— Vielleicht solltest du die Wohnung auf mich überschreiben? Nur so, für alle Fälle … — schlug der Mann seiner Frau vor.

— Vielleicht solltest du die Wohnung auf mich überschreiben? Nur so, für alle Fälle … — schlug der Mann seiner Frau vor.

Svetlana erstarrte mit dem Wasserglas in der Hand. Igor saß am Küchentisch und blätterte in den Unterlagen, die er aus dem Büro mitgebracht hatte. Sein Tonfall klang alltäglich, als würde er vorschlagen, die Tapete zu wechseln oder ein neues Sofa zu kaufen.

— Für alle Fälle? — wiederholte sie und stellte das Glas langsam auf den Tisch. — Für welchen Fall genau?

Igor hob den Blick von den Papieren, und Svetlana sah in seinen Augen etwas Neues — einen kalten Kalkül, den er früher geschickt hinter der Maske eines fürsorglichen Ehemanns verborgen hatte.

— Man weiß ja nie, was passieren kann, — er zuckte mit den Schultern. — Die Zeiten sind unruhig. Außerdem bin ich das Familienoberhaupt, logisch, wenn die Immobilie auf mich läuft.

— Logisch? — Svetlana setzte sich ihm gegenüber. — Diese Wohnung habe ich von meiner Großmutter geerbt. Noch vor unserer Hochzeit.

— Eben deswegen spreche ich ja von der Umschreibung. Wir sind doch Mann und Frau, was macht es für einen Unterschied, auf wen das Eigentum eingetragen ist?

— Wenn es keinen Unterschied macht, dann soll es so BLEIBEN, wie es ist.

Igor legte die Unterlagen zur Seite. In seinen Bewegungen lag eine Anspannung, die Svetlana nach sieben Ehejahren gut zu deuten wusste.

— Swetka, stell dich nicht so an. Es ist doch nur eine Formalität. Dafür gibt es später keine Probleme mit den Steuern.

— Mit welchen Steuern? Ich zahle alles ordnungsgemäß.

— DARUM GEHT ES NICHT! — fuhr Igor plötzlich auf. — Mach einfach, was ich sage, und gut!

Svetlana stand wortlos vom Tisch auf.

— Wohin gehst du? Wir sind noch nicht fertig!

— Ich gehe ins Schlafzimmer. Das Gespräch ist BEENDET.

— BLEIB STEHEN! — Igor packte sie am Handgelenk. — Vertraust du deinem eigenen Mann nicht?

Svetlana riss ihre Hand los.

— Nach so einem Vorschlag — NEIN.

In der Küchentür drehte sie sich noch einmal um:

— Und fass mich nie wieder an. NIE WIEDER.

Igor blieb am Tisch sitzen und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte. Dann zog er sein Handy hervor und wählte eine Nummer.

— Hallo, Mama? Ja, ich habe mit ihr geredet. Sie stellt sich quer, die ZICKIGE. Nein, sie hat nicht zugestimmt. Wir müssen zu Plan B übergehen.

Am nächsten Morgen wachte Svetlana vom Geruch nach Omelett auf. Igor werkelte in der Küche und summte irgendetwas vor sich hin.

— Guten Morgen, Liebling! — strahlte er sie an. — Ich habe dein Lieblingsfrühstück gemacht. Entschuldige wegen gestern, ich war überreizt.

Svetlana setzte sich misstrauisch an den Tisch. In all den gemeinsamen Jahren hatte sie all seine Maschen gelernt. Nach einem Streit — ein Versöhnungsfrühstück. Nach dem Frühstück — ein neuer Angriff.

— Igor, wenn das ein Versuch ist …

— Kein Versuch! Ich will mich einfach nur entschuldigen. Übrigens, heute kommen Mama und Papa vorbei. Sie vermissen uns.

Da war es. Svetlana legte die Gabel hin.

— Sie kommen schon?

