— Was soll das heißen, kauf Essen für deine Verwandten? — fragte die Frau ihren Mann kalt und blickte in den leeren Kühlschrank.

— Was soll das heißen, kauf Essen für deine Verwandten? — fragte die Frau ihren Mann kalt und blickte in den leeren Kühlschrank.

— Sachen hinter der Tür, Schlüssel auf dem Tisch, und ich will hier keinen Hauch von dir sehen! — Evelinas Stimme zitterte vor Wut, als sie eine weitere Tasche mit den Sachen der ungebetenen Gäste in den Flur warf.

— Eva, bist du völlig verrückt geworden? Das sind doch meine Verwandten! — Ignat versuchte, ihr den Weg zu versperren, doch seine Frau stieß ihn mit der Schulter beiseite.

— Genau! DEINE Verwandten! Und wer bin ich hier? Kostenloses Dienstpersonal?

— Evelina, komm zur Besinnung! Was sollen die Nachbarn denken?

— Mir doch egal, was die Nachbarn denken! Man hätte früher daran denken sollen, als du ihnen erlaubt hast, hier Chaos zu verbreiten!

Ignat sah verwirrt zu, wie seine Frau systematisch die Sachen seiner Verwandten in Taschen und Beutel packte. Draußen hinter der Tür waren empörte Stimmen von Tamara und Petr zu hören.

— Eva, vielleicht setzen wir uns und reden ruhig?

— Reden? Über was? Darüber, wie ich drei Wochen lang unter deiner fürsorglichen Leitung gedemütigt wurde?

Drei Wochen vor diesem Skandal herrschte in der Wohnung der Kozhemyakins wie üblich Ruhe am Abend. Evelina bereitete das Abendessen vor, schnitt Gemüse für den Salat und dachte über die Pläne fürs Wochenende nach. Ignat kam mit schuldbewusstem Blick in die Küche — sofort wusste sie, dass etwas Unangenehmes passiert war.

— Evka, also… Tante Tamara hat angerufen. Ihre Renovierung zieht sich hin, sie haben überhaupt keine Unterkunft. Ich habe gesagt, sie könnten ein oder zwei Wochen bei uns bleiben.

Evelina erstarrte mit dem Messer in der Hand und wandte sich langsam ihrem Mann zu:

— Was hast du gesagt? Ohne mich entschieden?

— Ach komm, es ist doch Familie! Tante Tamara, Onkel Petr und Marinka. Sie sind ruhig, du wirst sie kaum bemerken.

— Ignat, darf ich daran erinnern — wir haben eine Zwei-Zimmer-Wohnung! Wo willst du drei erwachsene Leute unterbringen?

— Na ja, Marinka schläft auf dem Klappbett im Wohnzimmer, und Tante und Onkel… — er zögerte und vermied den Blick seiner Frau — vielleicht geben wir ihnen unser Schlafzimmer? Wir jungen Leute übernachten auf dem Sofa.

Evelina legte das Messer ab und wischte sich langsam die Hände mit dem Handtuch:

— Du schlägst ernsthaft vor, dass ich auf dem Sofa in meiner eigenen Wohnung schlafe? Vielleicht noch in der Küche?

— Eva, warum sofort so ablehnend! Maximal zwei Wochen! Die Leute sind in Not, und wir sollen sie etwa abweisen?

— Hätte man mich nicht vorher fragen können?

— Was soll man da fragen? Natürlich hättest du zugestimmt! Du bist doch gutherzig.

— Also, die Entscheidung ist getroffen. Wunderbar.

— Genau! Morgen kommen sie.

Am nächsten Tag, kaum dass Evelina von der Arbeit zurückkam, klingelte es an der Tür. Sie öffnete und sah das Trio mit riesigen Koffern und Taschen, als kämen sie für einen Monat, nicht nur für zwei Wochen.

— Evочка! — strahlte Tamara Kozhemyakina, eine kräftige Frau um die fünfzig mit knallrot geschminkten Lippen und goldenen Zähnen, die bei jedem Wort blitzten. — Oh, wie dünn du geworden bist! Ignatik füttert dich wohl schlecht, was?

— Guten Tag, Tante Tamara, — versuchte Evelina, Herzlichkeit zu zeigen. — Willkommen.

— Sag mal, wo ist die Toilette? — fragte Petr ohne Umschweife, ein Mann mit rotem Gesicht und deutlichem Alkoholgeruch, selbst zu dieser frühen Stunde.

