— Also gut, mein Lieber: Entweder du holst sofort die Schlüssel von deinem Kumpel zurück, der in unserer Abwesenheit irgendeine Tussi hierhergebracht und in unserem Bett geschlafen hat, oder ich wechsle die Schlösser, und deine neue Adresse wird die Wohnung deines Freundes Pascha sein!

— Also gut, mein Lieber: Entweder du holst sofort die Schlüssel von deinem Kumpel zurück, der in unserer Abwesenheit irgendeine Tussi hierhergebracht und in unserem Bett geschlafen hat, oder ich wechsle die Schlösser, und deine neue Adresse wird die Wohnung deines Freundes Pascha sein!

— Wadim, in unserem Schlafzimmer war jemand.

Oksanas Stimme in der Telefonhörer war unnatürlich ruhig, völlig frei von Emotionen — und gerade deshalb klang sie wie Metall, das über Glas kratzt. Am anderen Ende herrschte ein paar Sekunden lang Stille, unterbrochen nur vom Bürobrummen. Wadim versuchte offensichtlich, das Gehörte zu verdauen, eine passende, beruhigende Formulierung zu finden.

— Was? Ksjusch, wovon redest du? Vielleicht hast du dich verguckt? Die Putzfrau war gestern da, hast du vergessen?

Oksana stand mitten im Schlafzimmer, und ihre ganze Welt, die noch vor einer halben Stunde so gemütlich und klar gewesen war, brach auseinander. Sie war früher als sonst von der Arbeit heimgekommen — man hatte sie wegen eines Zwischenfalls an der Trafostation freigelassen. Als sie die Wohnung betrat, freute sie sich auf Ruhe, darauf, sich in aller Gemütlichkeit umzuziehen und Tee aufzusetzen. Doch das Erste, was ihr bereits im Flur in die Nase stach, war ein fremder, penetrant-süßer Duft eines Frauenparfüms, durchmischt mit dem scharfen Geruch billigen Tabaks. Er war schwer und klebrig, hing in der Luft, völlig fehl am Platz in ihrer Wohnung, die sonst nur nach ihrem Bergamotte-Parfum und frisch aufgebrühtem Kaffee roch.

Mit gerunzelter Stirn ging sie in die Küche. Auf der makellos sauberen Arbeitsplatte, die sie heute Morgen selbst abgewischt hatte, standen zwei Gläser mit Rotweinresten. Nicht die einfachen, dicken Alltagsgläser, die sie jeden Tag benutzten, sondern die teuren aus hauchdünnem böhmischem Glas, die Wadim ihr zum Hochzeitstag geschenkt hatte. Sie holten sie nur zu großen Anlässen hervor. Eines der Gläser war mit einem fettigen, vulgär roten Lippenstiftabdruck beschmiert. Ihr Herz sackte ab, aber der Verstand versuchte immer noch, eine logische Erklärung zu finden. Vergeblich.

Den letzten, vernichtenden Schlag erwartete sie jedoch im Schlafzimmer. Ihr großes Bett, das sie morgens liebevoll mit der schweren Seidenüberdecke gemacht hatte, war grob und nachlässig zerwühlt. Die Decke lag zerknüllt wie ein hässlicher Haufen auf dem Boden. Das Laken war verschoben, die Kissen durcheinander. Und auf ihrem schneeweißen Kissenbezug, genau an der Stelle, an der sie jede Nacht den Kopf bettete, lag ein langer, rabenschwarzer Haarstrang. Nur einer — aber er reichte völlig. Oksana war eine natürliche Blondine.

— Die Putzfrau trinkt unser Wein nicht aus Festtagsgläsern und hinterlässt keine Lippenstiftspuren, Wadim. Und sie schläft ganz sicher nicht in unserem Bett und verstreut dabei ihre Haare. Ich frage noch einmal: Wer war in unserem Haus?

