— Nicht verheiratet, keine Eintragung — also gibt es auch nichts zu teilen! — fauchte Asja, als sie ihm die Wohnungsschlüssel aus der Hand riss.

— Nicht verheiratet, keine Eintragung — also gibt es auch nichts zu teilen! — fauchte Asja, als sie ihm die Wohnungsschlüssel aus der Hand riss.

Asja verließ wie gewohnt um halb sieben das Büro. Die Arbeit als Logistikerin in einem Vertriebsunternehmen erforderte ständige Aufmerksamkeit — Lieferanten, Kunden, Lager, Dokumente.

Die zweiundsiebzigtausend im Monat verdiente sie nicht leicht, aber Asja war Verantwortung gewohnt. Vor vier Jahren hatte ihr genau dieses Gehalt ermöglicht, eine Einzimmerwohnung in einem Neubau am Stadtrand zu kaufen.

Nach Hause brauchte sie vierzig Minuten mit U-Bahn und Bus. In dieser Zeit konnte sie ihre Abendpläne durchgehen, berufliche Nachrichten lesen oder einfach Musik hören. Die Wohnung empfing sie mit Stille und Ordnung — genau so, wie es Asja nach einem stressigen Tag mochte.

Roman war vor drei Monaten in ihr Leben getreten — auf einer Firmenfeier eines Lieferanten. Groß, mit einem angenehmen Lächeln, fähig, jedes Gespräch am Laufen zu halten. Er arbeitete als Manager in einer Baufirma und erzählte lustige Geschichten über Kunden und Kollegen. Nach der Feier brachte er Asja nach Hause, später trafen sie sich regelmäßig.

Die ersten zwei Monate lief alles gut. Roman lud sie in Cafés ein, ins Kino, zu Spaziergängen durch die Stadt. Er drängte sich nie auf, blieb nie unangemeldet über Nacht und sagte immer frühzeitig Bescheid. Asja begann zu denken, dass sie endlich einen erwachsenen Mann getroffen hatte, der Grenzen versteht.

— Asja, ich habe ein Problem, sagte Roman Ende Mai, als sie sich nach ihrer Arbeit trafen. — Bei mir zu Hause hat die Grundsanierung begonnen. Die Klempner haben alles aufgerissen, man kann nicht wohnen. Kann ich eine Woche bei dir bleiben? Ich stelle schnell eine Brigade ein, die machen alles fix fertig.

Asja sah in der Bitte nichts Schlimmes. Erwachsene Menschen helfen sich in schwierigen Situationen. Sie gab ihm einen Ersatzschlüssel, räumte den halben Schrank frei und kaufte sogar zusätzliche Handtücher.

Roman zog am Samstagmorgen mit einer großen Sporttasche und einem Rucksack ein. Es waren mehr Sachen, als Asja erwartet hatte. Neben Kleidung und Schuhen brachte er seinen Laptop, sein Tablet, Ladegeräte, Kosmetik und sogar eine kleine Kaffeemaschine mit.

— Du hast doch nur ein Mokkakännchen, erklärte Roman, während er das Gerät auf den Küchentisch stellte. — Und ich bin meinen normalen Morgenkaffee gewohnt.

Die ersten Tage verliefen ruhig. Roman störte nicht, räumte hinter sich auf und kochte sogar ein paarmal das Abendessen. Doch bereits Mitte der Woche begannen Kleinigkeiten, die Asja die Stirn runzeln ließen.

— Hör mal, in deinem Schrank herrscht ja ein Chaos, bemerkte Roman, während er seine Hemden einräumte. — Lass mich dir beim Aufräumen helfen. Ein männlicher Blick ist manchmal nützlich.

Asja stand vor dem Spiegel, machte sich fertig für die Arbeit und beobachtete, wie Roman ihre Sachen nach seinem Geschmack umsortierte. Die Blusen, die in einer bestimmten Reihenfolge hingen, waren jetzt zwischen seiner Kleidung durcheinandergeraten.

— Roman, bitte rühr meine Sachen nicht an. Ich habe mein eigenes System.