— Ja, sie sind in einer Stunde da. Mama freut sich sehr, dich zu sehen. Sie sagt, sie hat ein wichtiges Gespräch mit dir.

Die Schwiegermutter, Raisa Petrovna, erschien auf die Minute genau. Eine große, autoritäre Frau mit perfekter Frisur und durchdringendem Blick. Der Schwiegervater, Viktor Semjonowitsch, war ihr komplettes Gegenteil: still, gebeugt, ein Mann, der es gewohnt war, seiner Frau in allem zuzustimmen.

— Svetlana, — begann Raisa Petrovna, kaum dass sie die Schwelle überschritten hatte. — Igor hat mir von eurem gestrigen Gespräch erzählt.

— Mama, vielleicht erst einen Tee? — versuchte Igor einzuhaken.

— Später. Erst klären wir diese Angelegenheit. Svetlana, Sie müssen die Wohnung auf meinen Sohn überschreiben.

— MUSS? — Svetlana richtete sich auf. — AUS WELCHEM GRUND?

— Ihr seid seit sieben Jahren verheiratet. Igor sorgt für die Familie, er bezahlt die Nebenkosten …

— Wir teilen die Ausgaben. Ich arbeite nicht weniger als Ihr Sohn.

— Unterbrechen Sie die Älteren nicht! In einer normalen Familie ist Eigentum auf den Mann eingetragen. So ist es richtig und traditionell.

— In welcher Tradition? — Svetlana verschränkte die Arme. — In der, in der die Frau EIGENTUM des Mannes ist?

Viktor Semjonowitsch räusperte sich verlegen:

— Vielleicht wirklich erstmal Tee?

— RUHE! — fauchte ihn seine Frau an. — Svetlana, ich verlange, dass Sie sofort mit der Umschreibung beginnen. Ansonsten …

— ANSONSTEN WAS? — Svetlana stand auf. — Was wollen Sie tun?

— Wir nehmen Igor mit aus diesem Haus. Und er wird die Scheidung einreichen.

Svetlana sah zu ihrem Mann. Er saß da, den Blick ins Handy gesenkt, und wich ihrem Blick aus.

— Igor, stimmt das? Lässt du zu, dass deine Mutter so mit mir redet?

— Sweta, versteh doch, Mama meint es nur gut …

— UNS gut? Oder dir? Igor, schau mir in die Augen und sag: Bist du wirklich bereit, dich wegen der Wohnung scheiden zu lassen?

Er hob den Blick. Und Svetlana sah die Antwort schon, bevor er sie aussprach:

— Wenn es sein muss — ja.

Schweigen. Als Erste durchbrach es Raisa Petrovna:

— Siehst du, Svetlana. Die Entscheidung liegt bei dir. Entweder die Wohnung auf Igor, oder Scheidung.

— Es gibt eine dritte Möglichkeit, — sagte Svetlana ruhig. — RÄUMEN SIE MEIN HAUS. Alle drei. SOFORT.

— Wie können Sie es wagen …

— Das ist MEINE Wohnung. Und ich verlange, dass Sie sie VERLASSEN. Igor, pack deine Sachen.

— Sweta, das meinst du doch nicht ernst …

— Doch, absolut ERNST. Du hast eine Stunde.

Raisa Petrovna wurde purpurrot:

— Igor, du wirst diesem vorlauten Weib doch nicht …

— Mama, komm, — Igor stand auf. — Sweta, wir reden noch darüber.

— NEIN, werden wir nicht. Der Anwalt meldet sich wegen der SCHEIDUNG.

Als sich die Tür hinter ihnen schloss, sank Svetlana aufs Sofa. Ihre Hände zitterten, doch innerlich fühlte sie sich überraschend leicht — ihr war sogar nach Lachen zumute. Sie zog das Handy hervor und wählte die Nummer einer Freundin:

— Alisa? Ja, ich bin’s. Erinnerst du dich, du hattest mir mal von einem guten Scheidungsanwalt erzählt?

