— Sind deine Freunde schon angekommen? Großartig! Hoffentlich gefällt es ihnen, in diesem scheußlichen Hotel zu übernachten, denn in UNSEREM Haus gibt es für sie keinen Platz mehr! Und das wird auch so bleiben!

— Sind deine Freunde schon angekommen? Großartig! Hoffentlich gefällt es ihnen, in diesem scheußlichen Hotel zu übernachten, denn in UNSEREM Haus gibt es für sie keinen Platz mehr! Und das wird auch so bleiben!

— Irka, bring das Fleisch! Die Jungs warten schon, ihnen läuft das Wasser im Mund zusammen!

Glebs laute, selbstgefällige Stimme drang von der Veranda herein, übertönte das Knistern der Kohlen im Grill und das ausgelassene Lachen seiner Freunde. Ira, ohne eine Miene zu verziehen, griff mit der Zange das letzte Stück eingelegtes Schweinefleisch und legte es auf eine große Keramikplatte, die bereits mit goldbraunen Zwiebelringen gefüllt war.

Sie arbeitete schweigend, mit der mechanischen Präzision eines Fließbandroboters. Seit sechs Jahren war das an den Wochenenden ihre Hauptaufgabe: den reibungslosen Betrieb des „Hotels Gleb“ sicherzustellen, wo ihr Mann der gastfreundliche Hausherr und Direktor war – und sie die einzige, stets verfügbare Mitarbeiterin.

Sie trat hinaus auf die Veranda. Stas, der Lauteste unter Glebs Kumpeln, schenkte gerade Bier in Gläser, wobei er großzügig Schaum auf den frisch geschrubbten Holzboden verteilte, den Ira noch vor ein paar Stunden geputzt hatte.

Ljóscha, sein ruhigerer, aber nicht weniger rücksichtsloser Freund, hatte sich in ihrem Lieblingssessel aus Korbgeflecht breitgemacht und die staubigen Turnschuhe auf den niedrigen Couchtisch gelegt. Auf der Tischplatte zeichnete sich bereits ein feuchter Ring von seiner Flasche ab. Keiner von ihnen drehte den Kopf, bis sie die Fleischplatte in die Mitte des Tisches stellte.

— Da ist sie, meine goldene Hausherrin! — donnerte Gleb und klopfte ihr liebevoll auf den Rücken. — Sie schafft einfach alles! Jungs, greift zu! So einen Schaschlik bekommt ihr sonst nirgends, Irka ist eine Zauberin!

Sie rang sich ein mattes Lächeln ab und ging zurück ins Haus. In der Küche wartete ein Berg schmutzigen Geschirrs vom Marinieren und von den Salaten. Sie drehte den Wasserhahn auf und begann zu spülen, während von draußen Gelächter, Trinksprüche auf die Freundschaft und laute Fußballdebatten herüberdrangen. Niemand bot Hilfe an.

Niemand bot jemals Hilfe an. Es war Teil eines unausgesprochenen Abkommens: Gleb stellte seinen Freunden seine Gesellschaft und Iras Arbeit zur Verfügung, und sie sollte sich still darüber freuen, dass ihr Mann so großzügig und gastfreundlich war.

Der Abend ging in die Nacht über. Die Gruppe verlagerte sich ins Wohnzimmer, wo Ljóscha auf dem Laptop einen Actionfilm auf volle Lautstärke stellte. Stas, inzwischen deutlich angeheitert, fand in der Bar eine Flasche teuren Cognacs, den Ira bei der Arbeit geschenkt bekommen hatte. Ohne zu fragen, entkorkte er sie und schenkte sich und Gleb großzügig ein.

Als Ira hereinkam, um die leeren Bierflaschen einzusammeln, blieb sie auf der Schwelle stehen, als sie das vertraute Etikett in seiner Hand sah. Sie wollte etwas sagen, fing jedoch den glückseligen, vernebelten Blick ihres Mannes auf und schwieg. Es war sein Haus. Seine Freunde. Sein Fest.

