— Du hast doch deiner Schwester meine Küchenmaschine gegeben. Warum darf ich dann nicht deinem Bruder dein Auto leihen? Du benutzt es doch im Moment auch nicht!

— Du hast doch deiner Schwester meine Küchenmaschine gegeben. Warum darf ich dann nicht deinem Bruder dein Auto leihen? Du benutzt es doch im Moment auch nicht!

Marina war immer der Meinung gewesen, dass jeder Gegenstand seinen Platz und seine eigene Geschichte hat. Ihre Kosmetiktasche mit der französischen Mascara, die sie vor drei Jahren gekauft hatte. Die Smaragdohrringe der Großmutter, die sie nur zu besonderen Anlässen trug. Das blaue Zara-Kleid, in dem sie Andrej kennengelernt hatte. Jeder dieser Gegenstände war Teil ihres persönlichen Raums, ihrer intimen Welt.

Andrej sah Besitz entspannter. Für ihn waren Dinge einfach Gegenstände, die man benutzen, teilen oder verleihen konnte. Er verstand aufrichtig nicht, warum Marina so an ihren Kleidern und Schmuckstücken hing.

Der erste Warnschuss kam vor etwa zwei Monaten.

— Andrej, hast du meine Perlenohrringe gesehen? — fragte sie, während sie in der Schmuckschatulle kramte. — Die, die Mama mir zum Geburtstag geschenkt hat.

— Ach, die? — Andrej hob nicht einmal den Blick vom Telefon. — Die habe ich Lena gegeben. Sie hat morgen ein Vorstellungsgespräch für einen neuen Job und wollte etwas Strenges, Elegantes.

Marina erstarrte mit der leeren Ohrringbox in den Händen.
— Wie, du hast sie ihr gegeben? Das sind doch meine Ohrringe!

— Na und? Du trägst sie gerade nicht. Und Lena konnte sie gut gebrauchen.

— Andrej, das sind meine persönlichen Sachen! Du kannst sie nicht einfach so verschenken!

— Ach komm schon, — er löste endlich den Blick vom Bildschirm. — Lena ist doch meine Schwester. Kein fremder Mensch. Sie gibt sie dir sicher zurück.

Lena brachte die Ohrringe zwei Wochen später zurück. Auf einer der Perlen waren kaum sichtbare Spuren von Make-up. Marina brauchte zehn Minuten, um sie abzureiben, zu waschen und zu desinfizieren – und die ganze Zeit verspürte sie ein seltsames Unbehagen. Nicht wegen der Flecken, sondern bei dem Gedanken, dass jemand anderes ihre Ohrringe getragen hatte, dass sie fremde Haut berührt, fremden Geruch aufgenommen hatten.

Andrej verstand ihre Reaktion nicht.
— Mein Gott, Marina, was ist denn los mit dir? Das sind doch nur Ohrringe. Und überhaupt, Lena ist ordentlich.

Einen Monat später war das blaue Kleid verschwunden.

Marina wollte sich für die Firmenfeier fertig machen und hatte extra dieses Kleid eingeplant – es saß perfekt und betonte ihre Augenfarbe. Doch im Schrank war es nicht.

— Andrej, wo ist mein blaues Kleid? Von Zara, erinnerst du dich?

— Ach, das hat Lena fürs Date genommen. Sie meinte, es steht ihr sehr gut.

— Welches Date? — Marina spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. — Sie ist doch seit einem halben Jahr mit Maxim zusammen!

— Ja, mit ihm geht sie aus. Ins Theater oder so. Sie meinte, ihr schwarzes Kleid sei in der Wäsche, und ein neues zu kaufen sei teuer.

Marina setzte sich langsam aufs Bett.
— Andrej, verstehst du, dass ich genau dieses Kleid heute anziehen wollte? Für die Firmenfeier?

— Zieh doch ein anderes an. Du hast doch genug im Schrank.

— Es geht nicht darum, ob ich andere Kleider habe! Es geht darum, dass es MEIN Kleid ist, und ich keine Erlaubnis gegeben habe, es zu nehmen!