Eine Woche später saß Svetlana im Büro des Juristen Artemij Valerjewitsch — jung, aber ein erfahrener Spezialist für Familienrecht.

— Also, Svetlana Andrejewna, die Wohnung gehört zu Ihrem vorehelichen Vermögen, das vereinfacht die Sache. Ihr Ehemann könnte jedoch Anspruch auf einen Ausgleich für etwaige Wertsteigerungen haben, falls solche vorgenommen wurden.

— Die Renovierung habe ich von meinem eigenen Geld bezahlt. Ich habe alle Quittungen aufgehoben.

— Hervorragend. Dann hat er keinerlei Anspruch auf das Objekt. Aber seien Sie vorbereitet — es wird schmutzig werden. Ich kenne den Anwalt Ihres Mannes. Elvira Konstantinowna schreckt vor keinen Methoden zurück.

Svetlana glaubte, auf alles gefasst zu sein. Oder sie glaubte es — bis die eigentliche Show begann. Igor und seine Mutter starteten eine regelrechte Kampagne gegen sie. Zuerst folgten Anrufe bei gemeinsamen Freunden — mit Geschichten darüber, was für ein herzloses Weib Svetlana sei, die ihren Ehemann auf die Straße gesetzt habe. Danach begann Raisa Petrovna bei Svetlanas Arbeitsstelle anzurufen und sich bei der Geschäftsleitung zu beschweren, sie würde „die moralische Atmosphäre im Team vergiften“.

— Svetlana Andrejewna, — Direktor Miron Gennadjewitsch bat sie zu sich ins Büro. — Es ist mir äußerst unangenehm, das anzusprechen, aber Ihre Schwiegermutter hat an der Rezeption einen Skandal verursacht.

— Verzeihen Sie, dass meine privaten Probleme ins Berufsleben hineingezogen wurden. Ich werde das klären.

— Ich hoffe es. Wir schätzen Sie als Fachkraft, aber der Ruf der Firma…

Mit festem Vorsatz verließ Svetlana das Büro: Dieser Zirkus musste enden. Sie rief Igor an:

— Hör sofort damit auf. Sag deiner Mutter, sie soll aufhören, meinen Arbeitsplatz zu terrorisieren.

— Was soll ich denn tun? — im Hörer war Café-Gespräch zu hören. — Mama handelt auf eigene Faust.

— Igor, ich zeige sie an — wegen Verleumdung und Belästigung.

— Versuch’s. Wir haben die besten Anwälte.

— Wir? — Svetlana lachte kalt. — Oder Mamachen? Igor, merkst du überhaupt, dass du dich in ein Muttersöhnchen verwandelt hast, das keinen Schritt ohne sie tun kann?

— HALTS MAUL! — brüllte er. — Du verstehst gar nichts! Ich BRAUCHE diese Wohnung!

— Wozu? Deine Eltern haben zwei Häuser!

— Das geht dich nichts an! Gib einfach die Wohnung ab und wir trennen uns friedlich!

— NEIN. Und damit basta.

Svetlana legte auf. Noch am selben Abend kam ihre Schwester vorbei — Warwara, eine energische Frau, die als Ermittlerin arbeitete.

— Sweta, was ist hier los? Alisa hat mir von Igor erzählt.

— Warja, er und seine Mutter fordern meine Wohnung. Stell dir das vor — Großmutters Wohnung!…

Warwara runzelte die Stirn.

— Und wieso plötzlich diese Eile? Sieben Jahre zusammen gelebt, und jetzt auf einmal drängt es so?

— Keine Ahnung. Aber Igor sagte, er BRAUCHE die Wohnung. Genau so — er braucht sie.

— Hm. Weißt du was, ich verschaffe mir mal ein paar Informationen. Ich habe Bekannte, die in die Angelegenheiten deines Angetrauten hineinschauen können.

Drei Tage später rief Warwara an:

— Sweta, wir müssen uns dringend treffen. Was ich herausgefunden habe… Komm zu mir.

