— Ich habe gestern mit eigenen Augen gesehen, wie deine „arme“ Mutter mit einer Freundin flott die Allee entlangspazierte und aus vollem Hals lachte. Und heute, an meinem Geburtstag, liegt sie plötzlich im Sterben? Wie praktisch!

Larissa war Skorpion. Nicht nur vom Sternzeichen her, sondern ihrem Wesen nach — stachelig, verschlossen, unfähig, Heuchelei und Falschheit zu ertragen. Sie war es leid, sich anzuhören, wie andere Leute, kaum dass sie ihr Geburtsdatum erfuhren, sofort die Augen verdrehten:
— Ach, Skorpion! Na, dann ist ja alles klar.
Man heftete ihr Etiketten an: eifersüchtig, nachtragend, gefährlich. Vielleicht liebte sie ihren Geburtstag, der auf einen trüben Novembertag fiel, gerade deshalb, in aller Ruhe im engsten Kreis zu feiern. Genauer gesagt in Gesellschaft nur eines einzigen Menschen — ihres Mannes Nikita.
Sie war seit drei Jahren verheiratet. Nikita liebte sie mit jener treuen, hingebungsvollen Liebe. Er war ihr sicherer Hafen, der Mensch, der hinter den Stacheln eine verletzliche Seele sah und keine Angst davor hatte.
Nur ihre Schwiegermutter Olga Wladimirowna war von Anfang an nicht begeistert von ihrer Verbindung. Larissa spürte sehr wohl ihre kühle, prüfende Haltung, konnte und wollte daran jedoch nichts ändern. Sie hatte ihr eigenes, erfülltes Leben: eine interessante Arbeit in einem Designstudio, Hobbys wie Sticken und Sport sowie treue, bewährte Freunde. Sie hatte nicht vor, irgendwem etwas zu beweisen.
Nach zwei Jahren Ehe hatten sie und Nikita endlich genug für die Anzahlung zusammengespart und kauften eine Wohnung. Eine kleine, aber gemütliche Einzimmerwohnung mitten im Stadtzentrum, in einem alten, soliden Haus mit hohen Decken. Larissa war im siebten Himmel.
Kaum hatte Olga Wladimirowna die Neuigkeit von ihrem Sohn erfahren, runzelte sie die Stirn:
— Eine Einzimmerwohnung? — sagte sie mit einem derartigen Verachtungston, als hätten sie eine Scheune gekauft. — Ich habe dir doch gesagt, ihr hättet eine Zweizimmer- oder gleich eine Dreizimmerwohnung in einem neuen Viertel nehmen sollen. Dort ist die Luft besser, und Platz für Kinder gibt es auch.
— Mama, uns gefällt es hier, — entgegnete Nikita sanft. — Und Larissa braucht zu Fuß nur fünf Minuten zur Arbeit.
— Zur Arbeit! — schnaubte die Schwiegermutter. — Lange wird sie da nicht mehr hinfahren. Man muss an Kinder denken. Wahrscheinlich habt ihr dort nicht einmal Platz für einen Kinderwagen.
Larissa, die an ihrem neuen Kamin stand (wenn auch nur einem dekorativen), spürte, wie ihr bei der Erzählung ihres Mannes die bekannten Gänsehautwellen der Reizung über den Rücken liefen. Sie atmete tief ein.
— Wir hatten doch vereinbart, dass wir bis dreißig keine Kinder bekommen. Erst müssen wir finanziell auf eigenen Beinen stehen und ein Sicherheitspolster schaffen.
— Ich verstehe das ja. Aber Mama … sie besteht ständig auf ihrem Willen. Willst du uns etwa auseinanderbringen? Ich verstehe das nicht …
Larissa presste die Lippen zusammen. Sie machte keinen Skandal. Sie blieb einfach bei ihrer Haltung, und zum Glück stand Nikita auf ihrer Seite. Larissa ließ den Blick durch ihre kleine, helle Wohnung schweifen und sah ihren Mann an, der sie lächelnd an der Hand hielt.
Doch Olga Wladimirowna gab keine Ruhe. Als wahre Strategin testete sie immer wieder die Verteidigung ihres Sohnes — mal rief sie mit Klagen über Einsamkeit an, mal kritisierte sie Larissas Einrichtungsstil, mal deutete sie an, dass anständige Frauen in diesem Alter längst mit Kinderwagen unterwegs seien. Doch zu ihrer großen Enttäuschung ließ sich Nikita nicht provozieren. Seine Liebe zu seiner Frau und ihre gemeinsamen Pläne erwiesen sich als stärker als mütterliche Manipulationen.
