– Du hast alle Enkelkinder mit in den Urlaub genommen – außer meiner Tochter! Findest du das normal, Mama? – fragte Mascha.

– Du hast alle Enkelkinder mit in den Urlaub genommen – außer meiner Tochter! Findest du das normal, Mama? – fragte Mascha.

Mascha drehte nervös an dem Ring an ihrem Ringfinger, während sie auf die Benachrichtigung in der Banking-App starrte. Wieder im Minus. Schon wieder musste sie sich entscheiden – Lebensmittel für eine Woche oder neue Turnschuhe für Alisa. Das Mädchen wuchs wie Unkraut, und Kinderschuhe kosteten gefühlt so viel wie ein Flugzeugflügel.

— Mama, wann fahren wir wieder zu Oma aufs Land? — Die zehnjährige Alisa schaute von ihrem Tablet auf, auf dem sie gerade ein weiteres Einhorn malte.
— Ich weiß nicht, mein Schatz. Vielleicht am Wochenende.

— Und ans Meer fahren wir doch auch, oder? Vera sagt, Oma hätte versprochen, uns diesen Sommer ans Schwarze Meer mitzunehmen. Erwachsene halten doch ihr Wort, wenn sie etwas versprechen, oder?
Mascha spürte das altbekannte Ziehen in der Brust.

Vera war die Tochter ihres jüngeren Bruders Dima, der nach dem Studium einen Job in einer IT-Firma bekommen, eine riesige Wohnung in einem Neubau gekauft hatte und regelmäßig Urlaubsfotos von teuren Resorts in den sozialen Netzwerken postete.

— Wir werden sehen, — antwortete sie ausweichend.

In Wirklichkeit hatte sie ihrer Tochter nichts anderes zu sagen. Denn sie konnte sich keinen Urlaub am Meer leisten. Seit der Scheidung waren zwei Jahre vergangen, die Alimente kamen unregelmäßig, und das Gehalt als Copywriterin in einer kleinen Agentur reichte gerade so zum Überleben. Das Meer blieb ein schöner Traum aus den sozialen Netzwerken anderer Leute.

Plötzlich ertönte in der ganzen Wohnung das Klingeln des Telefons.
— Maschenka, hallo. Wie geht es euch? Ich hoffe gut. Bei uns eher nicht! — meldete sich Galina Petrowna schuldbewusst. — Weißt du… Dein Vater und ich haben beschlossen, die Reise ans Meer mit den Kindern abzusagen.

Mascha war überrascht.

Noch vor einem Monat hatten ihre Eltern begeistert geplant, alle Enkel — Alisa, Vera und den kleinen Jegorka von Dima — für eine Woche nach Anapa mitzunehmen. Die Kinder hatten sich schon vorbereitet, Schwimmringe gekauft und diskutierten, welche Muscheln sie sammeln würden.

— Warum denn? — fragte Mascha, obwohl sie die Antwort bereits ahnte.
— Weißt du, wir haben beschlossen, das Bad zu renovieren. Die Fliesen fallen schon ab, das geht so nicht mehr. Und du verstehst ja, extra Geld haben wir nicht.

Mascha verstand. Die Eltern lebten von zwei Renten und sparten an allem. Urlaub mit drei Kindern — das war eine große Ausgabe.

— Schon gut, Mama, mach dir keine Sorgen. Die Kinder werden es verstehen.
— Sag es Alisa aber noch nicht, ja? Ich erkläre es ihr am Wochenende selbst, einverstanden?

Nach dem Gespräch saß Mascha lange in der Küche und betrachtete die abgeblätterte Tapete. Sie tat ihr so leid. Alisa hatte sich so sehr auf diese Reise gefreut, hatte schon Sonnenhut und Sonnenbrille bereitgelegt — beide im Ausverkauf gekauft.

Am Wochenende fuhren sie zu den Eltern. Die Datscha lag in einer alten Gartensiedlung, wo die Parzellen günstig waren und die Nachbarn sich noch grüßten und Gurken teilten.

