— Der Futtertrog ist geschlossen! — ich habe die Karten gesperrt, und mein vierzigjähriger Mann hörte zum ersten Mal von mir: Geh arbeiten und verdien dein Geld selbst!

Lera wachte nicht vom Wecker auf, sondern davon, dass es im Zimmer stickig war wie in einem Bus zur Hauptverkehrszeit, in dem der Fahrer vergessen hat, die Klimaanlage einzuschalten, während die Fahrgäste überzeugt sind, frische Luft sei gesundheitsschädlich.
Mechanisch blickte sie zur Decke — die Spinne in der Ecke schien das einzige Lebewesen zu sein, das sich nicht über die Hitze beschwerte.
„Vielleicht leidet sie auch, nur still. Im Gegensatz zu meinen Verwandten“, dachte Lera düster und drehte sich auf die andere Seite.
In der Küche klirrte bereits das Geschirr. Das bedeutete, dass Valentina Sergejewna aufgestanden war. Lera kannte diesen Ablauf genau: Die Schwiegermutter stand um sieben Uhr auf und begann Lärm zu machen, als würde sie mit den Stadtwerken um die Wette arbeiten.
— Lerotschka, steh auf, es ist schon halb acht! — klang es munter, fast spöttisch aus der Küche. — Du bist doch die Einzige bei uns, die arbeitet, verschlaf es nicht!
— Danke für die Erinnerung, — brummte Lera, während sie aufstand. — Als ob ich das ohne euch nicht wüsste.
Im Flur begegnete ihr ihr Mann Roman. In Unterhose saß er mit dem Handy da und scrollte vertieft durch irgendetwas. Sein Gesichtsausdruck war so ernst, als würde er über das Schicksal des Landes entscheiden. Tatsächlich entschied er — wie Lera wusste — nur, welcher Fußballer „heute in der Wette aufgeht“.
— Rom, könntest du dich wenigstens anziehen, — sagte Lera im Vorbeigehen.
— Wozu? — zuckte ihr Mann mit den Schultern, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen. — Ich bin doch zu Hause. Hier herrscht eine eigene Atmosphäre.
— Aha. Die Atmosphäre einer Fliegenklatsche, — konnte Lera sich nicht verkneifen.
Roman reagierte nicht. Offenbar war sein Gehirn vollständig von der Quote auf „Spartak“ verschluckt.
In der Küche empfing Lera der Geruch angebrannten Haferschleims. Valentina Sergejewna stand im Bademantel am Herd und rührte etwas im Topf um.
— Ich habe dir Brei gekocht, — sagte sie, als hätte sie eine Heldentat vollbracht. — Damit du Kraft hast. Schließlich ruht das ganze Haus auf deinen Schultern.
— Danke natürlich, — antwortete Lera und schenkte sich Kaffee ein, — aber ich frühstücke normalerweise mit Joghurt.
— Ach was, das ist doch keine richtige Mahlzeit! — empörte sich die Schwiegermutter. — Brei ist die Grundlage von allem. Nicht umsonst habe ich mein ganzes Leben lang die Kinder in der Schule damit gefüttert.
Lera nahm einen Schluck Kaffee und schluckte eine sarkastische Bemerkung hinunter.
„Ja, Valentina Sergejewna, wahrscheinlich sind die Kinder deshalb in der Pause zum Kiosk gerannt, um sich Brötchen zu kaufen. Brei ist Brei, aber richtiges Essen braucht jeder.“
— Mama, kannst du mir Geld fürs Handy aufladen? — rief Roman aus dem Zimmer. — Ich bin im Minus.
Lera verschluckte sich beinahe.
— Rom, du bist ein erwachsener Mann. Zweiundvierzig Jahre alt. Du hast zwei Hände und sogar ein Ingenieursdiplom, wohlgemerkt. Ist es wirklich so schwer, selbst dein Guthaben aufzuladen?
Roman erschien in der Küchentür und kratzte sich am Bauch.
— Ich würde ja gern, aber auf meiner Karte ist nichts drauf. Und du bist doch bei uns die Finanzdirektorin, für dich ist das einfacher.
— Finanzdirektorin? — Lera lächelte bitter. — Ich dachte, ich wäre deine Frau.
— Na ja, Frau bist du auch, — stimmte Roman zu. — Kann man ja kombinieren.
Valentina Sergejewna stellte sich in diesem Moment auf die Seite ihres Sohnes.
