setzte sich an den Tisch und nahm ihre Teetasse.
— Vielleicht erklären Sie, was hier passiert?
Viktor wurde blass, Kristina richtete sich kämpferisch auf.
— Ihr Mann hat mir versprochen, mich zu heiraten. Wir erwarten ein Kind!
Das war eine Neuigkeit sogar für Viktor. Er starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an.
— Was? Kristina, du hast doch gesagt…
— Ich habe gesagt, ich will eine Familie. Und jetzt hat sich dein Wunsch erfüllt. Also lass uns das schneller entscheiden. Margarita, ich habe es Ihnen doch erklärt — Sie müssen ausziehen.
Margarita stellte die Tasse langsam ab.
— Ich verstehe. Viktor, stimmt das?
Der Mann schwieg, er wusste nicht, was er sagen sollte. Kristina zog ein paar Papiere aus dem Ordner.
— Hier, ich habe sogar schon einen Mietvertrag für Sie vorbereitet. Einzimmerwohnung, nicht weit von hier. Ganz ordentlich für eine alleinstehende Frau.
— Wie fürsorglich, spottete Margarita. Viktor, sagst du auch etwas?
— Ich… Rita, es tut mir leid. Das ist alles irgendwie passiert.
— „Irgendwie“ — sind das ein halbes Jahr Beziehung? Oder „irgendwie“ — ist das ein Kind?
Viktor senkte den Blick. Kristina triumphierte.
— Na also. Dann sind wir uns einig. Wann ziehen Sie aus?
— Wissen Sie was, Margarita stand auf. Ich habe nachgedacht und beschlossen: Die Wohnung gehört euch. Nehmt sie.
Kristina strahlte, Viktor hob verblüfft den Kopf.
— Rita?
— Nur unter einer Bedingung. Genauer: unter mehreren. Setzt euch. Wir machen das offiziell.
Margarita holte die заранее vorbereiteten Dokumente hervor.
— Also, erstens: Viktor, erinnerst du dich an unseren Ehevertrag?
— Welchen Vertrag? fuhr Kristina dazwischen…
— Ein ganz gewöhnlicher. Darin steht, dass im Fall eines Seitensprungs eines Ehepartners dieser seine Rechte am gemeinsamen Vermögen verliert. Aber ich bin bereit, diese Klausel nicht anzuwenden. Unter einer Bedingung.
Sie legte ein Dokument auf den Tisch.
— Das ist eine Vereinbarung über die Vermögensaufteilung. Die Wohnung bleibt bei dir, Viktor. Aber im Gegenzug verzichtest du auf sämtliche Ansprüche auf meinen Anteil am Geschäft.
— An welchem Geschäft? — Viktor sah sie verblüfft an.
— An dem, das ich vor drei Jahren aufgebaut habe. Erinnerst du dich? Ich habe dir von Handarbeitskursen erzählt. Nun, das sind längst keine Kurse mehr, sondern ein Netzwerk von Werkstätten in der ganzen Stadt. Einnahmen: rund zwei Millionen im Monat.
Viktor klappte der Mund auf. Die ganze Zeit hatte er geglaubt, seine Frau beschäftige sich mit Unsinn und verbringe ihre Tage mit Freundinnen.
— DAS KANN NICHT SEIN!
— Doch, kann es. Hier sind die Unterlagen. Und übrigens, Kristina: Wussten Sie, dass Viktor ein ganz normaler Manager im mittleren Management ist? Gehalt: achtzigtausend. Die Wohnung haben meine Eltern gekauft. Das Auto ist ebenfalls ein Geschenk von ihnen. Die Ersparnisse auf dem Konto — meine Abgaben aus dem Geschäft. Aber ich bin bereit, euch die Wohnung zu lassen. Großzügig, nicht wahr?
Kristina blickte abwechselnd zu Margarita und zu Viktor.
— Das ist irgendeine LÜGE! Viktor hat gesagt, er sei Firmeninhaber!
— Firmeninhaber? — Margarita lachte. — Oh, das ist interessant. Viktor, erzähl Kristina doch von deiner „Firma“.
Der Mann schwieg und ballte die Fäuste.
— Na gut, dann erzähle ich. Viktor arbeitet bei „Strojresurs“. Vertriebsmanager. Abteilungsleiter ist übrigens Pjotr Semjonowitsch — ein guter Bekannter von mir. Er war sehr überrascht, als er hörte, dass Viktor sich als Firmeninhaber ausgibt.
— Du hast bei meiner Arbeit angerufen?! — empörte sich Viktor.
— Und? Was ist daran so schlimm? Ich muss doch wissen, ob der Mensch abgesichert ist, dem ich eine Wohnung im Wert von zwanzig Millionen überlasse.
Kristina sprang ruckartig auf.
— Zwanzig Millionen?
— Ja, aktueller Marktwert. Aber es gibt einen Haken: Die Wohnung ist bei der Bank verpfändet.