Mascha liebte diesen Ort. Hier konnte man abschalten, nicht an Rechnungen denken und jeden Cent dreimal umdrehen.

— Alisotschka, — begann die Großmutter vorsichtig, nachdem die Enkelin sich auf dem Grundstück ausgetobt hatte, — Opa und ich müssen die Reise ans Meer absagen.

Das Gesicht des Mädchens wurde sofort ernst.
— Ganz absagen?
— Ganz. Wir müssen renovieren, verstehst du? Und das Geld reicht nicht für alles.

Alisa nickte mit jener stoischen Ruhe, die seltsamerweise gerade Kinder aus einfachen Verhältnissen besitzen. Sie lernen früher als andere, dass Wünsche nicht immer mit Möglichkeiten übereinstimmen.

— Schon gut, Oma. Vielleicht klappt es nächstes Jahr.
Galina Petrowna nahm ihre Enkelin in den Arm, und Mascha bemerkte das Glitzern in den Augen ihrer Tochter.

Zwei Wochen vergingen.

Mascha saß im Büro und las zum x-ten Mal einen Text über „revolutionäre Einsatzmöglichkeiten der Blockchain im Logistiksektor“, als ihr Handy eine Benachrichtigung von VKontakte meldete. Kollegin Sweta vom Nebentisch hatte Fotos vom Betriebsausflug hochgeladen.

Mascha scrollte gedankenlos durch den Feed – und erstarrte.

Auf dem Bildschirm strahlte ihre Nichte Vera vor dem Meer. Das Mädchen lächelte und hielt eine riesige Muschel in der Hand. Die Bildunterschrift lautete:
„Anapa, Kinderstrand. Vera ist begeistert!“ Autor des Posts — ihre Schwägerin Julia, Dimans Frau.

Mascha spürte, wie ihr das Blut aus dem Gesicht wich. Ihre Finger zitterten, als sie weiterwischte.

Noch ein Foto… Vera und der kleine Jegor bauen eine Sandburg. Der Großvater bringt Vera das Schwimmen bei. Die Großmutter kauft den Kindern Eis an der Promenade.

Also sind alle gefahren. Nur Alisa nicht.

— Du bist ja ganz blass, — bemerkte Sweta. — Schlechte Nachrichten?
— Nicht wirklich, — Mascha schloss hastig die App. — Nur… Familiensache.

Der Rest des Tages verging wie im Nebel. Sie konnte sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren. Immer wieder kehrten ihre Gedanken zu den Bildern zurück.

Warum hatten sie sie angelogen? Für drei Kinder reichte das Geld nicht, aber für zwei schon? Oder ging es gar nicht ums Geld?

Sie versuchte, eine rationale Erklärung für den Verrat ihrer Eltern zu finden.

Vielleicht hatte sich kurzfristig etwas geändert? Aber warum hatten sie dann nicht angerufen und Alisa eingeladen?

Sie hätte alles bezahlt! Irgendwie hätte sie das Geld aufgetrieben, notfalls auf Kredit. Warum?… Es gab mehr Fragen als Antworten.

Am Abend, als die Tochter ihre Hausaufgaben machte, fasste sich Mascha schließlich ein Herz und rief ihre Mutter an.

— Hallo, Mama. Wie geht’s? Wie erholt ihr euch? Nur damit du es weißt – ich habe die Fotos von Vera am Meer gesehen, also versuch gar nicht erst, dich rauszureden! Ihr habt alle Enkel mit in den Urlaub genommen – außer meiner Tochter! Findest du das normal, Mama?

— Maschenka, ich kann das erklären…
— Dann erklär.
Galina Petrowna seufzte und sagte unsicher:
— Dima hat selbst angeboten, für seine Kinder dazuzuzahlen. Er meinte, sie hätten sich schon so gefreut und die Zugtickets gekauft. Und du verstehst ja, seine Möglichkeiten sind nicht so wie deine.