— Ach, reg dich nicht so auf. Lena hat versprochen, vorsichtig damit umzugehen.

Das Kleid kam drei Tage später zurück. Am Saum befand sich ein gelblicher Fleck – vermutlich von einer Soße oder etwas Ähnlichem. Kaum sichtbar, aber dennoch da. Andrej zuckte mit den Schultern:
— Na ja, passiert halt. Gib es in die Reinigung, dann ist es wieder wie neu.

Doch für Marina war das Kleid nicht mehr dasselbe. Jedes Mal, wenn sie es ansah, stellte sie sich vor, wie Lena darin mit Maxim tanzt, wie sie sich küssen und auf dem Stoff Spuren von Make-up und Schweiß bleiben. Sie zog es nie wieder an.

Dann verschwanden nach und nach Kosmetik, Schals, Taschen. Lena schien beschlossen zu haben, dass Marinas Kleiderschrank eine öffentliche Bibliothek sei, in der man sich alles ausleihen konnte, was einem gefiel. Und Andrej spielte den Bibliothekar, der großzügig jede „Buchausleihe“ genehmigte.

— Hör zu, — versuchte Marina ernst mit ihm zu reden, — ich finde es wirklich unangenehm, dass deine Schwester meine Sachen trägt. Das ist mein persönlicher Raum.

— Marina, sei doch nicht so geizig. Wir sind doch Familie. Und Familie muss sich gegenseitig helfen.

— Mit Geld, mit Rat, mit Unterstützung – ja. Aber nicht mit meinen persönlichen Dingen!

— Wieso nicht? Schmuck und Kleider sind doch auch eine Hilfe. Lena ist Studentin, sie hat kein Geld für all das.

— Dann soll sie mich um Erlaubnis fragen!

— Wozu denn? Ich weiß doch, dass du nicht nein sagen würdest. Wozu diese Förmlichkeiten unter Verwandten?…

Aber es ging nicht um Förmlichkeiten. Es ging darum, dass Marina sich in den eigenen vier Wänden bestohlen fühlte. Ihre Sachen verschwanden ohne Nachfrage, kamen beschädigt oder verspätet zurück. Und ihr Mann verstand ihre Gefühle nicht und nannte Geiz, was für sie der Versuch war, wenigstens ein Stück persönlichen Raums zu bewahren.

Der Höhepunkt war die Geschichte mit dem Laptop.

Marina arbeitete als Innenarchitektin, doch in den letzten zwei Monaten war sie zwischen Projekten und nutzte ihren privaten Laptop tatsächlich selten. Der Arbeitslaptop aus der Firma reichte ihr sowohl für E-Mails als auch dafür, abends in sozialen Netzwerken zu stöbern. Der private stand im Schlafzimmer auf ihrem Tisch, und in letzter Zeit hatte Marina ihn kaum geöffnet.

An diesem Tag wollte sie sich um private Angelegenheiten kümmern – Urlaubsfotos sortieren, den Lebenslauf aktualisieren, ihr privates Postfach aufräumen. Doch der Laptop war nicht da.

— Andrej, wo ist mein Laptop?

— Bei Lena, — antwortete er, ohne den Blick vom Fernseher zu heben. — Ihr eigener ist kaputt, und sie muss eine Seminararbeit abgeben.

Marina spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss.

— Wie, bei Lena? Dort sind alle meine Dateien, Fotos, Dokumente! Darunter sehr persönliche!

— Na und? Sie wird sie schon nicht anschauen. Sie braucht nur Word und Internet.

— Andrej! — Marina erhob die Stimme. — Dort sind meine privaten Fotos! Dokumente! Passwörter! Begreifst du überhaupt, was du da tust?

— Beruhig dich. Lena ist anständig, sie wird nicht in deinen Dateien wühlen.

— Es geht nicht um Anständigkeit! Es geht darum, dass das MEINE PERSÖNLICHEN Sachen sind! Du hast kein Recht, sie weiterzugeben!

Doch Andrej wandte sich bereits wieder dem Fernseher zu und signalisierte damit, dass das Gespräch für ihn beendet war.

