— Was soll das heißen, kauf Essen für deine Verwandten? — fragte die Ehefrau ihren Mann kühl und blickte in den leeren Kühlschrank.

— Die Sachen hinter der Tür, die Schlüssel auf den Tisch, und du sollst hier keinen Fuß reinsetzen! — Evelinas Stimme zitterte vor Wut, als sie eine weitere Tasche mit den Sachen der ungebetenen Gäste in den Flur schleuderte.
— Eva, bist du völlig verrückt geworden? Das sind doch meine Verwandten! — Ignat versuchte ihr den Weg zu versperren, doch seine Frau stieß ihn mit der Schulter zur Seite.
— Genau! DEINE Verwandten! Und wer bin ich hier? Kostenlose Dienstmagd?
— Evelina, reiß dich zusammen! Was sollen die Nachbarn denken?
— Mir doch egal, was die Nachbarn denken! Man hätte vorher darüber nachdenken sollen, als du ihnen erlaubt hast, hier ein Chaos zu veranstalten!
Ignat sah ratlos zu, wie seine Frau methodisch die Sachen seiner Verwandten in Taschen und Koffer packte. Hinter der Tür waren empörte Stimmen von Tamara und Petr zu hören.
— Eva, vielleicht setzen wir uns und reden ruhig?
— Reden? Über was? Darüber, wie man mich drei Wochen lang unter deiner aufmerksamen Leitung gedemütigt hat?
Drei Wochen vor diesem Skandal herrschte in der Wohnung der Koshemyakins ein normaler, ruhiger Abend. Evelina bereitete das Abendessen vor, schnitt Gemüse für den Salat und dachte über die Wochenendpläne nach. Ignat betrat die Küche mit schuldbewusstem Gesichtsausdruck — sie wusste sofort, dass etwas Unangenehmes passiert war.
— Evka, es ist so… Tante Tamara hat angerufen. Ihre Renovierung zieht sich hin, sie haben überhaupt keinen Platz zum Wohnen. Ich habe gesagt, dass sie ein, zwei Wochen bei uns bleiben könnten.
Evelina erstarrte mit dem Messer in der Hand und drehte sich langsam zu ihrem Mann um:
— Was hast du gesagt? Ohne mich entschieden?
— Ach komm schon, es ist doch Familie! Tante Tamara, Onkel Petr und Marinka. Sie sind ruhig, du wirst sie kaum bemerken.
— Ignat, darf ich dich daran erinnern — wir haben eine Zweizimmerwohnung! Wo willst du drei erwachsene Menschen unterbringen?
— Nun, Marinka schläft auf dem Klappbett im Wohnzimmer, und Tante und Onkel… — er stockte, mied den Blick seiner Frau, — vielleicht geben wir ihnen unser Schlafzimmer? Wir sind jung, wir übernachten auf dem Sofa.
Evelina legte das Messer weg, wischte sich langsam die Hände mit einem Handtuch ab:
— Du meinst ernsthaft, ich soll auf dem Sofa in meiner eigenen Wohnung schlafen? Vielleicht gleich in der Küche?
— Eva, warum gleich so gereizt! Maximal zwei Wochen! Die Leute sind in Not, und wir sollen sie abweisen?
— Hätte man mich nicht vorher fragen können?
— Was soll man da fragen? Natürlich hättest du zugestimmt! Du bist doch so gutmütig.
— Also, die Entscheidung ist gefallen. Wunderbar.
— Perfekt! Morgen kommen sie.
Am nächsten Tag, kaum dass Evelina von der Arbeit nach Hause kam, klingelte es an der Tür. Sie öffnete und sah das Trio mit riesigen Koffern und Taschen, als kämen sie für einen Monat, nicht für zwei Wochen.

— Evotchka! — strahlte Tamara Koshemyakina, eine füllige Frau von etwa fünfzig mit stark geschminkten Lippen und goldenen Zähnen, die bei jedem Wort blitzten. — Oh, wie dünn du geworden bist! Ignatik füttert dich wohl nicht richtig?
— Guten Tag, Tante Tamara, — versuchte Evelina Freundlichkeit vorzutäuschen. — Willkommen.
— Sag mal, wo ist die Toilette? — fragte Petr unverblümt, ein Mann mit rotem Gesicht und deutlichem Alkoholgeruch, trotz der frühen Stunde.