Der Sonntagmorgen empfing sie mit einem Trümmerfeld: klebriger Boden, ein Berg Zigarettenstummel im Blumentopf, Sofakissen auf dem Boden, und das Spülbecken, bis oben hin gefüllt mit fettigen Tellern und Gläsern – stumme Zeugen des gestrigen Gelages. Die Freunde, mit Mühe die Augen aufbekommend, tranken je ein Glas Wasser direkt aus dem Hahn, ohne sich um sauberes Geschirr zu kümmern, und begannen sich zu verabschieden.

— Na dann, macht’s gut! — rief Stas zum Abschied und winkte lässig. — Gleb, du bist der Beste! Ira, danke für alles!

Sie fuhren davon und hinterließen den Geruch von Alkohol, schmutzige Spuren und ein Gefühl völliger Leere. Ira stand mitten im Wohnzimmer, einen Müllsack in der Hand, und wusste nicht, womit sie anfangen sollte. In diesem Moment kam Gleb aus dem Schlafzimmer. Er streckte sich genüsslich, blinzelte katzenhaft ins Sonnenlicht und ließ den Blick mit seliger Miene über das Chaos schweifen.

— Was für ein Wochenende! — sagte er begeistert. — Die Jungs sind total begeistert, sie sagen, wir haben die beste Datscha der Welt. Und das alles dank dir, natürlich.

Er kam auf sie zu und wollte sie umarmen, doch blieb stehen. Ira rührte sich nicht. Sie sah ihn nicht an, sondern durch ihn hindurch – auf den Berg schmutziger Teller in der Spüle. Ihr Gesicht war vollkommen ruhig. Keine Wut, keine Kränkung. In ihren Augen lag ein klarer, eiskalter Glanz. Genau in diesem Augenblick war in ihr etwas endgültig und unwiderruflich zerbrochen.

Oder besser gesagt: Es war neu geschmiedet worden – hart, scharf und erbarmungslos. Der Plan entstand sofort. Einfach, elegant und grausam. Sie drehte langsam den Kopf zu ihm und lächelte. Zum ersten Mal an diesem Wochenende – aufrichtig.

— Ja, Liebling, — sagte sie ruhig, fast heiter. — Es war wirklich ein wunderbarer Abend. Das sollten wir unbedingt wiederholen …

Die folgenden Wochen verliefen in einer seltsam ungewohnten Stille. Gleb, völlig überzeugt von der Unerschütterlichkeit seiner kleinen Welt, genoss die neu gewonnene Ruhe. Er lobte Ira sogar ein paar Mal dafür, dass sie „ruhiger geworden“ sei, ohne zu begreifen, dass er die Ruhe vor dem Sturm für schönes Wetter hielt.

Er sah ihr Lächeln, bemerkte jedoch nicht, dass es ihre Augen nicht mehr erreichte. Er hörte ihren sanften Ton, vernahm aber nicht die eisigen Untertöne darin. Ira wartete einfach. Sie hatte die Datscha nach der letzten Invasion blitzblank geputzt, sie in einen sterilen, gesichtslosen Raum verwandelt – und trug nun ihren Plan in sich, wie man ein lang ersehntes, aber sehr gefährliches Erstgeborenes austrägt.

Die Umsetzung begann am Dienstag. Ira nahm sich frei und fuhr in die Stadt. Sie ging nicht in Mode- oder Kosmetikläden. Ihr Ziel war ein großes Möbelzentrum am Stadtrand. Lange schlenderte sie zwischen den Gängen, ignorierte weiche Sofas und gemütliche Sessel.

Ihre Wahl fiel auf einen schweren Schreibtisch aus dunklem Holz, solide und sachlich. Dazu wählte sie einen strengen Bürostuhl mit hoher Rückenlehne und Armlehnen. Der Verkäufer, ein junger Mann, bot Lieferung und Montage an.