— Und warum habt ihr mir nicht auch angeboten, etwas dazuzuzahlen?
Die Mutter schwieg einen Moment.
— Nun ja… wir dachten, dass du gerade in einer schwierigen finanziellen Lage bist. Wir wollten dich nicht in Verlegenheit bringen!

Mascha schnaubte. Wie rücksichtsvoll! Für sie zu entscheiden, was sie sich leisten kann und was nicht.
— Mama, und wenn ich das Geld gefunden hätte?
— Maschenka, sei bitte nicht beleidigt. Wozu jetzt diese leeren Gespräche? Hätte, wäre, wenn! Wir wollten doch nicht… Es ist einfach unglücklich gelaufen…

Nach dem Gespräch saß Mascha lange auf dem Sofa und verarbeitete das Gehörte. Die Kränkung brannte in ihr, aber noch stärker war das Gefühl der Demütigung. Man hatte sie dreist aus den Familienplänen gestrichen. Man hatte entschieden, dass es besser sei, eine Lüge über eine Renovierung zu erzählen, anstatt ehrlich zu sagen: Für alle reicht das Geld nicht, und Diminas Kinder sind wichtiger.

— Mama, ich habe die Hausaufgaben fertig! Darf ich zu Vera zu Besuch fahren? Oder lass uns zu Oma fahren und uns ihre neue Renovierung anschauen! — sagte Alisa, die mit ihrem Mathebuch in der Tür auftauchte.
— Die Renovierung wurde verschoben, — antwortete Mascha trocken. — Das Geld wurde für andere Zwecke gebraucht.

Das Mädchen runzelte die Stirn, offensichtlich verwirrt, aber in der Stimme ihrer Mutter lag etwas, das sie davon abhielt, weitere Fragen zu stellen.

In dieser Nacht schlief Mascha nicht.

Sie lag im Dunkeln und dachte darüber nach, wie sie ihrer Tochter erklären sollte, dass man sie belogen hatte. Dass Oma und Opa die anderen Enkel mit ans Meer genommen hatten und sie „vergessen“ hatten. Dass es in der familiären Rangordnung Enkel erster und zweiter Klasse gab.

Dann kam ein anderer Gedanke. Ein bitterer, aber klarer.

Was, wenn sie allen zeigte, dass Alisa in nichts schlechter war als die anderen! Dass ihre Mutter ihr einen besseren Urlaub bieten konnte als die fürsorglichen Großeltern.

Mascha wachte mit der klaren Erkenntnis auf, dass sie als Erstes einen genauen Plan brauchte. Keine Hysterie, kein Streit mit Geschrei und Tränen – sondern einen Plan. Kühl, durchdacht und effektiv.

Beim Frühstück beobachtete sie ihre Tochter. Alisa schmierte Brot mit Marmelade, baumelte mit den Beinen unter dem Tisch und summte ein TikTok-Lied vor sich hin. Unbeschwert, vertrauensvoll. Sie wusste nicht, was in der Familie vorging, ahnte nichts vom Verrat der Großeltern. Und Mascha beschloss, dass sie es vorerst auch nicht wissen sollte.

— Alis, würdest du diesen Sommer gern irgendwohin fahren?
— Ans Meer! — Die Augen des Mädchens leuchteten.

— Vielleicht nach Sankt Petersburg? Oder nach Kasan? Dort gibt es einen neuen Wasserpark.
— Nein, ich will ans Meer. Wenn du Geld für die Reise hast.

Mascha lächelte und versuchte, dabei selbstbewusst zu wirken:
— Das werde ich haben! Ich verspreche es dir!

Im Büro sah sie als Erstes auf ihr Sparkonto. Die Summe war bescheiden. Rund vierzigtausend Rubel. Dafür hätte es für eine Woche in Anapa gereicht – aber dann hätte sie den Rest des Jahres auf Urlaub verzichten und von Buchweizen leben müssen.

— Sweta, — wandte sie sich an ihre Kollegin, — weißt du, wo man schnell was dazuverdienen kann?
— Schnell? — überlegte die Kollegin. — Also… ich kenne einen Auftraggeber, der Texte für eine medizinische Website braucht. Er zahlt gut, aber die Mengen sind groß. In einer Woche kannst du zwanzigtausend schaffen, wenn du abends richtig ranklotzt.
— Gib mir die Kontaktdaten!

Am Abend, nachdem Alisa schlafen gegangen war, setzte sich Mascha an die Zusatzarbeit. Sie schrieb über Symptome von Krampfadern, Behandlungsmethoden bei Gastritis und Osteoporose-Prävention. Ihre Augen fielen zu, die Finger wurden taub, aber sie machte weiter. In ihrem Kopf kreiste nur ein Gedanke: Die Verwandten sollten sehen, dass Maschas Tochter in nichts nachstand.

Nach drei Tagen rief die Mutter an:
— Maschenka, wir kommen morgen zurück. Sollen wir Alisa Muscheln mitbringen?
— Nicht nötig, — antwortete Mascha kühl. — Wir haben unsere eigene Reise geplant.
— Welche Reise?
— Ans Meer. Nach Sotschi!

Sie log über Sotschi. Für einen Urlaub dieser Klasse würde das Geld nie reichen. Aber das mussten die Eltern nicht wissen.


— Maschenka, woher hast du das Geld? Du hast doch gesagt, es sei gerade schwer…
— Ich habe etwas dazuverdient.

In der Stimme der Mutter klang Besorgnis mit:
— Du hast dir doch keine Schulden gemacht?
— Nein. Alles ehrlich verdient.

— Warum hast du mir das nicht früher gesagt? Wir hätten doch alle zusammen fahren können…
Mascha lächelte bitter. Welch rührende Fürsorge! Nachdem sie bereits alles ohne sie entschieden hatten.
— Ihr habt mir auch nichts von euren Plänen gesagt. Also sind wir quitt! Stimmt’s, Mama?…

Am nächsten Tag kehrten die Eltern aus dem Urlaub zurück. Der Großvater brachte Fotos mit, die Großmutter erzählte begeistert, wie brav sich die Kinder benommen hätten und wie wunderschön die Promenade dort sei.

— Und wir fahren auch ans Meer! — verkündete Alisa fröhlich, als sie auf der Datscha ankamen.

— Wohin fahrt ihr denn? — Der Großvater sah Mascha überrascht an.

— Nach Sotschi. Für eine Woche!

— Wirklich? — Dima, der gekommen war, um seine Kinder abzuholen, blickte vom Handy auf. — Und wo werdet ihr wohnen?

Mascha nannte das erste Hotel, das sie im Internet gefunden hatte:

— „Morskaja Swesda“. Drei Sterne, aber mit guten Bewertungen.

— Bestimmt teuer, — bemerkte Schwägerin Julia neidisch. — Wir haben letztes Jahr nach Sotschi geschaut, aber die Preise waren heftig.

— Schon gut, das schaffen wir, — antwortete Mascha gleichgültig.

Sie sah, wie sich die Eltern verstohlen Blicke zuwarfen und wie Dima die Stirn runzelte. Alle fragten sich offensichtlich: Woher hat sie das Geld? Doch niemand traute sich, es offen zu sagen.

Am Abend, als sie mit den Eltern allein waren, hielt die Mutter es doch nicht mehr aus:

— Mascha, du hast dir wirklich kein Geld geliehen?

— Mama, ich bin eine erwachsene Frau. Ich komme mit meinen Finanzen selbst zurecht.

— Ich mache mir nur Sorgen. Nicht, dass du jetzt aus Trotz…

— Mama, — Mascha sah sie aufmerksam an, — warum glaubst du eigentlich, dass ich beleidigt bin? Worauf sollte ich beleidigt sein?

Galina Petrowna senkte beschämt den Blick.

Als Mascha all ihre Ersparnisse durchrechnete, stellte sich heraus, dass ihr fast dreißigtausend Rubel fehlten, um den Urlaub in Sotschi zu bezahlen. Anapa wäre erschwinglich gewesen, aber sie hatte den Eltern bereits von Sotschi erzählt — und zurückrudern wollte sie nicht.

— Lena, — rief sie ihre Jugendfreundin an, — kannst du mir dreißigtausend leihen? Ich zahle dir in zwei Monaten ganz sicher zurück.

— Was ist passiert? — Lena, die als Bankangestellte arbeitete, war immer praktisch veranlagt und vorsichtig, wenn es um Geld ging.

— Ich muss meine Tochter ans Meer bringen. Es ist wirklich wichtig.

— Mascha, bist du sicher, dass das die richtige Entscheidung ist? Vielleicht solltest du dir dafür keine Schulden machen?

Mascha biss die Zähne zusammen. Alle hielten sie für verantwortungslos. Die Eltern, die Freundin — alle glaubten zu wissen, was besser für sie war!

— Lena, hilfst du mir nun oder nicht?

— Na gut, ich helfe dir. Aber versprich mir, dass das keine Gewohnheit wird.

Eine Woche später saßen sie und Alisa im Zug Moskau–Sotschi. Die Tochter konnte kaum stillsitzen: Sie schaute aus dem Fenster auf die Landschaften, plauderte mit den Mitreisenden und fotografierte jeden Kilometerstein.

— Mama, gibt es im Meer Quallen? Und Haie? Und werden wir jeden Tag baden gehen?

Mascha lächelte und beantwortete geduldig die endlosen Fragen, doch in ihrem Inneren wuchs die Unruhe. Das Geld war knapp. Das Hotel war einfach, das Essen schlicht, Unterhaltungsmöglichkeiten kaum vorhanden. Aber das Wichtigste war etwas anderes: der ganzen Verwandtschaft zu zeigen, dass sie sich das leisten konnten.

Das Hotel „Morskaja Swesda“ erwies sich als bescheiden, aber sauber. Sie hatten ein Zimmer im zweiten Stock mit Blick auf die Berge — für Meerblick hätte die Zuzahlung nicht gereicht.

Alisa war von allem begeistert: von der Klimaanlage, vom kleinen Fernseher, vom winzigen Balkon mit Plastikstühlen.

Am dritten Tag, während die Tochter Sandburgen baute, rechnete Mascha die Ausgaben durch. Die nackten Zahlen waren unerbittlich. Das Geld reichte noch für drei Tage, aber die Rückreise war erst in vier. Sie musste dringend etwas einfallen lassen.

Am Abend, als Alisa eingeschlafen war, klappte sie den Laptop auf und suchte nach Nebenjobs. Sie durchforstete Dutzende Anzeigen: Kellnerinnen für Cafés, Promoter an der Strandpromenade, Souvenirverkäuferinnen. Aber mit einem Kind war das alles nicht machbar.

Da stieß sie auf eine Anzeige: „Dringend Copywriter für ein Projekt gesucht. Remote-Arbeit. Bezahlung sofort nach Abgabe.“

Mascha wählte die Telefonnummer.

— Hallo, guten Abend. Ich rufe wegen der Copywriter-Stelle an.

— Ja, — antwortete eine angenehme Frauenstimme. — Sind Sie aus Sotschi?

— Nein, aus Moskau, aber ich bin gerade hier. Im Urlaub mit meiner Tochter.

— Haben Sie Erfahrung im Tourismussektor?

— Ja. Ich habe für mehrere Reiseagenturen geschrieben.

— Perfekt. Dann lassen Sie uns morgen treffen. Ich brauche dringend mehrere Texte für eine Website. Wenn Sie es gut machen, ist eine langfristige Zusammenarbeit möglich.

Sie verabredeten sich in einem Café an der Strandpromenade. Die Frau stellte sich als Wiktorija vor.

Am nächsten Tag brachte Mascha Alisa im Kinderclub des Hotels unter der Aufsicht eines Animateurs und ging zum Treffen. Wiktorija entpuppte sich als elegante Frau Mitte vierzig.

— Ich besitze das Reiseunternehmen „Juschni Wektor“, — kam sie sofort zur Sache. — Wir müssen dringend den Webseitenbereich über Ausflugstouren überarbeiten. Der vorige Texter hat die Anzahlung genommen und sich aus dem Staub gemacht.

Sie sprachen eine Stunde lang.

Wiktorija erklärte die Anforderungen, zeigte Beispiele. Mascha stellte gezielte Fragen und bewies, dass sie die Branche verstand.

— Gut, — sagte Wiktorija schließlich. — Frist zwei Tage, Umfang zehn Texte à tausend Zeichen. Bezahlung fünfzehntausend. Einverstanden?

— Und wie! — Mascha konnte ihre Freude kaum verbergen. Fünfzehntausend deckten alle offenen Posten im Reisebudget.

— Wenn Sie es ordentlich machen, reden wir über eine feste Zusammenarbeit. Ich brauche verlässliche Leute.

Die nächsten zwei Tage arbeitete Mascha wie besessen. Während Alisa im Pool planschte oder an Kinderwettbewerben teilnahm, tippte sie Texte. Jedes Wort wog sie ab, jede Formulierung überlegte sie genau.

— Mama, warum tippst du die ganze Zeit? — fragte die Tochter und blickte ihr über die Schulter.

— Ich arbeite ein bisschen, mein Schatz. Damit wir genug Geld für Eis und Souvenirs haben.

— Kann ich dir helfen?

— Aber natürlich. Erzähl mir, was dir in Sotschi am besten gefallen hat?

Alisa begann begeistert aufzuzählen: das Delfinarium, die Seilbahn, die riesigen Wellen, die einen von den Füßen rissen, das Eis mit drei Kugeln. Ihre kindliche Begeisterung half Mascha, den richtigen Ton für die Familientouren zu finden.

Als die Texte fertig waren, las sie sie drei Mal durch, korrigierte jedes Komma und schickte sie an Wiktorija.

Die Antwort kam nach zwei Stunden:

„Mascha, das ist hervorragend! Genau das, was wir brauchen. Ich möchte vorschlagen, dass wir uns noch einmal treffen. Ich habe ein ernsthafteres Angebot für Sie.“

Die Frauen trafen sich im selben Café an der Strandpromenade.

— Ihre Texte zeigen, dass Sie nicht einfach nur eine Copywriterin sind, — begann Wiktorija begeistert. — Sie verstehen die Psychologie der Kunden, Sie können Emotionen verkaufen. So jemanden brauche ich.

— Was meinen Sie damit?

— Ziehen Sie nach Sotschi. Übernehmen Sie die Leitung der Marketingabteilung in meinem Unternehmen. Gehalt ab dreihunderttausend Rubel im Monat, plus Provision bei erfolgreichen Projekten. Die Wohnung mieten wir anfangs auf Firmenkosten, später helfen wir bei einer vergünstigten Hypothek.

Mascha wurde leicht schwindelig.

— Wiktorija, das kommt sehr unerwartet…

— Ich habe große Pläne für die Expansion. Wir eröffnen neue Bereiche, gehen auf nationaler Ebene. Ich brauche Menschen, die strategisch denken. Menschen wie Sie.

— Und die Schule für meine Tochter? Neues Umfeld…

— In Sotschi gibt es ausgezeichnete Schulen. Stellen Sie sich vor, Ihr Kind wächst am Meer auf und nicht im Moskauer Smog. Das ist doch der Traum vieler Eltern.

Einen Tag vor der Abreise traf Mascha ihre Entscheidung.

— Wiktorija, ich bin dabei!