— Lerotschka, was ist denn dabei? Du verdienst doch sowieso. Wir sind doch eine Familie. Ist eine Familie nicht genau dafür da, um zu teilen?
— Seltsam, — Lera nahm einen Schluck Kaffee und sah die Schwiegermutter mit zusammengekniffenen Augen an. — Irgendwie teile immer nur ich, und die anderen nehmen nur.
Stille senkte sich über den Raum. Sogar der Brei hörte auf zu blubbern.
— Fangst du schon wieder an? — runzelte Valentina Sergejewna die Stirn. — Ich mag diese deine Geizigkeit nicht.
— Das ist kein Geiz, sondern elementare Gerechtigkeit, — entgegnete Lera. — Ich bin kein Geldautomat.
— Na wunderbar, jetzt geht das wieder los, — seufzte Roman. — Es ist noch nicht mal richtig Morgen, und du kommst schon mit Vorwürfen. Verstehst du nicht, dass das alles von den Nerven kommt? Man muss das Leben lockerer sehen.
— Lockerer? — Lera spürte, wie Wut in ihr aufstieg. — Du sitzt seit zwei Jahren zu Hause und „siehst das Leben locker“. Deine Mutter gibt mein Geld aus, hilft sogar Verwandten, und ich soll alles bezahlen und still sein?
— Du dramatisierst, — sagte Roman ruhig und griff wieder zum Handy. — Alles lässt sich regeln.
— Natürlich lässt es sich regeln, — nickte Lera. — Nur muss ich es immer regeln.
Sie stellte die Tasse abrupt in die Spüle. Das Geräusch war, als wäre in dieser kleinen Küche ein Schuss gefallen.
— Lerotschka, — begann die Schwiegermutter beschwichtigend. — Wir sind doch eine Familie. Jetzt sind es schwierige Zeiten, aber später wird sich alles einrenken.
— Wann? — Lera hob den Blick. — Wenn ich sechzig bin und bis zur Rente arbeite, damit ihr weiter zu Hause sitzen könnt?
Niemand antwortete.
Lera seufzte. Ein Gedanke blitzte in ihrem Kopf auf:
„Vielleicht bin ich selbst schuld? Ich habe sie sich daran gewöhnen lassen. Erst dachte ich: Na gut, ich helfe. Dann noch einmal, und noch einmal … Und jetzt ernähre ich zwei erwachsene Nichtsnutze, und sie halten das für normal.“
Das Handy piepte — eine Erinnerung an die Hypothekenzahlung. Lera sah darauf und spürte, wie sich ihr der Magen zusammenzog.
— Übrigens, — fiel es ihr ein, — wer hat gestern fünfzigtausend von meiner Karte abgehoben?
Roman riss überrascht die Augenbrauen hoch.
— Ich nicht, ich habe keinen Zugriff, — sagte er.
Valentina Sergejewna hustete und senkte den Blick in ihren Teller.
— Mama? — Leras Stimme klang eisig.
— Na ja … verstehst du … meine Nichte hat Probleme. Sie ist in Schulden geraten. Und wir sind doch Familie, man muss helfen.
— Welche Nichte? — Lera konnte sich kaum zurückhalten, nicht zu schreien. — Ich habe selbst eine Hypothek, Nebenkosten, Ausgaben. Du hast mich nicht einmal gefragt!
— Lerotschka, — die Schwiegermutter sprach sanft, fast liebevoll, — das ist doch nur vorübergehend. Wir zahlen es dir zurück.

— Ihr? Zurückzahlen? — Lera lachte so, dass ihr sogar die Tränen kamen. — Ihr beide? Der eine lebt von Wetten, die andere von fremden Problemen. Und ihr wollt mir das zurückzahlen?
— Du bist bitter geworden, — sagte Roman leise und schüttelte den Kopf. — Früher warst du anders.
— Nein, Rom, ich war genauso. Ich habe nur früher geschwiegen.
Sie sah beide an und verstand plötzlich ganz klar: Es ist Zeit, etwas zu ändern.
— Schluss jetzt, der Futtertrog ist geschlossen, — sagte Lera und zog die Karte aus der Tasche. — Noch heute sperre ich alle Karten und lege das Geld auf ein Festgeldkonto. Ab heute lebt jeder von seinem eigenen Geld.
