— Die Wohnung muss mir gehören! Ich habe keinen Ort zum Leben! Und ich will kein „Nein“ hören! — damit stellte mich meine Schwiegermutter vor vollendete Tatsachen.

— Die Wohnung muss mir gehören! Ich habe keinen Ort zum Leben! Und ich will kein „Nein“ hören! — damit stellte mich meine Schwiegermutter vor vollendete Tatsachen.

— Hast du überhaupt eine Ahnung, was du angerichtet hast?! — Romans Stimme brach in einen Schrei aus, als die Tür hinter seiner Mutter zuschlug.

Alina stand am Fenster, eine Tasse mit erkaltetem Tee in den Händen haltend. Der Tee zitterte – genauso wie ihre Hände.

— Ich habe mich verteidigt, — antwortete sie leise.
— Du hast meine Mutter rausgeworfen! — Roman schleuderte seine Jacke auf den Stuhl. — Einfach rausgeschmissen wie einen Hund!

— Sie wollte meine Wohnung!

Alina hob den Blick.

— Deine Mutter habe ich drei Monate ertragen, Roma. Ich habe geschwiegen, als sie mich faul nannte. Als sie mich „Fremde“ nannte. Als sie sich in alles einmischte — vom Abendessen bis zur Bettwäsche. Aber heute hat sie die Grenze überschritten.

Roman erstarrte, doch dann explodierte er wieder.

— Die Grenze überschritten? Bist du dir sicher, dass nicht du sie überschritten hast?

— Nicht ich! — Alina knallte die Tasse auf den Tisch. — Ich muss mich nicht rechtfertigen, weil ich mein Zuhause verteidige!

In der Küche breitete sich Stille aus. Draußen zischte eine Straßenbahn vorbei, die Räder polterten laut. Irgendwo oben schlug eine Tür zu.

— Rom, — sagte Alina leise, — sie hätte uns einfach zerstört. Du hättest nicht einmal gemerkt, wie wir nach ihren Regeln leben würden.

Roman sank auf den Stuhl. Sein Gesicht war grau, erschöpft. Den ganzen Tag hatte er auf der Arbeit verbracht, und jetzt machte ihn auch noch die Familie fertig.

— Ich bin es leid, — sagte er tonlos. — Dieser Streit, dieses Geschrei, diese Vorwürfe. Dass ich ständig zwischen euch stehe.

— Und ich bin es leid, die Schuldige zu sein, — erwiderte Alina. — Jedes Mal, wenn deine Mutter unzufrieden ist, bin ich schuld. Wenn du schweigst — bin ich auch schuld.

Sie trat zu ihm hin und stellte sich vor ihn. In ihrer Stimme lag keine Wut — nur Schmerz.

— Du weißt doch, Rom, — sagte sie, — ich bin nicht böse. Ich will einfach nur in Ruhe leben.

Er antwortete nicht.

Eine Woche verging. In der Wohnung war es wieder still, doch die Ruhe kehrte nicht zurück.

Alina wachte morgens nicht vom Geräusch des Radios auf, nicht vom Duft des Kaffees, den Roman früher gekocht hatte — sondern von einer seltsamen, klebrigen Stille.

Roman kam immer später nach Hause. Das Abendessen stand erkaltet auf dem Tisch, und der Fernseher dudelte monoton in der Ecke. Alina hörte auf, die Tage zu zählen — alles verschwamm: Abend, Nacht, Morgen.

— Wieder Überstunden? — fragte sie eines Abends, als er um Mitternacht zurückkam.

— Besprechung, — antwortete er kurz, ohne den Blick zu heben.

— Besprechung bis zwölf?

— Ali, fang nicht wieder an.

Sie seufzte.

— Ich fange nicht an. Aber du gehst morgens und kommst nachts zurück. Ich sehe dich kaum noch.

— Vielleicht ist das besser so, warf er hin, während er seine Schuhe auszog. — Wir sind beide müde.

Alina biss sich auf die Lippe. In ihrer Brust zog sich alles zusammen.

— „Besser so“ — meinst du das ernst?

— Ja, ernst, er sah sie kurz an. — Ich kann in dieser Wohnung nicht mehr atmen. In jeder Ecke höre ich ihre Schreie, deine Vorwürfe, meine vergeblichen Versuche, euch zu versöhnen.

— Und du glaubst, mir fällt das leicht? fuhr Alina auf. — Ich habe all das nur wegen uns ausgehalten!

— Wegen uns? Roman lachte bitter. — Nein, Ali, wegen dir selbst.