— Danke, nicht nötig, — schnitt Ira ab. — Ich schaffe das allein.

Sie brachte die Kartons zum Landhaus und machte sich an die Arbeit. Als Gleb am Abend zurückkam, fand er sie im Gästezimmer, umgeben von verstreuten Einzelteilen und Anleitungen. Konzentriert, mit zusammengebissenen Zähnen, drehte sie gerade eine Schraube in die Tischplatte.

— Wow, was hast du denn vor? — wunderte er sich, ohne Hilfe anzubieten. — Willst du uns eine Arbeitsecke einrichten? Gut so, manchmal ist das nützlich.

— Nicht uns, — korrigierte sie, ohne aufzublicken. — Mir.

Er schenkte dem keine Bedeutung, hielt es für eine weitere weibliche Laune. Alle folgenden Abende widmete sie der Einrichtung. Sie baute den Tisch zusammen. Stell­te den Stuhl auf. Holte aus der Stadtwohnung ihren Arbeitslaptop, Fachliteratur, Aktenordner.

Das leere, gesichtslose Gästezimmer, das nach fremden Socken und billigem Parfüm roch, verwandelte sich zusehends in ein vollwertiges Arbeitszimmer. Ihr Arbeitszimmer. Sie tauschte sogar die alte Gardine gegen blickdichte Rollos aus. Als letzten Schliff ließ sie vom geschickten Nachbarn ein neues Schloss einbauen – mit der Begründung, dass dort nun wichtige Arbeitsunterlagen aufbewahrt würden.

Am Freitagmittag setzte sie sich an ihren neuen Tisch. Sie öffnete den Laptop. Die Luft im Raum war anders – dicht, geschäftsmäßig. Sie gab in die Suchleiste ein: „Motel in der Gegend von Sossnowka“. Das System zeigte drei Optionen. Zwei waren regelrechte Absteigen mit fragwürdigen Bewertungen.

Das dritte, „Waldidylle“ genannt, sah akzeptabel aus. Abgewohnt, aber sauber. Schlichte Zimmer mit mit Kunstleder bezogenen Betten und einem kleinen Fernseher unter der Decke. Perfekt. Sie fand die Telefonnummer und wählte sie.

— Guten Tag, „Waldidylle“, — meldete sich eine müde Frauenstimme.

— Guten Tag. Ich möchte gern ein Doppelzimmer für dieses Wochenende reservieren. Ab heute Abend bis Sonntag.

— Auf welchen Namen?

— Schreiben Sie bitte auf Wolkow. Stanislaw Wolkow, — sagte sie und spürte ein eisiges Gefühl der Genugtuung. — Gut. Zahlung bei Anreise?

— Nein, ich bezahle jetzt, mit Karte. Sagen Sie mir, wohin ich überweisen soll.

Fünf Minuten später war die Transaktion abgeschlossen. Das Geld abgebucht. Die Falle zugeschnappt. Sie klappte den Laptop zu und ging in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Ein schlichtes, leichtes Essen für zwei. Punkt sieben Uhr, als die Kartoffeln bereits im Ofen waren, klingelte das Telefon. Gleb.

— Irusja, hallo! Ich habe großartige Neuigkeiten! — seine Stimme am Hörer war voller freudiger Erregung. — Wir haben nach der Arbeit noch zusammengesessen und beschlossen, zu uns rauszufahren! So ein Wetter, wir haben Lust auf Schaschlik! Wir kaufen unterwegs ein, sind in etwa einer Stunde, anderthalb bei dir!

Sie schloss die Augen. In ihr regte sich nichts. Weder Ärger noch Müdigkeit. Nur kühle, raubtierhafte Spannung. Sie machte eine kurze Pause, genoss den Moment.

— Natürlich, Liebling, — ihre Stimme klang überraschend warm und herzlich. — Ich freue mich.

