Die ehemalige Schwiegermutter erfuhr zufällig, wie ich nach der Scheidung lebe. Sie hatte nicht erwartet, dass ich glücklicher sein würde als ihr Sohn.

Die Selbstbedienungskasse piepte irritierend lange. Lena scannte ein Glas Oliven und griff nach dem Terminal. Hinter ihr fluchte jemand.
— Wo drückt man denn hier, verdammt noch mal?
Lena drehte sich um und blieb wie angewurzelt stehen. Galina Petrowna stand an der Nachbarkasse und starrte verunsichert auf den Bildschirm. Das ergraute Haar lässig gesteckt, abgewetzte Jacke, eine billige Tasche in der Hand. Genau die Frau, die sie vor drei Jahren noch eine schlechte Ehefrau genannt hatte.
Zwei Minuten Stille. Galina Petrowna erkannte sie zuerst.
— Lena? — die Stimme zitterte. — Bist du das etwa?
— Guten Tag, Galina Petrowna.
Lena beendete gelassen den Bezahlvorgang. Der neue Mantel schmiegte sich angenehm an ihre Figur, die Lederhandtasche lag im Einkaufswagen neben den Lebensmitteln, für die sie nicht auf den Preis geachtet hatte.
Die ehemalige Schwiegermutter musterte sie — gepflegte Maniküre, erholtes Gesicht, nichts mehr von jener zerfressenen Frau, die vor zwei Jahren mit nur einer Tasche aus ihrer Familie gegangen war.
— Soll ich helfen? — sie deutete auf das Terminal.
Galina Petrowna trat zurück. Lena zahlte schnell ihre bescheidenen Einkäufe — Brot, Milch, die billigsten Würstchen. Früher hätte sie das nicht bemerkt; jetzt verglich sie automatisch mit dem Inhalt ihres eigenen Wagens.
— Danke, — murmelte Galina Petrowna. — Früher hat Andrei bei solchen Sachen geholfen, und jetzt…
Sie brach ab und errötete.
Sie traten gleichzeitig auf die Straße. Lena ging zu ihrem neuen Auto. Galina Petrowna blieb an der Haltestelle stehen und sah ihr nach.
— Selbst gekauft? — sie deutete auf das Auto.
— Selbst. Ich arbeite als Texterin, von zu Hause.
— Ist das wohl schön? Den ganzen Tag zu Hause sitzen?
— Sehr schön. Niemand kommandiert mich herum.
Die letzten Worte klangen mit einem leichten Nachdruck. Galina Petrowna verstand den Wink und wandte den Blick ab.
Der Bus fuhr nicht. Sie standen schweigend da und warfen sich ab und zu Blicke zu. Lena lud langsam die Taschen in den Kofferraum. Früher war sie immer aufgeregt, hetzte nach Hause — Abendessen kochen, Wäsche machen, aufräumen. Jetzt gab es keinen Grund mehr zur Eile. Und das war wunderbar.
— Wie geht es Ihnen? — fragte Galina Petrowna schließlich.
— Gut. Und Ihnen?
Die Frage hing in der Luft. Galina Petrowna starrte auf den Asphalt und presste die Tragegriffe ihrer Tasche zusammen.
— Mir… ist es im Moment schwer.
— Wie geht es Andrei?
Die Stimme klang desinteressiert. Galina Petrowna zuckte zusammen, als wäre sie getroffen.
— Er… ist nach Ihrer Scheidung wieder nach Hause gekommen. Ich dachte, es sei vorübergehend, bis er Arbeit findet.
— Und?
— Er hat ein Mädchen mitgebracht. Sagt, sie sei jetzt seine Frau.
— Es gibt keine Papiere, — fügte sie hastig hinzu. — Sie wohnen zusammen, aber nichts Offizielles.
Lena nickte. Ein überfüllter Bus fuhr vorbei.
— Steigen Sie ein, ich fahre Sie mit.
— Das ist nicht nötig, machen Sie sich keine Umstände…
— Steigen Sie ein.
Im Auto roch es nach neuem Innenraum und dezentem Parfum. Galina Petrowna setzte sich vorsichtig auf den Ledersitz und schaute sich um.
— Sadovaja, Haus siebzehn, — sagte sie leise.
Lena nickte. Die Wohnung, in der sie vor drei Jahren an den Wochenenden Böden gewischt und für die ganze Familie Borschtsch gekocht hatte, in der sie schweigend die Vorwürfe der Schwiegermutter erduldet hatte, dass „gute Frauen ihre Männer nicht unglücklich machen“.
