— Du wirst auch für die Familie meiner Schwester kochen, — erklärte der Ehemann im befehlenden Ton, bereute es jedoch sofort.

— Du wirst auch für die Familie meiner Schwester kochen, — erklärte der Ehemann im befehlenden Ton, bereute es jedoch sofort.

Elena stand am Fenster und beobachtete, wie ein überladener „Gazelle“-Lieferwagen in den Hof fuhr. Ihr Herz zog sich ängstlich zusammen — sie wusste, was das bedeutete. Seit drei Tagen lief Andrei schon mit schuldbewusstem Gesichtsausdruck durch die Wohnung, offensichtlich bereit zu einem ernsten Gespräch.

— Lenja, — begann er gestern Abend vorsichtig, — erinnerst du dich, dass ich dir erzählt habe, dass Ira Probleme mit der Wohnung hat?

Elena erinnerte sich. Andrejs Schwester hatte seit vier Jahren eine Zweizimmerwohnung am Stadtrand gemietet. Dort lebte sie mit ihrem Mann Sergej und den beiden Kindern — dem zehnjährigen Maksim und der sechsjährigen Dascha. Die Wohnung war ganz ordentlich, die Vermieterin vernünftig, aber da war das Problem: Ihre Tochter heiratete, und das junge Paar brauchte ein Zuhause. Die Mieter mussten weichen…

— Sie haben uns gebeten, vorübergehend bei uns unterzukommen, — fuhr Andrei fort und wich dem Blick seiner Frau aus. — Na ja, bis sie etwas gefunden haben…

Elena nickte schweigend. Was hätte sie sagen sollen? Ira war die einzige Schwester ihres Mannes, die Beziehung war herzlich, und man lässt in Not niemanden im Stich. Und die Not war ernst — eine Familie mit zwei Kindern konnte man nicht einfach auf die Straße setzen.

— Wie lange? — fragte sie nur.

— Zwei, höchstens drei Wochen, — antwortete Andrei hastig. — Sie suchen aktiv, Sergej hat sogar schon einen Makler eingeschaltet.

Jetzt, als sie zusah, wie Kisten, Koffer, Kinderfahrräder und eine Transportbox mit der Katze ausgeladen wurden, verstand Elena, dass es mit „zwei bis drei Wochen“ wohl nicht getan sein würde.

Die Kinder stürmten als Erste ins Treppenhaus — Maks trug einen Rucksack und einen Fußball, Dascha schleppte ein riesiges Kuscheltier und erklärte ihrem Bruder aufgeregt irgendetwas. Dahinter folgten die Erwachsenen — Ira mit der Katze in der Box, Sergej mit den Koffern, Andrei mit den Kisten.

— Lena! — rief Ira freudig, kaum dass sie die Schwelle überschritten hatte. — Vielen Dank, dass du uns aufnimmst. Wir werden so schnell wie möglich wieder ausziehen…

Elena umarmte ihre Schwägerin und empfand aufrichtiges Mitgefühl. Ira war immer eine gute, aber etwas hilflose Frau gewesen. Sie hatte früh geheiratet, gleich nach dem Studium Kinder bekommen, und seitdem drehte sich ihr Leben um Familie und Haushalt. Sie arbeitete zwar von zu Hause aus — irgendetwas mit Design —, doch die wichtigen Entscheidungen traf in ihrer Familie ohnehin der Mann.

— Mama, wo werden wir schlafen? — fragte Dascha sofort und schaute sich neugierig um.

Die Zweizimmerwohnung von Elena und Andrei war gemütlich, aber klein. Das große Zimmer — ihr Schlafzimmer, das kleine — Wohnzimmer mit Sofa und Sessel, eine Küche von etwa zehn Quadratmetern, Bad und WC getrennt. Für zwei — perfekt, für sechs…

— Wir schlafen auf dem Sofa im Wohnzimmer, — sagte Ira schnell. — Und die Kinder… vielleicht auf Matratzen auf dem Boden? Oder im Wohnzimmer?

— Im Wohnzimmer steht doch schon das Sofa, — bemerkte Andrei. — Die Kinder passen da schon hin.

