Die Hochzeit hatte noch gar nicht stattgefunden, doch die zukünftige Schwiegermutter teilte bereits meine Wohnung unter sich auf.

Die Hochzeit hatte noch gar nicht stattgefunden, doch die zukünftige Schwiegermutter teilte bereits meine Wohnung unter sich auf.

— Machst du Witze? Also habe ich meine Zeit an dich verschwendet? Umsonst meine Eltern beunruhigt? Alles umsonst ertragen?

— Andrej, ich…

— Ich brauchte doch nur deine Wohnung, verstehst du das?! — platzte es aus ihm heraus, und im selben Moment verstummte er, als hätte er sich selbst vor seinen Worten erschrocken.

Svetlana lernte Andrej kennen, als sie bereits sechsundzwanzig war. Die Mutter des Mädchens, Jelena Petrowna, begann sofort, ihrer Tochter Ratschläge zu erteilen:

— Halt dich an ihn, Sveta. Es wird höchste Zeit für dich zu heiraten. Er soll bald einen Antrag machen. Wenn du ihn verpasst, bleibst du für immer sitzen.

Jedes Gespräch mit der Mutter verwandelte sich in denselben Monolog.

— Du bist doch kein kleines Mädchen mehr, — wiederholte Jelena Petrowna am Telefon, — wann wirst du endlich Kinder kriegen? Die Zeit vergeht. Am Ende bleibst du allein, merk dir meine Worte!

Svetas Vater — Michail Iwanowitsch — mischte sich niemals ein. Er war stets der Meinung, das seien Frauensachen und für ihn sei in solchen Auseinandersetzungen kein Platz. Aber einen beiläufigen Vorwurf an die Tochter ließ er dennoch nie aus.

Die Mutter jedoch setzte Svetlana regelrecht unter Druck. Täglich rief sie an und redete mindestens eine halbe Stunde lang immer dasselbe: Heirat, Kinder, Zeit, Alter.

Es tat Sveta weh, solche Reden zu hören. Sie war nämlich stolz auf sich: In ihrem Alter hatte sie es zur Abteilungsleiterin in einem großen Unternehmen gebracht, erledigte ihre Aufgaben hervorragend, besaß eine eigene Wohnung und lebte keineswegs schlecht. Sie bat ihre Eltern nie um etwas — im Gegenteil, sie überwies ihnen sogar jeden Monat Geld. Doch Jelena Petrowna hielt das für eine Selbstverständlichkeit.

Und wenn Jelena Petrowna sich mit Freundinnen traf, erwähnte sie weder die Karriere noch die Selbstständigkeit ihrer Tochter, sondern ausschließlich eines: „Meine Sveta ist noch nicht einmal verheiratet… Ach… Das Mädchen ist verloren.“ Und neidisch fügte sie hinzu:

— Die Nina hingegen, ihre Tanjuschka hat schon zwei Kinder bekommen. Ja, sie sitzt zwar zu Hause, der Mann ernährt sie, aber dafür gibt es Enkel!

Svetlana seufzte jedes Mal schwer. Es stellte sich heraus, dass alles, was sie aus eigener Kraft erreicht hatte, für ihre Mutter keinerlei Bedeutung hatte. Andrej hingegen… nun ja, er war ein angenehmer Mensch, aufmerksam und ruhig. Doch Svetlana konnte nicht behaupten, unsterblich in ihn verliebt zu sein. Sie mochte seine Gesellschaft, aber ihr Herz schlug nicht schneller, wenn sie ihn sah.

Die Mutter jedoch sah in ihm regelrecht einen Rettungsring:

— Wenn du so einen Mann verlierst, wirst du es bereuen, — sagte Jelena Petrowna überzeugt.

Es kam der Moment, als Andrej vorschlug, Svetlana seinen Eltern — Pawel Iwanowitsch und Ljudmila Andrejewna — vorzustellen.

