Die Schwiegermutter machte vor den Gästen eine giftige Bemerkung über meine angebliche „Geizigkeit“. Doch ich erinnerte sie ruhig daran, wer hier eigentlich gewohnt war, auf fremde Kosten zu leben…

Die Schwiegermutter machte vor den Gästen eine giftige Bemerkung über meine angebliche „Geizigkeit“. Doch ich erinnerte sie ruhig daran, wer hier eigentlich gewohnt war, auf fremde Kosten zu leben…

— Katuscha, warum hast du denn beim Dessert so geknausert? Eine einzige Torte für so eine Menschenmenge!

Die Stimme von Sinaida Semjonowna, schrill und beißend wie billiges Parfüm, übertönte das Stimmengewirr. Die Gäste, die sich im geräumigen Wohnzimmer von Katjas Dreizimmerwohnung versammelt hatten, verstummten verlegen. Witia, Katjas Mann, stupste sie sofort mit dem Ellbogen in die Seite und fauchte:

— Mensch, konntest du nicht zwei bestellen? Ich hab dir doch gesagt, Mama liebt „Vogelmilch“!

Katja drehte langsam den Kopf. Auf ihrem Gesicht erstarrte ein höfliches, eisiges Lächeln.

— Ich habe bestellt, was ich für richtig hielt, Witia.

Sie spürte, wie ihr die vertraute dumpfe Müdigkeit die Schläfen hinaufkroch. Es war ihr Geburtstag. Theoretisch. In der Praxis war es mal wieder ein Auftritt von Sinaida Semjonowna, die „ihrer Schwiegertochter half“, Gäste zu empfangen — in Katjas eigener Wohnung. Einer Wohnung, die sie lange vor der „glücklichen“ Heirat gekauft hatte.

Am Abend, als der letzte Gast gegangen war und Sinaida Semjonowna sich — unter Klagen über „Magenverstimmung von Katjas Kochkünsten“ — in ihr Zimmer zurückgezogen hatte (ehemals Katjas Arbeitszimmer), begann Witia mit seiner „Fehleranalyse“.

— Du hättest Mama gegenüber höflicher sein können! — begann er, während er die Reste eben jener Torte in sich hineinschob. — Sie ist schließlich eine ältere Person!

— Eine ältere Person, Witia, würde nicht öffentlich die Hausherrin als geizig bezeichnen, — Katja räumte mechanisch das Geschirr ab. Ihre Hände, mit teuren Ringen geschmückt — Geschenke an sich selbst für erfolgreiche Projekte — bewegten sich schnell und sicher. Sie war Finanzdirektorin in einem großen Unternehmen, und ihre Energie schien ein physisches Gewicht zu besitzen.

— Ach komm, „geizig“! Wie empfindlich du bist! Sie hat doch nur Spaß gemacht! — Witia verdrehte grinsend die Augen. — Du nimmst immer alles gleich zu ernst. Du hast keinen Sinn für Humor.

Katja blieb stehen und sah ihren Mann an. Das schöne, gepflegte Gesicht, das sie einst liebte, kam ihr jetzt vor wie eine Maske. Eine heuchlerische, schwache Maske.

— Nein, Witia. Humor habe ich. Aber meine Geduld — die scheint langsam zu Ende zu gehen.

In dieser Nacht konnte Katja lange nicht einschlafen. Sie starrte auf das Mondlicht, das auf ihren gerahmten Diplomen spielte, die sie gezwungenermaßen ins Schlafzimmer hatte hängen müssen, und dachte nach. Dachte darüber nach, wie es überhaupt so weit gekommen war.

Sinaida Semjonowna und Witia waren vor drei Jahren zu ihr gezogen. Zuerst hatte Sinaida Semjonowna „plötzlich“ ihre winzige Zweizimmerwohnung im Moskauer Umland verkauft, um „dem Sohn bei der Hypothek zu helfen“ (die sie nicht hatten). Das Geld war natürlich sofort „verschwunden“ — entweder unglücklich investiert oder einfach in Luft aufgelöst. Und Witia, der „erfolgreiche Freelancer“, hatte nun seit einem Jahr keine Aufträge mehr, verbrauchte aber fleißig das Geld von Katjas gemeinsamer Karte für „Repräsentationsausgaben“.