Sie sprach leise, doch jedes Wort war wie in Stein gemeißelt. Sie sah auf dieses schwarze Haar und eine Welle aus Ekel und urtümlicher Wut stieg in ihr hoch, eisig und alles erfassend. Das war nicht einfach ein Eindringen. Das war eine Entweihung. Jemand Fremdes, Schmutziges hatte sich ohne Erlaubnis in das Herz ihres Zuhauses, in ihr Bett gedrängt und dort seine klebrige, demütigende Spur hinterlassen.

— Ich… ich weiß es nicht, Ksjusch, ehrlich… Vielleicht irrst du dich? Was für ein Haar? Welcher Lippenstift? — seine Stimme begann zu zittern, er verlor hörbar die Kontrolle, versuchte eine Verteidigungslinie aufzubauen, fand aber keine Worte. Er log. Ungeschickt, kindisch — und das machte sie noch wütender als der Verrat selbst.

Oksana machte ein paar Schritte zur Nachttischschublade, nahm die zerknitterte Zigarettenpackung auf, die sie neben dem Bett gefunden hatte. Sie hielt sie ans Telefon und drückte sie kräftig zusammen. Das charakteristische Knacken von Folie und Pappe dröhnte in der Leitung.

— Diese Zigaretten hat die Putzfrau auch dagelassen? Billiger, stinkender Müll, den du nicht einmal anfassen würdest. Hör auf zu lügen, Wadim. Du hast jemandem die Schlüssel gegeben. Wem?

Stille. Lang, zäh, erfüllt von seinem schweren Atmen. Er war überführt. In die Ecke gedrängt.

— Pascha… — presste er schließlich hervor. In diesem einen Wort lagen Geständnis, Angst und ein jämmerlicher Versuch, sich zu rechtfertigen. — Seine Lenka hat ihn rausgeworfen, er hatte ein paar Nächte keinen Platz zum Schlafen. Ich wollte nur einem Freund helfen, Ksjusch. Ich habe nicht gedacht, dass er…

Oksana hörte nicht weiter zu. Sie drückte auf Auflegen. In der Wohnung wurde es vollkommen still. Pascha. Der beste Freund ihres Mannes. Laut, taktlos, ein Typ, den sie wegen seiner schmierigen Witze und seines ständig schwitzigen Händedrucks nicht ausstehen konnte. Er hatte also ihr Zuhause entweiht. Und nicht allein — er hatte irgendein Mädchen mitgebracht und sich in ihrem Bett ausgetobt, auf ihrem Kissen. Und ihr Mann… ihr Mann hatte einfach „einem Freund geholfen“.

Sie legte das Telefon auf die Kommode. Keine Tränen, keine Hysterie. In ihr war alles zu Eis erstarrt, zu einem scharfen Kristall aus kalter Wut geworden. Sie sah auf die Uhr. Wadim brauchte etwa eine Stunde von der Arbeit nach Hause. Eine Stunde, um sich vorzubereiten. Sie wusste nicht, was genau sie tun würde, aber eines wusste sie sicher — diesen Abend würde ihr Mann niemals vergessen.

Der Schlüssel drehte sich im Schloss genau achtundfünfzig Minuten später. Wadim trat in die Wohnung, versuchte unterwegs, sich einen unbeschwerten, leicht erschöpften Gesichtsausdruck aufzusetzen. Er warf demonstrativ laut die Schlüssel in die Metallschale, zog die Schuhe aus und ging in den Flur.

— Ksjusch, ich bin zu Hause! Ist etwas passiert? Deine Stimme klang so komisch…

Er verstummte mitten im Satz. Oksana stand im Türrahmen zum Wohnzimmer und sah ihn an. Sie verschränkte nicht die Arme, presste nicht die Lippen zusammen. Sie stand einfach da — kerzengerade — und sah ihn direkt an. Und in diesem ruhigen, unbewegten Blick lag so viel kalter Stahl, dass sein eingeübtes Lächeln ihm im Gesicht gefror, zu einer jämmerlichen Grimasse.

— Komm rein, — ihre Stimme war gleichmäßig, ohne jede Färbung. — Wir machen eine kleine Führung durch unser Zuhause. Oder besser gesagt: durch das, was du daraus gemacht hast.