Sveta freute sich scheinbar darüber, obwohl sich ihre Mutter viel mehr freute als sie selbst. Jelena Petrowna schmiedete bereits Pläne: Alles laufe auf eine Hochzeit hinaus, bald könne man auch über Enkel sprechen.

Doch Svetlana war innerlich unruhig. Immer wieder ertappte sie sich bei dem Gedanken, dass sie nicht alles an Andrej akzeptieren konnte. Manchmal erschien er ihr zu geizig — sowohl mit Emotionen als auch mit Geschenken.

Während Sveta es gewohnt war, das Leben zu genießen und Geld ohne großes Zögern auszugeben — sei es für ein gutes Restaurant, schöne Kleidung oder Überraschungen für ihre Liebsten — überlegte Andrej stets hundertmal, ob er für jemand anderen überhaupt Geld ausgeben sollte. Sie schob es auf seinen Charakter, doch jedes Mal verspürte sie ein leichtes Unbehagen.

Und als sie zum ersten Mal die Wohnung von Andrejs Eltern betrat, ergab auf einmal vieles Sinn. Die Wohnung von Pawel Iwanowitsch und Ljudmila Andrejewna schien in der Zeit stehen geblieben zu sein. Jede Wand war mit Schränken zugestellt, die Vitrinen bogen sich unter dem Geschirr und Kristall, alte Teppiche hingen sogar im Flur. Es standen so viele Dinge herum, dass man kaum durch den Raum gehen konnte, ohne etwas mit dem Ellbogen zu streifen.

Sveta verstand sofort: Dieses Haus war eine Art Museum des Hortens. Offenbar galt es hier als unmöglich, sich von Dingen zu trennen — fast schon als Verbrechen.

— Dieses Service, Svetotschka, habe ich noch von meiner Großmutter geerbt, — zeigte Ljudmila Andrejewna stolz das alte Geschirr mit abgeplatzten Kanten und verblasstem Muster. — Wir bewahren alles auf, werfen nichts weg, alles kann im Haushalt noch nützlich sein.

Sveta lächelte höflich, doch innerlich überkam sie ein seltsames Gefühl. Plötzlich wurde ihr klar, woher Andrej diese übertriebene Sparsamkeit und sogar Knauserigkeit hatte.

Er war in einer Familie aufgewachsen, in der jeder Gegenstand einen Wert hatte, selbst wenn er längst keinen praktischen Nutzen mehr besaß. Wo man Geld für schlechte Zeiten zurücklegte und im Grunde so lebte, als wäre jeder Tag genau dieser schlechte Tag.

Sveta wurde eingeladen, sich an den Tisch zu setzen, der mit einem alten Tischtuch mit kleinen Flecken bedeckt war. Sie verzog leicht das Gesicht und setzte sich auf einen Hocker. Andrej lächelte breit und schenkte Kompott aus einem Krug ein, der nicht nur sehr alt und völlig unmodern war, sondern zudem auch schmutzig.

— Nein, danke. Ich nehme lieber Wasser, — sagte Sveta bescheiden.

— Sehr gut! — winkte Pawel Iwanowitsch ab, — Eine sparsame Schwiegertochter können wir immer gebrauchen.

Sveta lächelte und schwieg. Andrej und seine Eltern aßen das Abendessen mit Genuss, doch Sveta konnte das Gefühl des Ekels nicht loswerden. Als sie zuvor in die Küche gegangen war, hatte sie ein schreckliches Chaos und einen Stapel Teller gesehen, die von alten Fettresten übersät waren.

— Schwiegertöchterchen, warum isst du denn nichts? Diät vielleicht? — wunderte sich Ljudmila Andrejewna, als sie den unberührten Teller des Mädchens bemerkte.

— Nein, ganz und gar nicht. Mir tut heute nur ein wenig der Magen weh, — log Sveta, denn sie wusste: Würde sie jetzt etwas essen, würde ihr der Magen tatsächlich wehtun.