Sie lebten in ihrer Wohnung, aßen ihr Essen, nutzten ihre Ressourcen. Und dennoch gelang es beiden — Mutter und Sohn — auf sie herabzusehen, als wäre sie das Personal, das sie merkwürdigerweise auch noch finanzieren musste.

„Warum ertrage ich das?“ — Diese Frage, die bisher nur schwach im Hinterkopf glimmte, loderte plötzlich mit brutaler Kraft auf. „Ich unterhalte sie. Ich zahle alles. Und im Gegenzug werde ich als geizig beschimpft?“

Ihre innere Disziplin, die ihr im Beruf stets half, erwachte endlich auch im Privatleben. Es war keine Entscheidung aus Wut. Es war eine kalte, präzise Berechnung.

Am nächsten Tag fuhr Katja früher als sonst zur Arbeit. Und am Mittag schaute ihre Tante, Alla Borisowna, im Büro vorbei. Eine kleine, spöttische Frau mit durchdringenden Augen, war Alla eine der besten Notarinnen der Stadt und besaß genau diesen Sinn für Humor, der Katja laut Witia angeblich fehlte.

— Allotschka, hallo! Was für ein Zufall? — Katja freute sich aufrichtig.

— Hallo, Direktorin! Ich war in der Nähe und wollte schauen, wie du deine Kapitalisten hier in Schach hältst. — Alla ließ sich in den Besuchersessel fallen. — Was ist das für ein Gesicht? Haben deine häuslichen Blutsauger wieder dein Blut getrunken und sich beschwert, es sei nicht süß genug?

Katja schmunzelte — und erzählte plötzlich alles. Von der Torte, der „Geizigen“, und von Witias „Freelance-Karriere“.

Alla hörte schweigend zu, trommelte nur mit den Fingern auf die Armlehne.

— Verstehe, — sagte sie schließlich. — Ich hatte mal eine Mandantin. Auch so eine „Heilige Einfalt“. Sie schleppte ihren Nichtsnutz von Mann und seine Mutter mit durch. Die warfen ihr auch ständig „Geiz“ vor, als sie ihnen kein Geld für ein neues Auto geben wollte. Weißt du, was „Geiz“ für solche Leute bedeutet? Dass du dein eigenes Geld für dich ausgibst und nicht für sie.

— Und was hat sie getan? — fragte Katja leise.

— Was wohl? Nichts. Sie hat einfach… den Zähler eingeschaltet. — Alla lächelte verschmitzt. — Verstehst du, Katjuscha, im Zivilgesetzbuch gibt es wunderbare Artikel. Und im Wohnungsrecht noch bessere. Besonders wenn die Wohnung dein persönliches, voreheliches Eigentum ist.

Sie blieben noch eine Stunde zusammen sitzen. Als Alla ging, fühlte Katja sich, als wäre eine Betonplatte von ihren Schultern genommen worden. Sie hatte einen Plan. Ruhig, entschlossen und vollkommen legal…

Die emotionalen Achterbahnen der vergangenen Tage — von Kränkung und Hilflosigkeit bis zu kalter Wut — kamen endlich an einem Punkt fester Entschlossenheit zum Stillstand.

Eine Woche später bat Katja erneut zu sich nach Hause. Genauer gesagt, nicht Gäste — sondern einen „Familienrat“. Nur zu dritt: sie, Witia und Sinaida Semjonowna.

Auf dem Couchtisch im Wohnzimmer stand diesmal keine Vase mit Blumen, sondern drei sauber zusammengestellte Dokumentenordner.

— Katjuscha, was sind das für Überraschungen? — Sinaida Semjonowna war in bester Laune. Sie hatte sich bereits einen neuen Pelzmantel auf Katjas Kosten ausgeguckt.

— Ein Abend voller Überraschungen, Sinaida Semjonowna, — Katja lächelte ihr bezauberndstes, professionelles Lächeln. Jenes, das ihren Mitarbeitern regelmäßig Gänsehaut bereitete. — Kommen wir zur Sache.

Sie nahm den ersten Ordner zur Hand.

— Das ist für Sie, Sinaida Semjonowna. Ein Mietvertrag. Für das Zimmer, in dem Sie so freundlich waren zu wohnen.

— Was?! — Sinaida Semjonowna riss ihr die Unterlagen aus der Hand. — Miete?! In der Wohnung meines Sohnes?!

