— Ich habe weiße gesagt und nicht hautfarbene! — die zukünftige Schwiegermutter bekam einen hysterischen Anfall und schlug mich.

— Was bist du doch für ein Dummkopf! — kreischte Olga Petrowna und griff ohne zu zögern nach einem dicken Buch mit festem Einband, das auf dem Tisch lag. — Ich habe dir doch gesagt, bei der Braut muss alles weiß sein! Alles! Von den Füßen bis zum Schleier!

Irina hatte nicht einmal Zeit zu begreifen, was geschah. Der erste Schlag traf sie an der Schläfe, der zweite an der Stirn.

— Was… was machen Sie da?! — schrie sie auf und versuchte, sich erschrocken mit den Händen zu schützen.

Dies ist eine Geschichte darüber, wie manchen von uns genau im richtigen Moment Schutzengel zu Hilfe kommen und sie vor unüberlegten Entscheidungen bewahren.

Irina lernte Artjom kennen, als sie noch an der Universität studierte. Er war ein junger Dozent am Lehrstuhl, sah fast wie ein älterer Student aus, nur sein strenger Blick verriet einen erwachsenen Mann. In Wirklichkeit war er fast dreißig.

Irina erregte sofort die Aufmerksamkeit von Artjom Michailowitsch — lange hellbraune Haare, eine schlanke Figur, kurze Röcke und ein bezauberndes Lächeln. Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden und bat sie bei jeder Gelegenheit, nach dem Unterricht zu bleiben: mal um eine Aufgabe zu überprüfen, mal um ein bevorstehendes Projekt zu besprechen.

So wurde er unmerklich zu ihrem „besonderen Dozenten“.

Irina schwebte auf Wolken — um sie warb kein rotznäsiger Kommilitone, sondern ein echter Hochschuldozent! Die Mädchen aus der Gruppe waren neidisch, die Jungs verzogen das Gesicht, und sie ertappte sich immer häufiger bei dem Gedanken, dass sie sich wirklich verliebt hatte.

Artjom machte ihr auf schöne Weise den Hof. Er schenkte ihr Blumen, bereitete morgens Kaffee in einem Thermobecher zu, fuhr sie mit dem Auto zur Universität. Alles wirkte erwachsen, ernsthaft und beinahe märchenhaft.

Und schon ein halbes Jahr später machte Artjom ihr einen Heiratsantrag.

— Warum warten? — sagte er selbstbewusst und sah Irina direkt in die Augen. — Wir verstehen doch beide, dass das Schicksal ist.

Irina war verwirrt, doch verliebte Ohren hörten nur das Wesentliche — es ist Schicksal.

Sie rief ihre Mutter mit der freudigen Nachricht an:

— Mama, Artjom hat mir einen Antrag gemacht!

Swetlana Wiktorowna schwieg lange.

— Mein Kind, du bist erst zweiundzwanzig… Vielleicht lebt ihr erst einmal zusammen, lernt euch besser kennen?

Der Vater, Nikita Iwanowitsch, runzelte nur die Stirn, als er das hörte:

— Was ist das für ein Artjom? Man sollte ihn sich erst einmal anschauen.

Doch zunächst führte Artjom Irina zu seinen Eltern. Ihr Haus war geräumig, überall standen Schränke, im Wohnzimmer befand sich ein Kamin, und auf den Fensterbänken standen Zimmerpflanzen. Olga Petrowna, die Mutter des Bräutigams, empfing Irina mit einem prüfenden, kalten Blick. Ein Lächeln war da, aber sehr zurückhaltend. Michail Iwanowitsch wirkte dagegen gutmütig, blieb jedoch schweigsam.

Beim Abendessen stellte Olga Petrowna eine Frage nach der anderen, als würde sie einen Fragebogen für die zukünftige Schwiegertochter ausfüllen:

— Wo arbeiten deine Eltern?
— Wie viel verdienen sie?
— Wie lange musst du noch studieren?
— Wie steht es um deine Gesundheit? Sind deine Monatsblutungen regelmäßig?

Irina, naiv und offen, antwortete ehrlich, doch bei der letzten Frage wurde sie verlegen und wusste nicht, wie sie korrekt reagieren sollte. Bald fühlte sie sich wie bei einer Prüfung, für die sie nicht gelernt hatte. Jede Antwort wurde kommentiert und von einem allzu prüfenden Blick begleitet.

Als sie dann unbeholfen erwähnte, dass ihr Vater Abteilungsleiter in einer großen Firma sei und ihre Mutter Hausfrau, belebte sich Olga Petrowna merklich.