— Welches System? Roman lachte. — Du hast doch selbst gesagt, dass du keine Zeit hast, den Schrank auszuräumen. Ich helfe, und du bist trotzdem unzufrieden.

Asja schwieg, weil sie es eilig hatte. Aber der unangenehme Nachgeschmack blieb.

Ein paar Tage später begann die Kritik an ihren Kochgewohnheiten.

— Asja, so kochst du? — Roman stand am Herd und rührte in ihren Nudeln mit Gemüse. — Ich würde Basilikum und Chili hinzufügen. Bei dir schmeckt das ganz fade.

— Mir gefällt meine Art zu kochen.

— Geschmäcker sind verschieden, klar. Aber man kann doch etwas verbessern. Ich bringe es dir gern bei.

Asja merkte, dass sie zunehmend gereizt war. Roman sprach freundlich, aber jede Bemerkung klang wie Kritik an ihrem Lebensstil.

In der zweiten Woche kam ein neues Problem hinzu — Romans Mutter. Raisa Iwanowna rief jeden Abend um acht an, laut und ausdauernd. Zuerst sprach sie mit ihrem Sohn über die Arbeit, dann über den Haushalt.

— Romotschka, ist das Mädchen von dir ordentlich? — hörte Asja aus der Küche. — Kann sie kochen? Putzen? Weißt du, wie die Jugend heutzutage ist — nur in Cafés unterwegs.

Roman antwortete ausweichend, aber eines Abends wollte Raisa Iwanowna mit Asja sprechen.

— Liebes, ich bin Romans Mutter. Ich möchte dich besser kennenlernen. Ich habe gehört, mein Sohn wohnt jetzt bei dir.

— Vorübergehend, korrigierte Asja. — Er hat eine Renovierung zu Hause.

— Natürlich nur vorübergehend, stimmte Raisa Iwanowna zu, doch in ihrer Stimme lag ein ironischer Unterton. — Und wie kommst du mit dem Haushalt zurecht? Roman ist an Sauberkeit gewöhnt. Und er mag hausgemachtes Essen, keine Fertiggerichte.

— Wir kommen zurecht, antwortete Asja trocken.

— Sehr gut. Am Wochenende planen meine Schwester und ich vorbeizukommen. Wir schauen, wie sich unser Sohn eingerichtet hat.

Asja wollte sagen, dass sie keine Gäste empfangen möchte, doch Raisa Iwanowna hatte bereits aufgelegt.

— Roman, deine Mutter hat gesagt, dass sie uns besuchen will, sagte Asja, als er das Gespräch beendet hatte.

— Ja, sie möchte dich richtig kennenlernen. Ist doch nicht schlimm, sie kommen nur für einen Tag.

— Ich bin nicht bereit für Gäste. Ich hatte Pläne fürs Wochenende.

— Welche Pläne? Maniküre? — Roman zuckte mit den Schultern. — Das kannst du verschieben. Familie ist wichtiger.

Asja fühlte, wie Empörung in ihr aufstieg. Welche Familie? Roman wohnte nur vorübergehend bei ihr, sie waren erst drei Monate zusammen, sie hatten keinerlei Verpflichtungen.

Am Samstagmorgen, gerade als Asja zum Manikürtermin gehen wollte, klingelte die Sprechanlage. Draußen standen zwei Frauen mittleren Alters mit großen Einkaufstaschen.

— Mama ist da! — rief Roman fröhlich und trat im Bademantel aus dem Bad. — Und das ist Tante Lida, Mamas Schwester. Sie bleiben ein paar Tage bei uns.

Bei uns. Asja wiederholte diese Worte innerlich, während sich ihre Schultern anspannten.

Raisa Iwanowna war eine korpulente Frau mit entschlossenem Blick und der Angewohnheit, laut zu reden. Tante Lida war kleiner, aber nicht weniger energisch. Beide begannen sofort, die Wohnung zu mustern und Kommentare zur Einrichtung abzugeben.

— Romotschka, wo schläfst du? — fragte die Mutter, während sie in das Zimmer schaute.

— Im Moment auf dem Sofa, antwortete Roman. — Asja hat nur ein Bett.