— Wohnen Sie immer noch dort?
— Jetzt sind wir zu viert dort, — in Galina Petrovnas Stimme klang Bitterkeit. — Sie hat alle Möbel umgestellt, meine Blumen rausgeschmissen. Sie sagt, wir würden nur Staub ansammeln.
Die Ampel. Lena wandte sich der Mitfahrerin zu.
— Und Sie ertragen das?
— Was soll ich denn tun? Er ist mein Sohn.
— Ein erwachsener Sohn.
— Er bleibt trotzdem mein Sohn, — Galina Petrowna presste die Lippen zusammen. — Obwohl… sie bestimmt jetzt. Ich trau mich nicht einmal mehr, in meiner eigenen Wohnung ohne zu fragen Tee zu kochen.
Das Auto fuhr an. Lena schaute geradeaus, hörte aber aufmerksam zu.
— Und er? Arbeitet er?
— Er hat seinen Job verloren, einen Monat nachdem er sie mitgebracht hatte. Der Chef hat angeblich gemeckert. Jetzt sitzt er zu Hause und spielt am Telefon. Und sie verlangt von mir Geld — für Lebensmittel, für die Nebenkosten.
— Geben Sie ihr das?
— Die Rente ist mickrig, aber was soll ich tun? Soll ich sie auf die Straße setzen?
Lena schwieg. Sie erinnerte sich daran, wie diese Frau ihr beigebracht hatte, „keine schmutzige Wäsche nach draußen zu tragen“ und „den Mann in schweren Zeiten zu unterstützen“…
— Wissen Sie, was am meisten wehtut? — fuhr Galina Petrowna fort, als hätte sich ein Damm geöffnet. — Sie ist jung, schön. Ich dachte, ihretwegen würde er sich ändern, anfangen zu arbeiten, sich zusammenreißen. Aber er ist derselbe geblieben. Liegt auf dem Sofa und erwartet, dass man ihn bedient.
— Wie früher.
— Wie früher, — bestätigte die Schwiegermutter leise.
Sie hielten vor dem vertrauten Hauseingang. Lena beeilte sich nicht, sich zu verabschieden.
— Erinnern Sie sich, was Sie mir über gute Ehefrauen gesagt haben?
— Was habe ich gesagt? — Galina Petrowna spannte sich an.
— Dass sie ihre Männer wegen Kleinigkeiten nicht belästigen. Dass sie verstehen und verzeihen. Dass eine richtige Frau Gemütlichkeit schafft und nicht nörgelt.
Galina Petrowna senkte den Blick.
— Und dass Scheidung für eine Frau eine Schande sei, aber nicht für einen Mann. Erinnern Sie sich an diese Weisheiten?
— Ich erinnere mich, — flüsterte sie.
— Na also. Jetzt leben Sie mit den Ergebnissen Ihrer Ratschläge.
Die Stille im Auto wurde erdrückend. Galina Petrowna umklammerte die Henkel ihrer Tasche, ohne den Kopf zu heben.
— Lena, ich wollte mich entschuldigen.

— Wofür genau?
— Dafür, dass ich Sie für die Scheidung verantwortlich gemacht habe. Dass ich gesagt habe, Sie seien eine schlechte Ehefrau, die nicht mit ihrem Mann zurechtkommt.
Lena drehte sich ganz zu ihr.
— Und was denken Sie jetzt?
— Jetzt verstehe ich — Sie waren nur die Erste, die es nicht mehr ausgehalten hat, — Galina Petrowna hob endlich den Blick. — Ich habe ihn falsch erzogen. Ihn sein ganzes Leben gedeckt, vor allem beschützt. Er hat nie gelernt, Verantwortung zu übernehmen.
— Sie wussten, was Sie da großziehen. Es war nur bequemer, dass ich das Ergebnis abbekam.
Galina Petrowna zuckte zusammen, als hätte man sie geschlagen.
— Sie haben recht. Aber ich dachte… ich dachte, ich würde meinen Sohn beschützen. Dass mütterliche Liebe…
— Mütterliche Liebe bedeutet, dem Kind beizubringen, ohne einen zu leben. Und Sie haben ihm beigebracht, auf Ihre Kosten zu leben.
Die Worte klangen hart. Galina Petrowna sank im Sitz zusammen.