— Also ist Geld da… — fasste sie zusammen. — Nun gut, dann werdet ihr schon nicht untergehen.

Damals verstand Irina nicht, dass in diesen Worten keine Zustimmung, sondern Herablassung mitschwang. An diesem Abend war Artjom ruhig und schien sogar stolz darauf zu sein, wie gründlich seine Mutter die Braut prüfte. Irina blickte immer wieder zu ihm, in der Hoffnung auf Anerkennung. Doch Artjom sah nur seine Mutter an und genoss den Moment sichtlich.

Irinas Eltern wirkten nach dem Kennenlernen hingegen etwas beunruhigt.

— Irgendwie schmächtig ist er, — brummte Nikita Iwanowitsch. — Kein Mann, eher ein Stock. Wie soll er eine Familie beschützen?

— Papa, er ist kein Sportler, sondern Dozent.

— Und verdienen Dozenten heutzutage gut? Gab es keine anderen Optionen?

Auch Swetlana Wiktorowna verbarg ihre Sorge nicht:

— Alles geht bei euch viel zu schnell, mein Kind. Schau nur seinen Blick an… irgendwie raubtierhaft. Kalte Augen. Er gefällt mir nicht. Vielleicht wartest du noch ein wenig, trefft euch noch ein halbes Jahr, und dann feiern wir die Hochzeit?

Doch Irina hörte nicht zu. In ihrem Kopf klang nur eines: „Ich werde geliebt. Ich bin die Braut.“

Die Hochzeit wurde für August angesetzt. Irina stellte sich bereits ein cremefarbenes Kleid und einen kleinen Lilienstrauß vor. Doch alles lief anders, als die zukünftige Schwiegermutter verkündete, Irina werde in ihrem Hochzeitskleid heiraten.

— Du wirst mein Brautkleid tragen, und keine Widerrede! Außerdem soll es bei der Hochzeit keine Brautjungfern, keinen Brautkauf und keinen Unsinn geben. Hast du mich verstanden?

Irina stimmte allem zu, geblendet von ihrer Liebe. Swetlana Wiktorowna hingegen sah mit Traurigkeit zu, wie ihre Tochter ihr eigenes Schicksal zerstörte.

— Mein Kind, das ist nicht der richtige Mensch…

Eines Tages, zwei Wochen vor der Hochzeit, kam Irina zur Anprobe des Brautkleides zu Olga Petrowna. Artjom war nicht zu Hause, ebenso wenig Michail Iwanowitsch, der bei der Arbeit war. In der geräumigen Wohnung herrschte Stille. Nur das Ticken der Uhr und das gelegentliche Knarren des alten Holzes durchbrachen sie.

— Na dann, Irina, — sagte Olga Petrowna und holte das ordentlich in einem Überzug verstaute Kleid aus dem Schrank, — sei vorsichtig mit diesem Kleid. Es ist immerhin fünfunddreißig Jahre alt, das ist kein Scherz.

Irina nickte. Sie hatte eine Tüte mit Strumpfhosen, Schuhen und Haarnadeln mitgebracht. Sie zog sich aus, nahm neue beige Strumpfhosen und begann vorsichtig, sie anzuziehen.

In diesem Moment flog die Zimmertür abrupt auf.

— Was machst du da?! — rief Olga Petrowna.

— Ich… probiere an, — stammelte Irina. — Ich habe die Strumpfhosen angezogen, jetzt das Kleid… Sie haben es doch selbst gesagt.

— Was bist du doch für ein Dummkopf! — kreischte Olga Petrowna und griff ohne zu zögern nach dem dicken Buch mit festem Einband auf dem Tisch. — Ich habe dir doch gesagt, bei der Braut muss alles weiß sein! Alles! Von den Füßen bis zum Schleier!

Irina hatte keine Zeit, etwas zu begreifen. Der erste Schlag traf sie an der Schläfe, der zweite an der Stirn.

— Was… was machen Sie da?! — schrie sie und versuchte, sich erschrocken mit den Händen zu schützen.

Doch Olga Petrowna schlug weiter, wie von Sinnen, mit einer fanatischen Verbissenheit, als sähe sie keinen Menschen mehr vor sich.

— Dummkopf! Hirnloses Ding! — schrie sie. — Ist es denn so schwer, sich das zu merken? Ich werde dir den ganzen Unsinn schon austreiben!…

Das Buch glitt ihr aus der Hand, und die scharfe Ecke riss die Haut über der Augenbraue auf. Irina griff sich ins Gesicht — an ihren Fingern blieb Blut. Vor Schock weinte sie nicht einmal, sie sammelte einfach hastig ihre Sachen zusammen und ging, nutzte den Moment, als Olga Petrowna einen Augenblick zögerte.