— Verstehe, nickte Raisa Iwanowna und warf der Wohnungsbesitzerin einen vielsagenden Blick zu. — Und wir schlafen mit Lida auf dem Sofa. Du, Romotschka, legst dir erstmal eine Matratze auf den Boden.

Asja stand im Flur, die Handtasche in der Hand, unfähig zu glauben, was passierte. Die Gäste bezogen ihre Wohnung, verteilten Schlafplätze, und Roman stimmte allem zu.

— Asja, du hast doch nichts dagegen, oder? — wandte sich Roman an sie. — Es ist ja nur für ein paar Tage.

— Ich wollte zur Maniküre, sagte Asja verwirrt.

— Ach, welche Maniküre denn? — winkte Raisa Iwanowna ab. — Koch lieber Borschtsch, wir sind hungrig von der Reise. Und back ein paar Piroggen zum Tee. Eine Familie muss man ordentlich empfangen…

Asja sah Roman an und erwartete, dass er für sie eintreten oder seiner Mutter zumindest die Situation erklären würde. Doch der Mann lächelte nur entschuldigend und zuckte mit den Schultern.

Das Wochenende verwandelte sich in einen Albtraum. Raisa Iwanowna und Tante Lida belegten das Sofa, drehten den Fernseher auf maximale Lautstärke und verlangten ständig Tee und Essen. Sie kritisierten die Sauberkeit, die Möbelanordnung und sogar die Auswahl der Fernsehprogramme.

— Bei uns zu Hause herrscht Ordnung, erklärte Raisa Iwanowna und betrachtete die Bücherregale. — Roman ist Sauberkeit gewohnt. Und man muss nahrhafter kochen, ein Mann braucht gutes Essen.

Roman nahm die Bemerkungen seiner Mutter als selbstverständlich hin und nickte manchmal zustimmend. Asja fühlte sich wie eine Fremde in ihrer eigenen Wohnung.

Am Montagmorgen reisten die Gäste endlich ab. Asja brachte sie bis zur Tür, verabschiedete sich höflich und schloss das Schloss hinter ihnen. In der Wohnung kehrte die lang ersehnte Ruhe ein.

Roman war zur Arbeit gegangen, ohne das ernste Gespräch abzuwarten. Den ganzen Tag dachte Asja über die Situation nach. Am Abend wartete sie auf seine Rückkehr und schlug vor, über das Geschehene zu sprechen.

— Roman, ich muss mit dir reden. Ernsthaft.

— Worüber? — Der Mann schaltete die Kaffeemaschine ein, ohne Asja auch nur anzusehen.

— Darüber, was hier passiert. Du wohnst jetzt seit drei Wochen hier. Du zahlst keinen Cent zur Miete, kaufst keine Lebensmittel ein und benimmst dich wie der Hausherr.

— Wie der Hausherr? — Roman drehte sich um, ein Ausdruck des Unverständnisses im Gesicht. — Ich helfe doch im Haushalt, ich koche manchmal.

— Du kritisierst meinen Lebensstil, räumst meine Sachen um, lädst Gäste ohne jede Vorwarnung ein. Und deine Mutter hat sich in meiner Wohnung benommen, als wäre es ihre eigene.

— Asja, warum stellst du alles so auf die Goldwaage? — Roman lachte, doch das Lachen wirkte gekünstelt. — Wir leben doch wie eine Familie. Alles ist jetzt gemeinsam. Und die Wohnung — die ist doch praktisch längst auch gemeinsam.

Der letzte Satz traf sie wie ein Schlag. Asja schwieg einige Sekunden, um das Gesagte zu verarbeiten.

— Gemeinsam? — wiederholte sie langsam. — Roman, zahlst du die Hypothek für diese Wohnung?

— Nein, aber…

— Bezahlt du die Nebenkosten?

— Nein, aber ich…

— Lebensmittel, Haushaltsmittel, Internet — übernimmst du irgendetwas davon?

— Hör auf, alles so formell zu sehen. Zwischen nahestehenden Menschen zählt man keine Pfennige.

— Nahestehende Menschen erklären nicht fremdes Eigentum einfach zu gemeinsamem Eigentum, sagte Asja fest.

