— Warum ist das Abendessen nicht fertig, und warum hast du keine Lebensmittel gekauft? — fragte Galinas Mann empört. — Ist das etwa ein Streik?

— Warum ist das Abendessen nicht fertig, und warum hast du keine Lebensmittel gekauft? — fragte Galinas Mann empört. — Ist das etwa ein Streik?

Galina stand mitten in der Küche und drehte langsam die Heiratsurkunde in den Händen. Zwei Jahre. Erst zwei Jahre waren vergangen, seit sie und Arkadij im Standesamt gestanden und sich ewige Liebe geschworen hatten. Damals schien es ihr, als läge ein ganzes Leben voller Glück und gegenseitigen Verständnisses vor ihnen.

— Warum ist das Abendessen nicht fertig, und warum hast du keine Lebensmittel gekauft? — fragte ihr Mann erneut verärgert. — Ist das ein Streik?

Arkadij betrat die Wohnung wie immer gegen acht Uhr abends. Ein großer, sportlicher Mann von zweiunddreißig Jahren, mit dunklem Haar und braunen Augen. Er arbeitete als Verkaufsmanager in einer Baufirma und sah sich als Versorger der Familie. Galina hingegen war als Administratorin in einem medizinischen Zentrum beschäftigt, aber ihr Gehalt war fast ebenso hoch wie seines.

— Ja, Arkadij, antwortete Galina ruhig, während sie das Dokument in eine Mappe legte. — Das ist ein Streik. Du kannst ihn als unbefristet betrachten.

— Was für einen UNSINN redest du da? — empörte sich der Mann und warf seine Aktentasche auf den Boden. — Bist du völlig verrückt geworden? Eine Ehefrau hat ihrem Mann Essen zu kochen, das ist deine PFLICHT!

Galina hob ihre grünen Augen zu ihm. Sie war achtundzwanzig Jahre alt, trug ihr dunkelblondes Haar meist zu einem Pferdeschwanz gebunden, und in ihrem Gesicht war kein Hauch von Make-up — dafür blieb keine Zeit, wenn man von früh bis spät wie ein Hamster im Rad rennt.

— Pflicht? — wiederholte sie, und in ihrer Stimme klangen harte, stählerne Töne. — Und wo sind deine Pflichten, Arkadij? Oder hast du etwa KEINE?

— Ich verdiene das Geld! — schrie er auf. — Ich bin der Mann im Haus!

— Ach ja, der Mann? — Galina lächelte bitter. — Ein Mann, der nicht einmal seinen eigenen Teller abwaschen kann? Der überall seine Sachen herumliegen lässt? Der glaubt, dass Waschen, Putzen, Kochen ausschließlich Frauensache ist?

— So ist es! — erklärte Arkadij trotzig. — Mein Vater hat nie im Haushalt geholfen, und mein Großvater auch nicht. Das ist Frauenarbeit!

— Dein Vater lebte in einer anderen Zeit, erwiderte Galina. — Und deine Mutter hat nicht gearbeitet, sie war Hausfrau. Ich hingegen komme ungefähr zur selben Zeit heim wie du. Manchmal sogar später.

Alles hatte vor einem Monat begonnen. Galina war bei ihrer Freundin Marina zu Besuch gewesen, die kürzlich Pavel geheiratet hatte. Was sie dort sah, stellte ihr Bild von Ehe völlig auf den Kopf. Pavel bereitete das Abendessen zu, während Marina sich nach der Arbeit ausruhte. Danach deckten sie gemeinsam den Tisch und räumten anschließend zusammen ab. Niemand befahl etwas, niemand erwartete etwas — sie machten einfach alles zusammen.

— Bei uns hat sich das irgendwie von selbst so ergeben, erklärte Marina, als Pavel die Küche verließ. — Wir arbeiten beide, wir sind beide müde. Es wäre doch dumm, alles auf einen abzuwälzen.

Damals begann Galina nachzudenken. Warum musste sie eigentlich den ganzen Haushalt alleine stemmen? Sie arbeitete ebenfalls Vollzeit, war ebenfalls erschöpft. Doch sobald sie nach Hause kam, begann ihre zweite Schicht: kochen, putzen, waschen, bügeln. Und Arkadij lag in dieser Zeit auf dem Sofa, mit dem Handy in der Hand oder vor dem Fernseher.