In der Wohnung der Schwester hörte Svetlana sich Informationen an, bei denen ihr der Atem stockte.

— Igor hat hohe Schulden. Sehr hohe. Er ist in irgendeine Finanzpyramide hineingeraten und hat mehrere Kunden seiner Firma überredet, dort zu investieren. Die Pyramide ist zusammengebrochen, und die Kunden fordern ihr Geld zurück. Wenn er nicht zahlt, erstatten sie Anzeige. Er muss dringend irgendwoher Geld beschaffen.

— Und er wollte meine Wohnung verkaufen?

— Genau. Und nach den Unterlagen, die ich einsehen konnte, hat er sie bereits als Sicherheit versprochen. Er hat Dokumente vorgelegt, die angeblich beweisen, dass die Wohnung gemeinsames Eigentum sei.

— Aber das ist doch Urkundenfälschung!

— Natürlich. Und das ist ein Straftatbestand. Sweta, dein Mann steckt bis zum Hals im Dreck. Und versucht, sich auf deine Kosten da herauszuziehen.

Svetlana saß da und ließ das Gehörte sacken. Sieben Jahre Ehe — und sie hatte mit einem Menschen gelebt, den sie offenbar nie wirklich gekannt hatte.

— Was soll ich tun?

— Erstens: sofort Anzeige erstatten wegen versuchten Betrugs. Zweitens: alle Dokumente zur Wohnung überprüfen — ob es gefälschte Vollmachten gibt. Drittens: Schlösser austauschen.

Am nächsten Tag befolgte Svetlana alle Ratschläge ihrer Schwester. Die Schlösser waren bis Mittag gewechselt. Am Abend stand ein wütender Igor vor der Tür.

— MACH AUF! — er hämmerte gegen die Tür. — Swetka, mach sofort auf!

Svetlana rief die Polizei. Die eintreffende Streife nahm Igor mit und wies ihn auf die Unzulässigkeit der Störung der öffentlichen Ordnung hin.

Eine Stunde später rief Raisa Petrovna an:

— Sind Sie völlig verrückt geworden? Die Polizei gegen den eigenen Ehemann zu rufen!

— Ex-Ehemann. Und wenn Sie mit der Verfolgung weitermachen, zeige ich Sie an.

— Sie wagen es…

Svetlana legte auf. Es klingelte erneut. Vor der Tür stand ein Kurier mit einem riesigen Rosenstrauß.

— Svetlana Andrejewna? Für Sie.

Zwischen den Blumen steckte ein Kärtchen: „Vergib mir. Lass uns alles in Ruhe besprechen. Igor.“

Svetlana warf die Blumen in den Müllschacht.

Am Morgen weckte sie ein Anruf von Artemij Valerjewitsch:

— Svetlana Andrejewna, dringende Neuigkeiten. Ihr Mann hat eine Gegenklage eingereicht. Er fordert, die Wohnung als gemeinschaftliches Vermögen anzuerkennen.

— Auf welcher Grundlage?

— Er behauptet, eine große Summe in die Renovierung investiert zu haben. Er hat irgendwelche Dokumente vorgelegt. Ganz klar gefälscht, aber das muss bewiesen werden. Stellen Sie sich auf einen langen Prozess ein.

Svetlana ließ sich erschöpft aufs Bett sinken. Offenbar hatte Igor beschlossen, bis zum Äußersten zu gehen.

Im Büro wartete die nächste Überraschung. An ihrem Arbeitsplatz stand Elvira Konstantinowna — Igors Anwältin, eine etwa fünfzigjährige Frau mit Raubtierblick.

— Svetlana Andrejewna, ich komme mit einem Vergleichsangebot Ihres Gatten.

— Ich höre.

— Sie übertragen die Wohnung, dafür erhalten Sie eine Abfindung in Höhe von zehn Prozent des Wertes. Schnell, ohne Gerichtsverfahren und ohne Skandale.

— NEIN.