Der Laptop kam nach einer Woche zurück. Marina prüfte sofort den Browserverlauf und stellte fest, dass jemand ihre Fotos im Cloud-Speicher angesehen hatte – darunter recht intime Aufnahmen aus den Flitterwochen. Auf dem Desktop lagen unbekannte Dateien, und eines ihrer wichtigen Dokumente war gelöscht.

Als sie Andrej davon erzählte, winkte er nur ab:
— Stell’s doch aus dem Papierkorb wieder her. Und außerdem war’s bestimmt aus Versehen.

— Es geht nicht darum, ob es aus Versehen war oder nicht! — schrie Marina. — Es geht darum, dass du einem fremden Menschen Zugang zu meinen privaten Informationen gegeben hast!

— Fremden? Das ist meine Schwester!

— Für mich ist sie fremd! Und sie hatte kein Recht, in meinen Dateien herumzuschnüffeln!

Doch Andrej war schon in ein anderes Zimmer gegangen und hatte die Tür zugeschlagen.

Der letzte Tropfen war die Küchenmaschine.

An einem Sonntagmorgen beschloss Marina, Andrejs Lieblingstorte zu backen – genau die mit Nüssen und Creme, die sie normalerweise zu seinem Geburtstag zubereitete. Sie hatte alle Zutaten gekauft, das Rezept der Großmutter hervorgeholt, sich auf einen langen, angenehmen Backprozess eingestellt.

Doch als sie den Küchenschrank öffnete, war das Fach, in dem sonst die Maschine stand, leer.

— Andrej! — rief sie. — Wo ist die Küchenmaschine?

— Ach, die? Bei Lena. Sie hat gestern angerufen und gesagt, sie wolle für Maxim etwas Anspruchsvolleres kochen. Ich dachte, du benutzt sie ja sowieso selten.

Marina stand mitten in der Küche mit einer Tüte Nüsse in der Hand und fühlte, wie in ihr eine Welle von Wut aufstieg, so stark, wie sie sie noch nie empfunden hatte.

— Andrej, — sagte sie langsam, — ich wollte gerade den Kuchen backen. Speziell für dich. Und ich brauche genau diese Maschine, um die Nüsse zu mahlen.

— Dann back ihn halt morgen. Oder übermorgen. Lena hat sie ja nicht für immer genommen.

— Ich wollte ihn HEUTE backen! — schrie Marina. — Ich habe geplant, mich vorbereitet, die Zutaten gekauft!

— Und was jetzt, eine Welttragödie? — antwortete Andrej gereizt. — Du kannst die Nüsse auch mit dem Messer hacken oder fertige im Laden kaufen.

— Es geht nicht um die Nüsse! — Marina warf die Tüte auf den Tisch. — Es geht darum, dass du über MEINE Sachen verfügst, als wären es deine! Ohne zu fragen, ohne Erlaubnis! Als hätte ich überhaupt kein Mitspracherecht in meinem eigenen Haus!

— Hör auf zu dramatisieren! Es ist doch nur eine Küchenmaschine!

— Nein, es ist NICHT nur eine Küchenmaschine! Es ist MEINE Küchenmaschine, die ich von meinem eigenen Geld gekauft habe und die in UNSERER Küche steht! Und du hast kein Recht, sie ohne mein Einverständnis zu verleihen!

Andrej sah sie an, als sei sie verrückt geworden.
— Mein Gott, Marina, was ist bloß mit dir los? So ein Geiz… Ist es dir wirklich zu schade, mit meiner Schwester zu teilen?

Und da begriff Marina, dass Worte zwecklos waren. Andrej würde sie nie verstehen, weil es für ihn kein Konzept von Privatsphäre gab – zumindest nicht, wenn es um ihre Sachen ging.

Aber sie wusste, wie sie ihn dazu bringen konnte, es zu begreifen.

Am Montagmorgen, als Andrej wie gewohnt mit der Metro zur Arbeit gefahren war, rief Marina ihren Bruder Michail an.