Oksana drehte sich um und ging in Richtung Küche, ohne sich umzusehen, in der völligen Gewissheit, dass er ihr folgen würde. Er trottete hinterher und spürte, wie ihm ein unangenehmer Kälteschauer den Rücken hinablief. Er wusste, was ihn erwartete, doch die Realität war schlimmer. Oksana stand am Küchentisch und zeigte mit dem Finger auf die beiden Weingläser.

— Kommen dir diese Gläser bekannt vor? Wir haben an Neujahr daraus getrunken. Und an unserem Hochzeitstag. Ich frage mich, welchen Feiertag man wohl heute hier gefeiert hat? Hast du eine Idee?

Sie nahm das Glas mit dem Lippenstiftabdruck zwischen zwei Fingern, angewidert, als hielte sie eine tote Ratte am Schwanz, und hielt es dichter an sein Gesicht. Der grellrote Abdruck sah auf dem dünnen Glas aus wie eine offene Wunde.

— Das… das war bestimmt Pascha, — begann Wadim zu stammeln, während sein Gesicht brannte. — Er war doch allein, ich weiß nicht, woher das zweite Glas… Vielleicht hat er einfach zwei genommen, damit er später nicht spülen muss…

— Damit er nicht spülen muss? — Oksana lächelte, doch ihr Lächeln war völlig freudlos. — Natürlich. Und der Lippenstift auf dem Glas — ist das eine neue Form männlicher Solidarität? Hat er zur Unterstützung seines von der Frau verstoßenen Freundes beschlossen, sich die Lippen zu schminken? Hör auf, Unsinn zu reden, Wadim. Das steht dir nicht.

Sie stellte das Glas mit einer Bewegung auf den Tisch, bei der das dünne Kristall jämmerlich klirrte.

— Weiter geht’s. Das Hauptstück unserer Ausstellung.

Sie führte ihn ins Schlafzimmer. Wadim betrat den Raum und erstarrte. Das verwühlte Bett, die zerknüllte Überdecke auf dem Boden, der Duft eines fremden Parfüms, der hier, in diesem geschlossenen Raum, geradezu erstickend war. Oksana trat wortlos ans Bett und zeigte auf ihr Kopfkissen. Auf der weißen Kissenhülle war das einzelne schwarze Haar so deutlich sichtbar wie ein Riss im Eis.

— Und das hier… das ist die Kirsche auf der Torte, — ihre Stimme wurde noch leiser, aber dadurch nur schärfer. — Das ist der Beweis, dass dein lieber Freund hier nicht einfach nur übernachtet hat. Er hat sich hier vergnügt. Mit irgendeiner Tussi. In unserem Bett. Auf meinem Kissen.

Wadim spürte, wie ihm Übelkeit den Hals hinaufstieg. Eine Mischung aus Scham, Wut auf Pascha und Angst vor Oksana.

— Ksjusch, ich schwöre dir, ich wusste es nicht! Ich habe ihm gesagt, er soll nur übernachten! Er ist mein bester Freund, seine Frau hat ihn rausgeschmissen, ich konnte ihm doch nicht die Tür vor der Nase zuschlagen! Er hat einfach… er hat nicht nachgedacht!

Und da riss bei Oksana der letzte Faden. Ihre Ruhe brach, und heraus kam reine, kalte, konzentrierte Wut.

— Nicht nachgedacht?! — zischte sie und machte einen Schritt auf ihn zu. — Er hat unser Zuhause entweiht! Er hat eine Schlampe hierhergebracht und mit ihr in unserem Bett geschlafen! Und du verteidigst ihn! Sein Wohlergehen ist dir wichtiger als mein Respekt! Wichtiger als unser Zuhause, unsere Familie!

Sie blieb dicht vor ihm stehen und blickte zu ihm hoch, direkt in seine Augen.

— Also gut, mein Lieber: Entweder du holst sofort die Schlüssel von deinem Kumpel zurück, der in unserer Abwesenheit irgendeine Tussi hierhergebracht und in unserem Bett geschlafen hat, oder ich wechsle die Schlösser, und deine neue Adresse wird die Wohnung deines Freundes Pascha sein!