— Papa, nicht dumm stellen! — fauchte Marinka, eine etwa fünfundzwanzigjährige junge Frau in auffälligen Leoparden-Leggings und provokantem Make-up. — Es ist doch offensichtlich, dass die Tür im Flur ist. Und wo ist unser Zimmer, Tante Eva? Unser Schlafzimmer wird doch das Hauptschlafzimmer sein, oder?

— Eigentlich hatten wir gedacht… — begann Evelina, doch Tamara war bereits in die Wohnung gegangen und begutachtete die Räumlichkeiten.

— Ignatik, mein Sohn! — schrie sie quer durch die Wohnung. — Komm raus, begrüße die Verwandten!

Ignat stürmte aus dem Wohnzimmer, strahlte vor Freude:

— Tante Toma! Onkel Petja! Marinka! Wie war die Fahrt?

— In Ordnung, nur furchtbar müde, — antwortete Marinka. — Wo kann man sich hinlegen?

— Oh, wie reizend! — Tamara musterte bereits das Schlafzimmer. — Die Tapeten sind etwas düster, aber für zwei Wochen geht es. Petruša, bring die Koffer rein!

— Tante Tamara, vielleicht sollten wir zuerst besprechen, wer wo schlafen wird? — schlug Evelina zaghaft vor.

— Und was gibt es da zu besprechen? Wir sind erwachsene Menschen, wir brauchen ein normales Bett. Ich habe Ischias, ich liege nicht auf dem Sofa. Oder, Ignatik?

— Natürlich, Tante Toma! Eva, wir kümmern uns im Wohnzimmer. Nicht wahr, Liebes?

Evelina nickte schweigend, wissend, dass Protest nutzlos war.

Die erste Woche verwandelte sich in einen wahren Albtraum. Tamara etablierte sich als Hausherrin, durchwühlte alle Küchenschränke, ordnete das Geschirr nach ihrem Belieben um und verzehrte vollständig die strategischen Vorräte an Konserven und Getreide.

— Evочка, Liebling, was hast du denn für armselige Lebensmittel? — empörte sie sich um sieben Uhr morgens, klapperte mit Töpfen und Schüsseln. — Nur Buchweizen und Reis! Wo ist Gerste? Wo sind die Erbsen? Wo ist die richtige Konserve?

— Tante Tamara, wir kaufen, was wir essen… Und vielleicht etwas leiser? Heute ist Samstag…

— Und was ist daran? Normale Leute stehen früh auf, nicht erst mittags! Petruša, steh auf, es ist Zeit zum Frühstücken!

Pjotr tauchte aus dem Schlafzimmer auf, nur in Familienunterhosen, mit bloßem, behaartem Bauch, kratzte sich und gähnte:

— Warum schreit ihr schon am Morgen? Mein Kopf platzt, lasst mich schlafen.

— Onkel Pjotr, könnten Sie sich vielleicht anziehen? — bat Evelina und wandte den Blick von dem wenig appetitlichen Anblick ab.

— Und warum das? Ich gehe hier im Haus, wie ich will! Mir ist heiß!

— Aber das ist nicht Ihr Haus!

— Eva, was für ein Ton! — mischte sich sofort der erschienene Ignat ein. — Entschuldige, Onkel Pjotr, sie hat einfach nicht auf dem Sofa geschlafen.

— Ach, sie wird sich schon gewöhnen, — winkte Pjotr großzügig ab. — Und zu essen gibt es was?

Gegen Ende der ersten Woche stellte Evelina fest, dass sie nicht in ihrer eigenen Wohnung lebte, sondern in einer Art Studentenwohnheim. Marinka hatte das Badezimmer okkupiert und ihre Wäsche aufgehängt, Pjotr rauchte trotz Protesten auf dem Balkon, und Tamara hatte die Möbel im Wohnzimmer nach ihrem Geschmack umgestellt.

— Tante Tamara, könnten Sie vielleicht die Möbel so lassen? — bat Evelina vorsichtig.

— Ach, mein Schatz! Vorher war es doch unbequem! Jetzt sieht man den Fernseher besser, und das Sofa steht richtig.

— Aber mir war es vorher bequem…

— Du gewöhnst dich! Junge Menschen gewöhnen sich schnell. Uns älteren fällt die Anpassung schwerer.

Am achten Tag kam Evelina von der Arbeit zurück und stellte fest, dass ihre gesamte Kosmetik aus dem Badezimmer verschwunden war.