— Sie wollen nicht einmal darüber nachdenken?

— NEIN. Und verlassen Sie bitte meinen Arbeitsplatz.

Elvira Konstantinowna kniff die Augen zusammen:

— Das werden Sie bereuen. Wir können Ihr Leben sehr unangenehm machen.

— Ist das eine DROHUNG?

— Das ist eine Feststellung. Denken Sie darüber nach. Sie haben eine Woche.

Nachdem sie gegangen war, schüttelte die Kollegin Milena mitfühlend den Kopf:

— Sweta, vielleicht wäre es besser, sich doch zu einigen? Diese Elvira ist eine Raubfischin. Sie hat schon viele bis aufs Hemd ausgezogen.

— Soll sie es versuchen. Es ist MEINE Wohnung.

Zu Hause erwartete Svetlana ihre Freundin Alisa aus Studientagen.

— Ich habe Wein und Pizza mitgebracht. Na los, erzähl, was bei euch für ein Krieg läuft?

Bei einem Glas Wein erzählte Svetlana die ganze Geschichte. Alisa hörte zu und wurde immer finsterer.

— Moment mal — er dachte wirklich, dass du ihm die Wohnung einfach so gibst?

— Anscheinend. Offenbar hat er damit gerechnet, dass ich wie immer nachgebe. Ich habe Konflikte ja immer vermieden.

— Aber diesmal nicht?

— Diesmal nicht. Weißt du, Alisa, ich habe plötzlich begriffen, dass er mich all die Jahre ausgenutzt hat. Denk mal selbst — er lebte in meiner Wohnung, ich habe gekocht, gewaschen, geputzt. Und was habe ich dafür bekommen?

— Na ja, er hat dich doch geliebt…

— Geliebt? Alisa, ein Mensch, der liebt, kommt nicht mit seiner Mutter und stellt Ultimaten. Er droht nicht mit Scheidung wegen einer Immobilie.

Es klingelte. Vor der Tür stand Viktor Semjonowitsch, der Schwiegervater.

— Svetlana, darf ich mit Ihnen sprechen? Ohne Raisa, ohne Igor. Nur Sie und ich.

Svetlana ließ ihn herein. Viktor Semjonowitsch wirkte noch müder als sonst.

— Svetlana, ich bin gekommen, um mich zu entschuldigen. Für meinen Sohn, für meine Frau. Das alles ist falsch.

— Viktor Semjonowitsch…

— Lassen Sie mich ausreden. Ich weiß von Igors Schulden. Ich weiß, dass er Mist gebaut hat. Aber das auf Ihre Kosten zu lösen — ist schäbig. Ich habe versucht, Raisa zur Vernunft zu bringen, aber sie… Sie glaubt, der Sohn habe immer recht.

— Und was denken Sie?

— Ich denke, wir haben einen Egoisten großgezogen. Und das ist unsere Schuld. Vor allem Raisas. Sie hat ihm immer alles durchgehen lassen, ihn immer beschützt. Und jetzt haben wir den Salat.

— Viktor Semjonowitsch, ich werde die Wohnung NICHT hergeben. Egal, was sie tun.

— Und das ist richtig so. Geben Sie sie nicht her. Igor muss seine Probleme selbst lösen. Ich wollte nur, dass Sie wissen — nicht alle in unserer Familie sind gegen Sie.

Nachdem er gegangen war, pfiff Alisa leise durch die Zähne.

— Das ist ja ein Ding. Der Schwiegervater auf deiner Seite.

— Na und. Er wird sich trotzdem nie gegen seine Frau stellen.

Die nächsten Wochen wurden zur Hölle. Igor und seine Anwältin setzten alle möglichen Druckmittel ein. An Svetlanas Arbeitsplatz gingen fingierte Beschwerden über ihre Unfähigkeit ein. Den Nachbarn wurden Lügen erzählt. In den sozialen Netzwerken tauchten Posts über die „herzlose Ehefrau, die ihren Mann hinausgeworfen hat“, auf.