— In meiner Wohnung, — korrigierte Katja sanft. — Witia ist hier als mein Ehemann gemeldet. Und Sie… verzeihen Sie, welchen Status haben Sie laut Wohnungsrecht? Richtig — keinen. Daher gilt ab dem Ersten — sie deutete auf die Zahl — dieser Betrag. Ganz human, das versichere ich Ihnen. Fast geschenkt. Plus die Hälfte der Nebenkosten.

Sinaida Semjonownas Kiefer klappte nach unten.

— Witia! Witia, hast du das gehört?! Sie… sie setzt mich auf die Straße!

Witia sprang auf, rot vor Empörung.

— Katja! Was erlaubst du dir da?! Das ist meine Mutter!

— Eben, Witia. Deine Mutter. — Katja nahm den zweiten Ordner. — Und das hier, Liebling, ist für dich. Unser neuer Haushaltsplan. Getrennt.

— Wie bitte… getrennt? — Witia verstand offensichtlich nichts.

— Genau so. Ich habe unsere gemeinsame Karte geschlossen, auf die, aus irgendeinem Grund, ausschließlich mein Gehalt einging. Ab morgen zahlen wir für Essen, Haushalt und alles andere jeweils fünfzig Prozent. Dein Anteil — sie tippte erneut auf die Zahl — ist hier. Angesichts deines „erfolgreichen Freelancings“ wirst du das doch sicher mühelos schaffen, oder?

Sie lehnte sich entspannt zurück.

— Ach ja. Beinahe hätte ich es vergessen. — Sie nahm den dritten, den dünnsten Ordner. — Das ist die Rechnung. Für die letzten drei Jahre. Für Unterkunft, Verpflegung und sonstige „Kleinigkeiten“. Sozusagen eine Entschädigung für meine „Geizigkeit“. Keine Eile — Sie haben zwei Wochen Zeit, alles in Ruhe zu überdenken.

Die Stille im Raum wurde ohrenbetäubend.

— Du… du… — Sinaida Semjonowna rang nach Luft. — Schamlose! Hast dir einen Schmarotzer angelacht!

— Da irren Sie sich, — Katja lachte, diesmal aufrichtig. — Ein „Schmarotzer“, Sinaida Semjonowna, ist ein Mann, der auf Kosten einer Frau lebt. Ich passe, wie Sie sehen, nicht so recht in dieses Bild. Aber Witia… — sie sah ihren Mann mit gespielter Zärtlichkeit an, — …Witia war da wohl nah dran.

— Ich… ich lass mich scheiden! — kreischte Witia. — Ich werde dir die Hälfte abklagen!

— Versuch’s nur, — sagte Katja achselzuckend. — Nur fürchte ich, dass du lediglich deine eigenen Schulden teilen wirst, die du über meine Konten angehäuft hast. Die Wohnung, erinnerst du dich, ist vorehe-lich. Und das Auto übrigens auch.

Zwei Tage später, als Katja von der Arbeit nach Hause kam, fand sie Koffer im Flur.

Sinaida Semjonowna funkelte sie mit bösen Augen an und zischte Verwünschungen. Witia, bleich und wütend, versuchte verzweifelt, ein Taxi zu rufen.

— Oh, ihr zieht aus? — Katja lehnte sich elegant an den Türrahmen. — Und wie steht’s mit dem Vertrag?

— An deiner Wohnung sollst du ersticken, du Geizkröte! — fauchte Sinaida Semjonowna.

— Ganz bestimmt, — nickte Katja. — Witia, Liebling, du vergisst doch nicht, mir deinen Anteil für diesen Monat zu überweisen? Ich schicke dir die Rechnung.

Die Tür knallte.

Katja ging ins Wohnzimmer. Die Wohnung war ungewohnt still. Sie trat ans Fenster und öffnete es weit. Frühlingsluft strömte herein — voller Staub, aber auch voller neuer Möglichkeiten.

Sie verspürte kein Triumphgefühl. Nein. Sie fühlte sich wie ein Chirurg, der erfolgreich einen bösartigen Tumor entfernt hat. Es tat weh, es war unangenehm, aber es war notwendig. Sie fühlte… Erleichterung. Und ein tiefes, berauschendes Gefühl von Selbstachtung, das sie sich selbst zurückgegeben hatte.

Man sagt, eine fremde Familie sei wie im Dunkeln tappen. Aber manchmal muss man, um in seiner eigenen aufzuräumen, einfach rechtzeitig das Licht einschalten. Und keine Angst haben, die Rechnung zu präsentieren.

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