— Verzeihen Sie mir, — sagte sie fast flüsternd. — Ich wusste nicht, was ich tat. Ich dachte nicht, dass es so enden würde.
— Sie haben es gedacht. Nur schienen die Konsequenzen weit entfernt.
Draußen begann es zu nieseln. Galina Petrowna öffnete die Tür, stieg aber nicht aus.
— Und Sie… sind Sie jetzt glücklich?
— Ich bin ruhig.
— Vermissen Sie nicht die Familie? Ihren Mann?
— Was soll ich vermissen? Die Schreie? Die Vorwürfe? Das Gefühl, dass ich alles falsch mache?
Lena startete den Motor. Das Geräusch füllte die Pause.
— Aber Sie haben ihn doch geliebt…
— Ich liebte den, der er hätte sein können. Nicht den, der er war.
Galina Petrowna stieg schließlich aus, blieb jedoch an der offenen Tür stehen und ließ den Regen über sich niedergehen.
— Vielleicht kommen Sie doch hoch? Wir trinken Tee, reden… Ich sage Andrei, dass ich Sie getroffen habe.
— Nein.
— Er wird sich freuen, ehrlich…
— Kaum. Er hat mir wohl kaum verziehen, dass ich als Erste gegangen bin.
Pause. Der Regen wurde stärker.
— Galina Petrowna, — sagte Lena ruhig, — Sie haben genau den Sohn bekommen, den Sie erzogen haben. Den, den Sie vor allen Unannehmlichkeiten geschützt haben, dem Sie erlaubt haben, nicht zu arbeiten, nicht für sein Handeln einzustehen. Und ich habe Freiheit bekommen.
— Aber Sie sind allein…
— Und das ist wunderbar. Wissen Sie, wie es ist — morgens aufzuwachen und keine Angst zu haben, dass jemand mit dem Frühstück unzufrieden ist? Sich etwas zu kaufen, ohne sich Vorträge über Verschwendung anzuhören? Bis spät zu arbeiten und kein Abendessen kochen zu müssen, weil „ein Mann in ein gedecktes Haus kommen muss“?
Lenas Stimme wurde fester.
— Das nennt man sein eigenes Leben führen. Und nicht das eines anderen bedienen.
In Galina Petrownas Augen blitzte ein Flehen auf — nach Verständnis, Vergebung, danach, dass Lena ihr die Last ihrer Schuld irgendwie erleichtern möge.
— Aber was soll ich jetzt tun? — fragte sie verzweifelt. — Wie soll ich damit leben?
— Das war Ihre Entscheidung vor dreißig Jahren. Jetzt leben Sie mit den Konsequenzen.
Lena griff nach dem Türgriff.
— Alles Gute.
Die Tür schlug zu. Das Auto rollte sanft vom Bordstein weg.
Im Rückspiegel erschien eine gebeugte Gestalt im Regen vor dem Hauseingang. Lena blickte nicht zurück.
Zuhause räumte sie in Ruhe die Einkäufe weg und schaltete den Laptop ein. Das Telefon vibrierte — eine Nachricht vom Auftraggeber. Ein neues Projekt, gute Bezahlung, interessantes Thema. Niemand fragte, woher das Geld kam und wofür sie es ausgeben wollte.

Draußen rauschte der Regen. Die Stille der Wohnung umhüllte sie mit Wärme. Niemand erwartete ein Abendessen zu einer bestimmten Zeit. Niemand murrte über ausgegebenes Geld. Niemand verlangte Rechenschaft, wo sie gewesen war und mit wem sie gesprochen hatte.
Lena öffnete eine neue Datei und begann zu tippen. Ihre Finger glitten leicht über die Tasten. Eine Arbeit, die sie liebte, in einem Zuhause, in dem sie die Herrin war. Ein Leben, das sie mit niemandem gegen ihren Willen teilen musste.
Eine weitere Nachricht kam aufs Telefon — von einer Freundin, eine Einladung ins Theater am Wochenende. Früher hätte sie solche Angebote abgelehnt:
— Mein Mann mag es nicht, wenn ich ohne ihn irgendwo hingehe.
Jetzt schrieb sie schnell zurück:
— Natürlich, ich bin dabei!
Der Regen draußen wurde immer stärker, aber in der Wohnung war es warm und hell. Lena lächelte bei dem Gedanken und arbeitete weiter. Morgen würde ein neuer Tag sein — ihr Tag, gelebt so, wie sie es wollte.