— Und die Katze? — fragte Dascha plötzlich besorgt.

— Die Katze wohnt im Flur, — entschied Sergej. — Da findet sich ein Platz fürs Katzenklo.

Nach zwei Stunden hatte sich die gemütliche Wohnung in etwas zwischen einer Kommunalka und einem Wohnheim verwandelt. Die Kindersachen belegten das ganze Wohnzimmer, die Koffer der Erwachsenen standen im Flur, die Katze richtete sich im Bad ein — „vorübergehend, bis sie sich eingewöhnt“. In der Luft lag der Geruch fremder Menschen, fremden Essens, eines fremden Lebens.

Elena beobachtete schweigend, wie ihr persönlicher Raum vor ihren Augen verschwand. Am meisten erstaunte sie die Selbstverständlichkeit, mit der alle es sich bequem machten. Als wäre es nicht ihre Wohnung, sondern irgendein Gemeinschaftsraum.

— Lena, wo bewahrt ihr das Toilettenpapier auf? — fragte Ira, als sie mit einer Kosmetiktasche ins Bad ging.

— Im Schränkchen unter dem Waschbecken.

— Und darf ich ein Handtuch nehmen? Wir haben noch nicht alles hergebracht.

— Natürlich.

Am Abend wurde endgültig klar, dass das gewohnte Leben vorbei war. Die Kinder rannten durch die Wohnung und spielten Verstecken, die Katze maunzte und verlangte Aufmerksamkeit, die Erwachsenen besprachen ihre Wohnungspläne.

— Morgen fahren wir ins Büro an der Komsomolskaja, da arbeitet eine gute Maklerin, — sagte Sergej. — Und übermorgen fahren wir den Stadtteil ab, vielleicht finden wir etwas Passendes.

— Aber nicht zu teuer, — seufzte Ira. — Unser Budget ist begrenzt.

— Wir finden schon was, — versicherte Andrei. — Notfalls könnt ihr länger bei uns bleiben.

Elena drehte sich abrupt zu ihrem Mann um. Länger? Sie fing seinen Blick auf — Andrei errötete und wandte sich schnell ab.

— Na gut, ich koche jetzt Abendessen, — sagte Elena und ging in die Küche.

Sie begann mechanisch, Lebensmittel aus dem Kühlschrank zu holen, und überlegte, für wie viele Personen sie kochen sollte. Normalerweise kaufte sie für zwei, höchstens mit etwas Reserve. Jetzt aber waren sie zu sechst, einschließlich der Kinder, die nicht weniger aßen als Erwachsene.

— Was gibt’s zum Abendessen? — schaute Maks in die Küche.

— Weiß ich noch nicht, — antwortete Elena ehrlich.

— Zu Hause hat Mama uns immer Frikadellen mit Kartoffelpüree gemacht, — fügte Dascha sofort hinzu.

— Die Frikadellen sind aus, — sagte Elena und schaute in die Gefriertruhe.

Für sechs Personen hatte sie ein Huhn, eine Packung Nudeln, etwas Gemüse und die Reste der Suppe von gestern. Würde das reichen?

— Lena, mach dir keine Sorgen, — sagte Ira, die in die Küche kam. — Wir sind nicht wählerisch. Wir essen, was es gibt.

— Ja, aber das Essen reicht vielleicht nicht für alle.

— Dann fahren wir morgen einkaufen und füllen den Vorrat auf.

Elena nickte schweigend und begann, das Huhn zu zerschneiden. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass auch der morgige Einkauf wieder auf ihren Schultern lasten würde.

Das Abendessen fiel tatsächlich bescheiden aus. Huhn mit Nudeln für sechs Personen war nun mal nicht dasselbe wie für zwei. Die Kinder aßen mit Appetit, die Erwachsenen taten so, als würde es ihnen reichen.

— Danke, es ist sehr lecker, — bedankte sich Ira.
— Ja, ausgezeichnet, — bestätigte Sergej.

Nach dem Essen verteilte sich jeder auf seine improvisierten Schlafplätze. Elena räumte die Küche allein auf — die anderen waren damit beschäftigt, die Kinder ins Bett zu bringen und sich für die Nacht einzurichten.

