— Zu Neujahr gehen wir mit meiner Mutter ins Restaurant, also überweise dein Gehalt auf meine Karte, erklärte Kates Mann.

— Zu Neujahr gehen wir mit meiner Mutter ins Restaurant, also überweise dein Gehalt auf meine Karte, erklärte Kates Mann.

— Katja, wann bekommst du eigentlich dein Gehalt? Am Freitag, oder?


Katja blieb in der Tür des Flurs stehen, die Schlüssel noch in der Hand. Pascha kam aus dem Zimmer, das Display seines Handys leuchtete in seiner Hand. Der zwanzigste Dezember, acht Uhr abends, draußen ein Schneesturm, drinnen warm, und es roch nach gebratenen Kartoffeln.

— Morgen, antwortete sie und zog sich die Stiefel aus. — Warum?
— Perfekt. Zu Neujahr gehen wir mit meiner Mutter ins Restaurant, also überweise dein Gehalt auf meine Karte.
Katja richtete sich auf, die Tasche mit den Unterlagen rutschte ihr von der Schulter auf den Boden.
— Wie bitte?

— Zu Neujahr gehen wir mit meiner Mutter ins Restaurant, wiederholte er und starrte erneut auf den Bildschirm, scrollte durch etwas. — Ich habe schon einen Tisch in der „Panorama“ an der Sowjetskaja reserviert. Ein gutes Lokal, meine Mutter wollte schon lange dorthin.

Katja hob langsam die Tasche auf und ging in die Küche. Sie schaltete den Wasserkocher ein. Nach dem Arbeitstag dröhnte ihr der Kopf — seit dem Morgen hatten die Kunden ununterbrochen angerufen, alle verlangten die Lieferung von Baumaterialien noch vor den Feiertagen, als würde ohne ihre Ziegel und ihren Zement die Welt stehen bleiben.
— Pascha, rief sie, komm mal her.

Er kam in die Küche und lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.
— Ich höre.
— Wir haben Neujahr doch immer zu Hause gefeiert. Oder bei meiner Mutter. Warum jetzt ein Restaurant?
Pascha seufzte so, wie man gegenüber einem begriffsstutzigen Kind seufzt.

— Weil meine Mutter das ganze Jahr ohne Urlaub geschuftet hat. Du weißt doch, in der Poliklinik lastet der Chefbuchhalter ihnen ständig alles auf. Sie hat einen richtigen Feiertag verdient. Nicht am Herd in der Küche, sondern anständig.
— Gut, Katja nickte und nahm eine Tasse aus dem Schrank. — Und kommt meine Mutter auch mit?
— Deine? Pascha runzelte die Stirn. — Wozu denn?

— Wie wozu? Es ist doch Neujahr. Ein Feiertag. Wir waren immer zusammen.
— Katja, versteh doch. Mama hat dieses Lokal extra ausgesucht. Sie möchte den Abend im engen Kreis verbringen. Du, ich, sie. Verstehst du? Eine richtige Familie.
Katja stellte die Tasse auf den Tisch und setzte sich auf den Hocker.

— Und meine Mutter? Soll sie allein bleiben?
Pascha zuckte mit den Schultern.
— Ljudmila Petrowna ist ein bescheidener Mensch. Für sie ist es auch zu Hause gut. Sie ist solche Orte ja nicht gewohnt.

— Nicht gewohnt? Katjas Stimme wurde leiser. — Pascha, meine Mutter arbeitet seit zwanzig Jahren als Krankenschwester. Sie ist genauso ein Mensch wie deine. Warum soll sie allein zu Hause sitzen, während wir im Restaurant feiern?

— Weil, — er richtete sich auf, seine Stimme wurde härter, — meine Mutter es verdient hat. Sie hat mich großgezogen, alles in mich investiert. Und Ljudmila Petrowna… na ja, sie ist ein einfacher Mensch. Ein bisschen Fernsehen schauen – und das reicht ihr.

Katja schwieg. Sie sah ihren Mann an, als sähe sie ihn zum ersten Mal. Vier Jahre Ehe – und erst jetzt hörte sie diese Worte.

— Außerdem, fuhr Pascha fort, ist das Geld bei mir schon verplant. Dreißigtausend für Ohrringe für Mama, aus Gold, die wollte sie schon lange. Dazu Nebenkosten, der Autokredit. Das Restaurant geht also nur von deinem Gehalt.

— Wir haben doch für den Urlaub gespart, sagte Katja leise. — Wir wollten im Sommer ans Meer. Erinnerst du dich?

— Fahren wir, winkte er ab. — Sparen wir eben noch mal. Katja, reg dich nicht auf. Das ist doch nur einmal im Jahr. Ein Feiertag.

— Für deine Mutter ein Feiertag. Und für meine?

Pascha verdrehte die Augen.

— Mein Gott, warum klammerst du dich daran fest? Wenn du willst, lad deine Mutter doch auch ein. Zahl noch fünfzehntausend dazu, dann kann sie mitkommen.

— Ich habe keine fünfzehntausend, sagte Katja. — Nach deinen fünfundvierzig bleiben mir zehn. Für den ganzen Monat.

— Dann ist es wohl Schicksal, er breitete die Hände aus. — Tut mir leid. Ich hab’s nicht extra so gemacht. Es hat sich einfach so ergeben.

Er verließ die Küche. Katja blieb am Tisch sitzen. Der Wasserkocher war längst aufgekocht und wieder ausgegangen. Draußen heulte der Schneesturm. Irgendwo in der Nachbarwohnung weinte ein Baby — bei den Beregowys, den jungen Nachbarn, war vor Kurzem ein Sohn geboren worden.

Katja nahm ihr Handy. Öffnete die Banking-App. Das Gehalt würde morgen kommen. Zweiundfünfzigtausend. Davon fünfundvierzig an Pascha. Es blieben sieben für Lebensmittel, die Monatskarte, für alles andere bis zum nächsten Monat.

Ihr Blick fiel auf den Kalender über dem Kühlschrank. Zwanzigster Dezember. Zehn Tage bis Neujahr. Zehn Tage bis zu dem Moment, in dem ihre Mutter allein bleiben würde.

Katja stand auf, ging ins Zimmer. Pascha lag auf dem Sofa und sah sich ein Video auf dem Handy an.

— Pascha.

— Hm?

— Ich überweise das Geld. Aber ich will, dass du eines verstehst. Meine Mutter wird allein sein. Das erste Neujahr nach dem Tod meines Vaters war sie nicht allein, weil wir bei ihr waren. Alle danach auch nicht. Und jetzt wird sie zum ersten Mal ganz allein sein. Ist das für dich normal?

Pascha stützte sich auf einen Ellbogen.

— Katja, deine Mutter ist eine erwachsene Frau. Sie kommt schon klar. Außerdem hat sie doch diese Nachbarin… wie heißt sie… Wera Michailowna. Die feiern notfalls zusammen.

— Wera Michailowna fährt zu ihrer Tochter nach Twer, sagte Katja. — Mama wird allein sein.

— Dann lad sie eben zu uns ein. Abends, nach dem Restaurant. Wir sind ja bis zwölf wieder da.

— Bis zwölf? Katja setzte sich an den Rand des Sofas. — Pascha, das Restaurant hat doch bis morgens offen. Deine Mutter wird bleiben wollen.

— Dann bleiben wir eben, er legte sich wieder hin und starrte aufs Handy. — Einmal im Jahr. Mama hat es verdient.

Katja sagte nichts mehr. Sie stand auf und ging. Setzte sich in die Küche. Nahm das Handy und schrieb ihrer Mutter:
„Wie geht es dir?“

Die Antwort kam nach einer Minute:
„Gut, mein Mädchen. Wie ist die Arbeit?“

„Geht so. Ich bin müde. Mama, was machst du an Neujahr?“

Eine Pause. Drei Punkte auf dem Bildschirm, die zeigten, dass die Mutter schrieb. Dann verschwanden sie. Tauchten wieder auf.

„Ich bleibe zu Hause. Schaue Fernsehen. Es gibt doch ein Konzert.“

„Allein?“

Wieder eine Pause.