Das Abendessen neigte sich dem Ende zu, und Sveta freute sich schon, als Ljudmila Andrejewna die Torte brachte, die das Mädchen zur Feier des Kennenlernens gekauft hatte. Endlich würde es heute etwas Essbares und Sicheres auf dem Tisch geben!

Doch die Freude währte nur kurz. Die Frau stellte einen Teller vor sie hin — und Sveta erkannte ihn sofort. Es war jener Teller mit den eingebrannten Fettflecken, den sie zuvor in der Küche gesehen hatte. Ihr Appetit verging schlagartig. Sie musste erneut höflich ablehnen:

— Vielen Dank, aber ich verzichte lieber.

Ljudmila Andrejewna zog verwirrt die Augenbrauen hoch, schwieg jedoch. Dafür brummte Pawel Iwanowitsch nur:

— Na gut, bleibt mehr für uns.

Sveta lächelte höflich, während sie die Minuten bis zum Aufbruch zählte. Und dann begann Ljudmila Andrejewna ganz unerwartet — vielleicht nur für Sveta — ein neues Thema:

— Svetotschka, du sagtest, du hast eine Wohnung, ja? Wie viele Zimmer denn? Wohnst du allein? Zahlt man noch Kredit ab oder ist schon alles abbezahlt? Und wo liegt sie denn?

Die Fragen prasselten auf sie ein wie bei einem Verhör. Sveta war kurz überrumpelt, beantwortete aber dennoch einen Teil davon — ohne Details preiszugeben. Sie sah keinen Grund, etwas zu verbergen, aber ihr Innerstes offenlegen wollte sie nun wirklich nicht.

Doch da platzte Andrej, vor Stolz strahlend, dazwischen:

— Mama, Papa, ihr müsstet sie sehen! Svetas Wohnung ist einfach ein Traum! Der Blick geht direkt in den Park, riesig — ganze achtzig Quadratmeter. Europäische Renovierung, teure Möbel.

Sveta kam gar nicht erst dazu, ihn zu stoppen, denn schon verengte Ljudmila Andrejewna die Augen und sprach einen Satz aus, bei dem Sveta innerlich eiskalt wurde:

— Na wunderbar! Wenn ihr heiratet, ziehen wir zu euch. Unsere Wohnung verkaufen wir, legen das Geld aufs Konto. Du weißt ja, wie klein die Renten heutzutage sind. Im Alter hat man dann wenigstens ein bisschen Rücklagen.

Sveta wäre beinahe das Getränk in der Kehle stecken geblieben. Vor ihrem inneren Auge tauchte sofort ein Bild auf: ihre helle, großzügige Wohnung — vollgestopft mit all diesen endlosen Schränken, Teppichen und Kartons voller Kram. Ihre blitzsaubere Küche, auf deren Oberfläche Fettflecken prangen würden. Und dazu ständig fremde Menschen in ihren eigenen vier Wänden.

Übelkeit stieg in ihr hoch. Hastig stand sie auf und setzte ein gequältes Lächeln auf:

— Entschuldigt, mir geht es irgendwie nicht gut. Ich gehe lieber nach Hause, nehme eine Tablette und lege mich hin.

— Wie denn, so plötzlich?! — fuhr Pawel Iwanowitsch auf. — Ich habe einen Kräuterschnaps! Wenn du den trinkst, ist alles gleich wieder gut. Du siehst schon den ganzen Abend so angeschlagen aus.

— Danke, aber nein, — antwortete Sveta fest und nahm ihre Tasche.

Andrej sprang sofort auf:

— Ich begleite dich.

Doch sie schüttelte abrupt den Kopf:

— Nein, bleib bei deinen Eltern. Ich habe bereits ein Taxi gerufen.

Und ohne jemandem Gelegenheit zum Widerspruch zu geben, ging Svetlana zur Tür hinaus — spürend, wie ihr Herz vor aufgewühlten Gefühlen raste.