Roman riss den Mund auf, als wolle er etwas sagen, brachte aber kein Wort heraus. Valentina Sergejewna schlug die Hände zusammen:
— Lera! Wie kannst du nur! Wir sind doch eine Familie!
— Genau, — antwortete Lera kalt. — Familie heißt Unterstützung. Und bei uns ist es Parasitismus …
Sie drehte sich um und ging ins Zimmer, ließ sie in der Küche in völliger Stille zurück.
„Ich habe es getan. Ich habe es wirklich gesagt. Jetzt schauen wir mal, was als Nächstes passiert.“
Nach der gestrigen Erklärung lag eine Stille über der Küche, schwer wie ein alter sowjetischer Kronleuchter, den alle fürchten abzunehmen, den aber niemand abnimmt. Lera legte sich ins Schlafzimmer und starrte lange an die Decke, als würde sie dort eine Antwort darauf suchen, was nun kommen würde. Die Antwort ließ — wie zum Trotz — auf sich warten.
Der Morgen begann mit dem Krachen von Türen. Roman schlurfte demonstrativ in seinen Hausschuhen durch den Flur. Man sah deutlich, dass er absichtlich fester auftrat, damit sie es hörte. Er ging ins Wohnzimmer, kam zurück, raschelte mit Tüten und ging wieder hinaus. Als würde ein Geist mit einem Gastritisanfall durch die Wohnung spuken.
— Ler, — hielt er es schließlich nicht mehr aus. — Meinst du das ernst? Hast du das Geld etwa versteckt?
Lera goss sich gerade Kaffee ein.
— Ich habe es nicht versteckt. Ich habe es dorthin gelegt, wo ihr nicht drankommt. Das nennt man „gesichert“.
— Das ist Verrat, — Roman schien beschlossen zu haben, in die Offensive zu gehen. — So gehst du mit mir um, nach allem?
— Nach was genau? — hob Lera eine Augenbraue. — Danach, dass ich euch zwei Jahre lang dich und deine Mutter durchgefüttert habe?
— Bin ich dir etwa kein Ehemann? — Roman hob die Stimme. — Ich habe ein Recht darauf!
— Hast du, — sagte Lera ruhig. — Aber nur auf dein eigenes Gehalt.
In diesem Moment stürmte Valentina Sergejewna aus der Küche herein, in ihrem ewigen Bademantel, mit dem Gesicht einer dramatischen Schauspielerin auf der Bühne.
— Lerotschka, ich verstehe ja alles, du bist müde. Aber so kann man das doch nicht auf einmal! Wir sind doch eine Familie!
— Familie heißt, gemeinsam zu entscheiden. Aber wenn ihr ohne zu fragen fünfzigtausend abhebt, ist das Diebstahl.
— Du beschuldigst mich des Diebstahls?! — die Schwiegermutter schlug die Hände zusammen. — Ich habe doch alles für die Familie getan!
— Für deine Nichte, — präzisierte Lera. — Familie sind ich, Roman und du. Deine Nichte soll ihre Schulden selbst regeln.
— Du bist grausam! — schluchzte Valentina Sergejewna. — Du hast ein Herz aus Stein.
— Nein, es ist einfach müde.
Roman, als er sah, dass seine Mutter die große Tragödie spielte, beschloss nachzulegen.
— Also, Ler, wenn du denkst, du wärst hier die einzige Hausherrin, dann irrst du dich. Diese Wohnung ist gemeinsam. Die Hälfte gehört mir!
— Und? — Lera stellte die Tasse auf den Tisch. — Die Hälfte gehört dir, die Hälfte mir. Bezahlen tue aber ich alles allein.
— Willst du damit sagen, ich wäre ein Schmarotzer? — Roman begann zu kochen.
— Ich deute es nicht an. Ich sage es direkt, — antwortete Lera ruhig.
— Wenn ich gewollt hätte, würde ich längst arbeiten! — rief Roman. — Ich will mich einfach nicht für ein paar Kröten erniedrigen.
— Aha, aber sich von der eigenen Frau Geld fürs Handy zu erbetteln — das ist keine Erniedrigung? — Lera grinste schief.
— Du machst dich lustig über mich, — fauchte er.
— Nein, Rom, das nennt man Realität.
Valentina Sergejewna hielt es nicht mehr aus und schlug mit der Hand auf den Tisch.
— Schluss jetzt mit diesem Theater! Lera, du musst verstehen, dass es für Männer heutzutage schwer ist. Es gibt keine anständige Arbeit. Du verdienst gut — also hör auf zu jammern.