„Ja. Warum, machst du dir Sorgen? Musst du nicht, Katjuscha. Ich bin daran gewöhnt.“

Katja legte das Handy auf den Tisch. Setzte sich und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen. Hinter der Wand lief Musik — die Beregowys brachten ihren Sohn offenbar ins Bett. Eine leise Wiegenmelodie.

Am nächsten Tag, dem einundzwanzigsten Dezember, bekam Katja ihr Gehalt. In der Mittagspause überwies sie Pascha fünfundvierzigtausend. Er schickte ihr ein Emoji mit erhobenem Daumen.

„Danke, Schatz. Mama wird sich freuen.“

Katja antwortete nicht. Sie steckte das Handy in die Schublade und kehrte zur Arbeit zurück. Auf dem Bildschirm leuchtete ein Auftrag — ein weiterer Kunde verlangte die Lieferung von Blöcken bis zum fünfundzwanzigsten. Katja begann, den Lieferschein auszufüllen.

— Schisterowa, wie geht’s dir? — Wera Kolesnikowa, ihre Kollegin und Freundin, schaute ins Büro. — Du siehst irgendwie mitgenommen aus.

— Alles gut, Katja sah nicht vom Bildschirm auf.

Wera trat ein und schloss die Tür.

— Erzähl das jemand anderem. Was ist los?

Katja schwieg. Tipperte weiter Zahlen in die Tabelle. Wera setzte sich auf die Tischkante.

— Schisterowa, ich warte.

— Pascha will Neujahr im Restaurant feiern. Mit seiner Mutter. Zu dritt.

— Und? — Wera verstand nicht. — Dann geht ihr halt hin und feiert.

— Und meine Mutter bleibt zu Hause. Allein.

Wera erstarrte.

— Moment. Er hat also Geld für ein Restaurant für seine Mutter genommen — und deine sitzt allein zu Hause?

— Ja.

— Und du hast zugestimmt?

Katja hörte auf zu tippen. Lehnte sich im Stuhl zurück.

— Was hätte ich machen sollen? Er hat den Tisch schon reserviert. Für dreißigtausend Ohrringe für seine Mutter gekauft. Sagt, sie habe den Feiertag verdient.

— Mein Gott, Katja, Wera sprang vom Tisch. — Hörst du dir selbst zu? Er hat dich nicht mal gefragt! Er hat dir einfach befohlen, das Geld abzugeben und dorthin zu gehen, wo er will!

— Nicht so laut, Katja blickte zur Tür. — Man hört uns.

— Sollen sie doch! — Wera winkte ab, senkte aber dennoch die Stimme. — Katja, das ist nicht normal. Deine Mutter ist allein geblieben, nachdem dein Vater… na ja. Zehn Jahre sind vergangen, und sie hat niemanden gefunden. Sie ist allein! Und das erste Neujahr nach seinem Tod warst du bei ihr! Und jetzt lässt du sie wegen der Laune deiner Schwiegermutter im Stich?!

— Sag das nicht so, Katja drehte sich wieder zum Computer. — Natalja Anatoljewna arbeitet wirklich viel.

— Und? Arbeitet deine Mutter weniger?! Sie schuftet als Krankenschwester in der Kinderpoliklinik! Du hast doch selbst erzählt, was das für Schichten sind! Zwölf Stunden, ohne richtiges Mittagessen!**

Katja schwieg. Wera setzte sich wieder auf den Tisch, beugte sich näher zu ihr.

— Hör mir gut zu. Pascha ist ein Muttersöhnchen. Das habe ich schon bei eurer Hochzeit verstanden, als Natalja Anatoljewna dreimal den Sitzplan ändern ließ, weil ihr der Platz nicht gefiel. Und du hast alles geschluckt. Vier Jahre lang. Und weißt du, wohin das führt?

— Wohin? Katja sah ihre Freundin an.

— Dazu, dass du eines Tages aufwachst und begreifst: In dieser Ehe seid ihr zu dritt. Du, Pascha und seine Mutter. Und die Mutter steht an erster Stelle. Immer.

Katja antwortete nicht. Wera seufzte, rutschte vom Tisch.

— Denk wenigstens darüber nach. Ja?

Sie ging. Katja blieb vor dem Computer sitzen. Auf dem Bildschirm blinkte der Cursor in einer leeren Tabellenzelle.

Am Abend kam Katja nach Hause und versuchte noch einmal, mit ihrem Mann zu reden. Pascha saß in der Küche, kaute ein belegtes Brot und sah auf sein Tablet.

— Pascha, lass uns Neujahr noch einmal besprechen.

Er hob den Blick, kaute, schluckte.

— Was gibt’s da zu besprechen? Alles ist entschieden.

— Nein, nicht alles. Ich möchte, dass meine Mutter auch bei uns ist.

Pascha legte das Tablet weg und wischte sich die Hände mit einer Serviette ab.

— Katja, das hatten wir schon. Ich habe es erklärt. Mama möchte den Abend im Kreis der engsten Menschen verbringen. Du, ich, sie. Verstehst du?

— Und meine Mutter ist kein enger Mensch?

— Doch, nickte er. — Aber das ist etwas anderes. Das ist die Schwiegermutter. Nicht die eigene Mutter.

Katja setzte sich ihm gegenüber.

— Pascha, meinst du das ernst? Eine Schwiegermutter ist also keine richtige Mutter und kann an Neujahr allein zu Hause sitzen?

— So habe ich das nicht gemeint, verzog er das Gesicht. — Meine Mutter hat einfach alles schon geplant. Sie mag es nicht, wenn Pläne geändert werden. Du weißt doch, wie sie ist.

— Weiß ich, Katja nickte müde. — Deshalb frage ich ja. Vielleicht rufst du sie an? Sagst, dass noch eine Person dabei ist?

— Katja, wozu denn? — Pascha griff wieder nach dem Brot. — Sie wird sich ärgern. Sagen, dass ich ihre Mühe nicht schätze. Du weißt doch, wie sie auf so etwas reagiert.

— Weiß ich, Katja stand auf. — Und wie meine Mutter reagiert, wenn sie begreift, dass ihre Tochter sie an einem Feiertag allein lässt — das ist egal?

Pascha schwieg. Aß das Brot zu Ende. Stand auf, ging zum Spülbecken, wusch sich die Hände.

— Deine Mutter ist eine vernünftige Frau, sagte er und trocknete sich die Hände am Handtuch. — Sie wird es verstehen. Meine Mutter aber nicht. Also lass uns sie nicht enttäuschen.

Katja wollte antworten, doch er hatte die Küche schon verlassen. Sie blieb am Tisch stehen. Draußen fiel Schnee. Auf der Fensterbank lag der Abreißkalender — einundzwanzigster Dezember.

Am nächsten Tag, dem zweiundzwanzigsten, musste Katja bei der Arbeit länger bleiben. Ein Großkunde verlangte eine dringende Lieferung — ein ganzer Lkw Zement auf eine Baustelle außerhalb der Stadt. Der Chef, Oleg Krasnikow, bat Katja, die Verladung persönlich zu überwachen. Sie stimmte zu — nach der Überweisung der fünfundvierzigtausend an Pascha brauchte sie Geld, und Überstunden wurden extra bezahlt.

Gegen neun Uhr abends kam sie nach Hause. Öffnete die Tür und hörte Stimmen aus der Küche. Eine Frauenstimme. Natalja Anatoljewna.

— Pascha, bist du sicher, dass sie sich ordentlich anzieht? Das ist doch ein anständiges Lokal.

— Mama, mach dir keine Sorgen. Katja ist vernünftig.

— Ich rede nicht von Vernunft, sagte die Schwiegermutter gereizt. — Ich rede von Geschmack. Erinnerst du dich an deine Firmenfeier vor zwei Jahren? In was sie da kam? In diesem schwarzen Sack.

— Das war ein Kleid, lachte Pascha.

— Kleid, Sack, Natalja Anatoljewna schnalzte mit der Zunge. — Auf jeden Fall, pass auf. Sie soll sich ordentlich anziehen. Damit ich mich vor den Leuten nicht schämen muss.