Sveta wusste, dass Jelena Petrowna auf einen Anruf wartete. Während sie zu Besuch war, hatte das Handy mehrmals vibriert — ihre Mutter hatte schon geschrieben: „Na, wie war’s?“, „Hat er dir einen Antrag gemacht?“, „Warum schweigst du?“

Sveta ignorierte jede Nachricht hartnäckig. Sie legte das Handy sogar mit dem Display nach unten, um nichts mehr sehen zu müssen. Ein Gespräch am Tisch wäre unhöflich gewesen, und Lust dazu hatte sie ohnehin nicht.

Doch kaum fiel die Haustür hinter ihr ins Schloss, wählte sie doch die Nummer der Mutter.

— Na?! — fragte Jelena Petrowna ohne jede Begrüßung. — Erzähl!

Sveta holte tief Luft und begann, alles der Reihe nach zu schildern. Von der Wohnung, in der man keinen Schritt tun konnte vor lauter Schränken, Teppichen und Möbeln. Davon, dass Ljudmila Andrejewna sie förmlich über ihre Wohnung ausgefragt hatte. Und von dem Satz, der ihr das Blut in den Adern gefrieren ließ: „Ihr heiratet, und wir ziehen zu dir.“

Sie erwartete Mitgefühl, Verständnis — wenigstens einen empörten Seufzer von ihrer Mutter. Doch am anderen Ende erklang gleichgültig:

— Und? — in einem Ton, als hätte Sveta sich über das Wetter beschwert. — Steht denn etwa eine Schlange von Verehrern vor deiner Tür?

Sveta erstarrte.

— Mama… — brachte sie nur hervor.

— Du musst verstehen: So einen Mann bekommt nicht jede! Und Eltern — das ist heilig. Na, dann hältst du es eben aus. Hauptsache, du heiratest und bekommst Kinder.

Svetlana blieb die Luft weg. Statt Unterstützung bekam sie die nächste Lektion erteilt. Verräterisch stiegen ihr die Tränen in die Augen, doch sie zwang sich, ruhig zu sprechen:

— Ich bin müde. Ich kann jetzt nicht mehr reden.

Und ohne die Antwort abzuwarten, legte sie auf.

In der Wohnung wurde es still, nur die Uhr tickte gleichmäßig. Sveta setzte sich aufs Sofa und fühlte sich vollkommen allein.

Andrej schrieb und rief an, doch Sveta antwortete nicht. Sie las die Nachrichten, sah die eingehenden Anrufe — und jedes Mal zog sich ihr Herz vor Schuldgefühlen zusammen. Als würde sie nicht nur ihn verraten, sondern auch das „brave Mädchen“, das sie ihr ganzes Leben lang gewesen war.

Sie hatte das Gefühl, alle zu enttäuschen. Die Mutter — weil sie nicht heiratete. Andrej — weil sie schwieg. Seine Eltern — durch ihren abrupten Aufbruch vom Abendessen. Und sogar den Vater, der sich zwar nicht einmischte, aber tief im Inneren bestimmt dachte: „Na, aus der Tochter ist wohl nichts geworden.“

Sveta tat viel zu oft nicht das, was sie selbst wollte, sondern das, was andere von ihr erwarteten. Die Mutter, Andrej, seine Eltern, Kollegen, Bekannte… Allen gefallen. Allen gerecht werden. Für alle bequem sein.

Nur bei der Arbeit war alles anders. Dort, in ihrem Büro als Abteilungsleiterin, war sie sie selbst. Selbstbewusst, streng, mitunter sogar hart. Die Mitarbeiter respektierten sie, die Vorgesetzten schätzten sie. Sveta wusste: In ihrem Beruf lag ihre Stärke. Im Leben hingegen… fühlte sie sich wie eine Fremde im eigenen Schicksal.