Sie wollte etwas erwidern, doch verstummte. Seine Worte trafen sie wie ein Messerstich.

Am Wochenende beschloss Alina, zu einer Freundin zu fahren — einfach raus, nur für einen Tag.

Als sie abends zurückkam, roch es in der Wohnung nach Herrenduft und etwas Neuem — nicht nach ihrem Shampoo, nicht nach ihrer Creme.

Im Badezimmer stand eine fremde Zahnbürste. Rosa.

Sie blieb wie erstarrt in der Tür stehen. Ihr Herz schlug wie ein gefangenes Vögelchen gegen die Rippen.

Roman kam im Haus-T-Shirt aus dem Schlafzimmer, sah sie — und erstarrte ebenfalls.

— Es ist… nicht das, was du denkst, begann er, doch die Worte blieben nutzlos in der Luft hängen.

— Ach ja? Was denke ich denn, Rom? fragte Alina. — Dass du jetzt eine andere hast?

Er wandte den Blick ab.

— Wir haben nur geredet.

— Im Bett?

— Übertreib nicht, sagte er gereizt. — Sie ist eine Kollegin. Sie hat Probleme. Ich habe ihr geholfen.

— Geholfen? Alina lachte auf. — Interessante Art zu helfen — ihr gleich eine Zahnbürste zu schenken.

— Die hat sie selbst mitgebracht, brummte er.

— Aha. Fühlt sich hier also schon wie zu Hause.

Er schwieg.

Die Nacht verbrachte Alina in der Küche. Sie saß da, starrte aus dem Fenster und versuchte zu verstehen, an welchem Punkt alles zerbrochen war.

Früher hatten sie Tränen gelacht, gestritten, wer morgens Brötchen holen muss, Urlaubspläne geschmiedet.

Jetzt — zwei Fremde in einer Wohnung.

Sie erinnerte sich, wie Roman einmal, noch vor der Hochzeit, gesagt hatte:

— Ich will nicht wie meine Eltern enden. Ich will, dass bei uns alles ehrlich bleibt.

Ironie des Schicksals — ausgerechnet die Eltern hatten alles zerstört. Oder besser gesagt: eine — Galina Petrowna.

Alina stellte sich vor, wie sie jetzt in ihrer gemieteten Einzimmerwohnung sitzt, den Sohn anruft und klagt:

— Sie hat mich rausgeworfen, und du hältst zu ihr.

Und Roman, zwischen Pflichtgefühl und Liebe hin- und hergerissen, hört wieder zu, wie seine Mutter durchs Telefon schluchzt.

Das Handy auf dem Tisch vibrierte. Eine Nachricht von Roman:

„Wir müssen reden. Morgen.“

Morgen.

Er saß am Tisch, düster, unrasiert. Vor ihm — eine Tasse kalter Kaffee.

— Ich denke, wir sollten eine Zeit lang getrennt leben, sagte er ohne Umwege.

— Also — Scheidung?

— Nein. Nur… eine Pause.

— Aha. Eine Pause, bis deine Kollegin sich eine neue Zahnbürste sucht?

— Ali, es reicht! explodierte er. — Ich kann nicht mehr in dieser ständigen Anspannung leben!

— Und ich etwa?!

— Ich sage nicht, dass du schuld bist. Aber vielleicht haben wir uns beide in eine Sackgasse manövriert.

Alina lachte — bitter, fast hysterisch.

— Sackgasse? Nein, Rom, das ist kein Sackgasse. Das ist das Ende.

Sie stand auf, ging ans Fenster und blickte lange in den grauen Himmel.

— Als deine Mutter bei uns eingezogen ist, dachte ich — ich halte das durch. Für dich. Aber du selbst hast es nicht ausgehalten.

Er schwieg.

— Gut, sagte sie leise. — Geh. Aber nicht auf Pause. Richtig.

— Weißt du, Römchen, ich bin ja nicht böse, seufzte Galina Petrowna und sah ihren Sohn über einer Tasse billigen Instantkaffees an. — Aber mein Leben war schwer. Niemand versteht, wie hart es für eine Frau in meinem Alter ist, allein zu sein.

Roman schwieg. Er saß ihr gegenüber und blickte irgendwo vorbei. Das Zimmer der gemieteten Einzimmerwohnung war winzig: ein Bett, ein alter Tisch, ein Schrank mit abgeplatzten Türen. Es roch nach Chlor und nassen Lappen.