Katja stand im Flur und hörte zu. Zog die Stiefel aus und hörte, wie die Schwiegermutter über ihren Geschmack sprach. Pascha widersprach nicht. Er lachte nur.

Sie hängte die Jacke auf und ging in die Küche. Natalja Anatoljewna saß am Tisch, vor ihr stand eine Tasse. Pascha stand am Fenster.

— Ah, Katjenka, die Schwiegermutter wandte sich ihr zu. — Du bist da. Wo warst du so lange?

— Arbeiten, antwortete Katja trocken.

— Verstehe, nickte Natalja Anatoljewna. — Na gut, bald sind Feiertage, dann ruhst du dich aus. Übrigens, Pascha hat gesagt, dass du das Geld fürs Restaurant überwiesen hast. Danke. Das wird ein schöner Abend.

Katja ging schweigend vorbei und öffnete den Kühlschrank. Nahm einen Joghurt heraus.

— Wir haben hier mit Pascha das Abendprogramm besprochen, fuhr die Schwiegermutter fort. — Ich möchte, dass wir um sieben kommen. Es gibt Live-Musik, ein Cello. Sehr stimmungsvoll.

— Gut, Katja öffnete den Joghurt.

— Und ja, Katjenka, Natalja Anatoljewna sah sie an. — Zieh dich bitte ordentlich an. Das ist keine Eckkneipe. Da ist ein anständiges Publikum.

Katja erstarrte mit dem Löffel in der Hand.

— Wie kleide ich mich denn sonst?

— Na, du weißt schon, die Schwiegermutter winkte ab. — Dein ganzer Kleiderschrank besteht aus diesen… Büroanzügen. Grau, schwarz. Du brauchst etwas Festliches. Elegantes.

— Ich habe ein schwarzes Kleid, sagte Katja. — Das, das ich zur Firmenfeier getragen habe.

Natalja Anatoljewna verzog das Gesicht.

— Hat Pascha dir das nicht gesagt? Ich kaufe dir ein Kleid. Ich wähle es selbst aus. Ein normales, schönes. Damit du würdig aussiehst.

Katja stellte den Joghurt auf den Tisch.

— Natalja Anatoljewna, danke, aber das ist nicht nötig. Ich habe etwas zum Anziehen.

— Widersprich nicht, schnitt die Schwiegermutter ihr das Wort ab. — Ich habe schon entschieden. Morgen gehe ich ins Geschäft und suche etwas aus. Und übrigens solltest du mal zum Friseur gehen. Diese Frisur von dir… du weißt schon.

Katja sah Pascha an. Er schwieg. Stand am Fenster und starrte aufs Handy. Hob nicht einmal den Blick.

— Pascha, rief sie.

— Hm? Er riss sich vom Bildschirm los.

— Willst du nicht etwas sagen?

— Wozu?

— Zu dem, was deine Mutter gerade gesagt hat.

Pascha zuckte mit den Schultern.

— Na ja, Mama möchte, dass du schön aussiehst. Was ist denn daran schlimm?

Katja wollte etwas erwidern, aber die Schwiegermutter fiel ihr ins Wort:

— Genau! Paschenjka hat völlig recht. Ich meine es doch nicht böse. Ich will, dass der Abend perfekt wird. Dass alles schön ist. Verstehst du?

— Ich verstehe, sagte Katja leise.

Natalja Anatoljewna trank den letzten Schluck aus ihrer Tasse, stand auf.

— Also gut, ich muss los. Bis morgen, Katjenka. Ich bringe das Kleid mit. Und du machst dir einen Termin beim Friseur. Für den dreißigsten zum Beispiel.

Sie ging. Pascha brachte sie zur Tür. Katja blieb in der Küche. Stand da und sah aus dem Fenster. Der Schnee hatte aufgehört. Der Himmel war schwarz, ohne Sterne.

Pascha kam zurück.

— Warum schmollst du denn? fragte er. — Mama meint es doch gut.

— Gut, wiederholte Katja. — Pascha, begreifst du überhaupt, was sie gesagt hat? Dass mein Geschmack schlecht ist. Dass meine Frisur schlecht ist. Dass ich unpassend aussehe.

— So hat sie’s nicht gemeint, winkte er ab. — Sie macht sich einfach Sorgen, dass alles gut läuft.

— Und du? Katja drehte sich zu ihm um. — Was denkst du? Sehe ich schlecht aus?

Pascha zögerte.

— Nein, natürlich nicht. Du siehst normal aus. Mama ist nur an einen bestimmten Stil gewöhnt. Du verstehst schon. Sie ist ja Buchhalterin in der Poliklinik, da ist der Dresscode streng. Sie legt Wert darauf, dass die Leute… na ja… seriös aussehen.

— Seriös, Katja nickte. — Verstehe.

Sie nahm den Joghurt und ging ins Zimmer. Pascha blieb in der Küche.

Am sechsundzwanzigsten Dezember rief Katja ihre Mutter an. Ljudmila Petrowna ging sofort ran, ihre Stimme klang müde.

— Katjuscha, hallo, mein Mädchen.

— Hallo, Mama. Wie geht’s?

— Ach, geht so. Viel Arbeit, vor den Feiertagen ist es immer so. Heute hatten wir Vorsorgeuntersuchungen, lauter Kinder.

Katja legte sich aufs Sofa und starrte an die Decke.

— Mama, und was machst du an Neujahr?

Eine Pause.

— Na ja, ich bleibe zu Hause. Schaue Fernsehen.

— Allein?

— Katjuscha, mach dir doch nicht so viele Sorgen. Ich bin erwachsen. Ich komme zurecht.

— Mama, ich tue mir leid um dich.

Ljudmila Petrowna seufzte leise.

— Du musst mir nicht leid tun. Du hast dein eigenes Leben. Du bist verheiratet. Du musst bei deinem Mann sein.

— Und bei seiner Mutter, fügte Katja hinzu.

— Ja, die Mutter schwieg kurz. Dann: — Sag mal… und Natalja Anatoljewna… ist sie ein guter Mensch?

Katja schloss die Augen.

— Ich weiß es nicht, Mama. Ehrlich. Ich weiß es nicht.

— Verstehe, wieder eine Pause. Dann sagte sie: — Hauptsache, dir geht es gut. Verstehst du? Ich überstehe einen Abend. Aber du… du musst glücklich sein.

— Ich bin nicht glücklich, Mama, Katja öffnete die Augen. — Ich fühle mich mies. Weil du allein sein wirst. Und ich werde im Restaurant sitzen, teures Essen essen und so tun, als wäre alles gut.

— Katjuscha, sagte die Mutter fester, — sprich nicht so. Das ist dein Mann. Er will seiner Mutter eine Freude machen. Das ist normal. Du musst ihm keine Vorwürfe machen.

— Ich mache ihm keine Vorwürfe, Katja setzte sich auf. — Ich… Mama, verzeih mir. Verzeih, dass es so gekommen ist.

— Mein Mädchen, du musst dich nicht entschuldigen. Wirklich. Alles ist gut.

Aber die Stimme der Mutter zitterte. Katja hörte es. Und in diesem Moment begriff sie: Die Mutter hielt sich mit aller Kraft. Tat so, als sei alles in Ordnung, damit die Tochter sich nicht sorgt.

— Mama, ich liebe dich.

— Und ich liebe dich, Katjuschenka. Sehr.

Sie verabschiedeten sich. Katja legte das Handy aufs Sofa und saß schweigend da. Pascha kam ins Zimmer.

— Mit wem hast du gesprochen?

— Mit Mama.

— Wie geht’s ihr?

— Schlecht, Katja sah ihn an. — Pascha, ihr geht’s schlecht. Sie wird an Neujahr allein sein.

Er setzte sich neben sie und legte ihr die Hand auf die Schulter.

— Katja, warum steigerst du dich da so rein? Deine Mutter ist eine starke Frau. Sie kommt klar. Ein Abend. Das ist doch nicht schlimm.