Drei Tage waren seit jenem verhängnisvollen Abend vergangen. Auf dem Handy blinkten noch immer Nachrichten von Andrej, doch Sveta wusste längst, dass es vorbei war. Zwischen ihnen war alles vorbei. Es blieb nur, die Kraft zu finden, es auszusprechen.

Und genau in diesem Moment spielte das Schicksal ihr einen unerwarteten Vorschlag zu. Der Geschäftsführer rief sie zu sich und bot ihr an, eine neue Filiale des Unternehmens in einer anderen Stadt zu leiten.

— Svetlana Michailowna, wir sind sicher, dass Sie das schaffen, — sagte der Direktor. — Das ist ein großes Projekt, alles muss von Grund auf aufgebaut werden. Das ist Wachstum, neue Horizonte. Und, Sie verstehen schon — das Gehalt ist entsprechend.

Sveta starrte ihn mit großen Augen an. Sie hatte eine Rüge wegen irgendwelcher Kleinigkeiten erwartet, eine weitere Aufgabenflut — aber ganz bestimmt nicht das.

— Denken Sie ein paar Tage darüber nach, aber wir brauchen die Entscheidung so bald wie möglich, — fügte der Direktor hinzu.

Als Sveta das Büro verließ, waren ihre Handflächen schweißnass und ihr Herz pochte vor Aufregung. Das war eine echte Chance — die man nur einmal im Leben bekommt. Eine Möglichkeit, aus dem ewigen Kreis auszubrechen, den Vorwürfen der Mutter zu entkommen, diesen aufgedrängten Beziehungen mit Andrej…

Noch am selben Abend traf sie ihre Entscheidung.

Andrej ahnte noch nichts – für ihn stand die Beziehung einfach auf Pause. Sie musste es ihm sagen. Doch das viel schwierigere Gespräch stand ihr mit der Mutter bevor. Sveta konnte sich nur zu gut vorstellen, wie dieser Anruf verlaufen würde. Schon der Gedanke daran ließ ihr Herz schmerzhaft zusammenziehen.

Zuerst wollte sie Andrej anrufen, um alles zu klären. Ihre Stimme war ruhig, als sie sagte:

— Lass uns heute Abend nach der Arbeit treffen. Im Café beim Park.

Andrej freute sich, als hätte sie den ersten Schritt zur Versöhnung gemacht. Als sie an einem Tisch saßen und jeder eine Tasse Kaffee bestellt hatte, strahlte er. In seinen Augen lagen Erleichterung und Freude. Sveta spürte einen Stich des schlechten Gewissens: „Er ahnt ja nicht einmal, was kommt…“

Aber es gab kein Zurück.

— Andrej, — begann sie leise, — ich habe Neuigkeiten für dich. Ich ziehe wegen der Arbeit in eine andere Stadt. Dort eröffnet eine Filiale, und ich werde sie leiten.

Sein Lächeln erlosch.

— Wie, du ziehst weg? Aber… wir können uns doch trotzdem sehen, einander besuchen. Ich werde auf dich warten.

Sveta holte tief Luft:

— Nein. Ich verkaufe die Wohnung hier und werde dort leben. Es wird nichts aus uns.

Sein Gesicht veränderte sich. Aus Verwirrung wurde Zorn. Seine Stimme kippte in einen Schrei:

— Machst du Witze? Also habe ich meine Zeit an dich verschwendet? Umsonst meine Eltern aufgeregt? Alles umsonst ertragen?

Sveta war verblüfft:

— Andrej, ich…

— Ich brauchte doch nur deine Wohnung, verstehst du das?! — platzte er heraus und verstummte sofort, als hätte ihn seine eigene Ehrlichkeit schockiert.

Stille. Sveta starrte ihn mit weit geöffneten Augen an, während er die Stirn kraus zog und sein Handy vom Tisch riss.

— Selbst schuld, — murmelte er, warf kein Geld für seinen Kaffee hin und stürmte aus dem Café.