Svetlana hielt stand. Artemij Valerjewitsch erwies sich als hervorragender Anwalt und wehrte systematisch alle Angriffe der Gegenseite ab.

— Sie haben keine echten Beweise, — sagte er. — Alle angeblichen Renovierungsunterlagen sind plumpe Fälschungen. Ein Gutachten wird das bestätigen.

Doch das Interessanteste geschah einen Monat später. Eine unbekannte Frau rief Svetlana an:

— Guten Tag, mein Name ist Kristina. Ich… ich war die Geliebte Ihres Mannes.

Svetlana sank auf den nächstbesten Stuhl.

— Wie bitte?

— Es tut mir sehr leid. Wir hatten zwei Jahre lang eine Beziehung. Er versprach, sich scheiden zu lassen, sagte, Sie würden ihn nicht gehen lassen. Dann erfuhr ich von seinen Schulden. Auch bei mir hat er Geld geliehen. Er sagte, er würde es zurückzahlen, sobald er die Wohnung bekommt.

— Können Sie das bezeugen? Vor Gericht?

— Ja. Ich habe Chatverläufe, Fotos. Und Schuldverschreibungen.

Svetlana traf sich mit Kristina in einem Café. Eine junge, gepflegte, schöne Frau. In ihren Augen lag Verletztheit.

— Ich habe ihn wirklich geliebt, — gestand Kristina. — Ich glaubte, wir würden zusammen sein. Und dann erfuhr ich, dass ich nicht die Einzige war. Wir sind mindestens drei.

— Drei?!

— Ja. Snezhana aus seinem Büro und Diana aus dem Fitnessstudio. Wir haben uns zufällig getroffen und darüber gesprochen. Bei uns allen dieselbe Geschichte — Igor versprach eine Scheidung und lieh sich Geld.

Svetlana wusste nicht, ob sie lachen oder weinen sollte.

— Und wie viel schuldet er euch?

— Mir — zweihunderttausend. Snezhana — dreihundert. Diana — hundertfünfzig. Und das sind nur wir drei. Dazu kommen noch Firmenkunden, Freunde…

— Mein Gott, in was hat er sich da hineingeritten…

— Svetlana, wir sind bereit, im Gericht auszusagen. Alle drei. Wir wollen unser Geld zurück, aber nicht auf Kosten Ihrer Wohnung.

Mit diesen Aussagen ging Svetlana zu Artemij Valerjewitsch. Er strahlte.

— Das ist großartig! Das zerstört komplett das Bild vom fürsorglichen Ehemann, den die böse Frau aus dem Haus geworfen hat. Bereiten Sie sie auf den Prozess vor.

Der Gerichtstermin wurde auf zwei Wochen später angesetzt. Am Tag vor der Verhandlung machte Igor einen letzten Versuch.

— Sweta, lass uns reden, — er stand vor dem Hauseingang, abgemagert, mit dunklen Augenringen. — Ohne Anwälte, ohne Mama. Nur du und ich.

— Worüber, Igor?

— Ich stecke in einem Loch. Einem tiefen Loch. Ich brauche Geld, sonst zerstören sie mich. Ich bitte dich, zum letzten Mal — lass mich einen Kredit auf die Wohnung aufnehmen. Ich zahle alles zurück, ich schwöre.

— Igor, du hast mich betrogen. Zwei Jahre lang. Mit mindestens drei Frauen.

Er wurde kreidebleich.

— Woher weißt du…

— Sie sind bereit, auszusagen. Alle drei. Mit Beweisen.

— Sweta, das war ein Fehler…

— NEIN, Igor. Der Fehler war, dich zu heiraten. Und jetzt VERSCHWINDE.

— Du wirst es bereuen! — schrie er hinter ihr her. — Meine Mutter wird das nicht auf sich sitzen lassen!