Da beschloss die Frau, an der empfindlichsten Stelle zuzuschlagen — den Geburtstag der Schwiegertochter zu ruinieren, diesen von ihr verhassten Feiertag, den sie ohne ihre Beteiligung feierten.
Zwei Wochen vor Larissas Geburtstag, genau vierzehn Tage zuvor, rief Olga Wladimirowna ihren Sohn mit tragischen Seufzern an:
— Mein Sohn, ein Unglück! Der Kühlschrank ist völlig kaputt! Der Techniker meinte, eine Reparatur lohne sich nicht. Und wie soll man ohne Kühlschrank leben? Alle Lebensmittel verderben! Und deinem Vater verzögern sie auch noch den Lohn, ausgerechnet jetzt.
Nachdem sie ihr Leid geklagt und auf Geldmangel angespielt hatte, überredete sie Nikita, einen neuen, recht teuren Kühlschrank zu kaufen. Die Summe traf ihr gemeinsames Budget hart, und den Geschenkwunsch, den Nikita für seine Frau ausgesucht hatte — einen eleganten goldenen Anhänger —, musste er vergessen.
Dann kam Larissas Geburtstag. Am Morgen klingelte erneut das Telefon. Die Stimme von Olga Wladimirowna klang schwach und leidend.
— Nikituschka, mir geht es so schlecht … Das Herz sticht, mir ist schwindlig. Könntest du vorbeikommen? Ich habe Angst, allein zu bleiben. Dein Vater arbeitet heute bis spät. Er denkt überhaupt nicht an mich …
Der Sohn kam natürlich fast sofort. Er ließ sich von der Arbeit freistellen, durchkreuzte alle Pläne und saß bis zum Abend am Bett seiner Mutter, reichte Wasser, maß den Blutdruck und hörte leise Klagen und Stöhnen. Jedes Mal, wenn er sich anschickte zu gehen, ging es Olga Wladimirowna plötzlich schlechter. Sie griff sich ans Herz, klagte über Schwäche und flehte ihren Sohn an, sie nicht allein zu lassen.
Nikita wurde sichtlich nervös. Er sah ständig auf die Uhr, die Angst schnürte ihm die Kehle zu. Zu Hause wartete Larissa. Sie hatten ein romantisches Candle-Light-Dinner geplant, und er hatte nicht einmal Blumen gekauft. In seiner Tasche lag nur ein armseliger Ersatz für ein Geschenk — ein hastig gekauftes Kosmetik-Gutschein aus dem nächsten Einkaufszentrum.
— Mama, ich muss wirklich nach Hause … — versuchte er einzuwenden, doch der Anblick ihres blassen, leidenden Gesichts ließ ihn verstummen.
Schließlich hielt er es nicht mehr aus, ging leise in die Küche und rief seine Frau an.
— Lariss, verzeih mir, Mama geht es schlecht, ich kann sie nicht allein lassen, — begann er schuldbewusst.
Zuerst herrschte Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann zischte Larissa, kaum in der Lage, ihre Wut zu zügeln:
— Ich habe gestern mit eigenen Augen gesehen, wie deine „arme“ Mutter mit einer Freundin flott die Allee entlangspazierte und aus vollem Hals lachte. Und heute, an meinem Geburtstag, liegt sie plötzlich im Sterben? Wie praktisch!

Ohne weiter zuzuhören, legte Larissa abrupt auf.
Nikita stand mitten in der elterlichen Küche, zerrissen zwischen Pflichtgefühl gegenüber seiner Mutter und seiner geliebten Frau. Er fühlte sich wie in einer Falle. In seiner Verzweiflung rief er seinen Vater Pawel Petrowitsch an.
— Papa, kannst du heute etwas früher von der Arbeit kommen? Mama geht es schlecht, und ich muss dringend nach Hause … Larissa hat Geburtstag.
Der Vater schnaubte überrascht:
— Was fehlt ihr denn? Heute Morgen war sie kerngesund und hat Pfannkuchen mit großem Appetit gegessen …
Doch Nikita hörte schon nicht mehr zu. Kaum hatte Pawel Petrowitsch die Wohnung betreten, warf der Sohn im Vorbeigehen ein „Danke“ hin, stürzte zur Tür hinaus und rannte die Treppe hinunter, den verhängnisvollen Gutschein in der Tasche fest umklammernd. Er wusste, dass er zu spät war. Dass das Vertrauen seiner Frau, das er so sorgsam gehütet hatte, einen Riss bekommen hatte. Und schuld daran war keine Krankheit, sondern das gut geplante Schauspiel seiner Mutter.