An jenem Abend, als sie nach Hause zurückkam, versuchte sie mit ihrem Mann zu reden.

— Arkash, begann sie sanft und setzte sich neben ihn aufs Sofa. — Lass uns die Hausarbeit aufteilen. Ich verstehe, dass du bei der Arbeit müde wirst, aber ich werde es auch. Vielleicht könnten wir alles abwechselnd machen?

Arkadij riss den Blick vom Smartphone los und sah sie an, als wäre sie verrückt geworden.

— Galia, ist bei dir alles in Ordnung? — fragte er. — Was für Pflichten denn? Ich habe eine Pflicht — Geld zu verdienen. Deine Pflicht ist es, den Haushalt in Ordnung zu halten. Ganz logisch.

— Aber ich arbeite doch auch! — widersprach Galina.

— Na und? — Arkadij zuckte mit den Schultern. — Das ist deine persönliche Sache. Wenn du arbeiten willst — bitte. Wenn du lieber zu Hause bleiben willst — auch gut. Aber der Haushalt — das ist dein Bereich.

— Das heißt, du WEIGERST dich, mir zu helfen? — stellte Galina klar.

— Ich weigere mich nicht, — zog der Mann gedehnt hervor. — Ich sehe nur keinen Sinn darin. Jeder hat seine Aufgaben. Du mischst dich doch auch nicht in meine Arbeit ein, oder?

— Arkadij, das ist UNGERECHT! — rief Galina empört.

— Das Leben ist überhaupt ungerecht, — bemerkte er philosophisch und vertiefte sich wieder in sein Telefon.

Dieses Gespräch endete in einem Streit. Galina schrie, dass er ein Egoist und Faulpelz sei, Arkadij warf ihr Hysterie und Launenhaftigkeit vor. Am Ende knallte sie die Schlafzimmertür zu, während er auf dem Sofa weiterschlief.

Nach diesem Streit verging eine Woche. Galina führte den Haushalt weiter, doch mit jedem Tag wuchs die Wut in ihr. Sie stand um sechs Uhr auf, machte Frühstück, bereitete sich für die Arbeit vor. Kam um sieben Uhr abends heim, kochte das Abendessen, räumte die Wohnung auf. Am Wochenende — große Wäsche, Bügeln, Grundreinigung. Und all die Zeit benahm sich Arkadij wie ein Hausherr: verlangte pünktliches Essen, saubere Hemden, gebügelte Hosen.

— Galia, wo sind meine grauen Socken? — brüllte er aus dem Schlafzimmer.

— In der Kommode, in der zweiten Schublade! — rief sie aus der Küche zurück, während sie die Suppe umrührte.

— Da sind sie nicht!

— Doch, schau genauer nach!

— Nein, da sind sie NICHT, sag ich doch! Du hast wieder alles durcheinandergebracht!

Und Galina ging ins Schlafzimmer, öffnete die Schublade und holte die Socken heraus, die direkt obenauf lagen. Arkadij entschuldigte sich nicht einmal — er nahm sie einfach und ging sich anziehen.

Eines Abends, als sie nach dem Essen das Geschirr spülte und ihr Mann wie immer auf dem Sofa hing, zerbrach etwas in ihr. Sie sah auf den Berg schmutziger Teller, auf die überall verstreuten Sachen ihres Mannes, auf ihn selbst — satt, zufrieden, völlig überzeugt davon, dass es genauso sein müsse.

— Weißt du was, Arkadij, — sagte sie und trocknete sich die Hände ab. — Ich kann so nicht mehr.

— Was denn jetzt schon wieder? — brummte er missmutig.

— Ich bin es leid, deine Dienstmagd zu sein, — sagte Galina klar und deutlich. — Entweder du fängst an, mir im Haushalt zu helfen, oder…

— Oder was? — unterbrach er sie spöttisch. — Du gehst? Ach komm, Gal. Wohin willst du denn?

— Wir werden sehen, — antwortete sie geheimnisvoll und verließ das Zimmer.

Am nächsten Tag fasste Galina einen Entschluss. Wenn ihr Mann meinte, dass Hausarbeit ausschließlich ihre Pflicht sei, dann sollte er einmal ohne sie leben. Sie hörte auf, für beide zu kochen — nahm sich nur selbst etwas aus dem Café neben der Arbeit. Hörte auf, seine Sachen zu waschen, seine Hemden zu bügeln, hinter ihm aufzuräumen.