Roman wandte sich dem Fenster zu, dann wieder ihr zu, mit einem verärgerten Gesichtsausdruck.

— Asja, du redest wirklich merkwürdig. Ich wohne nur vorübergehend bei dir, helfe, wo ich kann. Und du kommst jetzt mit irgendwelchen Berechnungen.

— Vorübergehend — wie lange ist das? Eine Woche ist schon vergangen, dann noch zwei. Wann planst du auszuziehen?**

— Wenn die Renovierung fertig ist.

— Und wann wird sie fertig?

Roman zögerte, begann etwas über Handwerker, Lieferverzögerungen und die Notwendigkeit guter Arbeit zu erzählen. Asja hörte zu und begriff: Es gibt keine Termine — und soll auch keine geben.

In ihr wuchs ein Gefühl, das schwer zu benennen war. Keine Wut, keine Kränkung — eher eine kalte Entschlossenheit. Asja ging in den Flur, nahm ihren Schlüsselbund aus der Jackentasche, entfernte den Ersatzschlüssel der Wohnung und kehrte in die Küche zurück.

— Roman, sagte sie ruhig.

Der Mann drehte sich um. Asja hielt ihm den Schlüssel hin.

— Nicht verheiratet, nicht eingetragen — also gibt es auch nichts zu teilen. Zieh aus.

Romans Gesicht veränderte sich sofort. Verwirrung wich Empörung.

— Was? Asja, bist du verrückt geworden? Ich habe dir doch die Situation mit der Renovierung erklärt. Ich habe keinen Ort, wo ich hin kann!

— Das ist nicht mein Problem.

— Wie — nicht dein Problem? Wir sind doch zusammen! Wir haben eine Beziehung!

— Wir haben Verabredungen am Wochenende. Niemand hat dir das Recht gegeben, über meine Wohnung zu verfügen.

— Ich verfüge doch nicht! Ich wohne nur vorübergehend hier!

— Du benimmst dich wie der Besitzer. Du räumst meine Sachen um, kritisierst mein Essen, lädst Verwandte ein. Und vor allem — du nennst meine Wohnung „gemeinsam“.

Roman trat einen Schritt näher, seine Stimme wurde lauter.

— Asja, so macht man das nicht! Ich habe mich hier eingelebt! Meine Sachen sind hier, meine Pläne!

— Welche Pläne?

— Na ja… wir sind doch zusammen. Als Paar. Es ist doch selbstverständlich, dass man dann an einem Ort lebt.

— Ich habe dem nicht zugestimmt. Du hast nur gebeten, die Renovierung zu überbrücken.

— Aber wir entwickeln uns doch als Paar!

— Wir entwickeln uns auf meine Kosten. In meiner Wohnung. Von meinem Geld.

Roman hob die Stimme, redete von Undankbarkeit, davon, dass man so nicht mit Menschen umgeht. Asja antwortete nicht — sie nahm einfach ihr Telefon und begann, die Nummer des Revierpolizisten im Adressbuch zu suchen.

— Was machst du da? — Roman erstarrte mitten in der Küche.

— Ich rufe den Revierbeamten an. In meiner Wohnung befindet sich ein Mann, der sich weigert, sie auf Aufforderung der Eigentümerin zu verlassen.

— Asja, das meinst du nicht ernst? — Romans Stimme zitterte leicht. — Wir können das doch menschlich lösen.

— Ich habe schon menschlich gelöst. Ich habe dir den Schlüssel gegeben und gesagt, du sollst ausziehen. Aber du hältst meine Bitte für eine Laune.

Roman lief zum Sofa, setzte sich und verschränkte die Arme.

— Ich gehe nirgendwo hin. Ihre Laune ist kein Grund zur Räumung. Sie soll erst beweisen, dass ich kein Recht habe, hier zu sein.

Asja wählte die Nummer der Wache und nannte ruhig die Adresse.

— Guten Abend. In meiner Wohnung befindet sich ein Mann, der sich weigert, die Räumlichkeit auf Aufforderung der Eigentümerin zu verlassen. Ich bitte um einen Einsatzbeamten.

Sie legte auf und sah Roman an. Er saß auf dem Sofa, doch seine Pose wirkte nicht mehr so selbstsicher.