— Für dich ist es nicht schlimm, Katja schob seine Hand weg. — Weil deine Mutter nicht allein sein wird. Sie sitzt im Restaurant. Auf meine Kosten.

Pascha presste die Lippen zusammen.

— Schon wieder das. Katja, ich hab’s doch erklärt. Meine Mutter hat es verdient.

— Und meine nicht? Katja stand auf. — Meine Mutter ist seit zehn Jahren allein, seit Papas Tod. Sie arbeitet als Krankenschwester, schuftet in zwei Schichten, um irgendwie über die Runden zu kommen. Hat sie es nicht verdient, wenigstens an einem Feiertag nicht allein zu sein?

— Doch, Pascha stand ebenfalls auf. — Aber ich kann doch nicht alle glücklich machen! Ich habe meine Mutter gewählt. Das ist normal.

— Nein, Katja schüttelte den Kopf. — Das ist nicht normal. Normal wäre gewesen, mich zu fragen. Zu fragen, was ich denke. Aber du hast einfach befohlen. Gib das Geld, und fertig.

Pascha machte einen Schritt zur Tür.

— Weißt du was, Katja? Ich bin diese Gespräche leid. Die Entscheidung ist getroffen. Punkt. Wenn dir deine Mutter so leid tut, lad sie nach dem Restaurant zu uns ein. Wir sind bis zwölf zurück.

— Du hast doch gesagt, wir bleiben bis morgens, erinnerte Katja.

— Na ja, vielleicht gehen wir früher, zuckte er mit den Schultern. — Schauen wir mal.

Er ging. Katja blieb mitten im Zimmer stehen.

Am nächsten Tag, dem siebenundzwanzigsten, rief Natalja Anatoljewna im Büro an. Die Sekretärin stellte zu Katja durch.

— Jekaterina, ich bin’s.

— Guten Tag, Natalja Anatoljewna.

— Ich wollte wegen des Menüs sprechen. Pascha hat mir die Daten deiner Karte gegeben, ich möchte noch etwas zur Bestellung hinzufügen.

Katja erstarrte mit dem Hörer am Ohr.

— Entschuldigen Sie – welche Karte?

— Na die, von der du das Geld fürs Restaurant überwiesen hast. Pascha hat mir die Angaben gegeben, damit ich bei Bedarf etwas anpassen kann.

Katja wurde eiskalt.

— Natalja Anatoljewna, das ist meine private Karte.

— Na und? Die Schwiegermutter sprach gereizt. — Pascha hat sie mir gegeben. Also hat er es erlaubt. Mach dir keine Sorgen, ich bleibe im Budget. Ich will nur roten Kaviar und ein paar Flaschen guten Wein hinzufügen.

— Wie viel wird das kosten? fragte Katja.

— So um die achttausend. Vielleicht neuntausend.

Katja schloss die Augen.

— Natalja Anatoljewna, kann ich erst mit Pascha sprechen?

— Worüber soll man da reden? Die Schwiegermutter wurde lauter. — Jekaterina, das ist mein Fest! Ich will, dass alles perfekt ist! Und du verhörst mich hier! Pascha hat es mir erlaubt, verstehst du?! Er hat es erlaubt!

— Gut, sagte Katja leise. — Gut. Fügen Sie es hinzu.

— Brav, wechselte die Schwiegermutter sofort den Ton. — Ich wusste, du verstehst das. Du bist doch ein vernünftiges Mädchen. Auch wenn du immer mit deinen ewigen Jeans…

Dann legte sie auf. Katja legte das Telefon auf den Tisch. Öffnete die Banking-App. Prüfte den Kontostand. Von der Karte waren tatsächlich 8.200 Rubel abgebucht worden. Vor zehn Minuten.

Sie stand auf und ging aus dem Büro. Im Flur holte sie ihr Handy heraus und rief Pascha an. Er ging nicht sofort ran.

— Ja, Katja.

— Hast du deiner Mutter Zugriff auf meine Karte gegeben?

Eine Pause.

— Na ja… technisch gesehen ja.

— Wie konntest du?! Katja war fast am Schreien. — Das ist MEIN Geld! Meine Karte! Privat!

— Katja, beruhig dich, sagte Pascha leise – offenbar war er bei der Arbeit. — Mama wollte nur das Menü anpassen. Ich hab ihr die Daten gegeben, damit sie ein paar Sachen hinzufügen kann. Nichts Schlimmes.

— Acht Tausend, Pascha! Katja umklammerte das Handy. — Sie hat acht Tausend abgebucht! Ohne meine Zustimmung!

— Na ja, das ist doch keine Million, seufzte er. — Katja, warum drehst du so durch? Mama will Kaviar und Wein. Es ist ein Fest. Einmal im Jahr.

— Pascha, ich habe nicht zugestimmt. Verstehst du? Du hast einem anderen Menschen Zugriff auf mein Konto gegeben!

— Einem anderen?! Paschas Stimme wurde hart. — Das ist meine MUTTER! Sie ist nicht „irgendein Mensch“!

— Für mein Konto ist sie fremd, stieß Katja hervor. — Pascha, das ist illegal. Das ist… wie geht das überhaupt?

— Hör zu, ich bin auf Arbeit, schnitt Pascha ihr das Wort ab. — Wir reden heute Abend. Und hör auf zu hysterisch zu sein. Mama hat sich Mühe gegeben, das Beste ausgesucht. Und du machst einen Skandal.

Er legte auf. Katja stand im Flur und starrte auf ihr Handy. Oleg Krasnikow, ihr Chef, kam vorbei, sah sie und blieb stehen.

— Schisterowa, ist alles in Ordnung?

— Ja, nickte Katja schnell. — Alles gut.

Er musterte sie.

— Sie sind ganz blass. Vielleicht gehen Sie nach Hause?

— Nein, danke. Ich arbeite fertig.

Er nickte und ging weiter. Katja kehrte ins Büro zurück. Setzte sich an den Tisch. Öffnete die Tabelle mit den Aufträgen. Fing an, die nächste Zeile auszufüllen. Doch ihre Hände zitterten.

Am Abend zu Hause gab es einen Skandal. Kaum war Katja da, begann sie:

— Pascha, wir müssen reden.

Er saß auf dem Sofa und schaute Hockey.

— Nach dem Spiel.

— Jetzt. Katja ging hin, nahm die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus.

Pascha drehte sich zu ihr um.

— Was soll das?

— Du hast deiner Mutter Zugriff auf meine Karte gegeben. Sie hat acht Tausend abgebucht. Ohne meine Zustimmung. Ist dir klar, wie falsch das ist?

Pascha stand auf.

— Mir ist klar, dass du aus einer Mücke einen Elefanten machst. Mama hat ein paar Sachen zum Menü hinzugefügt. Und?

— Und dass es mein Geld ist! Katja trat näher. — Meins! Ich habe es verdient! Und ich entscheide, wofür ich es ausgebe!

— Du hast entschieden, Pascha verschränkte die Arme. — Als du fünfundvierzigtausend überwiesen hast. Der Rest sind Kleinigkeiten.

— Acht Tausend sind keine Kleinigkeiten!

— Für mich schon, zuckte er mit den Schultern. — Katja, du hast Probleme mit Prioritäten. Du kannst nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden. Wichtig ist, dass es meiner Mutter gut geht. Sie hat es verdient. Und du klammerst dich an ein paar Kopeken.

Katja machte einen Schritt zurück.

— Kopeken. Acht Tausend Rubel sind Kopeken.

— Ja, Pascha breitete die Hände aus. — Im Rahmen des Festes sind das Kopeken. Katja, warum rastest du so aus? Ich verstehe es nicht.

— Du verstehst es nicht, wiederholte sie. — Gut. Dann erkläre ich’s dir. Ich muss bis Monatsende mit zweitausend Rubel leben. Weil du fünfundvierzig genommen hast, deine Mutter acht abgebucht hat — und mir bleiben zweitausend für Essen, Monatskarte und alles andere. Verstehst du das?

Pascha schwieg. Dann sagte er:

— Na gut, ich kann dir was leihen.

— Leihen, Katja lachte auf. — Mir. Von meinem eigenen Geld.