— Marinka, hast du meine Kosmetik gesehen?

— Ah, das! — winkte das Mädchen sorglos ab. — Ich habe deine Wimperntusche ausprobiert, klasse! Und die Creme ist auch gut, schade, dass sie fast leer ist.

— Fast leer? Sie war fast voll!

— Na ja, ich habe sie meinen Freundinnen zum Ausprobieren gegeben. Sei nicht geizig, Tante Eva, Schönheit verlangt Opfer!

— Das war teure Kosmetik!

— Dann ist es gut, dass ich sie gewürdigt habe, — lachte Marinka. — Kauf doch neue, wenn sie so gut ist.

Am zehnten Tag brachte Marinka ihre Freundin Swetlana mit — eine gefärbte Blondine in Minirock und mit einer Tonne Schminke im Gesicht. Sie machten es sich im Wohnzimmer bequem und hörten bis drei Uhr nachts Musik, lachten und unterhielten sich.

— Marinka, Mädchen, bitte etwas leiser, — bat Evelina, als sie in Bademantel zu ihnen trat. — Morgen muss ich früh zur Arbeit.

— Tante Eva, sei keine Spielverderberin! — kicherte Swetlana und musterte die Wohnungsinhaberin prüfend. — Wir sind jung, wir müssen Spaß haben! Man lebt nur einmal!

— Sie ist einfach neidisch, weil wir schön und jung sind, und sie schon… — flüsterte Marinka laut und deutete mit dem Finger an ihre Schläfe.

— Ich bin erst zweiunddreißig!

— Na siehste, ich sag’s ja — schon „schon…“! — lachte Marinka. — Mit dreißig ist die Frau erledigt. Swetka, lass uns besser zu Borjka, dem Nachbarn, gehen. Unten wohnt er, da ist es lustiger und die Alte nervt nicht.

— Ist er hübsch? — fragte Swetlana neugierig.

— Ganz okay, geschieden. Und das Wichtigste — keine nervigen Verwandten!

Sie gingen, knallten die Tür zu, und kehrten um drei Uhr morgens zurück, weckten das ganze Haus mit betrunkenem Gesang und dem Klappern von Absätzen.

— Ignat, so kann es nicht weitergehen! — erwischte Evelina ihren Mann morgens im Flur, als er zur Arbeit gehen wollte. — Sie haben unsere Wohnung in einen Durchgangshof verwandelt!

— Halt noch ein bisschen durch. Was soll ich ihnen sagen? Raus? Das wäre unhöflich gegenüber den Verwandten!

— Und das, was hier passiert — ist das höflich? Gestern hat deine Tante den Kuchen gegessen, den ich für einen Kollegen zum Geburtstag gekauft habe! Um acht Uhr abends musste ich noch in die Konditorei laufen!

— Na und? Wir haben doch einen neuen gekauft. Wo liegt das Problem?

— Das Problem ist, dass du sie ständig verteidigst! Und ich bin hier überhaupt niemand! Fremd im eigenen Haus!

— Eva, warum regst du dich so auf? Sie sind doch Verwandte! Gestern hat Mama angerufen und gefragt, wie sich Tante Tamara eingerichtet hat. Was soll ich ihr sagen — wir haben sie rausgeschmissen?…

In diesem Moment ertönte aus der Küche ein ohrenbetäubender Krach und Geschrei. Sie stürmten hinein und sahen Pjotr, der einen großen Topf mit Borschtsch fallen gelassen hatte. Die rote Flüssigkeit breitete sich über den Boden aus, und Scherben von Tellern lagen überall verstreut.

— Ups, — lallte er, sich am Türrahmen festhaltend. — Evka, räum hier schnell auf. Ich komme zu spät zur Arbeit.

— Räumt euren eigenen Dreck selbst weg!

— Wie, so mit Älteren zu sprechen? — empörte sich Tamara in ihrem fettigen Bademantel. — Ignat, deine Frau kennt offenbar keine Grenzen!

— Eva, entschuldige dich bei deinem Onkel, — sagte Ignat leise, aber streng.

— Was?! Wofür soll ich mich entschuldigen?

— Für deine Unhöflichkeit. Mach die Situation nicht komplizierter.

Evelina nahm schweigend den Wischmopp und begann, das Chaos der anderen aufzuräumen, innerlich kochend vor Wut.

