— Mama hat vorgeschlagen, den Kredit auf deinen Namen aufzunehmen, sagte mein Mann. In diesem Moment verstand ich: Unsere Ehe war vorbei. Ich konnte nicht in einem Dreieck leben.

— Mama hat vorgeschlagen, den Kredit auf deinen Namen aufzunehmen, sagte mein Mann. In diesem Moment verstand ich: Unsere Ehe war vorbei. Ich konnte nicht in einem Dreieck leben.

— Meinst du das gerade ernst? — Nastjas Stimme brach. — Einen Kredit auf MICH aufnehmen? Für deine Mutter?

— Nastja, fang nicht wieder an, seufzte Alexej erschöpft und warf den Ordner mit den Unterlagen auf den Tisch. — Es geht nicht um Mama. Es geht um uns alle.

— Uns alle? — sie lächelte kalt. — Mich, dich und deine Mutter, die lebt wie in einer Serie über ewige Leidtragende? Kleiner Spoiler: Ich habe mich nicht als Hauptfigur der dritten Staffel verpflichtet.

In der Küche herrschte Stille, nur das Ticken der billigen Uhr über dem Kühlschrank erinnerte unerträglich an die Zeit. Oktober. Feucht, kalt, mit Pfützen am Eingang und diesem ekelhaften Wind, der bis auf die Knochen ging. Nastja stand am Fenster und beobachtete, wie einzelne Blätter unter der Laterne tanzten.

Alexej schwieg und stocherte mit dem Löffel in der leeren Tasse.

— Mama ist einfach erschöpft — sagte er schließlich, als würde er sich rechtfertigen. — Die Nachbarn machen Lärm, das Dach ist undicht, das Haus ist alt. Sie ist eben allein.

— Sie ist nicht allein, Ljosh, — Nastja drehte sich scharf zu ihm. — Sie hat dich. Und offenbar jetzt auch mich. Als Kreditgeberin.

— Übertreib nicht, er runzelte die Stirn. — Das ist nur Hilfe.

— Hilfe ist, wenn man eine Einkaufstüte hochträgt oder eine Steckdose repariert. Nicht wenn man die eigene Frau unter eine Hypothek für eine fremde Wohnung schiebt, sagte Nastja ruhig, doch jeder Satz traf wie eine Ohrfeige.

Alexej lehnte sich zurück:

— Du willst einfach nicht helfen. Du bist geizig.

— Geizig? — sie lachte kurz und bitter. — Ich habe nur Mitleid mit mir selbst, Ljosh. Mitleid, dass ich mich mit einem Mann eingelassen habe, der Liebe nicht von Bequemlichkeit unterscheiden kann.

Er wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment klingelte es an der Tür. Ein langer, unverschämter Klingelton — als stünde draußen ein Geldeintreiber und nicht ein Familienmitglied. Nastja fragte nicht einmal — sie wusste es.

— Mama, murmelte Alexej und ging in den Flur.

— Überraschung, murmelte Nastja leise. — Das Drama-Paket ist eingetroffen.

Nina Petrowna trat herein wie eine Hausherrin, mit einer Plastiktüte aus dem Supermarkt, in der Gläser und Behälter klapperten.

— Hallo, meine Lieben, sagte sie, als würde sie alte Schulfreunde zum Tee besuchen und nicht eine Wohnung betreten, in der gerade ein Streit tobte. — Ich habe Frikadellen mitgebracht. Selbstgemachte.

Nastja musste sich den Sarkasmus verkneifen:

— Danke, Nina Petrowna. Wir haben gerade die Hypothek auf meinen Namen besprochen. Guten Appetit.

— Oh, die Schwiegermutter kniff die Augen zusammen, als verstünde sie nichts. — Alexej, du hast es schon erzählt? Na, du bist aber schnell.

— Mama, ich wollte, dass wir das gemeinsam entscheiden… begann Alexej, doch seine Mutter fuhr schon fort.

— Nastjenka, begann sie sanft, doch in ihrer Stimme klang Stahl, — das ist nicht einfach eine Wohnung. Das ist Stabilität. Eine Familie muss sich gegenseitig helfen.

— Familie — ja. Aber ich bin mir nicht sicher, dass wir beide dieselbe Familie sind, sagte Nastja kühl.

— Oh, was für Worte! — Nina Petrowna schlug dramatisch die Hände zusammen. — Sag es ruhig noch einmal: Ist dir schade, der Mutter deines Mannes zu helfen?