— Ich habe nie etwas von dir verlangt, außer ein bisschen Aufmerksamkeit, fuhr die Mutter fort, als würde sie nicht bemerken, wie er ihrem Blick auswich. — Und du… du hast mich einfach sitzen lassen. Wegen dieser…

— Mama, genug, sagte er erschöpft. — Ich habe dich nicht verlassen. Ich war nur müde von all den Streitereien. Und fang jetzt nicht wieder mit Alina an.

— Warum nicht die Wahrheit sagen? fauchte sie. — Diese Frau hat alles zerstört! Früher warst du ganz anders — lieb, fürsorglich. Und jetzt… kalt.

— Vielleicht bin ich einfach erwachsen geworden, antwortete er leise. — Oder habe verstanden, dass man unter ständigem Druck nicht leben kann.

— Druck?! Galina Petrowna sprang auf. — Ich habe mein Leben für dich geopfert! Gearbeitet, Nächte durchwacht, damit du eine Ausbildung bekommst, damit es dir gut geht! Und jetzt bin ich — Druck?!

— Mama, er stand auf und versuchte ruhig zu bleiben. — Fang nicht wieder an. Ich bin nur gekommen, um zu sehen, wie es dir geht.

Sie wandte sich zum Fenster. In der Scheibe spiegelte sich ihr Gesicht — müde, mit verschmiertem Lippenstift und leeren Augen.

— Wie es mir geht? Gar nicht. Kein Sohn, kein Zuhause. Sitze in einer Mietbude wie ein Untermieter.

Roman seufzte schwer.

— Ich überweise dir das Geld für einen Monat im Voraus. Aber bitte, Mama, ruf Alina nicht an.

— Hab ich auch nicht vor, sagte sie beleidigt. — Soll sie mit ihrem Stolz glücklich werden.

Alina lebte jetzt allein.

Ein halbes Jahr war vergangen. Sie hatte den Job gewechselt — war aus dem Büro gegangen, in dem jede Ecke an Roman erinnerte, und fing in einer kleinen Immobilienagentur an. Sie arbeitete viel, zehn Stunden am Tag, einfach nur um nicht nachzudenken.

Jeder Morgen begann gleich: Kaffee, Spiegel, ein kurzes „Halte durch“ vor dem Verlassen der Wohnung.

Freunde luden sie irgendwohin ein – zu Partys, in Cafés –, doch Alina lehnte fast immer ab. Es kam ihr vor, als hätte sie keine Kraft mehr für fremde Gespräche.

Manchmal, wenn sie an dem bekannten Haus vorbeikam, ertappte sie sich dabei, wie ihr Blick die alten Fenster suchte. Dort, wo früher weiße Vorhänge hingen und ihre Veilchen standen.

Die Veilchen hatte sie umgetopft, aber eines davon war eingegangen. Merkwürdigerweise genau das, welches am nächsten an dem Sofa gestanden hatte, auf dem Galina Petrowna geschlafen hatte.

Eines Abends, als Alina nach Hause kam, fand sie im Briefkasten einen Umschlag.

Ohne Absender. Die Handschrift — schmerzlich vertraut.

„Alina, hallo. Sei mir nicht böse. Ich bin schwer krank. Romka redet nicht mit mir. Ich bin allein. Hilf mir. Bitte.“

Unterschrift: Galina Petrowna.

Alina stand lange im Treppenhaus und hielt den Brief in den Händen. Dann ging sie in ihre Wohnung, warf den Umschlag auf den Tisch und setzte sich.

In ihrem Inneren klopfte etwas — keine Mitleid, keine Wut, sondern eine seltsame Mischung aus Erschöpfung und Pflichtgefühl.

— Na klar, sagte sie laut zu sich selbst. — Wie könnte es auch anders sein.

Sie blätterte ihr Telefonbuch durch. Romans Nummer war immer noch da.

Ihre Finger zitterten, als sie auf „Anrufen“ drückte.

— Hallo? — seine Stimme war heiser, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen.

— Hallo, sagte sie leise. — Ich habe einen Brief von deiner Mutter bekommen.

Stille.

— Und was steht drin?

— Sie sagt, sie ist krank. Es scheint ernst zu sein.

— Ja, ich weiß, antwortete er tonlos. — Bei ihr wurde Diabetes festgestellt. Der Zucker lag bei fast vierzig. Sie lag zwei Wochen im Krankenhaus.

— Warum hast du nichts gesagt?

— Wir haben nicht miteinander geredet, Ali. Erinnerst du dich? Du hast gesagt: „Geh für immer.“

Sie schloss die Augen.

— Das heißt nicht, dass ich will, dass ihr sterbt.

Roman seufzte.

— Sie ist jetzt zu Hause, allein. Ich wollte eine Pflegerin einstellen, aber sie hat die Frau rausgeschmissen. Sie meint — „die klaut Essen“.