Die ersten zwei Tage lebte Arkadij von belegten Broten und bemerkte keine Veränderungen. Am dritten Tag begann er sich zu empören:

— Galia, was soll das? Warum ist der Kühlschrank leer?

— Ich weiß nicht, — zuckte sie mit den Schultern. — Wahrscheinlich, weil niemand Lebensmittel gekauft hat.

— Dann kauf welche!

— Wozu? Ich brauche keine, ich esse mittags bei der Arbeit.

— Und ich? Soll ich etwa hungrig herumlaufen?

— Das ist dein Problem, Arkadij. Geh in den Laden und kauf dir etwas zu essen.

— Du MACHST dich über mich lustig! — brüllte er. — Das ist deine Pflicht!

— NEIN, antwortete Galina ruhig. — Das ist nicht meine Pflicht. Ich bin nicht deine Haushälterin. Oder du bezahlst mich einfach für die Hausarbeit.

Eine weitere Woche verging. Arkadij versuchte zuerst, auf Mitleid zu machen, dann drohte er, dann versprach er, über ihr Angebot nachzudenken. Doch Galina blieb standhaft. Sie sah, wie ihr Mann hektisch in der Wohnung nach einem sauberen Hemd suchte, wie er versuchte, selbst seine Hose zu bügeln und dabei ein Loch hineinbrannte, wie er nur noch Pelmeni aß, weil er sonst nichts kochen konnte.

— Galia, jetzt reicht’s! — flehte er eines Abends. — Hör mit diesem Zirkus auf!

— Das ist kein Zirkus, — schnitt sie ihm das Wort ab. — Das ist das LEBEN. Genau das Leben, das ich die letzten zwei Jahre geführt habe. Nur habe ich alles für zwei gemacht.

— Tu doch nicht so, als wärst du ein Opfer! — fuhr Arkadij wütend auf. — Alle Frauen leben so!

— Das stimmt nicht, — widersprach Galina. — Ich habe gesehen, wie normale Familien leben. Da sind Mann und Frau Partner — und nicht Herr und Dienstmagd.

— Ach, geh doch zum Teufel! — schimpfte er. — Du hast dir irgendeine unterwürfige Gans zum Vorbild genommen und willst mir jetzt Vorschriften machen!

— Nein, Arkadij, — Galina erhob sich und ging zum Schrank. — Jetzt wirst du gehen.

Sie holte eine Mappe heraus und reichte sie ihm.

— Was ist das? — fragte er verständnislos.

— Der Scheidungsantrag, antwortete Galina ruhig. — Ich habe ihn vor einer Woche eingereicht. Eine Kopie habe ich für dich gemacht.

Arkadij riss ihr die Papiere aus der Hand und überflog die Zeilen. Sein Gesicht lief rot an.

— Du… du MEINST das ernst? — brachte er heiser heraus.

— Absolut, — nickte Galina. — Ich habe meine Sachen gepackt und gehe. Die Wohnung ist gemietet, der Vertrag läuft auf dich. Du kannst bleiben. Oder ausziehen — mir ist es egal.

— Du bist WAHNSINNIG geworden! — brüllte Arkadij. — Wegen ein bisschen Hausarbeit willst du dich scheiden lassen?!

— Nicht wegen der Hausarbeit, — schüttelte Galina den Kopf. — Wegen fehlenden Respekts. Wegen der Tatsache, dass du mich für eine Dienstbotin hältst. Wegen deiner Gleichgültigkeit gegenüber meinen Gefühlen und meiner Erschöpfung.

Sie nahm den vorbereiteten Koffer und ging zur Tür.

— BLEIB STEHEN! — schrie Arkadij. — Wohin gehst du? Lass uns reden!

— Zu spät, — warf sie ihm über die Schulter zu. — Wir hätten vor einem Monat reden müssen. Wie oft habe ich dich darum gebeten, und von dir kam nur Schweigen…

— Galka, bitte geh nicht! — Er rannte ihr hinterher. — Ich… ich werde über dein Angebot nachdenken!