Genau eine Stunde und zwanzig Minuten später, wie versprochen, knirschte der Kies der Auffahrt protestierend unter den Reifen von Glebs Wagen. Zwei helle Lichtkegel huschten über die Hausfassade, fingen für einen Augenblick das makellos saubere Fenster ein und erloschen. Der Motor verstummte, doch Stille trat nicht ein. Sofort durchbrachen lautes Lachen, zuschlagende Türen und das Klirren von Flaschen in Tüten die Nacht. Die Fröhlichkeit war pünktlich eingetroffen. Ira beobachtete alles vom Küchenfenster aus, während sie mechanisch die ohnehin schon trockene Arbeitsplatte abwischte. Ihr Puls blieb ruhig.

— Glebitsch, mach den Keller auf! Die Kavallerie ist da! — brüllte Stas, dessen Stimme wohl alle Nachbarn im Umkreis von einem Kilometer hätte wecken können.

Gleb, strahlend und stolz wie ein Feldherr bei der Parade, ging voran. Auf der Schulter trug er eine Kühltasche, seine ganze Haltung verströmte Selbstzufriedenheit. Hinter ihm, wie zwei treue Knappen, schleppten Stas und Ljóscha Tüten, aus denen Flaschenhälse und Chipstüten hervorlugten.

Sie schubsten einander, in Vorfreude auf das vertraute Ritual: Gleich würde sie ein gedeckter Tisch erwarten, Iras gefälliges Lächeln und völlige Freiheit für die nächsten zwei Tage.

Ira trat auf die Veranda. Sie wirkte weder missmutig noch müde. Auf ihrem Gesicht lag ein breites, makelloses und vollkommen ruhiges Lächeln. Sie blieb auf der obersten Stufe stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu, wie das Trio auf das Haus zuging.

— Jungs, wie schön, dass ihr gekommen seid! — ihre Stimme klang klar und hell, ohne die leiseste Spur von Gereiztheit.

Gleb grinste noch breiter vor Zufriedenheit. Seine Freunde brummten zustimmend. Alles lief nach Plan. Nach seinem Plan.

— Irka, wir haben dir ein bisschen Arbeit mitgebracht! — Stas schüttelte eine Tüte. — Mach schon deine berühmten Rippchen bereit!

Ira nickte, ohne aufzuhören zu lächeln.

— Es gibt nur eine kleine Änderung, — fuhr sie in demselben freundlichen Ton fort. — Das Gästezimmer ist jetzt mein Arbeitszimmer. Ich bin auf Homeoffice umgestiegen, musste dringend einen Arbeitsplatz einrichten. Dort stehen jetzt Technik und Unterlagen, alles ganz offiziell.

Die lärmende Gruppe verstummte für einen Moment. Stas ließ die Tüte sinken. Ljóscha, der gerade an ihr vorbeigehen wollte, blieb auf halbem Weg stehen. Gleb sah seine Frau an, sein Lächeln verlor etwas an Glanz.

— Ir, was redest du da? Was für ein Arbeitszimmer? — er versuchte, alles ins Lächerliche zu ziehen. — Komm schon, die Jungs passen doch aufs Sofa, ist ja nicht das erste Mal.

— Und auf dem Sofa im Wohnzimmer lassen wir auch niemanden mehr schlafen, — parierte Ira ebenso gelassen, den Blick auf ihren Mann gerichtet. — Es ist unbequem zum Übernachten, erinnerst du dich? Du selbst hast gesagt, dass man danach Rückenschmerzen hat, und überhaupt ist das kein Platz zum Schlafen.

Das Argument war vernichtend. Gleb hatte tatsächlich so etwas gesagt – beiläufige Beschwerden, kein Grund, Freunde aus dem Haus zu verbannen. Er öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch ihm fehlten die Worte. Zu behaupten, ihm sei sein Rücken egal, hieße, sich selbst zum Narren zu machen. Ira ließ ihm keinen Ausweg.