— Typisch, sagte Alina — und ertappte sich gleichzeitig dabei, dass Wärme in ihrer Stimme mitschwang. — Hör zu, wenn du willst, gehe ich zu ihr. Schaue mal nach.

— Du? — Roman klang tatsächlich überrascht. — Nach allem, was war?

— Ja, antwortete Alina leise. — Nicht für sie. Für mich. Um einen Punkt zu setzen.

Zwei Tage später stand sie vor der Tür jener Einzimmerwohnung. Die Tür öffnete sich nicht sofort — drinnen ertönte Husten, dann schwere Schritte.

— Ah… du bist es, sagte Galina Petrowna und stützte sich an den Türrahmen. Sie sah mitgenommen aus: eingefallenes Gesicht, entzündete Augen.

— Darf ich reinkommen? fragte Alina.

Die Schwiegermutter antwortete nicht, trat aber zurück in den Raum.

Drinnen roch es nach Medikamenten und abgestandener Wäsche. Auf dem Tisch — ein Häufchen Tabletten, daneben — halb gegessene Suppe und eine Tasse mit eingetrockneten Kaffeerändern.

— Ich sitze hier und bin krank, sagte Galina Petrowna leise, fast entschuldigend. — Niemand kommt. Nicht einmal mein Sohn.

— Und wundert Sie das? antwortete Alina ruhig. — Sie haben doch alles selbst zerstört.

— Ich wollte nur, dass er bei mir bleibt, flüsterte die Schwiegermutter. — Dass er seine Mutter nicht vergisst.

— Und Sie haben vergessen, dass er inzwischen Ehemann war, sagte Alina. — Und eine eigene Familie hatte.

Galina Petrowna setzte sich und umklammerte ihre Knie.

— Weißt du, ich dachte, ich könnte alles wieder gutmachen. Dass er mir verzeiht. Aber jetzt merke ich — es ist zu spät.

Alina holte schweigend Medikamente, Wasser und ein sauberes Handtuch aus ihrer Tasche.

Dann wärmte sie die Suppe auf und spülte das Geschirr. Alles — schweigend.

Als sie gehen wollte, sagte Galina Petrowna leise:

— Ich weiß, dass ich schuld bin. Ich verlange kein Verzeihen. Nur… danke, dass du gekommen bist.

Alina nickte und ging.

Eine Woche später rief Roman an.

— Mama ist tot, sagte er. — Im Schlaf.

Alina sagte kein Wort. Sie hielt das Telefon so fest, bis es ihr aus der Hand glitt.

Die Beerdigung war bescheiden. Ein paar Nachbarinnen, der Hausarzt, Roman und Alina.

Nach der Zeremonie gingen sie schweigend den Friedhofsweg entlang.

— Sie hat dich erwähnt, sagte er. — Vor ihrem Tod. Hat gesagt, dass sie im Unrecht war.

— Zu spät, antwortete Alina.

— Zu spät, wiederholte er.

Sie blieben am Tor stehen. Der Wind bewegte die Äste der Pappeln, und die Blätter fielen ihnen vor die Füße.

— Weißt du, sagte Roman leise, — ich habe die ganze Zeit über uns nachgedacht. Ob man vielleicht doch alles wieder zurückholen kann.

Alina sah ihn an — in ihren Augen keine Wut mehr, nur Müdigkeit.

— Zurückholen? wiederholte sie. — Rom, wir haben zu viel verloren. Deine Mutter, unser Zuhause, das Vertrauen ineinander. Daraus baut man nichts Neues mehr.

Er schwieg.

— Leb, sagte sie. — Einfach leb. Ohne mich.

Sie ging davon, ohne sich umzudrehen.

Im Frühling stellte Alina wieder die Blumen auf die Fensterbank um.

Diesmal standen die Veilchen fest und blühten mit großen lilafarbenen Blüten.

Sie betrachtete sie und dachte, dass das Leben vielleicht doch neu beginnen kann — nicht mit Lächeln und Küssen, sondern mit einer Stille, in der man endlich wieder atmen kann.

Das Handy auf dem Tisch vibrierte. Neue Nachricht:

„Alina, danke, dass du damals zu Mama gegangen bist. Ohne dich hätte ich es nicht mehr geschafft. Pass auf dich auf. — R.“

Sie starrte lange auf den Bildschirm, dann löschte sie die Nachricht.

Sie wandte sich zum Fenster, füllte frische Erde in den Blumentopf und flüsterte:

— Das war’s. Jetzt — wirklich.

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