— DU MUSST deine Gehirnzellen nicht überanstrengen — у тебя это всё равно едва ли получится, — schnitt Galina scharf ab und drehte sich zu ihm. — Ich brauche deine „Überlegungen“ nicht mehr. Weißt du, was mir in diesen zwei Wochen klar geworden ist? Dass ich wunderbar allein leben kann. Ohne dich. Denn im Grunde habe ich auch vorher allein gelebt — nur dass ich dich zusätzlich noch bedient habe.

— Ich halte dich doch finanziell!

— Unsinn! — Galina schnaubte verächtlich. — Wir zahlen die Miete zur Hälfte, meine Kleidung kaufe ich selbst, Lebensmittel kaufe ebenfalls ich. Was, bitte schön, hältst du denn an mir?

— Ich… ich fahre zu Mama! — drohte er. — Ich erzähle ihr, wie undankbar du bist!

— Fahr, — Galina zuckte gleichgültig mit den Schultern. — Deine Mutter ist eine kluge Frau, sie wird mich verstehen.

Und sie ging, ließ ihren verblüfften Mann in der Diele stehen.

Arkadij wollte nicht glauben, dass Galina es ernst meinte. In den ersten Tagen war er sicher, dass sie zur Vernunft kommen und zurückkehren würde. Er rief sie hunderte Male am Tag an, schrieb Nachrichten, doch sie antwortete nicht. Die Wohnung verwandelte sich schnell in einen Saustall. Schmutziges Geschirr häufte sich in der Spüle, Kleidung lag auf dem Boden, im Kühlschrank standen nur Bier und Pelmeni.

Nach einer Woche hielt er es nicht mehr aus und fuhr zu seiner Mutter. Jelena Petrowna, eine sechzigjährige Frau, hatte Galina immer sehr gemocht. Galina hatte ihr oft im Haushalt geholfen, sie zu Ärzten begleitet oder einfach nur bei einer Tasse Tee vorbeigeschaut.

— Mama, — begann Arkadij und setzte sich an den Küchentisch. — Galka und ich lassen uns scheiden.

— Ich weiß, — antwortete die Mutter ruhig und goss sich Tee ein. — Sie hat mich angerufen und mir alles erzählt.

— Und du HÄLTST zu ihr?! — empörte sich der Sohn.

— Warum denn nicht? — Jelena Petrowna zuckte mit den Schultern. — Das Mädchen hat richtig gehandelt. Man soll sich nicht wie ein Gutsherr aufführen.

— Mama, was redest du da?! — Arkadij war fassungslos. — Ich bin doch dein Sohn!

— Sohn hin oder her, — nickte die Mutter. — Aber ein Idiot bist du. Eine gute Frau hast du verloren — wegen deiner Faulheit und Geringschätzung.

— Aber sie hat doch NICHTS gemacht! — versuchte sich Arkadij zu rechtfertigen.

— Lügst du etwa?! — fuhr sie ihm scharf dazwischen. — Galina hat mir alles erzählt. Wie du deine Sachen in der ganzen Wohnung verteilt hast, wie du verlangt hast, dass sie dir dient. Schämen solltest du dich, Arkadij! So habe ich dich nicht erzogen!

— Aber Papa hat doch auch…

— Dein Vater hat mir im Haushalt geholfen! — unterbrach sie ihn. — Ja, er hat nicht alles gemacht — die Zeiten waren andere. Aber er hat Geschirr gespült, Lebensmittel getragen, sich um dich gekümmert und Großputz gemacht. Und was machst du? Glaubst du, dass deine Frau, obwohl sie arbeitet, zusätzlich noch zu Hause für dich schaffen muss?

— Mama, kann ich bei dir wohnen? — wechselte Arkadij das Thema. — Bis ich eine Wohnung finde?

Jelena Petrowna sah ihn lange und schweigend an.

— NEIN, — sagte sie fest.

— Was? — Arkadij traute seinen Ohren nicht.

— Nein, du kannst nicht, — wiederholte sie. — Ich habe meinen Teil getan. Ich habe dich großgezogen, ernährt, ausgebildet. Jetzt lebst du alleine. Lern zu kochen, zu waschen, aufzuräumen. Vielleicht verstehst du dann, welchen Blödsinn du angestellt hast.

— Mama, bitte! — flehte der Sohn. — Ich kann das nicht!

— Du wirst es lernen, — schnitt sie ab. — Und jetzt RAUS. Und lass dich hier nicht blicken, bis du zur Vernunft kommst.

— Mama!