— Mir ist schade um meine letzten Nerven, erwiderte Nastja. — Vor allem, wenn ich nicht einmal weiß, dass mein Mann mich schon als Kreditgeberin einplant.

— Ach, hör doch auf! — Nina Petrowna winkte ab. — Das sind doch nur Papiere. Wichtig ist die Einstellung.

— Eben, Nastja trat einen Schritt näher. — Die Einstellung. Und die ist bei Ihnen: nehmen, so tun, als hätte man nur geborgt, und dann beleidigt sein, wenn es keiner zurückgibt.

Alexej sprang auf, als wolle er die Situation retten:

— Hört auf! Ihr seid beide emotional. Mama, setz dich. Nastja, beruhige dich.

Doch beide ignorierten ihn.

— Weißt du, Nastjenka, sagte die Schwiegermutter und sah ihr direkt in die Augen, — wenn du nicht helfen willst, dann stör wenigstens nicht. Manche Frauen sind stolz darauf, ihren Mann zu unterstützen, statt ihn zu kritisieren.

— Und manche Frauen sind stolz darauf, sich in das Leben ihres Sohnes einzumischen und dann die Opferrolle zu spielen, konterte Nastja.

Alexej hob die Hände:

— Stopp! Keine Beleidigungen!

— Keine Beleidigungen, wiederholte Nastja ruhig. — Gut. Dann sage ich es ohne Emotionen: Ich nehme keinen Kredit. Nie. Unter keinen Umständen.

Nina Petrowna schmollte wie ein Mädchen, dem man das Spielzeug weggenommen hatte.

— Na ja, dann weiß ich auch nicht… Sie seufzte theatralisch. — Vielleicht leiht ihr mir wenigstens ein bisschen? Nur vorübergehend.

— Mama! — rief Alexej auf. — Wir hatten doch abgemacht: Keine Geldfragen!

Nastja lachte — leise, aber mit genau dem Ton, der ihm immer einen Knoten in den Magen machte.

— Aha. Also wusstest du, dass sie wieder betteln kommt.

— Nastja, ich… begann er, doch sie ließ ihn nicht ausreden.

— Lass gut sein. — Sie schnappte sich ihr Telefon, öffnete die Anrufliste und tippte auf den Bildschirm.

— Was machst du? Alexej spannte sich an.

— Ich rufe Lena an, sagte sie ruhig. — Ich übernachte heute bei ihr. Und ihr… klärt hier, wer wem was und wie viel schuldet.

— Nastja, bitte warte, er stand auf und packte ihre Hand. — Warum gleich so drastisch?

— Weil es zu spät ist für „nicht drastisch“. Sie riss ihre Hand los. — Ich bin kein Kreditinstitut, Ljosh. Und auch nicht das Pfand deiner Mutter.

Sie zog die Jacke an, schloss den Reißverschluss und ging, ohne sich umzudrehen, in das dunkle Treppenhaus. Die Tür schlug zu, der Knall hallte im Flur nach.

Alexej blieb mit hängenden Armen stehen und starrte auf die Tür, während Nina Petrowna ihm im Rücken zuflüsterte:

— Schon gut, mein Sohn. Sie beruhigt sich wieder. Alle Frauen sind so. Du darfst nur nicht nachgeben.

Doch er schwieg. Denn zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte er keinen Sieg — sondern eine Niederlage, tief und zäh wie der Schlamm im Regen.

Die nächsten Tage zogen sich. Nastja mietete ein Zimmer bei ihrer Freundin, schleppte ihren Laptop zur Arbeit und zurück, lebte im Autopilot. Morgens — Kaffee, U-Bahn, Berichte, Anrufe. Abends — Stille, Tee und Gedanken, von denen man schreien wollte.

Alexej rief die ersten drei Tage nicht an. Dann schrieb er:

„Es tut mir leid. Wir müssen reden.“

„Mama meint es nicht böse.“

„Du hast alles falsch verstanden.“

Sie antwortete nicht.

Am vierten Tag rief er selbst an.

— Nastja, bitte. Ich will das nicht so. Komm zurück. Wir klären alles.

— Wir? wiederholte sie. — Oder du und deine Mutter?

— Ich. Wirklich. Ich habe verstanden, dass ich übertrieben habe.

Nastja schwieg lange.

— Gut, sagte sie schließlich. — Ich komme morgen. Aber nicht zu dir — ich komme nur, um meine Sachen zu holen.