Zwei Tage später kam Klawdia, Ignats Mutter. Evelina hoffte auf die Unterstützung ihrer Schwiegermutter — die Frau war immer für Vernunft und Gerechtigkeit bekannt. Doch kaum war sie über die Schwelle, stellte sich Klawdia sofort auf die Seite der Verwandten.

— Evelina, was erlaubst du dir? — begann sie. — Tamara hat mir völlig aufgelöst angerufen! Sie erzählte, dass du sie aus dem Haus jagst!

— Klawdia Petrowna, sie sind doch schon zweieinhalb Wochen hier, — versuchte Evelina zu erklären, half der Schwiegermutter beim Ausziehen. — Ursprünglich war doch nur von ein paar Tagen die Rede…

— Und was soll’s? Es sind doch Verwandte! — unterbrach sie kritisch die Erklärung, während sie den Flur musterte. — Als du Ignat geheiratet hast, wusstest du doch, dass er eine große Familie hat! Und jetzt schiebst du die Verwandten von dir weg?

— Ich jage niemanden fort! — entgegnete Evelina und führte die Schwiegermutter in die Küche. — Ich möchte einfach in meiner eigenen Wohnung in Ruhe leben und mich nach der Arbeit erholen können…

— Ruhe bedeutet, dass die Familie an erster Stelle steht! — unterbrach Klawdia scharf. — Nicht irgendwelche persönlichen Launen! Ignat, mein Sohn, komm her!

Ignat trat aus dem Zimmer, offenbar ahnend, dass ein unangenehmes Gespräch folgen würde.

— Hör mir genau zu, — fuhr die Mutter fort und richtete einen strengen Blick auf ihn. — Vielleicht solltest du deine Frau wechseln? Zu einer gefügigeren, familiären Frau?

— Mama, warum sagst du so etwas… — begann Ignat, doch sie unterbrach ihn.

— Und was ist daran falsch? Sieh dir an, wie wunderbar Marinka kocht! Sie führt das Haus, und ihr Charakter ist einfach goldwert, gefügig!

In diesem Moment tauchte Marinka selbst aus dem Schlafzimmer auf, in Evelinas Seidenbademantel — einem teuren Geschenk des Mannes zum letzten Geburtstag.

— Oh, Oma Klawa! — rief das Mädchen freudig aus und küsste die ältere Frau auf beide Wangen. — Ich freue mich so, Sie zu sehen! Ich stelle gleich frischen Tee hin. Tante Eva, haben Sie zufällig noch Kekse? Ach ja, stimmt, die habe ich gestern beim Seriengucken aufgegessen.

Evelina beobachtete diese Szene schweigend, wohl wissend, dass von niemandem Unterstützung zu erwarten war.

— Siehst du? — sagte Klawdia siegesbewusst. — DAS nenne ich eine echte Frau! Gastfreundlich, fürsorglich!

— Ach was, Oma Klawa! — lachte Marinka verlegen und begann, den Teekessel zu bedienen. — Ich bin doch nicht die Hausherrin hier, ich versuche nur, Tante Eva zu helfen. Obwohl, natürlich, wenn es MEIN Haus wäre, würde ich vieles ändern. Zum Beispiel diese Vorhänge — viel zu düster. Und die Wandfarbe…

— Das ist mein Haus, — sagte Evelina leise, aber deutlich.

— Noch ist es deins, — bemerkte Klawdia vielsagend.

Am zwanzigsten Tag der Anwesenheit der „Gäste“ kam Evelina früher von der Arbeit zurück — wegen eines Wasserrohrschadens wurde sie freigestellt. Bereits im Treppenhaus, auf der zweiten Etage, hörte sie laute Musik und Gelächter aus ihrer Wohnung.

Beim Öffnen der Tür erstarrte die Frau vor Schreck. Im Wohnzimmer herrschte das totale Chaos: Überall lagen leere Flaschen von Wein und Bier, auf ihrem geliebten persischen Teppich, den sie aus der Hochzeitsreise nach Iran mitgebracht hatte, prangte ein riesiger dunkler Fleck. Der Couchtisch war übersät mit Zigarettenstummeln und Essensresten.

Als sie das Schlafzimmer betrat, entdeckte Evelina einen unbekannten jungen Mann, der auf ihrem Bett in schmutzigen Stiefeln lümmelte und ihr persönliches Tagebuch durchblätterte.

— Entschuldigen Sie, wer sind Sie? — fragte sie fassungslos.