— Katja, ich will keinen Streit, Pascha trat zu ihr. — Lass uns den Feiertag nicht verderben. Das wird schon. Du ziehst irgendwie bis zur nächsten Auszahlung durch. Lebst eben zwei Wochen sparsamer. Du wirst schon nicht sterben.

Katja sah ihn an. Ihren Mann, mit dem sie vier Jahre zusammengelebt hatte. Und es war, als sähe sie ihn zum ersten Mal.

— Ich werde nicht sterben, wiederholte sie. — Ganz bestimmt.

Sie drehte sich um und ging ins Schlafzimmer. Legte sich aufs Bett und starrte lange an die Decke. Pascha kam nicht hinterher. Er schaltete den Fernseher wieder ein. Das Spiel lief weiter.

Am neunundzwanzigsten Dezember kam Natalja Anatoljewna mit dem Kleid. Katja war zu Hause, Pascha bei der Arbeit. Die Schwiegermutter klingelte, trat mit einer großen Tüte aus einem teuren Laden herein.

— Katjenka, schau mal, was ich dir gekauft habe!

Sie legte ein dunkelblaues Kleid aufs Sofa. Lang, geschlossen, mit hohem Kragen. Vollkommen gesichtslos.

Katja sah es an.

— Danke, aber ich habe ein Kleid.

— Ach komm, winkte Natalja Anatoljewna ab. — Deins, das schwarze? Das ist längst aus der Mode. Und das hier ist Klassiker. Immer aktuell. Probier’s an.

— Natalja Anatoljewna, wirklich, das ist nicht nötig. Ich ziehe meines an.

Die Schwiegermutter runzelte die Stirn.

— Jekaterina, ich bin extra für dich gefahren, habe ausgesucht. Hast du eine Ahnung, wie viel Zeit mich das gekostet hat? Und du rümpfst die Nase.

— Ich rümpfe nicht die Nase, Katja stand auf. — Ich möchte einfach mein Kleid anziehen.

— Dein Kleid passt nicht, schnitt Natalja Anatoljewna ihr das Wort ab. — Es ist billig. Das sieht man sofort. Und wir gehen in ein anständiges Lokal. Ich will nicht, dass man dich schief ansieht.

Katja spürte, wie sich in ihr etwas zusammenzog.

— Niemand wird mich schief ansehen.

— Doch, werden sie, die Schwiegermutter hob die Stimme. — Jekaterina, hörst du mich? Ich sage dir das als jemand mit Erfahrung. In solchen Restaurants sehen die Leute sofort, wer wer ist. Und wenn du in diesem schwarzen Fetzen auftauchst, verstehen alle, dass du… na ja… aus einfachen Verhältnissen bist.

Katja schwieg. Natalja Anatoljewna fuhr fort:

— Ich will dich nicht verletzen. Wirklich nicht. Aber man muss seinen Platz kennen. Du bist die Frau meines Sohnes. Und du musst entsprechend aussehen. Verstehst du?

— Ich verstehe, sagte Katja leise.

— Brav, die Schwiegermutter wurde milder. — Probier es an. Du wirst sehen, es steht dir.

Katja nahm das Kleid. Ging ins Schlafzimmer. Schloss die Tür. Sah sich im Spiegel an. Eine müde Frau mit matten Augen.

Sie zog das Kleid an. Es war zu groß. Hing wie ein Sack. Katja ging ins Wohnzimmer.

— So, Natalja Anatoljewna musterte sie. — Gut. Nur ein bisschen zu weit. Aber egal, du trägst einfach einen Gürtel dazu.

— Ich habe keinen Gürtel für dieses Kleid, sagte Katja.

— Dann kaufe ich einen, nickte die Schwiegermutter. — Morgen kaufe ich ihn und bringe ihn vorbei. Und hast du einen Termin beim Friseur gemacht?

— Nein.

— Wie, nein?! Natalja Anatoljewna schlug die Hände zusammen. — Jekaterina, du bist doch erwachsen! Wie kann man mit so einer Frisur ins Restaurant gehen?!

Katja sah sie an.

— Was stimmt denn nicht mit meiner Frisur?

— Alles stimmt nicht, die Schwiegermutter presste die Lippen zusammen. — Dieser Haarschnitt… der ist fürs Büro. Für deine Papiere. Nicht für einen Feiertag. Du brauchst ein Styling. Locken, zum Beispiel.

— Ich habe kurze Haare, sagte Katja müde. — Locken gehen da nicht.

— Gehen schon, wenn man sich Mühe gibt, Natalja Anatoljewna zog ihr Handy hervor. — Ich kenne eine gute Meisterin. Ich mache dir für morgen einen Termin, am Nachmittag.

— Nicht nötig, Katja zog das Kleid direkt im Zimmer aus und warf es aufs Sofa. — Ich gehe so, wie ich bin.

Die Schwiegermutter erstarrte.

— Was heißt „so, wie du bist“?

— Dass ich mein Kleid anziehe. Und meine Frisur so lasse.

— Jekaterina, Natalja Anatoljewna stand auf, ihre Stimme wurde kalt. — Hörst du mich nicht? Oder willst du mich nicht hören?

— Ich höre Sie, Katja sah ihr in die Augen. — Ich will Ihr Kleid nur nicht tragen.

Es wurde still. Natalja Anatoljewna wurde erst blass, dann rot.

— Wie wagst du es, so mit mir zu reden?!

— Ich rede ganz normal, Katja wich nicht aus. — Sie haben das Kleid ohne meine Zustimmung gekauft. Ich habe nicht darum gebeten. Und ich werde es nicht anziehen.

— Pascha wird davon erfahren! Die Schwiegermutter griff nach ihrer Tasche. — Der wird dir schon was sagen!

— Soll er, zuckte Katja mit den Schultern.

Natalja Anatoljewna drehte sich um und ging. Schlug die Tür so zu, dass die Wände bebten.

Katja blieb mitten im Zimmer stehen. Zehn Minuten später rief Pascha an.

— Was machst du da?!

— Hallo, Katja setzte sich aufs Sofa.

— Mama ist in Tränen! Sie sagt, du warst frech zu ihr!

— Ich war nicht frech. Ich habe nur abgelehnt, ein Kleid zu tragen, das sie ohne meine Zustimmung gekauft hat.

— Katja, sie hat sich Mühe gegeben!

— Pascha, ich habe nicht darum gebeten.

— Aber sie wollte helfen! schrie er. — Sie wollte, dass du anständig aussiehst! Und du hast ihr ins Gesicht gesagt, dass du’s nicht anziehst!

Katja schloss die Augen.

— Ich ziehe mein Kleid an. Das schwarze. Das ich übrigens von meinem Geld gekauft habe. Und das ich mag.

— Das mag niemand, schnitt Pascha ihr das Wort ab. — Außer dir. Mama hat recht. Es ist billig.

— Na entschuldige, Katja öffnete die Augen. — Ich kann mir keine Kleider für dreißigtausend leisten. Ich habe noch zweitausend Rubel auf dem Konto – nach deinem Restaurant.

— Schon wieder fängst du an! Pascha atmete schwer aus. — Hör zu, ich kann jetzt nicht mit dir reden. Ich komme heute Abend, dann klären wir das. Aber du entschuldigst dich bei Mama. Verstanden?

— Nein, sagte Katja.

— Wie, nein?

— Ich entschuldige mich nicht. Ich habe keinen Grund.

Pascha sagte noch etwas, aber sie hatte schon aufgelegt. Legte das Handy neben sich. Saß einfach da.

Am Abend kam Pascha düster nach Hause. Ging in die Küche, goss sich Wasser ein. Trink es in einem Zug. Katja stand im Türrahmen.

— Also, sagte er, ohne sich umzudrehen. — Entschuldigst du dich?

— Nein.

Er fuhr herum.

— Dann gehst du überhaupt nicht ins Restaurant.

— Gut, nickte Katja. — Dann gehe ich nicht.

Pascha war sprachlos.

— Wie meinst du das?

— So. Ich gehe nicht. Geh du mit Mama zu zweit. Habt einen schönen Abend.