Er wollte etwas sagen, aber die Verbindung brach ab. Sogar die Stille im Hörer klang wie ein Punkt.

— Oh, du bist also erschienen, — Alexej stand an der Tür wie ein Sicherheitsmann im Einkaufszentrum, — als wärst du eine Kontrolleuse und nicht meine Frau.

— Entspann dich, Nastja zog die Kapuze zurück und schüttelte den Regen aus den Haaren. — Ich hole meine Sachen.

Im Flur roch es nach gebratenen Zwiebeln und irgendeinem Parfüm, von dem Nastja Kopfweh bekam. Sie wusste sofort — Nina Petrowna war wieder hier. Und nicht nur zu Besuch.

— Mama, geh bitte raus, bat Alexej, doch aus der Küche erklang bereits ihre Stimme:

— Ich verstecke mich doch gar nicht. Soll sie ruhig reinkommen. Ich bin doch kein Feind.

Nastja ging langsam in die Küche. Auf dem Tisch standen zwei Teller mit Abendessen, der dritte war mit einem Deckel abgedeckt. Der Tisch war für drei gedeckt.

— Nett, spottete sie. — Ein Familienabendessen ohne eine der Familien.

— Nastja, fang nicht an, sagte Alexej müde und setzte sich wieder. — Ich habe Mama nur gebeten, mir bei ein paar Sachen zu helfen.

— Aha, zu helfen. Also hier zu wohnen. In MEINER Mietwohnung.

Nina Petrowna zuckte nicht einmal:

— Ich bin nur vorübergehend hier. Bis der Renovierungsarbeiten vorbei sind.

— Renovierung? — Nastja hob eine Augenbraue. — Ach, die Renovierung, für die ich einen Kredit aufnehmen sollte. Und jetzt macht ihr sie ohne den Kredit?

— Sei nicht sarkastisch, die Schwiegermutter sah sie streng an. — Wir haben eine günstigere Lösung gefunden. Alexej hat sich mit einem Handwerker geeinigt.

Nastja schüttelte den Kopf.

— Alexej, sag ehrlich: Dir ist klar, dass ich nicht zurückkomme, oder?

Er hob abrupt den Blick:

— Sag keinen Unsinn. Natürlich kommst du zurück. Das hier sind alles nur Emotionen.

— Emotionen? — Nastja schnaubte. — Wenn mein Mann hinter meinem Rücken zu Banken rennt — sind das Emotionen? Wenn die Schwiegermutter meine „Gier“ mit ihren Freundinnen durchkaut? Ich habe inzwischen eine Allergie auf das Wort „Familie“.

— Wer hat dich überhaupt gebeten, das alles so zu dramatisieren?! — platzte Alexej. — Wir wollten doch nur Mama helfen!

— Eben, Nastja hob den Finger. — Mama. Nicht uns. Nicht dir. Nicht mir. Denkst du nicht, dass du ständig nach den Bedürfnissen anderer lebst?

Er sprang auf:

— Ich bin einfach ein guter Sohn!

— Und ein schlechter Ehemann, ergänzte sie ruhig. — Und das gleicht sich nicht aus.

Es entstand eine Pause. Selbst Nina Petrowna fand keine Worte. Nur ein Löffel klirrte gegen einen Teller.

— Weißt du, Nastjenka, sagte sie leise, aber mit diesem Ton, der Nastja immer in der Brust zusammenzog, — du kannst einfach nicht verzeihen.

— Nein, Nastja trat näher. — Ich kann mir nur sehr gut merken, wer sich wie verhält.

— Wem brauchst du denn mit so einem Charakter?! — rief die Schwiegermutter. — Du konntest deinen Mann nicht halten und zerstörst dein Zuhause mit deinen eigenen Händen!

— Zuhause? — Nastja lachte bitter. — Zuhause zerstören nicht Frauen, sondern diejenigen, die ihnen Kreditverträge statt Blumen unterjubeln.

Alexej versuchte einzugreifen:

— Genug jetzt! Mama, geh ins Zimmer.

— Nein, sagte Nastja und hob die Hand. — Sie kann bleiben. Für mich ist das sogar einfacher.

Sie trat zum Tisch, legte den Schlüsselbund und die Bankkarte darauf.

— Hier, Ljosh. Zahl die Miete selbst. Den Vertrag lasse ich morgen auf mich umschreiben. Du kannst bis Monatsende hierbleiben, danach — sieh zu, wie du klarkommst.