— Ich bin Wadik, ein Kumpel von Marinka, — brummte der Fremde, ohne vom Lesen aufzusehen. — Und warum bist du so angespannt?

— Ich bin die Besitzerin dieser Wohnung! Und ich verlange, dass Sie sofort mein Haus verlassen!

— Beruhig dich, Tussi! — schnaubte Wadik und schenkte ihr endlich einen Blick. — Marinka hat erlaubt, dass ich hier sitze. Sie ist doch die Hausherrin, oder?

— NEIN! Ich bin die Hausherrin! Und ihr räumt sofort hier raus!

— RAUS AUS MEINEM HAUS! — schrie Evelina aus Leibeskräften.

Auf den Schrei hin stürmte Tamara zusammen mit Pjotr und Marinka herbei.

— Was ist das für eine Hysterie? — empörte sich die Tante des Mannes. — Evelina, hast du den letzten Funken Anstand verloren? Das ist doch ein Gast unserer lieben Marinka!

— Mir egal! Ich will, dass alle die Wohnung verlassen!

— Tante Eva, Sie reagieren zu heftig, — mischte sich Marinka ein, in einem belehrenden Tonfall. — Wadik ist nur gekommen, um die Eltern kennenzulernen. Wir sind seit sechs Monaten zusammen.

— In meinem Schlafzimmer? Auf meinem Bett?

— Ignat! — schrie Tamara. — Komm sofort her! Deine verrückte Frau veranstaltet wieder ein Spektakel!

Ignat trat gemächlich aus der Küche, kaute auf einem Sandwich mit rotem Kaviar — genau dem, den Evelina für ein romantisches Abendessen mit ihrem Mann aufgehoben hatte.

— Eva, was ist los? — fragte er träge.

— Was ist los?! WAS IST LOS?! — ihre Stimme schlug in Kreischen um. — Ein betrunkener Fremder liegt in unserem Schlafzimmer, die Wohnung ist ein Müllhaufen, und mein Mann fragt, was los ist!

— Wadik ist ein guter Kerl, — verteidigte Marinka ihren Freund. — Er war nur aufgeregt beim Kennenlernen, hat ein bisschen getrunken, um Mut zu fassen. Jetzt ruht er sich aus.

— IN MEINEM BETT! Mit dreckigen Stiefeln! Und liest MEIN persönliches Tagebuch!

— Na und! — schnaubte das Mädchen verächtlich. — Bettwäsche kann man waschen. Und das Tagebuch… wer führt heutzutage noch Tagebücher? So kindisch!

Evelina spürte, wie in ihr etwas Zerbrechliches platzte, etwas, das sie in den letzten drei Wochen im Rahmen der Höflichkeit gehalten hatte.

— GENUG! Schluss! Der ganze Spuk ist vorbei! — Evelina öffnete sämtliche Fenster in der Wohnung weit. — Lüften! ALLE RAUS! SOFORT!

Entschlossen ging sie ins Gästezimmer und begann, die Sachen der ungebetenen Gäste in eine große Reisetasche zu werfen.

— Was tust du, du Verrückte? — schrie Pjotr und versuchte, sein Hemd aus ihren Händen zu reißen.

— Ich tue, was vor drei Wochen hätte getan werden sollen! RAUS MIT EUCH! Jeder Einzelne!

— Evelina! — rief Klawdia drohend, als sie in der Tür erschien. — Hör sofort auf mit diesem Chaos!

— Klawdia Petrowna, mit großem Respekt vor Ihnen, aber auch SIE können RAUS! — antwortete Evelina unaufhaltsam und stopfte Marinkas Kosmetik in die Tasche.

— Ignat! — kreischte Tamara. — Beruhige deine durchgeknallte Frau!

— Eva, hör auf! Das sind doch meine Verwandten! — versuchte ihr Mann einzuschreiten.

— Wunderbar! — drehte sich Evelina zu ihm um, die Tasche von Tamaras Habseligkeiten in den Händen. — Nimm deine kostbaren Verwandten und geh ihnen NACH!

— Willst du etwa, dass ich mein eigenes Haus verlasse?

— Ich schlage eine Entscheidung vor! — stellte Evelina eine weitere Tasche in den Flur. — Entweder du bist MANN und Herr dieses Hauses, oder ein gehorsamer Wicht, der zulässt, dass seine Familie zu einem Durchgangshof wird! Du hast genau sieben Tage, um nachzudenken!