— Papa, sei nicht dumm! — schnippte Marina, ein etwa fünfundzwanzigjähriges Mädchen in auffälligen Leoparden-Leggings und provokantem Make-up. — Offensichtlich ist die Tür im Flur. Und unser Zimmer, Tante Eva? Unser Schlafzimmer, richtig?
— Eigentlich hatten wir gedacht… — begann Evelina, doch Tamara war bereits in die Tiefe der Wohnung gegangen und begutachtete die Räumlichkeiten.
— Ignatik, mein Sohn! — schrie sie durch die ganze Wohnung. — Komm raus und begrüße die Verwandten!
Ignat lief aus dem Wohnzimmer, ein Lächeln auf dem Gesicht:
— Tante Toma! Onkel Petja! Marinka! Wie war die Reise?
— Ganz gut, nur furchtbar müde, — zog Marina hervor. — Wo kann man sich hinlegen?
— Oh, wie entzückend! — Tamara begutachtete bereits das Schlafzimmer. — Die Tapeten sind zwar etwas düster, aber für zwei Wochen wird es gehen. Petruša, bring die Koffer rein!
— Tante Tamara, vielleicht besprechen wir zuerst, wer wo schläft? — schlug Evelina vorsichtig vor.
— Was gibt es da zu besprechen? Wir sind erwachsene Leute, wir brauchen ein richtiges Bett. Ich habe Ischias, auf dem Sofa liege ich nicht. Stimmt’s, Ignatik?
— Natürlich, Tante Toma! Eva, wir richten uns im Wohnzimmer ein. Stimmt’s, Liebling?
Evelina nickte schweigend, wissend, dass es keinen Sinn hatte, zu protestieren.
Die erste Woche verwandelte sich in einen wahren Albtraum. Tamara trat als selbsternannte Hausherrin auf, durchwühlte alle Küchenschränke, ordnete das Geschirr nach ihrem Belieben um und verschlang die strategischen Vorräte an Konserven und Getreide vollständig.
— Evotchka, Liebling, was ist das für eine spärliche Lebensmittelversorgung bei dir? — empörte sie sich um sieben Uhr morgens, während sie mit Töpfen und Schüsseln schepperte. — Nur Buchweizen und Reis! Wo ist Gerste? Wo sind die Erbsen? Wo ist das richtige Eintopffleisch?
— Tante Tamara, wir kaufen, was wir essen… Und vielleicht etwas leiser? Heute ist Samstag…
— Und was ist daran? Normale Menschen stehen früh auf, nicht erst zum Mittagessen! Petruša, aufstehen, Frühstück ist fertig!
Petr erschien aus dem Schlafzimmer nur in seiner Unterhose, den nackten, behaarten Bauch kratzend und gähnend:
— Warum schreit ihr so früh? Mein Kopf platzt, lasst mich schlafen.
— Onkel Petr, könnten Sie sich vielleicht anziehen? — bat Evelina und wandte den Blick von dem wenig appetitlichen Anblick ab.
— Und warum das? Ich laufe im Haus, wie es mir passt! Mir ist heiß!
— Aber das ist doch nicht Ihr Haus!
— Eva, was für ein Ton! — mischte sich sofort Ignat ein, der gerade auftauchte. — Entschuldigen Sie, Onkel Petr, sie hat einfach nicht genug Schlaf auf dem Sofa bekommen.
— Ach, wird schon, gewöhnt sie sich, — winkte Petr großzügig ab. — Und was gibt’s zu essen?
Gegen Ende der ersten Woche stellte Evelina fest, dass sie nicht in ihrer eigenen Wohnung, sondern in einem Art Wohnheim lebte. Marina hatte das Badezimmer okkupiert und ihre Wäsche aufgehängt, Petr rauchte auf dem Balkon, trotz Einwänden, und Tamara hatte die Möbel im Wohnzimmer nach ihrem Geschmack umgestellt.
— Tante Tamara, könnten wir vielleicht die Möbel so lassen? — bat Evelina vorsichtig.

— Ach was, Liebling! Vorher war es doch unbequem! Jetzt sieht man den Fernseher besser, und das Sofa habe ich richtig hingestellt.
— Aber mir war es vorher bequem…
— Du gewöhnst dich! Junge Menschen gewöhnen sich schnell. Für uns ältere ist es etwas schwieriger, uns anzupassen.
Am achten Tag kam Evelina von der Arbeit zurück und entdeckte, dass ihre gesamte Kosmetik aus dem Badezimmer verschwunden war.
— Marina, hast du meine Kosmetik gesehen?
— Ach, das! — winkte das Mädchen sorglos ab. — Ich habe deine Wimperntusche ausprobiert, klasse! Und die Creme ist auch gut, schade, dass sie bald leer ist.
— Leer? Sie war doch fast voll!
— Na ja, ich habe meinen Freundinnen etwas davon gegeben. Sei nicht geizig, Tante Eva, Schönheit verlangt Opfer!
— Das war teure Kosmetik!
— Also gut, dass ich sie gewürdigt habe, — lachte Marina. — Kauft halt neue, wenn sie so gut ist.
Am zehnten Tag brachte Marina ihre Freundin Svetlana mit — eine gefärbte Blondine im Minirock und mit einem Kilo Make-up im Gesicht. Sie machten es sich im Wohnzimmer gemütlich, hörten Musik, lachten und unterhielten sich bis drei Uhr nachts.
— Marina, Mädchen, bitte etwas leiser, — bat Evelina und trat im Bademantel zu ihnen. — Morgen muss ich früh zur Arbeit.
— Tante Eva, sei keine Spielverderberin! — kicherte Svetlana und musterte die Wohnungsbesitzerin abschätzend. — Wir sind jung, wir müssen Spaß haben! Man lebt nur einmal!
— Sie ist nur neidisch, weil wir schön und jung sind, und sie schon… — flüsterte Marina laut, deutete mit dem Finger auf ihre Schläfe.
— Ich bin doch erst zweiunddreißig!
— Na also, ich sage doch — schon vorbei! — lachte Marina. — Kommen wir lieber zu Borya, dem Nachbarn. Er wohnt unten, dort ist es lustiger und die Tante jammert nicht.
— Ist er hübsch? — fragte Svetlana neugierig.
— Ganz okay, geschieden. Und das Wichtigste — ohne lästige Verwandte!
Sie gingen, knallten die Tür, und kehrten um drei Uhr morgens zurück, weckten das ganze Haus mit betrunkenem Singen und dem Klappern von Absätzen.
— Ignat, das kann so nicht weitergehen! — erwischte Evelina ihren Mann morgens im Flur, als er zur Arbeit wollte. — Sie haben unsere Wohnung in einen Durchgangshof verwandelt!
— Halte noch ein bisschen durch. Was soll ich ihnen sagen? Raus mit euch? Das ist doch unhöflich gegenüber der Familie!
— Und was hier passiert — ist das etwa höflich? Gestern hat deine Tante die Torte gegessen, die ich für einen Kollegen zum Geburtstag gekauft habe! Ich musste um acht Uhr abends noch losrennen, um eine Konditorei zu finden!
— Na und? Wir haben doch eine neue gekauft. Wo ist das Problem?
— Das Problem ist, dass du sie ständig verteidigst! Und ich bin hier überhaupt niemand! Eine Fremde im eigenen Haus!
— Eva, warum regst du dich so auf? Sie sind doch Verwandte! Gestern hat Mama angerufen und gefragt, wie Tante Tamara sich eingerichtet hat. Was soll ich ihr sagen — wir haben sie auf die Straße gesetzt?

In diesem Moment ertönte ein ohrenbetäubendes Krachen und Geschrei aus der Küche. Sie stürmten hinein und sahen Petr, der einen großen Topf Borschtsch fallen gelassen hatte. Die rote Flüssigkeit breitete sich über den ganzen Boden aus, während Scherben von Tellern überall lagen.
— Ups, — lallte er, sich am Türrahmen festhaltend. — Evka, räum das hier schnell weg. Ich komme zu spät zur Arbeit.
— Räumt doch selbst euren Dreck auf!
— Wie, du sprichst so mit Älteren? — empörte sich Tamara, die in einem schmuddeligen Bademantel erschien. — Ignat, deine Frau kennt ja überhaupt keine Grenzen!
— Eva, entschuldige dich bei Onkel, — sagte Ignat leise, aber streng.
— Was?! Wofür soll ich mich entschuldigen?
— Für deine Unhöflichkeit. Mach die Situation nicht noch schlimmer.
Evelina nahm schweigend den Wischmopp und begann, das Chaos der anderen aufzuräumen, innerlich kochend vor Wut.
Zwei Tage später kam Klawdia, Ignats Mutter. Evelina hoffte auf Unterstützung von ihrer Schwiegermutter — die Frau war immer für ihren gesunden Menschenverstand und ihre Gerechtigkeit bekannt. Doch kaum hatte sie die Schwelle überschritten, stellte sie sich sofort auf die Seite der Verwandten.
— Evelina, was bildest du dir eigentlich ein? — begann sie. — Tamara hat mich völlig aufgelöst angerufen! Sie hat erzählt, dass du sie aus dem Haus vertreibst!
— Klawdia Petrowna, sie sind doch schon zweieinhalb Wochen hier, — versuchte Evelina zu erklären, während sie der Schwiegermutter beim Ausziehen half. — Verstehen Sie, ursprünglich sollte es nur um ein paar Tage gehen…
— Und was soll’s? Es sind doch Verwandte! — unterbrach sie sie, während sie kritisch den Flur musterte. — Als du Ignat geheiratet hast, wusstest du genau, dass er eine große Familie hat! Und jetzt drehst du dich vor den Verwandten weg?
— Ich treibe niemanden raus! — widersprach Evelina, während sie die Schwiegermutter in die Küche führte. — Ich möchte einfach in meiner eigenen Wohnung in Ruhe leben und nach der Arbeit normal entspannen…
— Normal ist, wenn die Familie an erster Stelle steht! — schnitt Klawdia ihr scharf das Wort ab. — Und nicht irgendwelche persönlichen Launen! Ignat, mein Sohn, komm her!
Ignat erschien aus dem Zimmer, sichtlich mit einem unangenehmen Gespräch rechnend.
— Hör mir genau zu, — fuhr die Mutter fort und warf ihm einen strengen Blick zu. — Vielleicht solltest du dir eine andere Frau nehmen? Eine gefügigere, familiäre?
— Mama, warum sagst du das… — begann Ignat, doch sie unterbrach ihn.
— Was ist daran so schlimm? Sieh dir an, wie wunderbar Marinka kocht! Führt das Haus, und ihr Charakter ist sanft, einfach goldwert!
In diesem Moment tauchte Marinka selbst aus dem Schlafzimmer auf, in Evelinas Seidenbademantel — ein teures Geburtstagsgeschenk ihres Mannes.
— Oh, Buba Klawa! — rief das Mädchen freudig aus und küsste die ältere Frau auf beide Wangen. — Wie schön, Sie zu sehen! Ich stelle gleich frischen Tee. Tante Eva, haben Sie zufällig Kekse? Ach ja, ich habe gestern die letzten beim Seriengucken gegessen.
Evelina beobachtete diese Szene schweigend und wusste, dass sie von niemandem Unterstützung erwarten konnte.
— Siehst du? — verkündete Klawdia triumphierend. — Das ist eine echte Frau! Gastfreundlich, fürsorglich!
— Ach, Buba Klawa! — kicherte Marinka verlegen und begann, am Teekessel zu hantieren. — Ich bin ja nicht die Hausherrin hier, ich versuche nur, Tante Eva zu helfen. Obwohl, wenn es mein Haus wäre, würde ich vieles ändern. Zum Beispiel diese Vorhänge — viel zu düster. Und die Wandfarbe…
— Das ist mein Haus, — sagte Evelina leise, aber deutlich.

— Bis jetzt deins, — bemerkte Klawdia bedeutungsvoll.
Am zwanzigsten Tag ihres „Besuchs“ kam Evelina früher von der Arbeit nach Hause — sie wurde wegen eines Rohrleitungsnotfalls früher entlassen. Als sie die Treppe hochstieg, hörte sie schon im zweiten Stock laute Musik und Gelächter aus ihrer Wohnung.
Als sie die Tür öffnete, erstarrte sie schockiert. Im Wohnzimmer herrschte völliges Chaos: Überall lagen leere Wein- und Bierflaschen, auf ihrem geliebten Perserteppich, den sie von ihrer Hochzeitsreise nach Iran mitgebracht hatte, prangte ein riesiger dunkler Fleck. Der Couchtisch war mit Zigarettenstummeln und Essensresten bedeckt.
Im Schlafzimmer entdeckte Evelina einen unbekannten jungen Mann, der in ihren dreckigen Stiefeln auf ihrem Bett lümmelte und in ihrem persönlichen Tagebuch blätterte.
— Entschuldigung, wer sind Sie? — fragte sie fassungslos.
— Ich bin Vadik, ein Kumpel von Marinka, — brummte der Fremde, ohne aufzuschauen. — Und warum bist du so angespannt?
— Ich bin die Besitzerin dieser Wohnung! Und ich verlange, dass Sie sofort mein Haus verlassen!
— Reg dich nicht so auf, Tussi! — grunzte Vadik und warf ihr endlich einen Blick zu. — Marinka hat erlaubt, dass ich hier sitze. Sie ist doch die Chefin, oder?
— NEIN! Ich bin die Chefin! Und ihr räumt jetzt sofort auf!
— RAUS AUS MEINEM HAUS! — schrie Evelina so laut sie konnte.
Auf ihr Schreien stürmten Tamara, Petr und Marinka herbei.
— Was für eine Hysterie? — empörte sich die Tante des Mannes. — Evelina, hast du völlig den Verstand verloren? Das ist doch ein Gast unserer lieben Marinka!
— Mir ist das völlig egal! Ich will alle außerhalb meiner Wohnung sehen!
— Tante Eva, Sie reagieren zu heftig, — mischte sich Marinka ein, in einem belehrenden Ton. — Vadik ist nur gekommen, um die Eltern kennenzulernen. Wir sind schon ein halbes Jahr zusammen.
— In meinem Schlafzimmer? In meinem Bett?
— Ignat! — brüllte Tamara. — Komm sofort her! Deine unzurechnungsfähige Frau macht schon wieder Zirkus!
Ignat erschien langsam aus der Küche, kaute ein Sandwich mit rotem Kaviar — genau den, den Evelina für ein romantisches Abendessen mit ihrem Mann aufgehoben hatte.
— Eva, was ist denn los? — fragte Ignat faul.
— Was ist los?! WAS IST LOS?! — schrie die Frau. — In unserem Schlafzimmer liegt ein betrunkener Fremder, die Wohnung ist ein Schlachtfeld, und mein Mann fragt, was los sei!
— Vadik ist ein netter Kerl, — verteidigte Marinka ihren Freund. — Er war nur nervös beim Kennenlernen, hat ein bisschen getrunken, um Mut zu fassen. Jetzt ruht er sich aus.
— IN MEINEM BETT! Mit dreckigen Schuhen! Und er liest MEIN persönliches Tagebuch!
— Na und! — schnippte das Mädchen verächtlich. — Bettwäsche kann man waschen. Und Tagebücher… wer schreibt heute noch Tagebuch? Das ist doch kindisch!
Evelina spürte, wie etwas Wesentliches in ihr zerbrach, etwas, das sie die letzten drei Wochen in Schach gehalten hatte.
— GENUG! Schluss! Der Spuk ist vorbei! — Evelina öffnete alle Fenster in der Wohnung weit. — Wir lüften! ALLE RAUS! Sofort!

Entschlossen ging sie ins Gästezimmer und begann, die Sachen der ungebetenen Gäste in eine große Reisetasche zu werfen.
— Was machst du, du Verrückte? — schrie Petr und versuchte, sein Hemd zurückzuerlangen.
— Ich tue, was vor drei Wochen hätte getan werden sollen! RAUS! Alle! Jeden Einzelnen!
— Evelina! — rief Klawdia drohend, als sie in der Tür erschien. — Hör sofort auf mit diesem Chaos!
— Klawdia Petrowna, mit großem Respekt, aber auch Sie können RAUS! — antwortete Evelina ohne Unterbrechung, während sie Marinkas Kosmetik in die Tasche stopfte.
— Ignat! — kreischte Tamara. — Beruhige deine durchgedrehte Frau!
— Eva, hör auf! Das sind doch meine Verwandten! — versuchte ihr Mann einzuschreiten.
— Perfekt! — drehte sich Evelina zu ihm um, die Tasche mit Tamaras Koffer in der Hand. — Nimm deine kostbaren Verwandten und geh ihnen nach!
— Willst du mir etwa vorschreiben, mein eigenes Haus zu verlassen?
— Ich schlage nur vor, eine Wahl zu treffen! — stellte Evelina eine weitere Tasche in den Flur. — Entweder du bist MANN und Herr in diesem Haus, oder ein gehorsamer Tölpel, der zulässt, dass seine Familie zu einem Durchgangshof wird! Du hast genau sieben Tage Zeit, um darüber nachzudenken!
— Tante Eva, Sie können uns doch nicht rauswerfen! — protestierte Marinka. — Unsere Tickets sind erst nächste Woche!
— ÄNDERT SIE! — schnitt Evelina ab, während sie den letzten Koffer vor die Tür stellte. — Oder nehmt den Bus. Oder lauft zu Fuß. Mir egal!
Entschlossen schloss sie die Tür und drehte den Schlüssel zweimal.
— Evelina! Mach sofort auf! — trommelte Ignat gegen die Tür. — Du hast kein Recht dazu!
— Doch! Das ist MEINE Wohnung, ich habe sie vor der Hochzeit gekauft! — rief sie durch die Tür. — Sieben Tage, Ignat! Genau eine Woche, um deine Prioritäten zu überdenken!
— Verrückt! — tobte Tamara hinter der Tür. — Wir sind noch nicht fertig mit dir!
— Oh doch, wir sind fertig! Und damit ihr keinen Fuß mehr hier reinsetzt! — antwortete Evelina und drehte demonstrativ die Musik lauter.
Die nächsten drei Tage waren die ruhigsten seit einem Monat. Evelina brachte die Wohnung langsam in Ordnung, genoss die Stille, aß, worauf sie Lust hatte, schaute ihre Lieblingsfilme und hörte keine ständigen Kommentare über ihre „Unweiblichkeit“ oder „Egoismus“.
Am vierten Tag rief der Nachbar Boris an:
— Evelina, ist bei euch alles in Ordnung? — fragte er besorgt. — Die Koshemyakins zanken sich schon seit zwei Stunden unter meiner Tür. Klawdia Petrowna erzählt der ganzen Treppe, was für eine undankbare Schwiegertochter du bist.
— Lass sie erzählen, wo sie will, Boris, — antwortete Evelina ruhig und nippte an ihrem Tee mit den geliebten Zitronenkeksen. — Nur nicht in meinem Haus.
— Und wo ist Ignat? Er ist doch bei ihnen?
— Vermutlich ja. Er hat seine Entscheidung getroffen.
— Na ja… — seufzte der Nachbar. — Hätte nie gedacht, dass es bei euch so schlimm läuft.
— Es ist nicht schlimm, Boris. Es ist einfach vorbei.

Eine Woche später, genau am Tag, erhielt Evelina eine Nachricht von Ignat:
„Eva, du hattest recht. Sie sind wirklich unerträglich. Tamara hat sich schon mit Mama gestritten, Marinka hat Mamas Lieblingsvase zerbrochen und die Nachbarin angefahren. Kann ich nach Hause kommen?“
„Nein“, — antwortete sie kurz.
„Aber ich bin doch dein Mann! Wir haben eine Familie!“
„Wir hatten eine Familie. Die Scheidungspapiere liegen bereits beim Anwalt. Morgen reiche ich den Antrag ein.“
„Eva, mach keine Dummheiten! Wir können alles besprechen, einen Kompromiss finden!“
„Vor drei Wochen wäre das möglich gewesen. Jetzt ist es zu spät.“
„Du wirst keinen anderen Mann wie mich finden!“
„Welche wunderbare Nachricht. Genau so ein Weichei brauche ich nicht.“
Eineinhalb Monate später kam Boris auf eine Tasse Kaffee vorbei und berichtete die neuesten Nachrichten.
— Weißt du, was mit deinen ehemaligen Verwandten passiert ist? — grinste er und setzte sich. — Tamara und ihre Familie haben Ignat verklagt. Es stellte sich heraus, dass er sie alle vorübergehend bei seiner Mutter angemeldet hatte, um „Fürsorge für die Familie“ zu demonstrieren. Jetzt kann er sie nicht mehr abmelden — sie verlangen gleichwertigen Wohnraum.
— Ernsthaft? — staunte Evelina.
— Ganz genau! Klawdia Petrowna veranstaltet nun jeden Tag Skandale, verlangt, dass sie ausziehen. Aber die denken gar nicht daran. Marinka hat inzwischen sogar ihren Freund dorthin gebracht, sie wohnen nun alle zusammen in der Zweizimmerwohnung.
— Karma ist eine Bitch, — lächelte Evelina, während sie in ihrer ruhigen, sauberen Wohnung Kaffee trank.
— Wie bitte? — verstand Boris nicht.
— Nichts. Manchmal gibt es einfach Gerechtigkeit.