— Weißt du, Asja, du machst einen Fehler. Ich habe wirklich keinen Ort, wo ich heute hin kann. Morgen ziehe ich aus, wirklich.

— Heute. Jetzt.

Nach zwanzig Minuten klingelte es an der Tür. Auf der Schwelle stand ein junger Polizeibeamter in Uniform, mit einer Dokumentenmappe in der Hand.

— Guten Abend. Sie haben wegen eines unbefugten Aufenthalts in der Wohnung angerufen?

— Ja, bitte kommen Sie herein, sagte Asja und trat zur Seite. — Das ist meine Wohnung, hier sind die Eigentumsdokumente. Und dieser Mann weigert sich zu gehen.

Der Polizeibeamte prüfte sorgfältig die Eigentumsurkunde, Asjas Ausweis und verglich die Daten.

— Verstehe. Und Sie, junger Mann — können Sie irgendwelche Dokumente vorlegen, die Ihr Wohnrecht in dieser Wohnung bestätigen?

Roman erhob sich vom Sofa und griff nach seinem Ausweis.

— Ich… das ist schwer zu erklären. Ich bin nur vorübergehend hier, bei mir zu Hause ist eine Renovierung.

— Haben Sie einen Mietvertrag?

— Nein, wir sind… in einer Beziehung.

— Eine temporäre Anmeldung?

— Auch nicht.

— Eine schriftliche Einverständniserklärung der Eigentümerin?

Roman sah erst Asja an, dann den Beamten.

— Alles war mündlich. Zwischen nahestehenden Menschen.

Der Polizist nickte und schrieb etwas in sein Notizbuch.

— Verstanden. Ich erkläre die Situation ohne Emotionen. Ein Zusammenleben ohne offizielle Registrierung, ohne Anmeldung, ohne Vertrag ist kein Wohnrecht, sondern ein temporärer Aufenthalt mit Zustimmung der Eigentümerin. Sobald die Zustimmung widerrufen wird, wird der Aufenthalt illegal. Der Eigentümer hat das volle Recht, die sofortige Räumung zu verlangen.

— Und wenn meine Sachen hier sind? Roman deutete auf die Sporttasche in der Ecke.

— Packen Sie Ihre Sachen und verlassen Sie die Wohnung. Sofort. Sonst wird das als eigenmächtiges Handeln gewertet.

In diesem Moment klingelte Romans Telefon. Auf dem Bildschirm erschien der Name seiner Mutter.

— Hallo, Mama, antwortete Roman und sah dabei den Beamten an.

— Romotschka, wie geht’s? Behandelt dich diese Göre schlecht?

— Mama, die Situation ist kompliziert…

Raisa Iwanownas Stimme war so laut, dass alle im Raum sie hören konnten.

— Was heißt kompliziert? Hat sie dich rausgeworfen? Soll sie doch jetzt allein frieren! Verwöhnte Egoistin!

Asja nahm ihm das Handy aus der Hand.

— Raisa Iwanowna, hier spricht Asja. Roman verlässt meine Wohnung auf meine Aufforderung. Und ja — auch vor Ihrem Sohn habe ich nicht gefroren.

Sie legte auf und gab Roman das Handy zurück.

— Packen, sagte der Beamte. — Die Zeit ist abgelaufen.

Roman ging wortlos an die Arbeit. Er packte Kleidung, Kosmetik, Ladegeräte in die Tasche. Die Kaffeemaschine ließ er auf dem Tisch stehen.

— Die nimmst du auch mit, sagte Asja und deutete auf das Gerät.

— Lass sie dir, vielleicht brauchst du sie, murmelte Roman.

— Ich brauche nichts von dir.

Roman stopfte die Kaffeemaschine in den Rucksack, schloss die Tasche, brachte die Sachen in den Flur und zog seine Jacke an. An der Tür drehte er sich um.

— Asja, du wirst das noch bereuen. Ich war gut zu dir.

— Gut ist man, wenn man um Erlaubnis bittet — nicht, wenn man fremde Wohnungen zu gemeinsamen erklärt.