— Aber macht euch keine Sorgen, — wandte sie sich wieder an die verdutzten Gäste, ihr Lächeln wurde noch breiter, beinahe raubtierhaft. — Ich habe an alles gedacht. Ich habe für euch ein ausgezeichnetes Motel gefunden, zehn Kilometer von hier. „Waldidylle“. Laut den Bewertungen ein ganz ordentliches Haus. Ich habe sogar ein Doppelzimmer für euch reserviert. Auf Stas’ Namen. Und schon bezahlt.

In der Luft hing Ratlosigkeit. Dicht, schwer, fast sichtbar. Stas und Ljóscha sahen sich an, ihre Gesichter wurden lang. Das klang nicht mehr nach einem Scherz. Es war eine höfliche, aber unmissverständliche Ausweisung.

— Gleb, Liebling, — Ira machte einen Schritt nach vorn und reichte ihm die Autoschlüssel. Sie klirrten leise in der nächtlichen Stille. — Fahr die Jungs hin, lass sie sich von der Fahrt erholen. Sie richten sich ein, ruhen sich aus, und morgen können sie mit neuer Kraft gern zum Schaschlik kommen. Übernachten müssen sie natürlich dort.

Gleb starrte die Schlüssel in ihrer ausgestreckten Hand an, als wären sie eine lebendige Schlange. Sein Gesicht wechselte von Verwirrung zu purpurrot. Er war gedemütigt. Öffentlich. Vor denen, denen er so gern seinen „Status“ und seinen „sicheren Rückhalt“ präsentierte. Er war ein König, der gerade von seinem eigenen Thron gestoßen worden war. Langsam, wie in Trance, streckte er die Hand aus und nahm die Schlüssel. Das kalte Metall brannte auf seinen Fingern.

— Na … dann fahren wir wohl, — brachte er heiser hervor, ohne seine Frau oder die Freunde anzusehen.

Stas und Ljóscha hoben wortlos und unbeholfen ihre Tüten auf und trotteten ihm zum Wagen hinterher. Kein Lachen mehr, keine Späße. Nur das Scharren der Füße auf dem Kies. Ira blieb auf der Veranda stehen und sah ihnen nach. Sie hörte, wie die Autotüren zuschlugen, wie der Motor unwillig aufheulte. Der Wagen bog um und fuhr davon, fort mit ihrem früheren Leben. Sie drehte sich langsam um, ging ins Haus und schloss die Tür hinter sich. Drinnen war es still und sauber. Und diese Stille war der lauteste Sieg ihres Lebens.

Knapp eine Stunde später. Ira ging nicht durchs Haus, sie schaute nicht aus dem Fenster. Sie saß an ihrem neuen Schreibtisch in ihrem neuen Arbeitszimmer. Der Laptop war geschlossen. Sie saß einfach im Bürostuhl, drehte sich langsam von einer Seite zur anderen und betrachtete die perfekt geordneten Bücher. Sie wartete nicht auf Gleb. Sie wartete auf die nächste Szene. Das Geräusch des sich drehenden Schlüssels im Schloss war in dieser neuen, durchdringenden Stille ungewöhnlich laut.

Schwere Schritte im Flur. Er zog die Schuhe nicht aus, ging direkt ins Wohnzimmer und hinterließ schmutzige Spuren auf dem sauberen Boden. Ira erhob sich langsam und trat zu ihm. Er stand mitten im Raum, die Schultern gesenkt, die Hände zu Fäusten geballt. Sein Gesicht war dunkel vor unterdrückter Wut. Er sah sie nicht an, sein Blick war auf den Boden gerichtet.

— Was war das? — seine Stimme war tief und dumpf, ohne die gewohnten dröhnenden Töne.

Ira antwortete nicht. Sie ging zum Sofa und richtete das Kissen, das er einmal mit dem Fuß heruntergestoßen hatte.