— Misch, hallo. Sag mal, brauchst du das Auto für ein paar Tage?

— Was ist los? — wunderte sich der Bruder.

— Andrej hat’s erlaubt, — log Marina. — Er meinte, er fährt ja sowieso mit der Metro zur Arbeit, und das Auto steht nur ungenutzt herum.

— Na, wenn er nichts dagegen hat… Ich müsste nämlich wirklich wegen der Datscha ein paar Sachen erledigen, und mit dem Bus ist es unpraktisch. Danke!

Eine Stunde später holte Michail bereits die Schlüssel für den schneeweißen BMW ab, der Andrejs ganzer Stolz war. Jedes Wochenende wusch er ihn von Hand, polierte ihn auf spiegelnden Glanz. Das Auto war vor zwei Jahren auf Kredit gekauft worden, und Andrej behandelte es wie einen Schatz.

Am Abend, als Andrej von der Arbeit zurückkam, ging er sofort zum Fenster, um nachzusehen, ob mit seinem Wagen alles in Ordnung sei. Auf dem Parkplatz stand kein Auto.

— Marina, wo ist mein Auto? — fragte er, bemüht, ruhig zu bleiben.

— Ach, das hat Misch genommen, — antwortete Marina, während sie weiter das Abendessen zubereitete. — Er musste Baumaterialien zur Datscha bringen.

Andrej erstarrte.

— Wie, genommen? Welcher Misch?

— Mein Bruder. Ich habe ihm die Schlüssel gegeben.

— WAS hast du getan?! — Andrejs Stimme sprang fast in den Falsett. — Wie konntest du ihm mein Auto geben?!

— Was ist denn dabei? — zuckte Marina mit den Schultern. — Du nutzt es doch sowieso gerade nicht. Zur Arbeit fährst du mit der Metro.

— Nicht nutzen?! — Andrej griff sich an den Kopf. — Dieses Auto hat mich ein halbes Berufsleben gekostet! Ich zahle seit zwei Jahren den Kredit! Ich schaue jeden Tag nach ihm, wasche es, pflege es!

— Na und? Misch ist ein vorsichtiger Fahrer. Keine Sorge, es passiert nichts.

— Passiert nichts?! — Andrej war schon am Rand der Hysterie. — Was, wenn er es zu Schrott fährt? Oder wenn es gestohlen wird? Oder wenn er betrunken fährt?

— Andrej, warum dramatisierst du? Misch fährt nicht betrunken. Und er hat viel Erfahrung, fährt seit zwanzig Jahren.

— Erfahrung?! Was hat das damit zu tun?! — Andrej lief aufgebracht im Zimmer umher. — Das ist MEIN Auto! Du hattest kein Recht, es zu verleihen! Ruf ihn sofort an, er soll es zurückbringen!

— Aber er ist doch noch nicht fertig mit den Arbeiten auf der Datscha. Morgen Abend bringt er’s zurück.

— MORGEN?! — brüllte Andrej. — Du hast mein Auto einem Fremden für 24 Stunden gegeben?!

— Fremden? — wunderte sich Marina. — Das ist doch mein Bruder.

— Für mich ist er ein Fremder! Und er hatte kein Recht, mein Auto zu nehmen!

Marina drehte sich langsam zu ihrem Mann und sah ihm direkt in die Augen.

— Du hast doch deiner Schwester meine Küchenmaschine gegeben. Warum darf ich dann deinem Bruder dein Auto leihen? Du nutzt es doch auch gerade nicht!

Andrej öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch kein Wort kam heraus. Zum ersten Mal in all den Monaten sah er die Situation von der anderen Seite.

— Das… das ist etwas ganz anderes, — murmelte er.

— Wieso anders? — fragte Marina ruhig. — Du hast gesagt, zwischen Verwandten sollte es keine Förmlichkeiten geben. Dass Familie einander helfen muss. Dass Geiz schlecht ist.

— Aber das Auto… das ist eine teure Sache…

— Und mein Laptop war billig? Darauf waren meine persönlichen Dateien, die wertvoller sind als jedes Auto.