Vor Gericht kam es zum Eklat. Die Aussagen der drei Geliebten schlugen ein wie eine Bombe. Raisa Petrovna saß mit versteinertem Gesicht. Viktor Semjonowitsch senkte den Blick.

Elvira Konstantinowna versuchte, die Zeuginnen unglaubwürdig zu machen, doch gegen Dokumente und Chatverläufe war nichts auszurichten.

Das Urteil der Richterin war eindeutig — Igors Klage wurde vollständig abgewiesen. Die Wohnung bleibt im Besitz von Svetlana. Zudem wird aufgrund des Verdachts auf Urkundenfälschung ein Strafverfahren gegen Igor eingeleitet.

Nach der Verhandlung trat Raisa Petrovna auf Svetlana zu:

— Sie haben das Leben meines Sohnes zerstört!

— NEIN, Raisa Petrovna. Er hat es zerstört. Und Sie haben ihm dabei GEHOLFEN.

— Sie werden das noch bereuen…

— SCHLUSS JETZT! — fuhr Viktor Semjonowitsch plötzlich dazwischen. — Schluss, Raya! Hast du gesehen, was unser Sohn angestellt hat? Geliebte, Schulden, Urkundenfälschung! Und du wagst es noch, Svetlana zu drohen?

— Witia, was soll das…

— Ich VERLASS dich, Raya. Ich habe genug. Genug davon, euren Muttersöhnchen zu decken. Genug vom Schweigen. Svetlana, verzeihen Sie uns. Und viel Glück.

Er drehte sich um und ging davon, während seine Frau sprachlos stehen blieb.

Einen Monat später erfuhr Svetlana von Warwara den Ausgang der Sache.

— Erinnerst du dich an die Kunden, denen Igor Geld schuldet? Einer von ihnen ist ein sehr einflussreicher Mann. Oligarch Platon Aristarchowitsch. Igor hat es geschafft, dessen Sohn in die Pyramide hineinzuziehen. Der Junge hat fünf Millionen vom Geld seines Vaters verloren.

— Und was jetzt?

— Jetzt wurde Igor angezeigt. Strafverfahren wegen schweren Betrugs. Ihm droht eine echte Gefängnisstrafe. Und Raisa Petrovna verkauft Häuser, um Anwälte zu bezahlen und wenigstens einen Teil der Schulden zu begleichen.

— Ich habe kein Mitleid mit ihnen, — sagte Svetlana.

— Zu Recht. Übrigens, Viktor Semjonowitsch hat tatsächlich die Scheidung eingereicht. Lebt bei seiner Schwester, und man sagt, er sei zehn Jahre jünger geworden.

Svetlana saß in ihrer Wohnung, in ihrer Wohnung, und trank Tee. Draußen schien die Frühlingssonne. Das Handy zeigte eine neue Nachricht von einer unbekannten Nummer.

„Svetlana, hier ist Igor. Ich schreibe vom Handy meines Zellengenossen. Ich wurde verhaftet. Mama weigert sich, die Kaution zu zahlen, sie sagt, sie habe keinen Sohn mehr. Papa geht nicht ans Telefon. Sweta, vergib mir. Für alles. Ich habe alles vermasselt. Jetzt verstehe ich, was ich verloren habe. Ich bitte nicht um Hilfe, ich wollte nur um Verzeihung bitten.“

Sie löschte die Nachricht. Ihr neues Leben hatte gerade erst begonnen — und darin war kein Platz für die Vergangenheit.

Ein Jahr später hatte Svetlana die Wohnung vollständig erneuert — neue Möbel, frische Renovierung, Blumen auf der Fensterbank. Die Fotos mit Igor waren längst im Müll gelandet, die Nummern seiner Familie blockiert, selbst das Geschirr hatte sie ersetzt. In ihrem Lieblingssessel sitzend, mit einer Tasse Kaffee und einem Buch, lächelte sie — in ihrem Zuhause herrschten endlich Ruhe und Frieden, und ihr Herz war frei von der Vergangenheit.

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