— Aber…

— Wähl. Jetzt sofort.

Das Ultimatum hing wie glühende Luft zwischen ihnen. Oksanas Worte, ausgesprochen ohne Schreien, ohne jede Hysterie, trafen Wadim stärker als jeder Schlag. Er sah ihr Gesicht, reglos, unbeirrbar, und wusste: Das war keine Drohung. Das war ein Urteil, das sie gerade ausgesprochen hatte. Sein Gehirn, gewohnt an Kompromisse und das Glätten von Ecken und Kanten, suchte verzweifelt nach einem dritten Weg, nach einem Schlupfloch, nach einer Möglichkeit, das Unvermeidliche aufzuschieben.

— Ksjusch, lass uns nicht überstürzt handeln… Hör zu, das ist alles schrecklich, ich verstehe das. Ich rede mit Pascha. Ich werde ihm so die Meinung sagen wie noch nie… Er wird sich entschuldigen. Wir räumen alles weg, holen eine Reinigung, werfen die Bettwäsche raus… Wir kriegen das hin, — er sprach schnell, wirr, klammerte sich an Worte wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm.

Oksana schüttelte langsam den Kopf. Auf ihrem Gesicht erschien ein Ausdruck, der an angeekeltes Bedauern erinnerte, als würde sie ein unangenehmes Insekt betrachten.

— Du hast es immer noch nicht verstanden, Wadim. Es geht nicht um Bettwäsche oder die Reinigung. Es geht darum, dass du den Schmutz in unser Zuhause gelassen hast. Du. Mit deinen eigenen Händen. Du hast den Schlüssel zu unserer Festung einem Menschen gegeben, der weder dich noch mich noch unser Leben respektiert. Und jetzt, anstatt diesen Schmutz sofort hinauszuwerfen, schlägst du vor, ihn „sauberzumachen“. Du willst mit mir verhandeln. Darüber, ob man in unserem Zuhause Dreck machen darf oder nicht.

Sie machte eine Pause, ließ die Worte in ihn einsinken, Teil seiner DNA werden.

— Es gibt kein „wir“, solange die Schlüssel zu meiner Wohnung in der Tasche deines Freundes liegen. Es gibt deine Entscheidung. Und sie muss jetzt getroffen werden.

Wadim spürte, wie ihm Schweiß die Schläfen hinunterlief. Er war eingeklemmt zwischen zwei Feuern. Auf der einen Seite die eisige Wut seiner Frau, von der er wusste, dass sie nicht bluffte. Auf der anderen — Pascha. Freund seit Kindheitstagen, Trauzeuge, Weggefährte durch alles Mögliche.

Ihn zu verraten, zu ihm zu fahren und die Schlüssel zurückzuverlangen wie ein ertappter Schuljunge — das war demütigend. Es bedeutete, zuzugeben, dass seine Frau ihn herumkommandierte. Und er beging genau den Fehler, den Männer begehen, die versuchen, auf zwei Stühlen gleichzeitig zu sitzen. Er glaubte, er könne alles selbst irgendwie regeln.

— In Ordnung. Gut, ich rufe ihn an. Sofort, — sagte er und zog sein Telefon heraus. Ein schwacher Versuch, die Initiative zurückzugewinnen, so zu tun, als habe er die Kontrolle.

Oksana beobachtete schweigend, wie er mit zitternden Fingern in den Kontakten „Pascha“ suchte. Sie wich nicht zurück, drehte sich nicht weg. Sie stand einen Meter vor ihm, ein stummer Zeuge seiner Erniedrigung. Wadim drückte auf „Anrufen“ und schaltete den Lautsprecher ein. Instinktiv — eine Art, Oksana seine Ehrlichkeit zu zeigen. Das Freizeichen dröhnte laut im Raum.

— VADOS, ALTER! — erklang aus dem Telefon eine überlaute, leicht beschwipste Stimme. — WAS IST LOS, SCHON HEIMWEH NACH MIR?