— Katja, wovon redest du? Er trat auf sie zu. — Es ist doch Neujahr! Du musst da sein!

— Warum muss ich? Katja sah ihn an. — Damit ich in einem Kleid sitze, das ich nicht mag? Damit ich mir anhören darf, was für eine Versagerin ich bin? Wie viel Glück du hast, dass deine Mutter mich überhaupt erträgt?

— Das hat sie nicht gesagt!

— Doch, Katja ging näher. — Im Restaurant hat sie’s mir gesagt. Vor zwei Jahren, bei deiner Firmenfeier. Erinnerst du dich? Wir saßen am selben Tisch. Sie sagte: „Katjenka, Pascha hat Glück, dass er so geduldig ist. Nicht jeder Mann würde ein Mädchen mit so… bescheidenen Mitteln ertragen.“ Du saßt daneben. Und hast geschwiegen.

Pascha wandte den Blick ab.

— Sie hat das nicht so gemeint.

— Sie hat es genau so gemeint, Katja drehte sich um. — Geh ins Restaurant. Mit Mama. Ich brauche das nicht.

Sie ging ins Schlafzimmer. Pascha folgte nicht.

Am dreißigsten Dezember wachte Katja früh auf. Pascha schlief im Wohnzimmer auf dem Sofa — nach gestern hatten sie nicht gesprochen. Sie zog sich an, packte ihre Tasche und verließ die Wohnung leise.

Auf der Arbeit wartete eine Überraschung. Oleg Krasnikow rief sie ins Büro.

— Schisterowa, setzen Sie sich.

Katja setzte sich. Der Chef öffnete eine Mappe auf dem Tisch.

— Ich wollte mit Ihnen über Ihre Arbeit im vergangenen Jahr sprechen. Sie haben gute Ergebnisse gezeigt. Die Kunden sind zufrieden, die Aufträge wurden pünktlich erledigt. Ich habe entschieden, Ihr Gehalt ab Januar zu erhöhen.

Katja blinzelte.

— Wirklich?

— Wirklich, nickte er. — Plus fünfzehn Prozent. Und eine Prämie für Dezember — dreißigtausend. Die bekommen Sie morgen.

— Danke, Katja spürte, wie ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Krasnikow sah sie aufmerksam an.

— Schisterowa, ist alles in Ordnung?

— Ja, nickte sie. — Nur… danke. Ich brauche das gerade sehr.

Er fragte nicht weiter. Nickte nur.

— Gut. Gehen Sie arbeiten. Und einen guten Rutsch.

Katja verließ das Büro. Im Flur traf sie Wera.

— Na, hat er dich gerufen? Die Freundin sah besorgt aus.

— Er hat mir eine Gehaltserhöhung gegeben, Katja lächelte. — Und eine Prämie.

Wera umarmte sie.

— Super! Dann war das ganze Jahr Schuften nicht umsonst. Katja, du bist stark.

Sie gingen zurück ins Büro. Katja setzte sich an den Schreibtisch. Holte ihr Handy heraus. Schrieb ihrer Mutter:
„Mama, ich habe eine Prämie bekommen. Dreißigtausend. Ich komme morgen vorbei und bringe dir zehn. Kauf dir was Schönes.“

Die Mutter antwortete nicht sofort: „Katjuscha, nicht nötig. Behalte es.“

„Nein, Mama. Nimm es. Bitte.“

Die Mutter schickte ein Herz. Katja legte das Handy weg und arbeitete weiter.

Am Abend kam sie nach Hause. Pascha saß in der Küche, auf dem Tisch stand eine Tortenschachtel.

— Hallo, er stand auf. — Katja, lass uns Frieden schließen.

Katja stellte die Tasche ab.

— Pascha, ich bin müde. Nicht heute.

— Aber morgen ist doch Neujahr, er trat näher. — Katja, lass uns den Feiertag nicht ruinieren. Ich habe mit Mama gesprochen. Sie findet auch, dass sie zu weit gegangen ist. Sie wird sich entschuldigen. Wirklich.

— Gut, nickte Katja. — Das freut mich.

— Dann gehst du ins Restaurant?

Sie sah ihn an.

— Nein.

— Warum?!

— Weil ich nicht will.

Pascha ballte die Fäuste.

— Katja, ich versuche einen Kompromiss zu finden! Mama ist bereit, sich zu entschuldigen! Was brauchst du noch?!

— Ich brauche ihre Entschuldigung nicht, Katja ging in die Küche. — Ich brauche, dass du eine einfache Sache verstehst. Meine Mutter ist morgen allein. Sie sitzt zu Hause und begrüßt das neue Jahr vor dem Fernseher. Allein. Und weißt du, was am schlimmsten ist? Dass ich mich schämen werde. Vor ihr. Vor mir. Verstehst du?

Pascha schwieg. Dann sagte er:

— Ich kann das Restaurant nicht absagen. Mama hat schon alles bezahlt.

— Von meinem Geld, erinnerte Katja.

— Von unserem, korrigierte er. — Katja, wir sind doch Mann und Frau. Wir haben ein gemeinsames Budget.

— Gemeinsam? Sie lachte kurz auf. — Pascha, du hast fünfundvierzigtausend aus meinem Gehalt genommen. Deine Mutter hat noch acht abgebucht. Ist das „gemeinsam“?

— Das war eine einmalige Ausgabe, wandte er den Blick ab. — Für den Feiertag.

— Gut, Katja holte ihr Handy heraus. — Dann lass uns rechnen. In vier Jahren Ehe: Wie viel Geld ist an deine Mutter gegangen? Für Geschenke, Fahrten, ihren Geburtstag?

— Rechne nicht, Pascha hob die Hand. — Das ist meine Mutter. Ich bin verpflichtet, mich um sie zu kümmern.

— Und um meine bist du nicht verpflichtet?

— Nicht verpflichtet! Er drehte sich zu ihr um. — Weil sie nicht meine Mutter ist! Verstehst du?! Sie ist deine! Also kümmer du dich um sie!

Katja erstarrte.

— Sag das noch mal.

Pascha merkte, was er gesagt hatte. Zögerte.

— Ich hab das nicht so gemeint…

— Sag es noch mal, Katja trat näher. — Meine Mutter ist nicht deine Verantwortung. Stimmt’s?

— Katja, ich…

— Antworte.

Er seufzte.

— Na ja… technisch gesehen, ja. Meine Mutter ist meine Verantwortung. Deine Mutter ist deine. Das ist doch logisch.

Katja nickte. Drehte sich um. Ging ins Schlafzimmer. Holte eine Tasche aus dem Schrank. Fing an, Sachen hineinzulegen.

Pascha kam hinterher.

— Was machst du da?

— Ich packe, ohne sich umzudrehen.

— Wohin?

— Zu Mama. Ich feiere Neujahr mit ihr.

Pascha packte sie am Handgelenk.

— Stopp. Du kannst nicht einfach so gehen.

— Doch, kann ich, Katja riss sich los. — Pascha, lass mich.

— Nein, er stellte sich vor sie. — Wir müssen reden.

— Wir haben geredet, Katja ging an ihm vorbei. — Du hast alles gesagt, was ich hören musste. Meine Mutter ist meine Verantwortung. Deine Mutter ist deine. Prima. Dann gehe ich zu meiner Mutter. Und du zu deiner.

— Katja, so meinte ich das doch nicht! Er lief hinter ihr her. — Ich wollte nur… du verstehst doch!

— Ich verstehe, sie schloss die Tasche. — Ich habe alles verstanden, Pascha. Endlich verstanden.

Sie nahm die Tasche. Pascha versperrte ihr den Weg zur Tür.

— Wenn du jetzt gehst, werde ich dir nicht verzeihen.

Katja sah ihn an.

— Gut.

Sie ging an ihm vorbei und verließ die Wohnung.

Am einunddreißigsten Dezember wachte Katja in ihrem alten Zimmer bei ihrer Mutter auf. Ljudmila Petrowna war schon auf, kochte in der Küche irgendetwas.

— Aufstehen, mein Mädchen. Ich habe ein Omelett gemacht.