— Das meinst du ernst? — Alexej wurde blass. — Wir waren doch zusammen…

— Waren, korrigierte sie. — Bis du beschlossen hast, dass gemeinsames Leben ein gemeinsamer Kredit für dreißig Jahre ist.

Nina Petrowna beugte sich vor:

— Was bildest du dir eigentlich ein?! Ohne ihn bist du niemand! Mit dem Gehalt einer kleinen Buchhalterin kommst du nicht weit!

— Aber ich komme allein voran, drehte sich Nastja scharf zu ihr. — Und nicht mit euch als Anhängsel.

Sie ging ins Schlafzimmer und packte die Tasche, ohne sich umzusehen. Ganz einfach: Kleidung, Laptop, Dokumente, Ladegeräte. Keine Sentimentalitäten.

Alexej stand im Türrahmen, gelehnt an den Pfosten:

— So einfach? Du gehst einfach und versuchst nicht einmal, zu reden?

— Wir reden doch, sagte sie, ohne aufzusehen. — Du magst nur nicht das, was du hörst.

— Nastja, er trat näher, — geh nicht. Ich tu doch alles für dich.

Sie drehte sich um.

— Für mich? Nein, Ljosh. Du bist nur daran gewöhnt, dass ich da bin. Um aufzuräumen, zu retten, zu unterschreiben. Und wenn ich nicht mehr praktisch bin — rufst du Mama.

Er schwieg. Seine Augen wanderten nervös wie bei jemandem, der ertappt wurde.

— Weißt du, was am meisten weh tut? — fuhr Nastja fort. — Dass ich dich wirklich geliebt habe. Ich dachte, wir würden zusammen wachsen, ein Team werden. Und am Ende bist du mit Mama ein Team — und ich sitze auf der Ersatzbank.

Alexej senkte den Kopf:

— Ich wollte das nicht so.

— Ob du wolltest oder nicht — spielt keine Rolle, Nastja schloss die Tasche. — Wichtig ist, was du getan hast.

Aus der Küche ertönte wieder Nina Petrownas Stimme:

— Lass sie gehen! Sie kommt sowieso zurück. Solche wie sie kommen immer zurück!

Nastja sah zur Küchentür und lächelte kalt:

— Frag in ein paar Jahren nach. Aber ehrlich gesagt — ich würde nicht drauf warten.

Sie zog ihren Mantel an, holte aus der Tasche den Ring und legte ihn auf die Kommode beim Spiegel.

— Du musst ihn nicht zurückgeben, sagte sie leise. — Ich habe ihn getragen, weil ich geglaubt habe.

— Nastja… — Alexej ging auf sie zu.

— Zu spät, unterbrach sie ihn. — Wenn eine Frau nicht mit einem Skandal geht, sondern schweigend — dann ist es endgültig.

Die Tür fiel ins Schloss.

Draußen nieselte es. Nastja ging die Allee entlang, ohne den Schirm zu öffnen. Sie atmete die kalte Luft ein und fühlte zum ersten Mal seit Langem Leichtigkeit. Vor ihr lag Ungewissheit — aber wenigstens eine ehrliche.

Sie blieb an einem Kiosk stehen, kaufte einen Kaffee im Pappbecher und nahm ihr Telefon heraus.

Auf dem Bildschirm blinkte eine Nachricht von Alexej: „Es tut mir leid. Ich habe alles verstanden. Komm zurück. Wir fangen neu an.“

Sie starrte lange auf die Worte. Dann drückte sie einfach „löschen“.

Der Kaffee war heiß, unerträglich bitter — und genau richtig.

Menschen kamen ihr entgegen — einige mit Blumen, andere mit Tüten, wieder andere mit diesen Gesichtern, auf denen „alles gut“ steht, obwohl innen ein Sturm tobt. Nastja dachte: Wahrscheinlich steht jeder irgendwann an so einer Kreuzung — zwischen „aushalten“ und „leben“.

Und sie wählte zum ersten Mal das Zweite.

Sie ging in Richtung Metro und ließ die Wohnung hinter sich, in der es keine ihrer Tassen, kein Lachen und keine Ängste mehr geben würde.

Nur fremde Frikadellen, fremde Pläne und die fremde Gewissheit, dass sie „sowieso zurückkommt“.

Aber sie — kommt nicht zurück.

Denn jetzt beginnt nicht einfach ein neues Leben.

Sondern ihr eigenes.

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: