— Ich habe mich nicht bei Ihnen als Dienstmädchen beworben, Zhana Arkadyevna! Sie haben eine erwachsene Tochter, die bei Ihnen lebt – soll sie doch Ihre Wohnung auf Hochglanz bringen! Ich bin die Frau Ihres Sohnes, und wir haben unser eigenes Haus und unsere eigene Familie! Punkt!

— Roma, ich bin’s. Kannst du jetzt gleich vorbeikommen? Ich brauche dringend Gläser.
Die Stimme von Zhana Arkadyevna am Telefon war völlig frei von jeder fragenden Intonation. Sie ließ keinen Widerspruch zu, kein Nein. Es war genau dieser einschmeichelnde, aber zugleich eiserne Ton, den Roman seit seiner Jugend verabscheute.
Er schloss die Augen, rieb sich den Nasenrücken und versuchte, sich das mühsam errungene Abendruhegefühl zu bewahren. Seine Schultern, die sich gerade erst nach einem langen Arbeitstag entspannt hatten, spannten sich wieder an und wurde zu dem altbekannten Schutzpanzer.
— Mama, hallo. Es ist schon spät, ich komme gerade erst von der Arbeit. Welche Gläser? Wir bringen sie morgen vorbei, — er bemühte sich, ruhig zu sprechen, ohne jede Gereiztheit, denn er wusste: jeder Hauch von Protest würde gegen ihn verwendet werden.
Alina, die mit einem Buch im Sessel gegenüber saß, senkte unwillkürlich den Blick. Sie hörte die Worte der Schwiegermutter nicht, aber sie kannte diesen Ton aus Romans Stimme. Dieser Ton bedeutete, dass ihr Abend vorbei war. Dass nun wieder diese zähe, zermürbende Manipulation beginnen würde, die wie Zahnschmerzen an den Nerven nagte.
— Welche wohl… Die leeren, die bei euch auf dem Balkon stehen! Ich muss JETZT sofort Gurken einmachen, und Svetotschka geht’s nicht gut, sie kann nicht in den Laden, — trällerte Zhana Arkadyevna ins Telefon. — Sie liegt flach, die Arme. Und du bist etwa zu müde? Hast du keine Kraft mehr, deiner eigenen Mutter zu helfen? Ich verlange ja nicht, dass du Säcke schleppst.
Roman schwieg. Er starrte auf einen Punkt an der Wand, und Alina sah, wie sich eine tiefe Falte auf seiner Stirn bildete. Er war in der Falle. Ablehnen bedeutete: eine halbstündige Standpauke über seine Hartherzigkeit und Undankbarkeit.
Zustimmen bedeutete: sofort aufspringen und quer durch die ganze Stadt fahren — wegen einer Laune, die höchstwahrscheinlich nur ein Test seiner Fügsamkeit war. „Svetotschka geht’s nicht gut“ — das war ihr Trumpf, den Zhana Arkadyevna jedes Mal zog, wenn sie etwas durchsetzen wollte.
Die dreißigjährige Svetotschka, gesund wie ein Bulle, war grundsätzlich „kränklich“, sobald es um Arbeit, Hausarbeit oder einen Einkauf ging.
Alina sah, wie ihr Mann den Mund öffnete, um etwas zu entgegnen — und verstand, wie sinnlos das war. Es wäre viel einfacher, selbst eine halbe Stunde zu opfern, als diese Show am Telefon anzuhören und danach ihren Mann völlig ausgepresst wie eine Zitrone zu sehen. Entschlossen legte sie das Buch zur Seite und stand auf.
— Ich fahre, — sagte sie leise, aber so, dass er es hörte.
Roman sah sie gleichzeitig dankbar und schuldbewusst an. Er hielt die Hörmuschel zu.
— Alin, lass mal. Ich mache das schon…
— Sitz, — schnitt sie ihm das Wort ab. — Ich bin schneller.
Sie trat zu ihm, nahm ihm das Telefon aus der Hand und hielt es an ihr Ohr. Ihre Stimme klang übertrieben höflich, fast zuckersüß.
— Guten Abend, Zhana Arkadyevna. Roman ist sehr müde, ich packe die Gläser zusammen und bringe sie Ihnen innerhalb einer halben Stunde.
Für einen Moment herrschte am anderen Ende der Leitung völlige Stille. Die Schwiegermutter hatte offensichtlich nicht mit diesem Zug gerechnet. Ihr Spiel war auf den Sohn ausgerichtet.
— Ah… Alina… Na gut, dann bring sie eben, wenn du meinst, — presste sie schließlich hervor und konnte ihre Enttäuschung kaum verbergen.
Auf dem Balkon stand ein Karton voller staubiger Drei-Liter-Gläser. Ein Überbleibsel der Vergangenheit, das sie immer noch nicht weggeworfen hatten. Alina griff mit Widerwillen nach der Box. Das Glas klirrte dumpf. Sie trug diesen Karton wie ein Symbol für all die Verpflichtungen ihres Mannes, die er einfach nicht loswerden konnte. Schwer, leer und völlig nutzlos.
Die Wohnung der Schwiegermutter empfing sie mit dem vertrauten, abgestandenen Geruch alter Möbel und einer säuerlichen Note aus der Küche. Das matte Licht der einzigen Lampe im Treppenhaus ließ die abgeplatzten Wände noch trostloser aussehen. Alina klingelte.
Ein paar Sekunden vergingen, bevor schleichende Schritte hörbar wurden. Die Tür ging auf, und als Alina über die Schwelle trat, wusste sie sofort, dass sie in eine sorgfältig inszenierte Show geraten war.
Das Bild, das sich ihr bot, war so vorhersehbar, dass es nur dumpfen, tiefsitzenden Ärger auslöste. Im Wohnzimmer, das vom blauen Licht eines riesigen Fernsehers erleuchtet wurde, auf dem eine schreiende Talkshow lief, lümmelte Svetа in einem tiefen Sessel.
Die „arme, hilflose Kranke“ scrollte in ihrem Handy, dessen Bildschirm ihren blassen Ausdruck noch lebloser wirken ließ. Daneben eine halb ausgetrunkene Tasse Tee und ein Teller mit Krümeln. Krank sah sie nicht aus. Sie sah exakt so aus wie immer — gelangweilt und vollkommen untätig.
Zhana Arkadyevna, die sich wie die Herrin des Hauses aufspielte, musterte die Kiste in Alinas Händen mit einem schweren Blick.
— Endlich. Stell sie hier auf den Boden, — sie deutete mit der Hand in Richtung Flur. — Aber mach bloß nichts kaputt.
Alina stellte die schwere Kiste schweigend und vorsichtig auf den Linoleumboden. Sie wollte sich schon umdrehen, um zu gehen und noch ein höfliches „Auf Wiedersehen“ hinzuzufügen — doch die Schwiegermutter hatte offenbar andere Pläne. Sie rührte sich nicht von der Stelle und versperrte Alina den Weg zur Tür.
— Wenn du schon da bist, steh nicht einfach herum, — begann sie in dem herrischen Tonfall, den sie ausschließlich jenen gegenüber benutzte, die sie als untergeordnet ansah. — Siehst du nicht, überall ist Staub, und Svetotschka ist krank, und mir tut der Rücken weh. Wisch schnell die Kommode ab, und dann kannst du auch gleich den Flur aufwaschen — du hast hier mit deiner Kiste genug Dreck gemacht.
Svetotschka löste sich vom Telefon und konnte sich ein spöttisches Grinsen nicht verkneifen, als sie das hörte. Sie richtete sich ein Stück auf, um die bevorstehende Demütigung der Schwiegertochter besser beobachten zu können. Das war ihr liebstes Vergnügen: gemeinsam trieben sie Romas Frau in die Ecke, um sich danach darüber zu beklagen, wie ungezogen und faul sie sei.
Alina richtete sich langsam auf. Sie betrachtete die Staubschicht auf der dunklen Politur der alten Kommode, dann das zufriedene Gesicht der Schwägerin — und schließlich ruhte ihr Blick auf der Schwiegermutter. In ihr klickte etwas.
Nicht mit dem Klang einer zerbrochenen Tasse, sondern mit dem dumpfen, endgültigen Geräusch eines durchtrennten Stricks, der sie viel zu lange an der Leine der Höflichkeit gehalten hatte. Sie sah Zhana Arkadyevna direkt in die Augen, und als sie sprach, war ihre Stimme ruhig, deutlich und völlig ohne Zittern.
— Ich habe mich nicht bei Ihnen als Dienstmädchen beworben, Zhana Arkadyevna! Sie haben eine erwachsene Tochter, die bei Ihnen lebt — soll sie doch Ihre Wohnung auf Hochglanz bringen! Ich bin die Frau Ihres Sohnes, und wir haben unser eigenes Haus und unsere eigene Familie! Punkt!
Für ein paar Sekunden wurde es in der Wohnung unnatürlich still, selbst die Stimmen aus dem Fernseher schienen zu verstummen. Das Grinsen auf Svetotschkas Gesicht erstarrte, glitt dann ab und verwandelte sich in einen Ausdruck verblüffter Empörung.
Zhana Arkadyevna war von einer solchen Unverschämtheit sprachlos. Ihr Gesicht lief knallrot an, ihr Mund öffnete und schloss sich lautlos wie bei einem an Land geworfenen Fisch. Als ihre Stimme zurückkehrte, war sie schrill.

— Was bildest du dir ein, du Unverschämte?! In meinem Haus willst du mir Vorschriften machen?! Ich rufe jetzt Roman an, er lässt sich sofort von dir scheiden! Ich werfe dich wie einen räudigen Hund auf die Straße!
— Meinen Sie das ernst? — fragte Alina ruhig, fast mit Neugier.
Ohne den Blick von dem vor Wut verzerrten Gesicht der Schwiegermutter abzuwenden, zog sie ihr Telefon aus der Tasche. Sie suchte den Kontakt „Mann“ und drückte auf „Anrufen“. Zhana Arkadyevna verstummte und sah sie verblüfft an. Alina schaltete Freisprechen ein.
— Roma, hallo, — sagte sie in die Leitung, mit gleichmäßigem Ton. — Deine Mutter verlangt, dass ich bei ihnen Böden und Fenster putze, sonst lässt du dich von mir scheiden. Bestätigst du das?
Am anderen Ende der Leitung hing eine kurze, aber sehr aussagekräftige Pause. Dann hörte man Romans müden, schweren Seufzer.
— Mama, gib mir das Telefon.
Zhana Arkadyevna, noch immer ungläubig, reichte das verkrampfte Telefon an die erstarrte Svetotschka weiter.
— Svetotschka, — hörten alle drei Romans Stimme, kalt wie Stahl, — du hast eine halbe Stunde Zeit, die Wohnung in Ordnung zu bringen. Wenn ich jetzt komme und sehe, dass du sitzt, während Alina arbeitet, werfe ich all deine Klamotten raus. Und du wirst allein zurechtkommen. Ich habe fertig.
In der Leitung ertönten kurze Freizeichen. Alina nahm mit höflichem Lächeln das Telefon aus der schlaffen Hand der Svetotschka. Sie nickte der fassungslosen Schwiegermutter zu.
— Ich glaube, ich gehe jetzt. Es scheint, als stünde hier eine Generalreinigung an.
Die Tür hinter Alina schloss sich mit einem leisen, höflichen Klick, der in der eingetretenen Stille wie ein Schuss hallte. Einige Sekunden lang standen Zhana Arkadyevna und Svetotschka nur da und starrten auf die Tür, als sei sie ein Portal in eine andere Wirklichkeit, zu der ihnen fortan der Zugang verwehrt sei.
Das blaue Licht des Fernsehers spielte weiterhin gleichgültig über die Wände und zeichnete aus dem Halbdunkel die ratlosen, von Zorn verzerrten Gesichter heraus.
Svetotschka war die Erste, die wieder zu sich kam. Sie ließ sich langsam wieder in den Sessel sinken, doch ihr lockeres Gehabe war verschwunden; ihre Haltung war angespannt. Das Telefon in ihrer Hand war dunkel geworden.
— Hast du dich genug ausgetobt? — ihre Stimme war leise und giftig wie das Zischen einer Schlange. — Zufrieden? Ich hab dir doch gesagt, fass sie nicht an, sie ist nicht die Sorte Frau, die stillhält.
Zhana Arkadyevna wirbelte herum. Ihr Gesicht war noch immer knallrot. Der Schock wich blinder, alles verzehrender Wut, die einen Auslass brauchte. Und das einzige erreichbare Ziel dieser Wut war ihre eigene Tochter.
— Halt den Mund, du Gnadenbrot! — knurrte sie und trat auf den Sessel zu. — Du hockst hier den ganzen Tag, rührst keinen Finger! Alles wegen dir! Wenn du nur irgendetwas taugen würdest, nur einmal deinen Teller wegräumen würdest, müsste ich nicht diese… diese Aufschneiderin bitten! Du hast mein Haus in einen Schweinestall verwandelt, und ich soll hinter dir herräumen?
— Ich habe dich nicht gebeten, sie hereinzuholen und zu demütigen! — fauchte Svetotschka, sprang aus dem Sessel. — Das sind deine Spielchen, Mama! Du liebst es, uns gegeneinander auszuspielen, zuzusehen, wie Romka zwischen uns zerrissen wird! Du hast nur nicht bedacht, dass sein Geduldsfaden reißt! Jetzt schmeißt er MEINE Sachen raus, nicht deine!
Sie standen sich gegenüber: zwei Frauen, die jahrelang eine gemeinsame Front gegen die Außenwelt gebildet hatten – und in erster Linie gegen Alina. Doch nun, da ihr gemeinsamer Feind einen vernichtenden Schlag geführt und sich zurückgezogen hatte, bekam ihr Bund Risse, die eine längst aufgestaute gegenseitige Verachtung freilegten.
Ihr Wortgefecht wurde von einem scharfen, fordernden Klingeln an der Tür unterbrochen. Es klang, als würde jemand nicht mit dem Finger, sondern mit der ganzen Hand auf den Knopf drücken. Beide erstarrten und sahen sich an. In ihren Blicken stand dieselbe Angst. Zhana Arkadyevna ging öffnen, während sie versuchte, ihrem Gesicht einen leidenden Ausdruck zu verleihen.
Auf der Schwelle stand Roman. Er war nicht wütend im üblichen Sinne. Er schrie nicht, sein Gesicht war nicht verzerrt. Er war vollkommen ruhig – und das war beängstigender als jede Raserei. Seine Augen, kalt und dunkel, glitten durch den Flur, blieben am staubigen Kommode stehen, wanderten zu der erstarrten Schwester im Wohnzimmer und schließlich zur Mutter. Er begrüßte sie nicht. Er sagte überhaupt nichts.
Schweigend ging er an ihnen vorbei und bewegte sich zielstrebig tiefer in die Wohnung.
— Romotschka, mein Sohn, du hast alles falsch verstanden! Diese deine Alina… — begann Zhana Arkadyevna ihm hinterher, doch er drehte sich nicht einmal um.
Er trat in Svetas Zimmer – das Allerheiligste, das Reich der Prinzessin, die auf seine Kosten lebte. Ohne sich umzusehen, öffnete er mit einem Ruck den Kleiderschrank und holte mehrere große schwarze Müllsäcke heraus, die Sveta gekauft, aber nie bestimmungsgemäß benutzt hatte. Mit geschäftsmäßiger Gründlichkeit begann er, Kleider, Blusen und teure Jeans von den Bügeln zu reißen und in den Sack zu stopfen.
— Roma, was machst du da?! — kreischte Sveta und stürzte zu ihm. Sie packte seinen Arm, um ihn aufzuhalten. — Das sind MEINE Sachen! Bist du verrückt geworden?!
Er sah sie an, als wäre sie kein Mensch, sondern ein lästiges Insekt. Mit einer einzigen Bewegung schüttelte er ihre Hand ab und setzte seine Arbeit fort. Der zweite Sack füllte sich mit Schuhkartons voller neuer Schuhe, der dritte – mit Taschen und Kosmetika vom Schminktisch.
— Sohn, hör auf! Was tust du da?! Das ist doch deine Schwester! Sie hat Herzprobleme! — jammerte Zhana Arkadyevna, die Hände in die Luft werfend, ohne jedoch einen Schritt in den Raum zu machen.
Roman verknotete den dritten Sack und ließ ihn mit dumpfem Schlag auf den Boden fallen. Dann richtete er sich auf und sah sie endlich an.
— Ihr dachtet wohl, das bleibt ewig so? — seine Stimme war ruhig, doch sie erfüllte den ganzen Raum. — Ihr dachtet, ich würde diesen Zirkus immer weiter bezahlen? Dein Nichtstun, Sveta, und deine Manipulationen, Mama?
Er ging einen Schritt auf die Schwester zu, und sie wich unwillkürlich zurück.
— Also, Sveta. Entweder du findest dir morgen einen Job – egal welchen, meinetwegen auch Boden putzen – und hilfst deiner Mutter, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten. Oder diese Säcke fahren mit dir in eine Mietwohnung. Die du selbst bezahlen wirst. Von mir bekommst du keinen Cent mehr. Nicht einen einzigen.
Dann wandte er sich zur Mutter.

— Und du, Mama – gewöhn dich dran. Deine Geldquelle und dein Laufbursche sind ab jetzt Geschichte.
Er wartete keine Antwort ab. Er drehte sich um, ging durch die ganze Wohnung zurück und schloss die Haustür leise hinter sich. Im Zimmer blieben zwei Frauen stehen – zwischen einem verwüsteten Kleiderschrank und drei schwarzen Säcken, die wie Grabansätze wirkten, unter denen ihr bisheriges, bequemes Leben begraben lag.
Drei Tage vergingen. Drei Tage ohrenbetäubender, ungewohnter Stille. Romans Telefon schwieg. Keine klagenden Anrufe der Mutter, keine passiv-aggressiven Nachrichten der Schwester mit der Bitte „überweis mal was“. In Alinas und Romans Wohnung herrschte ein zerbrechlicher, fast greifbarer Frieden.
Sie aßen zusammen zu Abend, sprachen über den Tag, schauten Filme. Sie lebten ihr eigenes Leben – und diese einfache Normalität fühlte sich an wie etwas Gestohlenes, etwas, das ihnen jederzeit wieder genommen werden konnte. Roman war angespannt, er wartete. Er kannte seine Mutter zu gut, um zu glauben, dass sie einfach so aufgeben würde. Das war die Ruhe vor dem letzten, entscheidenden Angriff.
Und er kam. Am Samstagabend, gerade als sie sich zum Essen gesetzt hatten, ertönte die Türklingel – aufdringlich und ununterbrochen. Kein kurzer, höflicher Besucherton – sondern ein langes, empörtes Dröhnen. Roman legte langsam die Gabel hin, sah Alina an – und in seinem Blick stand: „Es geht los.“
Er ging öffnen. Auf der Schwelle standen Zhana Arkadyevna und Sveta – wie zwei personifizierte Statuen der Vergeltung. Sie trugen ihre besten Sachen, als wären sie zu einem Tribunal erschienen, bei dem sie zugleich Richterinnen und Anklägerinnen waren.
— Wir müssen reden. Ernsthaft, — erklärte Zhana Arkadyevna ohne Vorrede, wobei sie nicht den Sohn ansah, sondern an ihm vorbei direkt zu Alina, die am Tisch saß.
Roman trat wortlos zur Seite und ließ sie eintreten. Er schloss die Tür und blieb davor stehen, die Arme verschränkt, den Rückweg blockierend – den sie ohnehin nicht zu suchen schienen. Alina stand nicht auf; sie legte nur das Besteck zur Seite und wartete auf das Unvermeidliche.
— Nun gut, ich höre euch, — sagte Roman ruhig.
Zhana Arkadyevna trat in die Mitte des Zimmers, Sveta stellte sich wie eine treue Adjutantin neben sie.
— Wir sind hier, um einen Schlussstrich zu ziehen, Roman, — begann die Schwiegermutter, und ihre Stimme klang von unterdrückter Wut erfüllt. — Wir haben das viel zu lange ertragen. Seitdem in deinem Leben… sie aufgetaucht ist, — sie nickte angewidert in Alinas Richtung, — begann unsere Familie auseinanderzufallen.