Wadim warf Oksana einen flüchtigen Blick zu. Ihr Gesicht war unbeweglich…

— Pascha, hi. Hör zu, hier ist… hier ist eine ziemlich miese Situation, — brachte er hervor und fühlte sich dabei wie der letzte Idiot.

— Was für ’ne Situation? Hat meine Lenka dir geschrieben? Wenn ja, sag ihr, ich bin im Weltall. Übrigens, die Tussi von gestern — ein Feuerwerk! Schade, dass du nicht gesehen hast, wie wir’s uns hier bei dir…

— Pascha, halt den Mund! — fuhr Wadim ihn an und begriff im selben Moment, dass sein Freund ihn immer tiefer in den Abgrund riss. — Oksana ist zu Hause. Sie hat alles gesehen. Das Bett, die Gläser…

Am anderen Ende herrschte für einen Moment Stille — und dann ein kurzes, freches Kichern.

— Ah, da haben wir’s. Oksanka macht dir wieder ’n Kopf? Sag ihr, sie soll sich entspannen. Ist doch nichts passiert. Bin ja kein Schwein — den Müll hab ich weggeschmissen.

Wadim schloss die Augen. Das war das Ende.

— Pascha, ich brauche die Schlüssel. Sofort. Du musst sie herbringen.

Das Lachen im Hörer wurde lauter, unverschämter.

— Die Schlüssel? Vados, ernsthaft? Wegen so ’nem Kleinkram? Sag deiner Alten, sie soll lockerer werden. Ist doch nur ’ne Bude, nur ein Bett. Wir haben’s ja nicht kaputtgemacht. Richte ihr Grüße von mir aus. Soll mal ein bisschen entspannter werden.

Wadim hielt es nicht mehr aus und beendete den Anruf. Er starrte auf den dunklen Bildschirm, und ihm war, als hielte er keinen Telefonapparat, sondern einen glühend heißen Stein in der Hand. Dann hob er den Blick. Oksana sah ihn an — ohne Wut, ohne Hass. In ihrem Blick lag nur endgültige, unumkehrbare Enttäuschung. Die Art von Enttäuschung, die schlimmer war als jeder Skandal.

— Hast du es jetzt verstanden? — fragte sie leise.

Und ohne eine Antwort abzuwarten, drehte sie sich um und verließ schweigend das Schlafzimmer. Nicht Richtung Flur. Sondern Richtung Abstellkammer.

Die Stille, die sich nach ihrem Weggehen ausbreitete, war schlimmer als jedes Geschrei. Wadim stand wie versteinert da, das Telefon in der Hand, das plötzlich untragbar schwer geworden war. Das scheiternde Gespräch mit Pascha hallte noch in seinem Kopf nach, mit dessen frechem, schnoddrigem Echo: „Soll mal einfacher sein.“ Einfacher. Er sah das zerwühlte Bett, das schwarze Haar auf Oksanas Kopfkissen, die zerdrückte Zigarettenpackung — und das Wort „einfacher“ erschien ihm als das widerlichste Wort, das er je gehört hatte.

Dann hörte er Schritte. Oksana kam zurück. Sie hatte nichts in den Händen, aber ihr Blick war vollkommen leer. Sie ging an ihm vorbei zum Bett, als existiere er nicht. Ohne ein Wort griff sie mit zwei Fingern das Kissen mit dem fremden Haar und zog es mit einem ruckartigen, abwehrenden Bewegungsreflex aus dem Bezug.

Sie schleuderte das Kissen zur Seite, riss die Kissenhülle ab, knüllte sie zu einem harten Ball zusammen und warf ihn zu Boden. Dann folgte das zweite Kissen — seines. Dann packte sie das Ende des Bettbezugs und riss ihn mit einem einzigen kräftigen, zornigen Ruck vom Bett.

Federn, die aus dem alten Bettzeug hervorquollen, kreisten langsam in der Luft und sanken auf Möbel und Boden nieder. Zum Schluss kam das Spannbettlaken. Sie riss es vom Matratzenrand mit einem Geräusch, als würde man jemandem die Haut abziehen.