— Aber Lena hat das doch aus Versehen…

— Misch kann deine Karre auch aus Versehen zerkratzen. Oder in einen Unfall geraten. Oder sie wird gestohlen. Es kann alles Mögliche passieren.

Andrej erblasste.

— Marina, bitte, ruf ihn an! Bitte sag ihm, er soll es zurückbringen!

— Warum? — fragte seine Frau ehrlich erstaunt. — Ich weiß doch, dass du nicht nein sagen würdest. Warum diese Förmlichkeiten zwischen Verwandten?

Die ganze Nacht schlief Andrej nicht. Er stand jede Stunde auf und schaute aus dem Fenster, als könnte das Auto sich wie durch Zauberhand wieder auf dem Parkplatz materialisieren. Er stellte sich vor, wie Michail es gegen einen Baum setzte, wie ihn die Polizei anhielt, wie der Wagen in einem fremden Hof zerkratzt wurde.

Am Morgen war er bleich und erschöpft.

— Marina, bitte ruf Misch an. Bitte sag ihm, er soll wenigstens Fotos vom Auto schicken, damit ich sicher sein kann, dass alles in Ordnung ist.

— Wozu? — zuckte Marina mit den Schultern. — Ich sag doch, er fährt vorsichtig.

— Bitte! Ich mache mir einfach Sorgen!

— Und ich habe mir keine Sorgen gemacht, als du meine Sachen verliehen hast? Als Lena meine Sachen mit Flecken von Make-up und wer weiß was zurückgebracht hat?

Andrej sah seine Frau an und verstand endlich, was sie all die Monate gefühlt hatte: Die Hilflosigkeit, wenn jemand mit deinen Sachen umgeht, ohne dich zu fragen. Die Angst, dass man nachlässig damit umgeht. Die Wut darüber, dass deine Meinung nicht zählt.

— Ich… ich habe es nicht verstanden, — sagte er leise.

— Und jetzt?

Er nickte.

Am Abend brachte Michail den Wagen zurück. Er war sauber und unbeschädigt, sogar randvoll getankt. Doch auf dem Rücksitz lagen fremde Handschuhe, es roch nach unbekanntem Kölnischwasser, und in der Aschenbecher lagen Sonnenblumenkerne.

— Entschuldige, — sagte Michail, als er die Schlüssel zurückgab, — ich habe ein bisschen gekrümelt. Aber ich habe alles weggeräumt, was ich konnte.

Andrej nickte stumm und begann, das Auto zu inspizieren. Es gab keine Kratzer, keine Beulen, aber es fühlte sich nicht mehr so „sein“ an wie zuvor. Jemand anderes hatte hinterm Steuer gesessen, und das machte es seltsam fremd.

— Na, wie ist es? — fragte Marina. — Jetzt verstehst du, wie ich mich gefühlt habe?

Andrej antwortete lange nicht. Dann nickte er langsam.

— Ich verstehe. Es tut mir leid.

Von diesem Tag an gab er Lena nie wieder Marinas Sachen ohne deren Erlaubnis. Und wenn die Schwester mit einer weiteren Bitte anrief, sich etwas aus Marinas Kleiderschrank auszuleihen, antwortete er:

— Lena, das sind nicht meine Sachen. Ruf Marina an und frag sie selbst.

Und, seltsamerweise, seit Lena um Erlaubnis bat, teilte Marina viel lieber ihre Sachen mit ihr. Denn nun war es ihre eigene Entscheidung, keine erzwungene Großzügigkeit.

Und die Küchenmaschine nahm wieder ihren rechtmäßigen Platz im Schrank ein, und Marina backte endlich den Nusskuchen. Andrej sagte, er sei besonders lecker geworden. Vielleicht, weil er mit Liebe gebacken war.

Manchmal muss man in der Haut des anderen stecken, um seine Gefühle zu verstehen. Und manchmal ist die wirksamste Lektion kein Wort, sondern eine eigene Erfahrung – selbst wenn man dafür ein bisschen nach den Regeln des anderen spielen muss.

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