Sveta blieb allein zurück. Und plötzlich breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. „Nun gut… Jetzt ist alles endgültig klar.“

Sie bezahlte, ging hinaus und setzte sich auf eine Parkbank. Sie nahm ihr Handy und wählte die Nummer ihrer Mutter.

— Mama, ich ziehe in einem Monat weg, — sagte sie ruhig. — In eine andere Stadt. Die Wohnung verkaufe ich. Ich werde dort leben.

Am anderen Ende ertönte sofort ein Aufschrei:

— Um Himmels willen, Sveta! — Jelena Petrowna klang, als hätte sie sich ans Herz gefasst. — Was hast du vor?! Wie soll ich hier ohne dich auskommen?! Du schaffst das allein dort auch nicht! Und was ist mit Andrej? Was ist mit der Heirat? Du bleibst alte Jungfer, wenn du nur an die Arbeit denkst!

Sveta hörte gelassen zu, ohne jede Regung. Sie hatte nichts anderes erwartet.

— Mama, ich habe bereits entschieden, — sagte sie fest und legte auf.

Der nächste Monat wurde zum Wirbelsturm. Dokumente, Wohnungsbesichtigungen, Käufer, Koffer, Kartons, eine Mietwohnung in der neuen Stadt, die Suche nach einer eigenen. Rennen, organisieren, treffen, telefonieren — und mitten in all dem fühlte sich Sveta plötzlich zum ersten Mal wirklich glücklich.

Frei.

Jeder Tag gab ihr eine solche Kraft und Freude, dass sie Andrej und die Schreie ihrer Mutter fast vergessen hatte. Vor ihr lag ein neues Leben.

Vier Jahre vergingen.

Sveta hatte sich an die neue Stadt gewöhnt, eine gemütliche Wohnung eingerichtet, die Filiale des Unternehmens praktisch aus dem Nichts aufgebaut und war zu einer der angesehensten Führungskräfte geworden. Es gab so viel Arbeit, dass sie manchmal vergaß, dass sie sich früher einsam gefühlt hatte.

Ihre Mutter versuchte in dieser Zeit immer wieder, Druck auszuüben: mal weinte sie, mal schmollte sie, mal überredete sie Michail Iwanowitsch, die Tochter zur Strafe nicht anzurufen. Doch Sveta reagierte längst nicht mehr. Sie hatte zu viele Pläne und Aufgaben, um ihre Energie für die Kränkungen der Mutter zu verschwenden.

In den vier Jahren waren ihre Eltern kein einziges Mal zu Besuch gekommen — sie hatten weder ihre Wohnung noch die Stadt gesehen, noch erlebt, zu welchem Menschen ihre Tochter geworden war. Sie lebten weiterhin in alten Gesprächen und Klagen, während Sveta ein neues, eigenes Leben führte.

Und genau dann, als sie dreißig wurde, lernte sie Jegor kennen. Es war ganz anders als jene Beziehungen, die ihre Mutter ihr einst so aufdrängen wollte. Kein Wettlauf, kein Schmerz, kein „man muss“. Nur Wärme, Respekt und die Gewissheit, dass der Mensch an ihrer Seite genau der richtige war.

Mit Jegor fühlte Sveta sich zum ersten Mal wie eine richtige Frau — nicht wie die bequeme Tochter für die Mutter, nicht wie die strenge Chefin, sondern einfach wie eine geliebte Frau. Er drängte nicht, hegte keinen Groll und verlangte nichts. Er konnte zuhören — und verstehen. Und als er ihr einen Antrag machte, zögerte sie keinen Moment.

Sveta blickte auf den Ring an ihrer Hand und lächelte:

„Und mit dreißig wird man auch noch um die Hand gebeten. Und nichts Schlimmes ist daran.“

Jelena Petrowna erfuhr nie, dass ihre Tochter längst verlobt war und ihre Hochzeit plante. Vor Sveta lag ihre eigene Familie und ein neues Leben.

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