— Mama, du arbeitest selbst doch auch nicht! — Lera wandte sich ihr zu. — Warum soll ich gleich zwei Leute durchfüttern?
— Weil du jung und stark bist und ich alt. Mir steht Ruhe zu.
— Du bist alt? — Leras Augen wurden groß. — Vor fünf Jahren bist du mit deiner Freundin in die Türkei geflogen und hast bis morgens in der Disco getanzt! Du bist fitter als ich.
Roman konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, verstummte aber sofort unter dem Blick seiner Mutter.
— Und was ist schon dabei, dass sie getanzt hat? — murmelte er. — Sie hat das Recht dazu.
— Hat sie, — stimmte Lera zu. — Aber auf eigene Kosten, nicht auf meine.
Wieder Stille. Es schien, als hätte sogar der Kühlschrank aufgehört zu brummen.
— Gut, — sagte Valentina Sergejewna schließlich mit einem gezwungenen Lächeln. — Na schön, wenn du so prinzipientreu bist. Dann kommen wir eben selbst zurecht.
Innerlich spannte sich Lera an. Sie kannte dieses „selbst“. Das bedeutete, dass man sie in ein paar Tagen trotzdem mit Tränen und Anrufen erpressen würde: „Wir haben kein Brot“, „Wir können nicht zur Apotheke“, „Willst du, dass wir verhungern?“
Und genau so kam es. Am Abend, als Lera von der Arbeit nach Hause kam, lag auf dem Küchentisch ein Zettel:
„Kein Brot. Kein Geld. Hab wenigstens Mitleid mit dem Kind, wir sitzen hier hungrig.“
Unterschrieben: „Mama und Roma“.

Lera verzog das Gesicht.
— Mitleid mit dem Kind? — murmelte sie. — Mit einem zweiundvierzigjährigen Kind? Das ist kein Kind mehr, das ist ein Rentner in Trainingshose.
Fünf Minuten später kam Roman nach Hause und begann sofort mit der Vorstellung.
— Ler, was machst du da? Ich habe den ganzen Tag nichts gegessen. Mama auch nicht.
— Und was habe ich damit zu tun? — zuckte Lera mit den Schultern. — In den Läden gibt es genug Stellen. Geh arbeiten, dann kaufst du Brot.
— Willst du mich veräppeln? Ich bin Ingenieur! — empörte sich Roman. — An der Kasse zu arbeiten, das ist eine Demütigung!
— Aber die eigene Frau um Geld fürs Handy anzubetteln — das ist keine Demütigung?
— Das ist etwas anderes! Wir sind eine Familie!
— Familie heißt nicht, dass einer schuftet und zwei sich ausruhen, — sagte Lera. — Schluss jetzt, Rom. Denk nach.
Er schwieg. Sein Gesicht wurde schwer, finster.
— Gut, — sagte er leise. — Wenn du meinst, ich komme nicht zurecht, dann werden wir sehen.
Und er ging ins Zimmer und schlug die Tür zu.
Lera blieb allein in der Küche zurück und spürte zum ersten Mal seit vielen Jahren, dass sich etwas veränderte. Doch innerlich war sie unruhig. Sie kannte diese beiden zu gut: Sie würden nicht einfach aufgeben.
„Na gut“, dachte sie. „Sollen sie es versuchen. Der Futtertrog ist geschlossen — und bleibt geschlossen.“
Am dritten Tag nach der Kartensperrung geschah in der Wohnung genau das, womit Lera gerechnet hatte — und wofür sie trotzdem nicht bereit war.
Am Abend, gerade als sie die High Heels ausgezogen hatte und sich erleichtert aufs Sofa fallen ließ, kam aus der Küche ein merkwürdig geschäftsmäßiges Räuspern. Das bedeutete nur eines: Valentina Sergejewna hatte beschlossen, einen „Familienrat“ einzuberufen.
Und tatsächlich. Als Lera hereinkam, saßen Roman und seine Mutter am Tisch. Vor ihnen lagen ein kariertes Blatt Papier, ein Stift und sogar eine Tasse Tee zur Untermauerung der Ernsthaftigkeit. Die Atmosphäre war so feierlich, als wollten sie einen neuen Strafgesetzbuch-Entwurf verfassen.
— Lerotschka, setz dich, — sagte die Schwiegermutter feierlich. — Wir haben hier mit Roma alles besprochen.