— WAS?! — riefen Viktor und Kristina gleichzeitig.
— Ich habe einen Kredit aufgenommen, abgesichert durch die Wohnung, um das Geschäft auszubauen. Es sind noch fünfzehn Millionen offen. Die monatliche Rate beträgt dreihunderttausend. Aber keine Sorge: Wenn ihr die Vermögensaufteilung unterschreibt, wird auch die Schuld geteilt. Euer Anteil — nur hundertfünfzigtausend im Monat.
Kristina schnappte sich ihre Handtasche.
— Das ist doch Wahnsinn! Viktor, du hast gesagt, du hast eine Wohnung, ein Geschäft, Ersparnisse!
— Das hat er tatsächlich alles. Genauer: Er hatte es. Solange er mit mir verheiratet war. Aber wenn ihr eine neue Familie gründet, müsst ihr eben bei null anfangen.
— NEIN! — schrie Kristina. — Dafür habe ich nicht unterschrieben! Das Kind…
Sie verstummte mitten im Satz.
— Apropos Kind, — fuhr Margarita fort. — Ich wurde neugierig und habe mich erkundigt. Kristina, Sie waren doch letzte Woche beim Gynäkologen? Meine Freundin arbeitet in derselben Klinik. Es gibt keine Schwangerschaft bei Ihnen.
— Das ist ärztliche Schweigepflicht!
— Ich weiß nichts. Ich vermute nur. Aber Viktor kann ja eine Bescheinigung verlangen, wenn Sie schon von einer Schwangerschaft sprechen.
Kristina wurde rot, dann blass.
— Weißt du was… ZUM TEUFEL mit euch beiden! Viktor, du bist ein erbärmlicher Lügner! Und du, — sie drehte sich zu Margarita, — du bist eine listige Schlange!
Sie stürmte hinaus, knallte die Tür zu.
Viktor saß am Tisch, den Kopf in die Hände fallen gelassen. Margarita sammelte ruhig die Dokumente ein und steckte sie in den Ordner.
— Rita, lass uns reden…
— Worüber? Darüber, wie du mich ein halbes Jahr lang belogen hast? Oder darüber, wie du dich vor deiner Geliebten als erfolgreicher Geschäftsmann ausgegeben hast?
— Ich kann alles erklären…
— Nicht nötig. Ich verstehe alles. Midlife-Crisis, der Wunsch, sich bedeutend und erfolgreich zu fühlen. Nur die Methode hast du falsch gewählt.
Sie ging zum Schrank und holte einen bereits gepackten Koffer hervor.
— Das sind deine Sachen. Du kannst vorerst bei deinem Freund Dima wohnen. Er ist schon informiert, ich habe ihn angerufen.
— Du wirfst mich raus?
— Ich gebe dir Zeit nachzudenken. Die Wohnung ist tatsächlich verpfändet, aber nicht bei der Bank. Ich habe sie als Sicherheit für Investitionen in das Geschäft über unsere Familienfirma hinterlegt. Das heißt: De facto schulden wir es uns selbst. Aber wenn wir uns scheiden lassen, muss alles neu оформiert werden. Und ja, du bekommst deine Hälfte — nach der Rückzahlung der Schuld.
— Das ist doch absurd!
— Das ist Business, Viktor. Genau das Business, das du verachtet hast, weil du mein Hobby für eine Dummheit gehalten hast. Übrigens: Weißt du, wie viel die Franchise meiner Werkstätten kostet? Fünf Millionen. Und ich habe eine Warteliste von Interessenten.
Viktor hob den Kopf. In seinen Augen blitzte Gier auf.
— Rita, vielleicht sollten wir uns nicht beeilen? Wir sind so viele Jahre zusammen…
— STOP. Fang gar nicht erst an. Du hast deine Wahl getroffen, als du angefangen hast, dich mit Kristina zu treffen. Als du sie über mich angelogen hast und mich über deine „Dienstreisen“. Als du zugelassen hast, dass sie hierherkommt und verlangt, dass ich aus meiner eigenen Wohnung ausziehe.
— Ich wusste nicht, dass sie kommt!
— Aber du hast ihr von der Wohnung erzählt.
Viktor senkte erneut den Blick.
— Hör zu, — Margarita setzte sich ihm gegenüber. — Du hast zwei Möglichkeiten. Erstens: Wir lassen uns scheiden und teilen alles nach dem Ehevertrag. Du bekommst das, was du in die Ehe eingebracht hast — und das ist, ich erinnere dich, nur dein Gehalt aus fünfzehn Jahren, von dem ein Teil längst ausgegeben ist. Zweitens: Wir lassen uns zivilisiert scheiden, ich wende die Untreueklausel nicht an, und du bekommst ein Viertel des Wohnungswertes nach Rückzahlung des Investitionsdarlehens. Das sind etwa zwei Millionen in drei Jahren.

— Drei Jahre?!