— Du hast mich zum Gespött gemacht, — fuhr er fort und hob den Blick zu ihr. In seinen Augen war kein Groll, nur kalte, weiße Raserei. — Du hast mich erniedrigt. Vor meinen besten Freunden. Weißt du, wie sie mich angesehen haben? Wie einen Pantoffelhelden, der in seinem eigenen Haus keinen Ton angeben kann.

— Ordnung? — Ira lächelte spöttisch; zum ersten Mal an diesem Abend war in ihrem Lächeln keinerlei Wärme. — Ordnung habe ich letzten Sonntag gemacht. Als ich den Parkett vom Bier schrubbte, das Stas verschüttet hat. Als ich versuchte, den Fettfleck aus der Tischdecke zu bekommen, den Ljóscha mit dem Schaschlik hinterlassen hat. Als ich die Kippen aus meinem Lieblingsfikus sammelte. Nennst du das Ordnung?

Gleb zuckte zusammen, als hätte man ihn geschlagen.

— Das sind Kleinigkeiten! Nur Dinge! Freundschaft ist wichtiger als irgendein Parkett! Wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen!

— Ihr seid über meinen Cognac gegangen, den man mir zum Jubiläum geschenkt hat, — ihre Stimme war gleichmäßig, stählern, wie eine Messerklinge. — Ihr seid über mein Geschirr gegangen, das ich danach stundenlang abschrubben musste. Ihr seid über meine Wochenenden gegangen, die ich nicht mit Erholung, sondern damit verbracht habe, dich und deine „Freundschaft“ zu bedienen.

Er machte einen Schritt auf sie zu, sein Gesicht verzerrte sich.

— Was verstehst du schon! Das ist mein Ruf! Jahrelang habe ich dieses Bild aufgebaut! Das Bild eines großzügigen, gastfreundlichen Kerls, bei dem das Haus immer voll ist, bei dem sich die Freunde willkommen fühlen! Ein Ort, wo man jederzeit vorbeikommen kann und herzlich empfangen wird! Du hast alles zerstört! An einem einzigen Abend! Du hast zerstört, was mir am wichtigsten war!

Er schrie fast, legte all seinen Schmerz und seine Demütigung in diese Worte. Er erwartete, dass sie erschrocken zurückweichen, sich rechtfertigen würde. Doch Ira sah ihn ruhig an, beinahe mit forschendem Interesse.

Sie ließ ihn ausreden, wartete, bis die letzte Welle seines Zorns verebbt war und nur noch sein schweres Atmen blieb. Dann sprach sie den Satz. Nicht laut, nicht im Zorn. Sie sagte ihn wie ein endgültiges Urteil, wie eine neue Axiomatik ihrer gemeinsamen Welt.

— Deine Freunde sind zu dir gekommen? Großartig! Hoffentlich gefällt es ihnen, in diesem schäbigen Hotel zu übernachten, denn in UNSEREM Haus gibt es für sie keinen Platz mehr! Und es wird auch keinen geben!

Das war alles. Keine Schreie, keine Drohungen. Nur eine Feststellung.
Gleb erstarrte. Er sah sie an, und die Wut in seinem Gesicht wich langsam Verwunderung, dann etwas, das Angst ähnelte.

Plötzlich begriff er, dass vor ihm nicht seine Ira stand. Nicht die warme, hilfsbereite, ein wenig müde Frau, die immer nur Kulisse für sein schillerndes Leben gewesen war. Vor ihm stand eine Fremde – kalt, scharf geschliffen, mit Augen aus polarem Eis.

Er verstand, dass die Welt, in der er König war und sie seine treue, schweigsame Dienerin, soeben zerbrochen war. Und die Trümmer dieser Welt, scharf und unerbittlich, lagen nun für immer zwischen ihnen und hatten ihr gemeinsames Zuhause in zwei feindliche, unversöhnliche Reiche verwandelt …

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