— Und was bist du jetzt hier aufgetaucht? — fragte Olga Wladimirowna ihren Mann direkt, als er in der Schlafzimmertür stehen blieb.
— Olga, wozu diese Dramen? Der Sohn ist glücklich mit dieser Larissa. Na und? Warum quälst du ihn? Du schadest nicht Larissa, sondern deinem eigenen Sohn.
Nikita schloss die Wohnungstür auf. Im Flur war es dunkel, doch aus der Küche strömte warmes Licht. Er blieb auf der Schwelle stehen und hielt den Atem an. Larissa saß an einem Tisch, der für eine Person gedeckt war. Vor ihr brannten zwei Kerzen, ein einzelnes Weinglas stand daneben, und mit unerschütterlichem Appetit aß sie Sushi und Rollen — das Essen, das sie eigentlich gemeinsam hatten genießen wollen.
— Lariss … — begann er leise und trat näher.
Sie sah ihn nicht an, aß einfach weiter. Die Luft in der Küche war dicht und eisig, trotz des Kerzenlichts.
— Verzeih mir, ich … — Nikita versuchte es erneut, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Er legte einen prachtvollen Strauß roter Rosen auf den Tisch, den er im nächsten Blumenladen gekauft hatte. Larissa würdigte die Blumen keines Blickes. Dann zog er den Gutschein aus der Tasche und legte ihn neben ihren Teller.
Erst da hob Larissa langsam den Blick. In ihren Augen lag kein Zorn, nur tiefe Müdigkeit und Enttäuschung.
— Du verstehst doch, dass es nicht um Geschenke geht, — sagte sie ruhig und ohne jeden Vorwurf, was es nur noch schmerzhafter machte. — Sondern um deine Haltung mir gegenüber. Ich wollte diesen Tag nur mit dir verbringen. Und du hast ihn lieber bei deiner Mutter verbracht, die schlicht so tat, als wäre sie krank.
— Ich konnte sie doch nicht einfach allein lassen! — explodierte Nikita, überwältigt von Schuldgefühlen und Rechtfertigungen. — Ich war mir nicht sicher, ob es nur ein Spiel war! Was, wenn es ihr wirklich schlecht ging? Das hätte ich mir nie verziehen!
Larissa nahm einen Schluck Wein und stellte das Glas mit leisem Klirren ab.
— Sollen wir deinen Vater jetzt gleich anrufen? — schlug sie vor. — Und fragen, was seine todkranke Frau in diesem Moment macht?
Nikita schüttelte stur den Kopf. Er wusste nur zu gut, worauf dieses Gespräch hinauslief, und fürchtete die Antwort. Ohne ein weiteres Wort rückte Larissa den Stuhl zurück, stand auf und ging, ohne Blumen oder Gutschein auch nur anzusehen, ins Schlafzimmer und zog die Tür hinter sich zu. Sie stellte die Rosen nicht einmal in eine Vase. Sie blieben auf dem Tisch liegen — wie ein stummer Vorwurf, der langsam verwelkte …
Und noch mehrere Tage herrschte in der Wohnung eisige Stille. Larissa sprach kaum mit Nikita, antwortete einsilbig und tat so, als existiere er nicht. Er fühlte sich wie ein Geist im eigenen Zuhause.
Am nächsten Tag jedoch rief Olga Wladimirowna selbst an — strahlend und sichtlich zufrieden.
— Mein Sohn, danke, dass du deine alte Mutter gestern nicht im Stich gelassen hast, — sagte sie mit süßlicher Stimme. — So einsam bin ich, so krank … Du bist meine einzige Stütze.
Nikita hörte schweigend zu und blickte aus dem Fenster in den grauen Novemberhimmel.
— Ach übrigens, — fuhr seine Mutter beiläufig fort, mit einem leichten Spott in der Stimme, — wie ist denn gestern Larissas Geburtstag verlaufen? Habt ihr schön gefeiert?
In diesem Moment fügte sich in Nikitas Kopf alles zu einem einzigen, trostlosen Bild zusammen. Es ging ihr nie um das Ereignis selbst — sondern einzig darum, ob es ihr gelungen war, es zu ruinieren.
— Wir haben gut gefeiert … — sagte Nikita ganz ruhig und legte auf.
Er stand mitten im Wohnzimmer und starrte auf die verschlossene Schlafzimmertür. Endlich verstand er es. Er begriff, dass seine Mutter einen Krieg gegen seine Frau führte. Und in diesem Krieg war sie bereit, alles zu zerstören, was ihr im Weg stand — auch sein eigenes Glück. Und er selbst hatte ihr mit seinem blinden Gehorsam dabei geholfen.