— Ja, — nickte ihr Mann. — Es ist Zeit, eine Entscheidung zu treffen.
Lera schmunzelte und setzte sich ihnen gegenüber.
— Na, ich bin gespannt. Welche denn?
Roman spielte mit dem Stift zwischen den Fingern und sah sie an wie ein großer Stratege.
— Wir haben beschlossen, dass das Geld tatsächlich an einem sicheren Ort liegen sollte. Aber verwalten sollst du es gemeinsam mit mir. Die Hälfte deines Gehalts für gemeinsame Ausgaben, die andere Hälfte für dich persönlich.
— Ein wunderbarer Plan, — nickte Lera. — Nur eines habe ich nicht ganz verstanden: „mein Gehalt“ oder „unseres“?
— Na hör mal, — mischte sich Valentina Sergejewna ein. — In einer Familie sollte doch alles gemeinsam sein.
— Das heißt, mein Gehalt ist gemeinschaftlich, und eure Nullen auf den Konten sind privat? — präzisierte Lera.
— Du wirst schon wieder sarkastisch, — beleidigtete sich die Schwiegermutter. — Wir wollen doch nur Gerechtigkeit!
— Gerechtigkeit? — Lera stand auf und legte die Hände auf den Tisch. — Gut. Dann machen wir es gerecht.
Sie zog drei Ausdrucke aus der Tasche und legte jedem einen hin.
— Das sind die Ausgaben der letzten sechs Monate. Alle Kartenzahlungen. Meine — und eure. Schauen wir mal.
Roman runzelte die Stirn.
— Was bist du jetzt, unsere Buchhalterin?
— Nein. Ich bin die Dumme, die das alles bezahlt hat, — schnappte Lera.
Sie tippte mit dem Finger auf einzelne Zeilen:
„Kredit für die Nichte“, „Geschenk für die Nachbarn“, „Wetten — Buchmacher“.
— Bitte sehr. Soll ich das als Familienausgaben betrachten?
— Na ja, das ist doch … — Roman stockte.
— Das ist Hilfe! — warf die Schwiegermutter ein. — Du verstehst das einfach nicht!
— Doch, Valentina Sergejewna. Ich verstehe sehr gut. Helfen heißt, dass man dankbar ist. Ihr aber haltet es für selbstverständlich.

Valentina Sergejewna sprang auf, die Augen funkelten.
— Du bist undankbar! Wenn nicht ich gewesen wäre, wärst du nie verheiratet!
— Mama! — versuchte Roman sie zu bremsen.
— Nein, sie soll das hören! — die Schwiegermutter geriet in Rage. — Ich habe dir meinen Sohn ins Haus gebracht, und jetzt wirfst du ihm alles vor!
Lera spürte, wie in ihr alles hochkochte.
— Nicht Sie haben ihn mir gebracht, ich habe ihn geheiratet! — fuhr sie sie an. — Und wissen Sie was? Es reicht!
Sie griff nach der Karte, zog ihr Handy hervor und überwies vor ihren Augen das gesamte Geld auf ein neues Konto.
— Das war’s. Ab heute — jeder für sich. Willst du essen, geh arbeiten. Willst du Verwandten helfen, such dir dein eigenes Geld.
Roman sprang auf.
— Bist du völlig verrückt geworden? Du zerstörst die Familie!
— Die Familie? — Lera lachte, doch das Lachen war bitter. — Wir haben keine Familie. Es gibt mich — mit Gehalt. Und euch — mit Appetit.
Er trat näher und packte sie am Arm.
— So darfst du nicht reden!
— Lass mich los! — Lera riss sich los. — Und merk dir eins, Rom: Der Futtertrog ist geschlossen. Für immer.
Valentina Sergejewna schlug sich die Hände vor den Mund und setzte sich wieder hin, als hätten ihre Beine nachgegeben. Roman stand schweigend da und atmete schwer.
Und Lera spürte plötzlich eine seltsame Erleichterung. In ihrer Brust wurde es weit, als hätte jemand ein Fenster geöffnet. Sie sah beide an — und empfand zum ersten Mal seit vielen Jahren keine Schuld mehr.
— Jetzt ist jeder für sich selbst verantwortlich, — sagte sie leise. — Willkommen im Erwachsenenleben.
Dann ging sie ins Schlafzimmer und schlug die Tür hinter sich zu.
Die Küche blieb in Stille zurück.