Katja ging in die Küche. Die Mutter stellte ihr einen Teller hin.

— Mama, verzeih mir.

— Wofür, Katjuscha?

— Dafür, dass es so gekommen ist.

Ljudmila Petrowna setzte sich ihr gegenüber.

— Es ist nichts „gekommen“. Du bist hier. Bei mir. Und ich freue mich darüber.

Katja lächelte.

— Ich freue mich auch, Mama.

Sie verbrachten den Tag zusammen. Kochen, alte Filme schauen. Ljudmila Petrowna stellte keine Fragen zu Pascha. Katja schwieg ebenfalls.

Am Abend checkte Katja ihr Handy. Keine einzige Nachricht vom Mann. Kein Anruf. Sie schrieb ihm: „Ich feiere Neujahr mit Mama. Guten Rutsch.“

Er las es. Antwortete nicht.

Um elf deckten sie den Tisch. Ganz schlicht, ohne Schnickschnack: Salate, Warmes, Kompott. Ljudmila Petrowna zog ein festliches Kleid an, das sie vor zehn Jahren gekauft hatte. Katja zog sich auch um — in genau das schwarze Kleid, das Natalja Anatoljewna so sehr verabscheute.

— Mama, du bist schön, sagte Katja.

— Und du auch, mein Mädchen, die Mutter strich ihr über die Wange.

Sie setzten sich. Schalteten den Fernseher ein. Ein Konzert lief. Ljudmila Petrowna schenkte ihnen beiden Champagner ein.

— Trinken wir auf dich, sagte sie. — Auf mein kluges Mädchen. Darauf, dass du glücklich wirst.

Katja spürte einen Kloß im Hals.

— Mama, ich weiß nicht, ob ich es werde.

— Wirst du, die Mutter nahm ihre Hand. — Ganz bestimmt. Alles wird sich fügen.

Sie stießen an, tranken. In diesem Moment klingelte Katjas Handy. Pascha.

Sie nahm ab.

— Ja.

— Wo bist du? Seine Stimme war angespannt.

— Bei Mama. Ich hab’s dir doch geschrieben.

— Katja, komm her. Wir sind im Restaurant. Mama fragt, wo du bist.

Katja sah zu ihrer Mutter. Ljudmila Petrowna lächelte sie an.

— Nein, Pascha. Ich komme nicht.

— Warum?!

— Weil ich hier bin. Bei Mama. Und mir geht es hier gut.

Pause.

— Meinst du das ernst? Du lässt mich an Neujahr sitzen?!

Katja schloss die Augen.

— Pascha, du hast zuerst meine Mutter sitzen lassen.

— Das ist was anderes!

— Nein. Das ist das Gleiche.

Sie legte auf. Schaltete das Handy aus. Legte es auf den Tisch.

— Katjuscha, vielleicht fährst du doch? fragte die Mutter leise. — Ich will nicht, dass wegen mir…

— Nein, Mama, Katja umarmte sie. — Ich fahre nirgendwohin. Ich bleibe hier. Bei dir. Wo mein Platz ist.

Sie feierten zu zweit. Sahen zu, wie die Uhr Mitternacht schlug. Stießen an, umarmten sich. Und Katja ging es gut. Ruhig. So ruhig, wie schon lange nicht mehr.

Am ersten Januar wachte Katja spät auf. Die Mutter saß schon in der Küche.

— Frohes neues Jahr, mein Mädchen.

— Frohes neues Jahr, Mama.

Katja schaltete ihr Handy wieder ein. Mehrere verpasste Anrufe von Pascha. Aber keine Nachricht. Sie schrieb ihm: „Ich brauche meine Sachen. Ich komme heute und hole sie.“

Eine Stunde später kam die Antwort: „Hol sie.“

Katja fuhr gegen zwei zu ihrer Wohnung. Öffnete mit ihrem Schlüssel. Pascha saß in der Küche. Düsteres Gesicht, dunkle Ringe unter den Augen.

— Hallo, sagte sie.

— Hallo, er sah nicht hoch.

Katja ging ins Schlafzimmer, holte den Koffer aus dem Schrank und begann zu packen. Pascha kam hinterher.

— Meinst du das ernst?

— Was genau? Katja drehte sich nicht um.

— Du gehst?

— Ja.

Stille. Dann sagte Pascha:

— Gestern hast du mich blamiert.

Katja hielt inne. Drehte sich um.

— Ich? Blamiert? Wie das?

— Mama war außer sich, er verschränkte die Arme. — Sie hat den ganzen Abend geredet, wie undankbar du bist. Dass ich umsonst dich geheiratet habe. Dass ich besser eine „anständigere“ Frau hätte nehmen sollen.

Katja nickte stumm.

— Und was hast du gesagt?

Pascha wich ihrem Blick aus.

— Nichts.

— Natürlich, Katja lachte kurz. — Wie immer: nichts.

Sie packte weiter. Pascha trat näher.

— Was hätte ich denn sagen sollen?! Sie hatte recht! Du hast uns den Feiertag ruiniert! Ich habe dieses Restaurant für sie organisiert! Geld ausgegeben! Und du bist einfach nicht gekommen!

— Mein Geld, korrigierte Katja. — Du hast mein Geld ausgegeben. Ohne meine Zustimmung.

— Gott, jetzt fängst du wieder damit an! Pascha fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. — Katja, wie lange noch?! Das ist meine MUTTER! Ich hatte das Recht, Geld für sie auszugeben!

— Mein Geld, wiederholte Katja. — Das ich verdient habe. Das du genommen hast, ohne zu fragen, ob ich das überhaupt will.

— Du bist meine Frau, Pascha machte einen Schritt auf sie zu. — Wir haben ein gemeinsames Budget.

— Nein, Katja klappte den Koffer zu. — Haben wir nicht mehr.

Pascha erstarrte.

— Wie meinst du das?

— So. Ich gehe, Pascha. Für immer.

— Wohin?

— In meine Wohnung. Die wir vermietet haben. Die Mieter sind über Neujahr ausgezogen.

Pascha schwieg. Dann sagte er:

— Du kommst zurück.

— Nein.

— Doch, er nickte. — Du kühlst ab und kommst zurück. Weil du mich liebst.

Katja sah ihn an. Den Mann, den sie vier Jahre gekannt hatte. Und plötzlich begriff sie: Sie liebt ihn nicht. Schon lange nicht mehr.

— Nein, Pascha. Ich komme nicht zurück.

Sie nahm den Koffer. Pascha rührte sich nicht.

— Ich werde dir nicht nachlaufen, sagte er. — Du bist selbst schuld. Du hast alles kaputtgemacht.

— Ich weiß, Katja nickte. — Ich bin schuld. Ich habe vier Jahre lang ausgehalten, wie deine Mutter mich erniedrigt hat. Wie du geschwiegen hast. Wie du sie an erste Stelle gesetzt hast. Das ist meine Schuld. Ich hätte früher gehen müssen.

Sie verließ die Wohnung. Pascha ging nicht hinterher.

Katja kam in ihrer Wohnung an. Schloss auf. Es roch muffig — die Mieter hatten offenbar selten gelüftet. Die Wände waren verschmutzt, auf dem Boden Flecken.

Sie stellte den Koffer ab. Ging durch die Zimmer: Küche, Schlafzimmer, Bad. Alles brauchte Renovierung.

Es klopfte. Katja öffnete. Draußen stand der Nachbar von unten, Grigorij Petrowitsch, ein pensionierter Militär.

— Guten Tag, Jekaterina. Wieder zurück?

— Guten Tag. Ja, zurück.

Er nickte, schaute in die Wohnung.

— Ihre Mieter haben ordentlich Spuren hinterlassen. Wenn Sie Hilfe bei der Renovierung brauchen, sagen Sie Bescheid. Ich habe Werkzeug.

— Danke, Katja lächelte. — Ich komme bestimmt darauf zurück.

Grigorij Petrowitsch ging. Katja schloss die Tür, setzte sich mitten im Zimmer auf den Boden, holte ihr Handy heraus und sah auf den Bildschirm. Keine Nachricht von Pascha.