Mehrere Tage hintereinander versuchte Nikita, seine Schuld wiedergutzumachen. Er bereitete Frühstück zu, räumte die Wohnung auf und begann zaghafte Gespräche, doch Larissa blieb kühl und distanziert. Ihr Schweigen trieb ihn schier in den Wahnsinn.
Da entschloss sich Nikita zu einem verzweifelten Schritt. An einem Abend fuhr er direkt zum Ausgang ihres Büros, um sie abzuholen. Als Larissa ihn sah, wollte sie sich abwenden, doch er nahm sanft ihre Hand.
— Lass uns einfach nur zu Abend essen. Keine Rechtfertigungen, nur ein Essen. Bitte.
Schweigend stimmte sie zu. Die Eheleute fuhren in ein Restaurant auf dem Dach eines Wolkenkratzers mit Panoramablick auf die nächtliche Stadt. Die Lichter der Metropole funkelten tief unter ihnen wie eine Streuung kostbarer Edelsteine. An einem Tisch am Fenster konnte Nikita endlich alles aussprechen, was sich in seinem Herzen angesammelt hatte.
— Verzeih mir, — sagte er und sah ihr direkt in die Augen. — Ich war blind und dumm. Ich habe zugelassen, dass meine Mutter mich manipuliert, und habe dich an deinem wichtigsten Tag verletzt. Aber ich habe alles verstanden und möchte es wiedergutmachen.
Er machte eine Pause und lächelte.

— Lass uns deinen Geburtstag jetzt feiern. Genau hier. Von vorn.
Larissa sah ihn an, und zum ersten Mal seit Tagen blitzte etwas Warmes in ihren Augen auf. Ihre Lippen zuckten zu einem schwachen Lächeln.
— Gut, — sagte sie leise.
Sie bestellten das Abendessen — die erlesensten Gerichte der Karte. Sie sprachen über die Arbeit, über Pläne, über alles Mögliche, nur nicht über seine Mutter. Die Spannung begann allmählich zu weichen.
Dann brachte der Kellner das Dessert — ein elegantes Tiramisu mit einer einzigen Kerze darauf. Und plötzlich umringten mehrere Kellner ihren Tisch und stimmten ein „Happy Birthday“ an. Larissa errötete, senkte verlegen den Blick und spürte, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. Es war der spontanste, unerwartetste und auf seine Weise schönste Geburtstag ihres Lebens.
An diesem Abend verzieh sie ihrem Mann. Wirklich. Auf dem Heimweg kaufte Nikita ihr einen riesigen Strauß weißer Rosen, und sie stieg glücklich und erfüllt, den Blumenstrauß an die Brust gedrückt, die Stufen zu ihrer Wohnung hinauf.
Zu Hause erwartete sie noch eine Überraschung. Auf der Türschwelle saß ein winziges, flauschiges Knäuel — ein graues Kätzchen mit riesigen grünen Augen. Es sah Larissa schüchtern an und miaute kläglich. Von einem solchen Haustier hatte sie schon lange geträumt, hatte sich aber nie getraut, aus Angst vor der Verantwortung.
— Das ist … dein Hauptgeschenk, — lächelte Nikita. — Du hast oft gesagt, dass du ein Kätzchen haben möchtest.
Larissa ging in die Knie, und das Kätzchen kletterte sofort auf ihren Schoß, begann zu schnurren und machte es sich bequem. In ihrem Herzen war kein Rest von Groll gegen ihren Mann mehr geblieben.
Als Olga Wladimirowna von der neuen „Dummheit“ ihres Sohnes erfuhr, reagierte sie umgehend mit einer weiteren Portion Kritik.
— Ein Kätzchen? In so einer kleinen Wohnung? Bist du verrückt geworden? Das ist doch Schmutz, überall Haare! Wirf es auf die Straße, solange ihr euch noch nicht daran gewöhnt habt! Ihr braucht ein Kind, kein Kätzchen!
Doch Nikita antwortete zum ersten Mal in seinem Leben ruhig und bestimmt:
— Mama, das ist unser Zuhause, Larissas und meines, und das sind unsere Entscheidungen. Wir mögen unser Kätzchen. Und ja, ich werde mein Privatleben nicht länger mit dir diskutieren. Denn ich will meine Familie nicht verlieren.
Er legte auf, ohne sich die empörten Einwände seiner Mutter anzuhören. Zum ersten Mal fühlte er sich nicht wie ein gesteuerter Junge, sondern wie ein Mann, der sein eigenes Glück gestaltet. Und im Wohnzimmer lachte Larissa und spielte mit dem neuen Familienmitglied. Das glückliche Lachen seiner Frau war für ihn die schönste Belohnung.