— Tante Eva, Sie können uns doch nicht rauswerfen! — empörte sich Marinka. — Wir haben Tickets erst nächste Woche!

— ÄNDERT SIE! — schnitt Evelina ab und stellte den letzten Koffer vor die Tür. — Oder nehmt den Bus. Oder lauft zu Fuß. Mir egal!

Entschlossen schloss sie die Tür und drehte den Schlüssel zweimal um.

— Evelina! Öffne sofort! — trommelte Ignat an die Tür. — Du hast kein Recht!

— Habe ich! Das ist MEINE Wohnung, ich habe sie vor der Hochzeit gekauft! — schrie sie durch die Tür. — Sieben Tage, Ignat! Genau eine Woche, um deine Prioritäten zu ordnen!

— Verrückte! — tobte Tamara hinter der Tür. — Wir sind noch nicht fertig mit dir!

— Oh doch, sind wir! Und damit ihr keinen Fuß mehr hier hineinsetzt! — antwortete Evelina und drehte demonstrativ die Musik lauter.

Die folgenden drei Tage waren die ruhigsten des letzten Monats. Evelina räumte in aller Ruhe die Wohnung auf, genoss die Stille, konnte essen, worauf sie Lust hatte, ihre Lieblingsfilme sehen und musste keine ständigen Kommentare über ihre „Unweiblichkeit“ und „Egoismus“ ertragen.

Am vierten Tag klingelte Nachbar Boris.

— Evelina, ist bei Ihnen alles in Ordnung? — fragte er besorgt. — Die Kozhemyakins streiten schon seit zwei Stunden vor meiner Tür. Klawdia Petrowna erzählt allen Nachbarn im Treppenhaus, was für eine undankbare Schwiegertochter Sie sind.

— Lassen Sie sie erzählen, wo sie will, Boris, — antwortete Evelina ruhig, während sie Tee mit ihrem Lieblingszitronenkeks trank. — Nur nicht in meinem Haus.

— Und Ignat? Ist er bei ihnen?

— Ich nehme an, ja. Er hat seine Wahl getroffen.

— Na ja… — seufzte der Nachbar. — Ich hätte nie gedacht, dass es bei euch so schlimm läuft.

— Es ist nicht schlimm, Boris. Es ist einfach vorbei.

Eine Woche später, genau an diesem Tag, erhielt Evelina eine Nachricht von Ignat: „Eva, du hattest recht. Sie sind wirklich unerträglich. Tamara hat sich schon mit Mama gestritten, Marinka hat Mamas Lieblingsvase zerbrochen und die Nachbarin beschimpft. Kann ich nach Hause kommen?“

„Nein“, — antwortete sie kurz.

„Aber ich bin doch dein Mann! Wir sind eine Familie!“

„Waren wir. Die Scheidungsunterlagen liegen bereits beim Anwalt. Morgen reiche ich den Antrag ein.“

„Eva, tu nichts Dummes! Wir können alles besprechen, einen Kompromiss finden!“

„Vor drei Wochen hätte man das tun können. Jetzt ist es zu spät.“

„Du wirst nie einen Ehemann wie mich finden!“

„Welche wunderbare Nachricht. Genau so einen Wicht werde ich auch nicht finden.“

Eineinhalb Monate später kam Boris auf einen Kaffee vorbei und berichtete die neuesten Nachrichten.

— Weißt du, was mit deinen ehemaligen Verwandten passiert ist? — schmunzelte er, ließ sich im Sessel nieder. — Tamara und ihre Familie haben Ignat verklagt. Anscheinend hatte er sie alle vorübergehend bei seiner Mutter angemeldet, um „Fürsorge für die Familie“ zu demonstrieren. Jetzt kann er sie nicht mehr abmelden — sie verlangen gleichwertigen Wohnraum.

— Ernsthaft? — staunte Evelina.

— Noch wie! Klawdia Petrowna veranstaltet jetzt täglich Skandale und verlangt, dass sie ausziehen. Aber die denken gar nicht daran. Marinka hat schon ihren Freund mitgebracht, sie wohnen alle zusammen in der Zwei-Zimmer-Wohnung.

— Karma is a bitch, — schmunzelte Evelina und trank ihren Kaffee in ihrer ruhigen, sauberen Wohnung.

— Was? — verstand Boris nicht.

— Nichts. Manchmal existiert Gerechtigkeit einfach.

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