— Oksana, was machst du? Hör bitte auf… — Wadims Stimme war heiser, erbärmlich.

Sie antwortete nicht. Sie häufte die gesamte, beschmutzte, entweihte Bettwäsche zu einem großen Haufen, knüllte alles in einen form- und seelenlosen Klotz und schleuderte ihn ihm mit voller Wucht gegen die Brust. Wadim taumelte zurück.

Der Ballen aus Stoff traf ihn und umhüllte ihn mit einem kaum wahrnehmbaren Geruch nach fremdem Schweiß, billigen Parfüms und dieser süßen, klebrigen Note, die sich für immer mit Verrat verbinden würde. Er stand da, drückte den Haufen fremder Schmutzreste gegen sich und sah zu, wie sie erneut das Zimmer verließ.

Nach einem Augenblick kam sie zurück — diesmal mit einer großen Rolle schwarzer Müllsäcke. Mit einem scharfen, reißenden Geräusch riss sie einen ab, öffnete ihn und ging zum Kleiderschrank. Zu seiner Seite des Schranks.

— Nein… Ksjuscha, bitte nicht… — flüsterte er, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken.

Sie riss die Tür auf und begann, ohne hinzusehen, seine Kleidung von Bügeln und Regalen direkt in den schwarzen Müllsack zu stopfen. Teure Anzüge, die er zu wichtigen Verhandlungen getragen hatte, wurden zerknittert und verbogen. Hemden, die sie selbst gebügelt hatte, fielen zusammen mit Jeans und Pullovern auf den Boden des Sacks.

Sie sortierte nicht. Sie wählte nicht aus. Sie entfernte sein Leben aus ihrem Zuhause — mit der mechanischen Präzision einer Maschine. Das Kreischen der Bügelstangen war der einzige Laut im Raum.

Als der erste Sack voll war, stellte sie ihn beiseite, riss den nächsten ab und fuhr fort. Wadim schaute zu — und ein tierischer Schrecken überkam ihn. Das war keine Verbannung. Das war eine Auslöschung. Man strich ihn aus dem Leben, aus dem Zuhause, aus der Vergangenheit, und stopfte seine Existenz in Müllsäcke.

Als der zweite Sack voll war, nahm sie beide an den Griffen und zog sie, ohne sich unter deren Gewicht zu bücken, zur Schlafzimmertür. Die Säcke schlugen dumpf gegen den Türrahmen und schabten über das Parkett, hinterließen dahinter eine unsichtbare Spur der Erniedrigung. Wie benebelt folgte er ihr.

Sie schleifte sie bis zur Wohnungstür, riss sie auf und stellte die Säcke nacheinander auf den Hausflur. Dann ging sie zurück, nahm seine Jacke vom Haken, seine Schuhe aus dem Flur, und reichte sie ihm wortlos. Er nahm sie automatisch entgegen. Er blickte in ihre Augen, suchte dort irgendetwas — Wut, Schmerz, Hass. Doch dort war nur Kälte. Eine ausgebrannte, leere Kälte.

Er trat hinaus auf den Treppenabsatz und blieb neben den zwei schwarzen Säcken stehen, in denen sein früheres Leben verpackt war. Die Tür fiel nicht zu. Sie schloss sich langsam, leise. Und dann ertönte ein Geräusch, das lauter war als jeder Knall.

Der Klick des Schlosses. Und dann das langsame, methodische Drehen des Schlüssels. Eine Umdrehung. Und noch eine.

Wadim blieb im Halbdunkel des Treppenhauses stehen und starrte auf das Eichenholz der Tür, die eben noch der Eingang zu seinem Zuhause gewesen war. Jetzt war sie nur noch eine Wand.

Leave a Reply

;-) :| :x :twisted: :smile: :shock: :sad: :roll: :razz: :oops: :o :mrgreen: :lol: :idea: :grin: :evil: :cry: :cool: :arrow: :???: :?: :!: