Mein Mann hielt es für in Ordnung, meinen Bonus für meine Schwiegermutter statt für Urlaub auszugeben

— Valera, — sie stellte den Salat auf den Tisch und setzte sich ihm gegenüber. — Ich habe eine Prämie von der Arbeit bekommen. Und ich überlege… vielleicht legen wir dieses Geld für den Sommer zurück? Dann haben wir noch Zeit, ein bisschen zu sparen. Und im Juli fahren wir ans Meer. Die Kinder haben es ja noch nie gesehen. Auch sie brauchen ihre Kindheit.

— Du hättest mir früher Bescheid sagen sollen. Ich wollte schon lange sagen, dass Mama einen neuen Kühlschrank braucht. Sie will einen zweitürigen.

Mascha hatte fast sechs Jahre Elternzeit genommen. Und nun, da beide Söhne in den Kindergarten gingen, konnte sie endlich wieder arbeiten. Sie hatte schon lange den Wunsch zu arbeiten.

Sie hatte versucht, von zu Hause aus zu arbeiten, aber das war die reinste Hölle: Sobald eines der Kinder krank wurde, brach ihre gesamte Arbeitsdisziplin zusammen. Man sitzt mit dem Laptop, während im Zimmer gehustet, gejammert und geschrien wird, und immer wieder kommen die Bitten: „Mama, spiel mit mir!“, „Mama, gib mir zu trinken!“, „Mama, er hat mich geschubst!“. Am Ende verwandelte sich der Arbeitstag ins Chaos, und abends tat der Kopf höllisch weh.

Jetzt war alles anders. Morgens brachte sie die Jungs in den Kindergarten, fuhr ins Büro und konnte dort ruhig mit der Arbeit beginnen. Anfangs fühlte sich Maria unwohl: in all den Jahren hatte sich vieles verändert — Programme, neue Regeln, neue Mitarbeiter. Aber allmählich fand sie sich wieder zurecht und spürte sogar erneut Lebensfreude — dieses Selbstbewusstsein, das Arbeit und vor allem das Gehalt gab.

Es war hart, dass Valera all die Jahre die Hypothek alleine bezahlt hatte. Manchmal fühlte sie sich schuldig, zu Hause zu sitzen, obwohl sie verstand: Jemand musste bei den Kindern sein. Aber jetzt war alles anders. Es blieb nur noch wenig zu zahlen. Mascha und Valera hofften, dass sie den Rest mit zwei Gehältern in kurzer Zeit abbezahlen könnten.

Und dann — das Glück. Kurz vor Neujahr bekam Maria eine ordentliche Prämie ausgezahlt. Das Geld war unerwartet, und sofort stellte sich die Frage: Was tun damit? Sie träumte davon, es für den Sommer zurückzulegen, für den Urlaub, den sie und Valera seit Jahren geplant, aber immer wegen finanzieller Schwierigkeiten verschoben hatten.

Mascha sprach sehr vorsichtig mit ihrem Mann darüber, beim Abendessen. Eine Woche lang trug sie diesen Gedanken mit sich, wählte die Worte, übte im Kopf — wie sie Valera überzeugen konnte, dass dieses Geld nicht für die Hypothek, nicht für den Alltag, sondern für etwas ausgegeben werden sollte, auf das sie beide so lange gewartet hatten und es verdient hatten.

— Valera, — sie stellte den Salat auf den Tisch und setzte sich ihm gegenüber. — Ich habe eine Prämie von der Arbeit bekommen. Und ich überlege… vielleicht legen wir dieses Geld für den Sommer zurück? Dann haben wir noch Zeit, ein bisschen zu sparen. Und im Juli fahren wir ans Meer. Die Kinder haben es ja noch nie gesehen. Auch sie brauchen ihre Kindheit.

Ihr Mann schwieg, konzentriert die Frikadelle auf die Gabel piekend. Mascha presste die Finger unter dem Tisch zusammen, bereit für Einwände. Und plötzlich hob Valera den Kopf und sagte ruhig:

— Masch, du hättest mir früher Bescheid sagen sollen. Ich wollte schon lange sagen, dass Mama einen neuen Kühlschrank braucht. Sie will einen zweitürigen.

— Kühlschrank? — verstand sie nicht. — Und was ist mit dem alten? Der funktioniert doch einwandfrei.

— Er funktioniert, ist aber veraltet und klein. Für sie unbequem. Sie beschwert sich ständig. Ich will ihr etwas Gutes tun. Schließlich lebt sie allein.

— Genau. Warum braucht sie dann einen großen Kühlschrank?

— Frag nicht. Sie will es einfach. Ich habe schon ein wenig zurückgelegt, aber deine Prämie kommt gerade recht.

— Zurückgelegt? Also hast du über Geldmangel geklagt, während du heimlich für Mama sparst? Hinter meinem Rücken und hinter dem unserer Söhne? Ich bin schockiert… — Marias Appetit war vollständig verschwunden.

— Na und? Sie ist meine Mutter. Und ich muss.

— Und deinen Kindern gegenüber? Was schuldest du ihnen?

— Sie schulden mir nichts. Sie lernen gut in der Schule.

— Die Jungs sind noch im Kindergarten, — schüttelte die Frau den Kopf.

— Und?

Mascha gingen die Argumente aus. Sie hatte einen Streit über die Hypothek erwartet, aber nicht das. So lange hatte Maria überlegt, wie sie ihren Mann überzeugen könnte, der Familie ein Stück Glück zu schenken, und plötzlich redete er über ein Geschenk für seine Mutter.

— Also… — sagte sie langsam, — schlägst du vor, statt ans Meer für uns und die Kinder zu fahren, einen Kühlschrank für deine Mutter zu kaufen?

Valera zuckte mit den Schultern, als sei das die naheliegendste Lösung. Mascha bedeckte das Gesicht mit den Händen, unfähig zu glauben, was ihr Mann sagte.

In den nächsten zwei Wochen unternahm Valera nicht einmal den Versuch, das Gespräch über den Urlaub wieder aufzunehmen. Er verhielt sich, als sei seine Entscheidung längst gefallen und es gäbe nichts mehr zu diskutieren.

— Masch, schau, — eines Abends kam er mit dem Handy zu ihr und drehte den Bildschirm, — diese Variante ist nicht schlecht. Zwei Fächer, Gefrierfach unten, für Mama bequem. Und diese Farbe ist schön, passt zum Interieur.

Mascha sah hin und wandte sich schweigend ab.

— Ich werde dir meine Prämie nicht für den Kühlschrank von Anna Ivanovna geben, — sagte sie entschieden. — Dieses Geld habe ich für den Sommer zurückgelegt. Wir fahren mit den Kindern ans Meer.

Valera schien taub. Sein Gesicht war erstarrt.

— Ernsthaft? — schnaufte er. — Also ist Mama für dich niemand?

— Und ich für dich? Die Kinder für dich niemand? Ich bin es leid, immer an zweiter Stelle nach deiner Mutter zu stehen.

Ab diesem Abend begann in ihrer Familie die wahre Hölle. Valera begann zu rächen: Auf jede Bitte von Mascha antwortete er dasselbe:

— Kein Geld. Alles wegen dir. Musste einen Kredit für den Kühlschrank aufnehmen.

— Valera, Nikita braucht Schuhe, seine alten passen nicht mehr.

— Kein Geld.

— Wir müssen den Kindergarten bezahlen.

— Kein Geld.

— Sashas Jacke ist kaputt, muss ins Atelier gebracht werden.

— Nicht mein Problem.

Mascha biss sich so stark auf die Lippen, dass sie bluteten, aber ihr Stolz ließ sie nicht noch einmal bitten. Sie hörte auf, ihre Schwiegermutter zu besuchen und auf deren Anrufe zu reagieren. Mit solcher Gemeinheit hatte sie weder von ihrem Mann noch von Anna Iwanowna gerechnet.

Zum Glück hatte Mascha ihr eigenes kleines Zimmer im Wohnheim. Sie hatte es schon lange vermietet, und dieses Geld ging zur Tilgung der Hypothek. Ohne das hätte Valera während ihrer Elternzeit vermutlich die Hypothek nicht mehr bezahlt.

Mehr als einmal sprach er davon, dieses Zimmer zu verkaufen:

— Wozu brauchst du dieses Zimmer? Es bringt sowieso kaum Geld. Verkaufe es, dann wird es uns leichter.

Doch Mascha lehnte jedes Mal ab. Sie verstand: Dieses winzige Zimmer war ihr einziger Rückzugsort, ihre kleine Festung, die ihr niemand nehmen konnte. Und nun hielt sie sich daran wie an einen Rettungsring. Mascha bemerkte immer häufiger, dass sie ohne dieses kleine Zimmer im Wohnheim längst verrückt geworden wäre.

Und schon bald entstand in Marias Kopf ein Plan für den Urlaub.

— Lenka, — rief sie ihre Cousine an, — sag mal, hattet ihr im Sommer vor, irgendwohin mit Serega und Alisa zu fahren?

— Ja, so ungefähr, wir dachten, vielleicht ans Meer, wenn wir genug Geld sparen. Und ihr?

— Und wenn wir zusammen fahren würden? Wir könnten nebeneinanderliegende Zimmer im Hotel nehmen. Den Kindern wäre es lustiger, und uns wäre es leichter. Ich schaffe das nicht alleine mit den Jungs.

— Alleine? Und was ist mit Valera?

— Er fährt nicht. Hat seiner Mutter einen Kühlschrank gekauft und ist jetzt hoch verschuldet.

— Ach so? Na sowas! — erstaunte die Cousine. — Nun… gut, dann fahren wir zusammen. Und Valera wird nichts sagen, dass ihr ohne ihn fahrt?

— Lass ihn reden, was er will. Ich ziehe die Kinder sowieso alleine, und er lebt nur wie ein Nachbar daneben. Zählt nur sein Geld, als würde ihm jemand etwas stehlen…

So beschlossen sie es. Sie kaufte Zugtickets — direkt hin und zurück, für sich und die beiden Jungs. Mascha hatte sich wenigstens ein Stück Erholung von dieser endlosen Reihe häuslicher Aufgaben verdient.

Inzwischen glaubte Valera weiterhin, alles richtig zu machen. Er zahlte den Kredit für den Kühlschrank und die Hälfte der Hypothek. Finanzielle Schwierigkeiten teilte er bereitwillig mit Mascha, aber den häuslichen Aufwand — das interessierte ihn nicht. Es war ihm egal, wo seine Frau das Geld für die Hälfte der monatlichen Zahlung hernehmen würde. Seine Hälfte zahlte er zuverlässig.

Nach der Arbeit eilte Mascha zum Kindergarten, holte die Jungs ab, ging einkaufen, kochte, wusch Wäsche, putzte. Valera lag währenddessen auf dem Sofa und entspannte sich nach der Arbeit.

— Du bist doch Mutter, — pflegte er zu wiederholen. — Dann kümmer dich um die Kinder. Das ist deine Aufgabe.

Eines Tages, als Mascha von der Arbeit nach Hause kam, spürte sie sofort, dass etwas nicht stimmte. Es war still in der Wohnung. Sie trug zwei Einkaufstaschen, und kurz darauf folgten die Söhne.

Als Maria das Zimmer betrat, sah sie Valera am Tisch sitzen — mit ihrem Laptop. Sein Gesicht war wütend, die Augen blutunterlaufen.

— Na, kleine Reisende? — knirschte er zwischen den Zähnen. — Tickets gekauft? Ans Meer fahren? Drei Tickets, richtig? — Er schlug heftig den Laptopdeckel zu. — Und ich zahle hier Kredite, stemme alles allein, und du gibst dein Geld nur für Vergnügen aus?!

Mascha stellte die Taschen auf den Boden und sagte leise:

— Das sind keine Vergnügungen. Das ist Urlaub für die Kinder… und für mich. Ich möchte, dass sie das Meer sehen.

— Ohne mich?! — raste Valera auf. — Und was ist mit dem Vater? Hast du mich vergessen?

Im Flur sahen sich die Jungs an und drückten sich aneinander. Mascha sah ihrem Mann entschlossen in die Augen und wusste: Ihre Entscheidung war völlig richtig. Valera sprang auf, riss fast den Stuhl um. Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut.

— Pack deine Sachen und verschwinde auf der Stelle! — schrie er so laut, dass die Jungs sich die Ohren zuhielten.

Mascha blieb unbeirrt. Sie hob die Einkaufstaschen auf und brachte sie ruhig in die Küche. Dann drehte sie sich um und sagte kalt:

— Das hier ist auch meine Wohnung. Ich gehe nirgendwohin.

Valera tobte durch das Zimmer wie ein gehetztes Tier. Mal griff er sich an den Kopf, dann schlug er mit der Faust gegen die Wand. Doch Mascha fühlte sich stark. Sie holte ihr Telefon, tippte ein paar Mal auf den Bildschirm und sagte ruhig:

— Fertig. Scheidungsantrag ist gestellt.