— Wohin willst du? — hörte Irina noch hinter sich. — Komm zurück! Wage es nicht zu gehen!

Irina antwortete nicht. Sie nahm ihre Tasche, zog ein Taschentuch heraus und verließ, es fest an das Auge gedrückt, das Treppenhaus. Ihre Finger zitterten, als sie die Nummer ihres Vaters wählte.

— Papa… ich… kannst du kommen? — hauchte sie kaum hörbar.

Nikita Iwanowitsch kam zwanzig Minuten später. Als er seine Tochter sah, wurde er sofort bleich.

— Wer? Wer hat dir das angetan? — fragte er laut.

Er brachte seine Tochter in die Unfallambulanz. Die Ärzte nähten die aufgerissene Augenbraue, versorgten die Wunde und schüttelten, Nikita Iwanowitsch ansehend, nur den Kopf:

— Glück gehabt, dass das Auge nicht verletzt wurde.

Der Vater bestand darauf:

— Dokumentieren Sie die Verletzungen. Wir fahren sofort zur Polizei.

Am Abend hielt er es nicht mehr aus. Er nahm Irina mit und fuhr zu Artjom. Swetlana Wiktorowna bat er, zu Hause zu bleiben — er wusste, dass es ihm schwerfallen würde, sich zu beherrschen. Als Artjom die Tür öffnete, trat Nikita Iwanowitsch so abrupt ein, dass dieser einen Schritt zurückwich.

— Siehst du? Das hat deine wahnsinnige Mutter getan.

— Sie… ist ausgerastet. Ira ist selbst schuld, sie hat sie provoziert…

Weiter kam er nicht. Nikita Iwanowitsch schlug mit der Faust hart gegen die Wand neben Artjoms Kopf.

— Wenn meine Tochter nicht hier wäre, hätte ich dir jetzt den Kiefer gebrochen, damit du dich nicht herausreden kannst.

Er wandte sich zur Küchentür, in der die bleiche Olga Petrowna stand.

— Sie, — sagte er und sah ihr direkt in die Augen, — sind eine kranke Frau. Irina hat Anzeige gegen Sie erstattet. Die Hochzeit ist abgesagt. Lassen Sie Ihren kranken Sohn bis an sein Lebensende bei sich wohnen.

Er nahm Irina an der Hand und führte sie aus der Wohnung. Olga Petrowna schrie ihnen noch etwas hinterher, als Nikita Iwanowitsch längst nichts mehr ändern konnte.

Am nächsten Tag erschienen in den lokalen Stadtgruppen in den sozialen Netzwerken Dutzende Beiträge über eine durchgedrehte Frau, die am Vorabend der Hochzeit die Braut misshandelt hatte. Irinas Name wurde nirgends genannt, der Nachname von Olga Petrowna jedoch schon. Nikita Iwanowitsch wusste, wen er darum bitten musste.

Artjom verschwand buchstäblich eine Woche später von der Universität. Wie genau — blieb ein Rätsel. Doch Irina vermutete, dass ihr Vater seine Hand im Spiel hatte. Sie selbst erschien zwei Wochen lang nicht zu den Vorlesungen. Das Gesicht heilte, das Herz jedoch nicht.

Freundinnen schrieben ihr, unterstützten sie. Und ganz besonders ein Mensch — Slawik. Derselbe, der mit ihr in einer Bank gesessen hatte, still, aufmerksam und stets bereit zu helfen.

Als sie an die Universität zurückkehrte, wartete Slawik bereits am Eingang. In der Hand hielt er eine Tafel Schokolade.

— Nur damit der Tag wenigstens ein kleines bisschen süßer wird, — lächelte er.

Von da an wich Wjatscheslaw nicht mehr von ihrer Seite. Er begleitete sie nach Hause, obwohl er am anderen Ende der Stadt wohnte, trug schwere Ordner, half ihr mit den Mitschriften und verlangte nichts dafür.

Und eines Tages begriff Irina: Genau so sieht wahre Liebe aus — ohne laute Worte und Versprechen. Eine leise, aufrichtige Liebe, die nicht aus Leidenschaft entsteht, sondern aus menschlicher Wärme und Fürsorge.

Und vielleicht war jener schreckliche Tag kein Fluch, sondern eine Rettung. Denn manchmal steigt ein Schutzengel nicht vom Himmel herab — er zeigt dir einfach rechtzeitig die wahren Gesichter der Menschen.

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