— Genau so lange läuft die Tilgung noch. Entscheide dich.
Viktor stand auf, sein Gesicht verzerrte sich vor Wut.
— Du hast das alles eingefädelt!
— Ich? War ich es, die ein halbes Jahr lang mit einer anderen Person zusammen war? War ich es, die über Status und Einkommen gelogen hat? War ich es, die die Geliebte hergeschleppt hat, damit sie die rechtmäßige Ehefrau aus dem Haus wirft?
— ABER DU WUSSTEST ES! Du wusstest es und hast geschwiegen!
— Ich habe es vor drei Tagen erfahren. Von deiner Kristina. Und in diesen drei Tagen habe ich geschafft, das zu schützen, was ich über Jahre aufgebaut habe. Mein Geschäft, meinen Ruf, meine Würde.
Viktor packte den Koffer.
— Das wirst du bereuen!
— Vielleicht. Aber ganz sicher nicht heute.
Er ging zur Tür, drehte sich jedoch noch einmal um.
— Und wenn ich allen erzähle, was du für eine bist?
— Was denn? Erfolgreich? Klug? Erzähl es ruhig. Und erzähl gleich dazu, wie du fünfzehn Jahre lang auf Kosten deiner Frau gelebt hast, während du dich als Herr des Lebens aufgeführt hast.
Die Tür fiel ins Schloss. Margarita trat ans Fenster und sah zu, wie Viktor den Koffer ins Auto lud — in genau das Auto, das ihre Eltern ihm geschenkt hatten.
Das Telefon klingelte. Auf dem Display stand Jelena.
— Na, hat es funktioniert?
— Wie nach Noten. Tausend Dank.
— Gern. Du warst klug, dass du dich nicht erniedrigt und keinen Streit vom Zaun gebrochen hast. Ein sauberer Sieg.
— Weißt du, ich lüge ja wirklich nicht. Das Geschäft bringt gutes Geld. Ich habe es nur nie an die große Glocke gehängt.
— Und das war richtig so. Übrigens: Mein Bruder hat gefragt, ob ich ihm deine Nummer geben darf. Er ist auch Unternehmer — ich denke, ihr habt genug zu besprechen.
— Lena, bitte kein Verkupplungsversuch!
— Was für Verkupplung? Nur ein geschäftliches Kennenlernen. Aber Andrej ist wirklich ein guter Kerl. Und vor allem: Er hat sich alles selbst erarbeitet.
Margarita schmunzelte.
— Na gut, gib sie ihm. Aber ich verspreche nur geschäftlichen Kontakt.
— Natürlich, natürlich, — lachte die Freundin.
Nachdem sie aufgelegt hatte, sah Margarita sich noch einmal in der Wohnung um. Fünfzehn Jahre lang hatte sie hier Gemütlichkeit geschaffen, ihre Seele in jedes Detail gelegt. Und sie hatte nicht die geringste Absicht, hier auszuziehen.

Auf dem Tisch lag noch der Ehevertrag. Sie nahm das Dokument und las die Bedingungen noch einmal. Viktor hatte damals unterschrieben, ohne hinzusehen, ihr vertrauend. Damals war es wirklich nur eine Formalität gewesen — junge Leute dachten nicht an möglichen Verrat. Aber das Leben hatte Margarita gelehrt, vorausschauend zu sein.
Das Telefon klingelte erneut. Eine unbekannte Nummer.
— Hallo?
— Margarita? Hier ist Andrej, Lenas Bruder. Sie hat mir Ihre Nummer gegeben.
— Guten Abend.
— Entschuldigen Sie den späten Anruf. Lena sagte, Sie hätten ein Netzwerk von Werkstätten? Ich suche gerade Räumlichkeiten zur Miete für ein neues Projekt. Wollen wir uns treffen und das besprechen?
— Morgen? Passt Ihnen elf Uhr?
— Sehr gut. Danke. Bis morgen.
Margarita lächelte. Das Leben ging weiter. Und irgendetwas sagte ihr, dass das Interessanteste erst begann.
Einen Monat später saß Viktor in einer gemieteten Einzimmerwohnung und scrollte durch Stellenanzeigen. Die Firma „Strojresurs“ hatte Personal abgebaut, und ihn — den „Firmeninhaber“ — hatte man als Ersten entlassen. Kristina war nach dem Skandal sofort verschwunden und hatte ihn überall blockiert.
Auf dem Tisch lag ein Schreiben von Margaritas Anwalt mit dem Scheidungsvorschlag. Die Bedingungen waren dieselben: ein Viertel des Wohnungswertes in drei Jahren. Oder gar nichts, falls die Untreueklausel angewendet würde.
Er nahm den Stift und setzte seine Unterschrift darunter. Eine Wahl hatte er ohnehin nicht.
Zur selben Zeit saß Margarita in einem Restaurant Andrej gegenüber und besprach die Details eines gemeinsamen Projekts.