Den ganzen Abend unterhielten sich die Frauen. Wiktorija erwies sich nicht nur als erfolgreiche Geschäftsfrau, sondern auch als interessanter Mensch. Sie erzählte von ihrem Weg von der Reiseverkehrskauffrau zur Inhaberin eines eigenen Unternehmens, teilte ihre Wachstumspläne.

— Wissen Sie, — sagte sie, — ich habe das Gefühl, dass wir gute Freundinnen werden.

Als sie mit Alisa nach Moskau zurückkehrten, stand das Telefon nicht mehr still. Die Mutter rief an, Dima, sogar Julia. Plötzlich zeigten alle ein enormes Interesse an ihrer Reise.

— Maschenka, wie war es? — fragte die Mutter einschmeichelnd. — Ist Alisochka zufrieden?

— Sehr zufrieden. Mama, ich habe Neuigkeiten. Wir ziehen nach Sotschi.

— Wie – ihr zieht um?

— Man hat mir eine Stelle angeboten. Eine sehr gute Stelle.

— Maschenka, vielleicht solltest du nichts überstürzen? Ein Umzug ist etwas Ernstes…

— Ich habe schon entschieden.

Danach wurden die Anrufe häufiger.

Dima erkundigte sich, in welchem Stadtteil die Wohnung sein würde und ob es gute Hotels in der Nähe gäbe. Julia fragte nach Klima und Schulen — „vielleicht sollten wir auch über einen Umzug in den Süden nachdenken“. Die Eltern deuteten an, dass es „nicht schlecht wäre, Oma und Opa ab und zu einzuladen“.

Mascha antwortete höflich, aber kühl. Bedankte sich distanziert für die Ratschläge. Auf direkte Bitten um Einladungen sagte sie immer dasselbe:

„Wir sehen, wie wir uns eingewöhnen.“

Ein halbes Jahr später, als sie mit Alisa bereits in einer hellen Dreizimmerwohnung mit Meerblick lebten, als die Tochter sich in der neuen Schule eingewöhnt hatte und viele Freunde gefunden hatte, wagten die Verwandten die direkte Frage.

— Maschenka, — rief die Mutter an, — wir würden euch gern zu den Maifeiertagen besuchen kommen.

— Natürlich, — antwortete Mascha ruhig. — Das Hotel „Perla“ ist nicht weit von uns, hat gute Bewertungen. Ein Zimmer kostet etwa vierzigtausend für eine Woche.

— Wie — ins Hotel? Wir dachten…

— Was dachtet ihr, Mama?

— Nun ja… ihr habt doch eine große Wohnung…

— Ich habe ein Arbeitszimmer, Alisa hat ihr Kinderzimmer, wir haben unser Schlafzimmer. Ein Gästezimmer gibt es nicht.

Es entstand eine spannungsgeladene Pause.

— Und Dima fragte, ob du nicht jemanden aus der Reisebranche kennst. Vielleicht könnte man einen Rabatt bekommen…

— Ich kenne einige Leute. Aber Rabatte gibt es nur für bewährte Partner. Also… jeder Wunsch — aber auf eigene Kosten!

Am Abend stand Mascha auf dem Balkon und lauschte dem Rauschen der Brandung. Alisa machte ihre Hausaufgaben und summte ein Lied vor sich hin.

Im Unternehmen lief alles bestens. Ihre Projekte hatten große Gewinne eingebracht, Wiktorija war zufrieden.

Auf dem Handy erschien eine Benachrichtigung aus den sozialen Netzwerken. Dima hatte ein Foto vom Familienabendessen bei den Eltern gepostet. Die Bildunterschrift lautete:

„Wie schade, dass nicht alle in schweren Zeiten in der Nähe sein können.“

Mascha lächelte spöttisch und schloss die App. Sie hatte ein neues Leben, eine echte Freundin in Wiktorija, einen interessanten Job und eine Tochter, die jeden Morgen vom Meeresrauschen geweckt wurde.

Die Gerechtigkeit hatte auf die beste Weise gesiegt – nicht durch Rache, sondern durch Erfolg.

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