Sie hat dich gegen deine eigene Mutter aufgebracht, gegen deine Schwester! Sie ist in deinen Kopf eingedrungen und steuert dich wie eine Marionette! Und du, geblendet, siehst nicht, dass diese Fremde nur dein Geld ausnutzt!
— Du gibst alles für sie aus, während deine eigene Schwester sich bei dir um das Nötigste bitten muss! — fügte Sveta hinzu, die Augen funkelnd. — Sie lebt in unserer Wohnung, trägt Sachen, die du mir hättest kaufen können!
Sie redeten durcheinander, spien alles aus, was sich über Jahre in ihnen angesammelt hatte. Ihre Vorwürfe waren absurd, doch wurden sie mit einer derartigen Unerschütterlichkeit vorgetragen, dass sie für einen Außenstehenden für einen Moment wahrhaftig hätten erscheinen können.
Alina schwieg. Sie sah sie an, ohne Hass, eher mit einer distanzierten, fast neugierigen Gleichgültigkeit – wie ein Entomologe unangenehme, aber auf ihre Weise vorhersehbare Insekten betrachtet.
Roman hörte ihnen schweigend zu, ohne seine Miene zu verändern. Er ließ sie sich aussprechen, bis sie ihren Höhepunkt der Erregung erreicht hatten. Schließlich, erschöpft, machte Zhana Arkadyevna einen Schritt nach vorn und sprach das aus, wofür sie gekommen waren:
— Genug. Wir stellen dir eine Bedingung. Entweder diese flatterhafte Göre verlässt unsere Familie und dein Leben, oder du bist nicht länger unser Sohn. Wähle, Roman. Entweder wir – dein Blut, deine Familie. Oder sie.
Eine gespannte Stille senkte sich über den Raum. Zhana Arkadyevna und Sveta starrten ihn herausfordernd an, überzeugt von ihrer Macht, der Unerschütterlichkeit der Blutsbande, sicher, dass er jetzt brechen würde.
Roman trat langsam von der Tür weg. Er ging auf seine Mutter zu, hielt kurz inne, so nah, dass er jede Falte auf ihrem vor Zorn verzerrten Gesicht erkennen konnte. Er sah ihr direkt in die Augen, und seine Stimme war ruhig, gleichmäßig – und gerade deshalb unbarmherzig hart.
— Ihr wollt, dass ich wähle? Gut. Ich wähle.
Er machte eine kurze Pause, damit sie den Moment in vollen Zügen genießen konnten, den sie für ihren Triumph hielten.

— Ich wähle meine Frau. Ich wähle mein Haus. Ich wähle meine Ruhe. Ich wähle mein Leben, in dem kein Platz für euren Sumpf ist. Wisst ihr, warum? Weil ihr keine Familie seid. Ihr seid Verbraucher.
Ein schwarzes Loch, das nur Kraft, Geld und Zeit verschlingt. Du, Mama, hast nie verstanden, dass dein Sohn erwachsen geworden ist. Und du, Sveta, hast dich nie selbst entwickeln wollen. Der Sohn, der euer Geldbeutel und eure Schulter zum Ausweinen war, starb vor drei Tagen in eurem Flur. Und ich bin ein Fremder für euch. Alinas Mann.
Er drehte sich um und ging zur Haustür, öffnete sie weit.
— Euer Ultimatum akzeptiert. Ihr seid mir keine Mutter mehr. Du bist mir keine Schwester mehr. Ruft nicht an. Kommt nicht vorbei. Ich kenne euch nicht. Euer Geld ist aufgebraucht. Für immer. Lebt wohl.
Er sah nicht auf ihre Gesichter, auf denen Schock der Entdeckung wich. Er stand einfach da und hielt die Tür, während sie, stolpernd wie Blinde, auf das Treppenhaus hinausgingen. Dann schloss er leise, ohne einen Knall, die Tür hinter ihnen.
Er drehte das Schloss. In der Wohnung herrschte Stille. Wirkliche Stille. Die Stille der Freiheit. Er ging zum Tisch, setzte sich Alina gegenüber und nahm ihre Hand in seine. Der Krieg war vorbei…