Roman warf den Schlüssel gegen die Wand und trat über die Schwelle. Asja schloss die Tür mit allen Schlössern und wandte sich dem Beamten zu.

— Vielen Dank. Welche Unterlagen muss ich ausfüllen?

— Keine. Alles war im Rahmen des Gesetzes. Wenn er wieder ohne Einladung auftaucht — rufen Sie an, dann fertigen wir ein Protokoll an.

Nachdem der Polizist gegangen war, blieb Asja allein in der Wohnung zurück. Die Stille wirkte ungewohnt — aber angenehm. Niemand kommentierte ihre Handlungen, niemand verstellte ihre Sachen, niemand kritisierte das Abendessen.

Sie stellte den Wasserkocher an und schaltete ihre Lieblingsmusik ein. Im Bad stand kein fremdes Duschgel mehr, an der Tür lagen keine Herrenslipper. Auf dem Küchentisch war wieder Platz — die Kaffeemaschine war weg.

Um zehn Uhr abends kam eine Nachricht von Roman.

„Asja, du bereust es doch schon, oder? Wir können alles in Ruhe besprechen.“

Asja las die Nachricht und löschte sie, ohne zu antworten.

Eine Stunde später kam die nächste.

„Ich hab alles verstanden. Ich lag falsch. Lass uns morgen treffen?“

Sie löschte sie, ohne sie zu Ende zu lesen.

Um halb zwölf vibrierte das Telefon erneut.

„Du willst doch nicht allein bleiben, oder? Wir hatten es gut zusammen.“

Asja schaltete den Nachrichtenton aus und ging schlafen. In ihrem Bett, in ihrer Wohnung, ohne fremde Geräusche und ohne fremde Anwesenheit.

Am Morgen stand sie wie gewohnt früh auf. Sie kochte Kaffee im Mokkakännchen — und stellte fest, dass ihr der eigene Kaffee viel besser schmeckte als der aus der Maschine. Sie machte sich in Ruhe fertig, niemand blockierte das Bad, niemand kommentierte ihre Kleidung.

In der folgenden Woche kamen jeden Tag Nachrichten von Roman. Asja las sie nicht — sie löschte sie einfach, sobald sie seinen Namen sah. Nach und nach wurden sie seltener.

Am Wochenende räumte sie den Kleiderschrank um und stellte ihre Sachen wieder an die gewohnten Plätze. In der hintersten Ecke fand sie ein vergessenes T-Shirt von Roman — sie warf es in den Müllsack. Sie kaufte neue Bettwäsche, bunt und fröhlich, ganz anders, als es ihr ehemaliger Mitbewohner ausgesucht hätte.

Bei der Arbeit erhielt sie ein Angebot eines großen Kunden — eine zweiwöchige Dienstreise in eine andere Stadt. Gute Bezahlung, ein spannendes Projekt. Früher lehnte Asja längere Reisen ab, doch diesmal sagte sie sofort zu.

Zehn Tage später, als sie sich auf die Reise vorbereitete, kam eine weitere Nachricht von Roman.

„Asja, kann man sich wenigstens treffen? Normal reden?“

Diesmal beschloss sie zu antworten.

„Triff dich mit deiner Mutter. Ich werde kein Wohnheim auf meine Kosten einrichten.“

Nach dieser Nachricht schrieb Roman nicht mehr.

Asja packte ihren Koffer und überprüfte die Reisepapiere. In der Wohnung herrschte Ordnung — ihre Ordnung, ohne fremde Dinge und fremde Ansprüche. Morgen früh ging das Flugzeug — ein neues Projekt, neue Möglichkeiten.

Auf dem Fensterbrett stand ein Kaktus, ein Geschenk der Kollegen zum letzten Geburtstag. Anspruchslos, unaufdringlich — genau das Richtige für einen beschäftigten Menschen.

Asja lächelte, löschte das Licht und ging schlafen. Morgen begann ein neuer Abschnitt — ohne ungebetene Gäste, ohne fremde Mütter und ohne Ansprüche auf ihren Wohnraum. Die Wohnung war wieder ein Zuhause geworden, kein Zufluchtsort für Menschen, die Gastfreundschaft mit einem kostenlosen Wohnheim verwechseln.

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