Und plötzlich fühlte sie sich leicht. Zum ersten Mal seit Langem: leicht.

Der Januar verging schnell. Katja wohnte in ihrer Wohnung und renovierte abends. Grigorij Petrowitsch half wirklich — lieh Werkzeug, zeigte ihr, wie man Risse in den Wänden verspachtelt. Manchmal kam er vorbei und brachte Essen mit.

— Sie sind allein, da kochen Sie nicht viel, erklärte er. — Ich habe Borschtsch gemacht, ich bringe Ihnen was.

Katja bedankte sich. Manchmal saßen sie in ihrer Küche und redeten. Grigorij Petrowitsch erzählte von der Armee, von seiner Frau, die vor fünf Jahren gegangen war. Katja hörte zu.

Pascha rief nicht an. Schrieb nicht. Katja wartete die ersten zwei Wochen. Dann hörte sie auf.

Am achtundzwanzigsten Januar saß sie in der Küche, trank Tee. Draußen schneite es. Das Handy lag auf dem Tisch. Katja sah es an. Dann nahm sie es, öffnete den Browser und tippte: „Wie beantragt man die Scheidung online über Gosuslugi?“

Sie las die Anleitung. Ging auf die Seite. Füllte den Antrag aus. Kam zum Button „Senden“. Zögerte.

Vier Jahre Ehe. Vier Jahre Hoffnungen, Pläne, Träume. All das endete mit einem Klick.

Katja drückte.

Antrag gesendet. In einem Monat ist das Gericht.

Sie legte das Handy weg. Stand auf. Trat ans Fenster. Der Schnee fiel immer dichter. Die Stadt versank im Weiß.

Katja lächelte. Zum ersten Mal seit einem Monat lächelte sie wirklich.

Am nächsten Tag schrieb sie Pascha: „Ich habe die Scheidung eingereicht. Gericht in einem Monat. Komm oder komm nicht – entscheid selbst.“

Er antwortete eine Stunde später: „Ok.“

Zwei Zeichen. Für vier Jahre. Für alles, was zwischen ihnen gewesen war.

Katja löschte den Chat. Blockierte die Nummer. Und spürte Erleichterung.

Der Februar war kalt. Katja arbeitete, renovierte, fuhr am Wochenende zur Mutter. Ljudmila Petrowna fragte nicht nach Pascha. Sie umarmte die Tochter einfach, fütterte sie, ließ sie wieder gehen.

Wera in der Arbeit unterstützte sie, so gut sie konnte.

— Du hast das richtig gemacht, Katja.

— Ich weiß nicht, ob richtig oder nicht, zuckte Katja mit den Schultern. — Ich habe es einfach gemacht.

— Richtig, nickte Wera. — Glaub mir.

Auch Oleg Krasnikow wusste Bescheid. Eines Tages kam er ins Büro und legte einen Umschlag auf den Tisch.

— Was ist das? fragte Katja überrascht.

— Vorschuss, zuckte er mit den Schultern. — Sie brauchen gerade Geld. Für die Renovierung.

— Oleg Wjatscheslawowitsch, ich kann das nicht einfach so nehmen.

— Das ist nicht „einfach so“, er drehte sich zur Tür. — Das ist ein Vorschuss für ein künftiges Projekt. Wir haben im März einen großen Auftrag. Sie werden ihn leiten. Also nehmen Sie’s. Sie verdienen es wieder rein.

Er ging. Katja öffnete den Umschlag. Fünfzigtausend Rubel.

Am Abend rief sie die Mutter an.

— Mama, ich habe einen Vorschuss bekommen. Einen großen.

— Das ist gut, mein Mädchen.

— Mama, ich will dir einen neuen Mantel kaufen. Den, den du schon lange willst. In dem Laden, weißt du noch?

Ljudmila Petrowna schwieg. Dann leise:

— Katjuscha, nicht nötig. Behalte es.

— Mama, bitte. Lass mich dir eine Freude machen.

Die Mutter weinte. Katja hörte es durch den Hörer.

— Ich bin so stolz auf dich, sagte Ljudmila Petrowna. — So stolz, mein Mädchen.

Am fünfundzwanzigsten Februar war Gericht. Katja kam früh. Saß im Flur und wartete. Pascha kam nicht. Er schickte einen Vertreter.

Die Richterin las den Antrag vor. Fragte, ob es Vermögensansprüche gäbe. Katja sagte: nein. Paschas Vertreter sagte ebenfalls: nein.

— Die Ehe wird geschieden, erklärte die Richterin.

Das war’s. Vier Jahre endeten mit einem Satz.

Katja trat aus dem Gerichtsgebäude. Draußen war es sonnig. Der Schnee begann zu schmelzen. Rinnsale liefen über die Gehwege.

Sie nahm ihr Handy und schrieb der Mutter: „Es ist erledigt. Geschieden.“

Die Mutter antwortete sofort: „Komm her. Ich warte.“

Katja nahm ein Taxi. Fuhr zur Mutter. Ljudmila Petrowna öffnete, umarmte sie. Sie standen im Flur und hielten sich fest.

— Alles gut, flüsterte die Mutter. — Alles wird gut.

— Ich weiß, Katja schmiegte sich an sie. — Mama, ich weiß.

Der März kam mit Wärme. Der Schnee war in einer Woche weg. Die Stadt wachte aus dem Winter auf. Katja beendete die Renovierung in der Wohnung. Grigorij Petrowitsch half, einen neuen Schrank zusammenzubauen, Regale aufzuhängen.

— So ist’s brav, musterte er das Zimmer. — Jetzt ist’s schön.

— Danke Ihnen, Katja schenkte ihm Tee ein. — Ohne Sie hätte ich das nicht geschafft.

— Ach was, winkte er ab. — Ich helfe gern.

Sie saßen in der Küche. Draußen sangen Vögel. Die ersten Frühlingsvögel.

— Jekaterina, Grigorij Petrowitsch sah sie an. — Machen Sie sich keine Sorgen. Alles wird sich einrenken. Sie haben noch das ganze Leben vor sich.

— Ich weiß, Katja lächelte. — Ich sorge mich nicht. Mir geht’s gut.

Und das stimmte. Es ging ihr gut. Zum ersten Mal seit vier Jahren — wirklich gut.

Am nächsten Tag rief Wera an und fragte, ob sie spazieren gehen wolle. Katja sagte ja. Sie gingen durch den Park, tranken Kaffee aus Pappbechern.

— Wie geht’s dir? fragte Wera.

— Gut, nickte Katja. — Wirklich gut.

— Meldet Pascha sich?

— Nein. Und muss auch nicht.

Wera legte einen Arm um sie.

— Ich bin stolz auf dich, Katja. Du bist stark.

— Ich habe nur gemacht, was ich machen musste, zuckte Katja mit den Schultern. — Ich bin gegangen.

Sie liefen noch ein Stück, dann musste Wera nach Hause – die Kinder warteten. Katja blieb im Park, setzte sich auf eine Bank und sah zu: Kinder rannten, junge Mütter schoben Kinderwagen, alte Männer fütterten Tauben.

Das Leben ging weiter. Ohne Pascha. Ohne seine Mutter. Ohne ihre Launen und Forderungen.

Katja nahm ihr Handy, sah auf den Bildschirm und schrieb dann der Mutter: „Mama, am Wochenende komme ich. Gehen wir ins Kino?“

Die Mutter antwortete sofort: „Natürlich, mein Mädchen! Ich warte!“

Katja steckte das Handy weg, stand auf und ging nach Hause. In ihre Wohnung. Ihre eigene. Wo niemand ihr sagen würde, was sie anziehen soll, wie sie auszusehen hat, wohin sie gehen soll.

Wo sie frei war.

Und zum ersten Mal seit Langem fühlte Katja sich glücklich. Nicht dieses künstliche, aufgesetzte Glück, das sie mit Pascha gehabt hatte. Sondern echtes. Eines, das von innen kam.

Sie ging die Straße entlang, und auf ihrem Gesicht lag ein Lächeln. Ein echtes Lächeln.

Das Leben ging weiter. Und es war gut.

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