Valera war wie versteinert.

— Bist du völlig verrückt geworden?! — schrie er. — Wegen eines Kühlschranks die Familie zerstören?!

Mascha sah ihm direkt in die Augen:

— Es geht nicht um den Kühlschrank, Valera. Es geht um deine Einstellung zur Familie. Du lebst allein. Und wir mit den Kindern separat. Weißt du überhaupt, womit sich deine Söhne beschäftigen? Wie heißen ihre Erzieher im Kindergarten? Obwohl… was rede ich. Weißt du überhaupt, wie ihr Kindergarten heißt?

Wie ein Gewitter zog über ihr Haus hinweg. In diesem Jahr musste die Reise ans Meer abgesagt werden — an Urlaub war nicht zu denken. Drei Monate später wurden sie offiziell geschieden. Die Wohnung wurde verkauft, das Geld geteilt — Valera zählte jeden Cent und wich keinen Schritt zurück.

Maria verkaufte alles, was sie konnte, legte ihre Ersparnisse dazu und kaufte am Stadtrand eine Zweizimmerwohnung. Sie musste noch ein wenig den Kredit abbezahlen, aber das war ein Klacks im Vergleich zur Hypothek, die sie zusammen mit ihrem Mann getragen hatte.

Valera kehrte zu seiner Mutter zurück. Und der neue Kühlschrank kam wie gerufen. Anna Iwanowna empfing ihren Sohn mit offenen Armen: Nun war er wieder bei ihr. Sie fütterte ihn mit Borschtsch, Kohlrouladen und Frikadellen mit Püree. Valera lebte sein bestes Leben. Arbeit — Zuhause, Zuhause — Arbeit. Keine Familie, keine Kinder in der Nähe und schon gar keine Probleme.

Und Maria… Maria war an Schwierigkeiten gewöhnt. Sie tat alles wie früher: Arbeit, Kindergarten, Kochen, Putzen. Nur musste sie jetzt für drei statt für vier kochen. Und das Wichtigste — zu Hause gab es keine fremden Vorwürfe oder verletzenden Worte mehr ihr gegenüber.

Abends, wenn die Jungs eingeschlafen waren, setzte sie sich ans Fenster mit einem Buch und genoss den Moment. Ihr Leben gehörte wieder ihr.

Ein Jahr verging. Der Sommer kam wieder in die Stadt — heiß, laut, staubig. Aber dieses Mal war er anders für Mascha und ihre Söhne.

Als die traditionelle Urlaubssaison begann, packte Maria die Koffer, nahm die Kinder bei der Hand und fuhr zum ersten Mal in ihrem Leben mit ihnen ans Meer. Diesmal ohne Überredung, ohne Streit und Skandale, ohne erklären zu müssen, warum es so wichtig für alle war.

Die Reise war einfach: Zug, Waggons mit Metallgeruch und Tee im Stakan, Jungs, die vor Aufregung nicht schlafen konnten und alle fünf Minuten fragten:

— Mama, ist das Meer schon bald da?

Und da war es — der Morgen, die Sonne, die salzige Luft und die endlose blaue Weite. Die Söhne freuten sich, zogen die Sandalen aus und rannten kreischend ins Wasser.

Mascha stand am Ufer, atmete die Meeresbrise ein. Sie schloss die Augen, und ihr Herz zog sich vor Glück zusammen. Ja, der Weg war hart. Ja, noch viele Prüfungen lagen vor ihr. Aber jetzt… jetzt hatte sie, wofür es sich gelohnt hatte, alles durchzustehen: Freiheit und zwei glückliche Söhne, die kreischend vor Freude in den Wellen spielten.

Abends saßen sie auf dem Balkon des gemieteten Zimmers, aßen Wassermelone und lachten. Die Jungs stritten darüber, wer schneller schwimmen lernt, und Mascha hörte ihnen zu und dachte: „Ich habe es geschafft. Ich habe es wirklich geschafft.“

Das Meer, von dem sie so viele Jahre geträumt hatte, war der Anfang eines neuen Lebens geworden. Eines Lebens, in dem sie selbst entscheidet, wohin sie geht, und weiß, dass ihr niemand dieses Recht je wieder nehmen kann.

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