— RAUS! — schrie sie so laut, dass Arkadij zusammenzuckte. — Und lass die Schlüssel da!

Fassungslos verließ er die Wohnung seiner Mutter und schleppte sich zurück zu seiner Mietswohnung. Auf dem Weg versuchte er, Freunde anzurufen, doch die gingen entweder nicht ran oder wollten ihn nicht aufnehmen. Es stellte sich heraus, dass Galina recht gehabt hatte — er war niemandem wichtig.

Zu Hause erwarteten ihn eine verwüstete Wohnung und ein Brief des Vermieters. Dieser forderte ihn auf, innerhalb eines Monats auszuziehen — wegen ständiger Nichtzahlung und Beschädigung des Eigentums. Arkadij sank auf das Sofa und vergrub sein Gesicht in den Händen.

— Verdammt, — flüsterte er. — Was habe ich nur getan?

Er versuchte erneut, Galina anzurufen, doch hörte nur die Mailbox. Dann erfuhr er von gemeinsamen Bekannten, dass sie eine kleine Studiowohnung gemietet hatte und sich großartig fühlte. Und einen Monat später hörte er, dass Galina jemanden kennengelernt hatte — einen Mann, der kochen und putzen konnte und sie als Gleichberechtigte behandelte.

Arkadij selbst zog in eine billige Wohnung am Ende der Welt. Abends, wenn er in sein winziges Zimmer zurückkehrte, wärmte er auf dem Herd Fertiggerichte auf und dachte darüber nach, wie töricht er alles wegen seines Stolzes verspielt hatte. Die Mutter verzieh ihm nicht und nahm keine Anrufe mehr an. Die Freunde wandten sich ab, als sie den wahren Grund der Scheidung erfuhren.

— Selbst schuld, — sagte Igor, ein ehemaliger Freund, einmal zu ihm. — Du hast eine gute Frau verloren. Sie war nicht deine Dienstmagd, sondern deine Ehefrau. Und du hast sie wie eine Sklavin behandelt. Jetzt hast du, was du verdient hast.

Am Fenster seines Zimmers stehend und auf den grauen Hof blickend, begriff Arkadij endlich, was er angerichtet hatte. Doch es war zu spät. Galina war für immer gegangen, hatte die Wärme und Geborgenheit mitgenommen, die er nie zu schätzen gewusst hatte. Und erst jetzt, als er seine Kleidung im Waschzuber wusch und Instantnudeln aß, verstand er, wie viel sie für ihn getan hatte. Und wie schäbig er sie dafür behandelt hatte.

— Idiot, — flüsterte er zu sich selbst. — Ein richtiger Idiot.

In einem anderen Teil der Stadt bereitete Galina währenddessen zusammen mit ihrem neuen Freund Dmitrij das Abendessen zu. Sie lachten, scherzten, und sie fühlte sich wirklich glücklich.

— Weißt du, — sagte Dmitrij und umarmte sie von hinten. — Ich bin deinem Ex dankbar.

— Wofür? — wunderte sich Galina.

— Dafür, dass er so ein Idiot war und dich ziehen ließ. Sonst hätten wir uns nie getroffen.

Galina lächelte und lehnte sich an ihn. Ja, die Scheidung war schmerzhaft gewesen, aber sie öffnete ihr die Tür zu einem neuen, besseren Leben. Einem Leben, in dem man sie schätzte und respektierte. Und das war jede durchlittene Träne wert.

Am selben Abend trank Jelena Petrowna bei Galina und Dmitrij zu Hause eine Tasse Tee. Sie hatte ihre ehemalige Schwiegertochter längst wie eine eigene Tochter ins Herz geschlossen, und in Dmitrij sah sie den Mann, den Galina verdient hatte.

— Arkadij hat angerufen, — sagte sie. — Er wollte wieder nach Hause.

— Und was haben Sie ihm gesagt? — fragte Dmitrij.

— „Verzieh dich, du Fleischwurst!“ — fauchte Jelena Petrowna und schnaubte. — Genau so. Ich habe damals ein Kind großgezogen, keinen erwachsenen Faulpelz. Jetzt soll er selbst ausbaden, was er angerichtet hat.

Alle drei lachten. Das Leben ging weiter — und war wunderschön. Zumindest für diejenigen, die andere Menschen und ihre Arbeit zu schätzen wussten.

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