— Wie geht’s? — fragte Andrei, als er in die Küche kam.
— Schon gut, — antwortete seine Frau knapp.
— Mach dir keine Sorgen, sie finden bald eine Wohnung.
— Aha.

Andrei spürte die Kälte in ihrer Stimme, beschloss aber, das Thema nicht weiterzuführen. Heute hatten ohnehin alle zu viel Stress.

Am Morgen wachte Elena vom Kinderlachen und Getrampel im Flur auf. Es war halb sieben. Normalerweise stand sie um sieben auf, aber heute hatten die Kinder offenbar beschlossen, den Tag früher zu beginnen.

— Leise, leise, — hörte man Iras Stimme. — Onkel und Tante schlafen noch.

Doch es war zu spät — Elena war wach und konnte nicht mehr einschlafen.

In der Küche entdeckte sie einen Berg schmutzigen Geschirrs — offenbar hatten sich die Erwachsenen spätabends noch Tee gemacht, und die Kinder hatten etwas Süßes gegessen.

— Guten Morgen! — begrüßte sie Ira munter. — Ich wollte eigentlich abwaschen, aber ich weiß nicht, wo ihr alles aufbewahrt.
— Ich mache das, — antwortete Elena mechanisch.

Das Frühstück wurde zu einer logistischen Herausforderung. Andrei trank Kaffee und machte sich für die Arbeit fertig, Sergej musste sich ebenfalls beeilen, Ira fütterte die Kinder, und Elena hetzte zwischen allen hin und her, versuchte, jeden satt zu bekommen und nebenbei noch Ordnung zu halten.

— Lenja, haben wir Cornflakes? — fragte Ira.
— Ich glaube ja.
— Und Joghurt?
— Einer ist noch da.
— Dascha, iss die Cornflakes, — sagte Ira zu ihrer Tochter.


— Will nicht, ich will Joghurt, wie zu Hause, — quengelte das Mädchen.
— Dasha, es gibt nur einen Joghurt, und ihr seid zu zweit, — erklärte Elena geduldig.
— Dann soll Max keinen essen.
— Ich will aber auch! — empörte sich der Junge.
— Kinder, Schluss jetzt, — mischte sich Ira ein. — Ihr esst die Cornflakes und fertig.

Als die Männer zur Arbeit gegangen waren und die Kinder sich beruhigt hatten, fühlte sich Elena wie nach einem Marathon. Und das war erst der Morgen des ersten Tages.

— Ira, arbeitest du eigentlich nicht? — fragte sie ihre Schwägerin.
— Doch, ich arbeite von zu Hause. Ich setze mich gleich an den Computer. Die Kinder können solange Zeichentrickfilme schauen, dann sind sie ruhig.

Elena nickte und ging in ihr Zimmer — der einzige Ort in der Wohnung, an dem noch ein kleiner Rest ihres früheren Lebens geblieben war.

Doch schon eine halbe Stunde später wurde ihre Ruhe gestört.
— Tante Lena, — klopfte Dascha an die Tür. — Darf ich was trinken?

Elena gab dem Kind Wasser und kehrte ins Zimmer zurück.

Zwanzig Minuten später:
— Tante Lena, ich muss auf die Toilette.

Noch eine halbe Stunde später:
— Tante Lena, Mama sagt, ich soll fragen, ob wir die Waschmaschine anmachen dürfen?

Bis zum Mittag hatte Elena verstanden, dass Arbeiten von zu Hause unter solchen Bedingungen unmöglich war. Die Kinder fragten ständig etwas, die Katze miaute, Ira telefonierte mit Kunden.

— Lena, was essen wir? — fragte Ira gegen ein Uhr mittags.
— Weiß nicht. Was esst ihr denn normalerweise?
— Ach, irgendwas kochen wir. Habt ihr Kartoffeln?
— Ja, aber nur wenige.
— Und Fleisch?
— In der Gefriertruhe ist Huhn.
— Perfekt, machen wir Hühnchen mit Kartoffeln.

Elena bemerkte, dass Ira „machen wir“ sagte, sich aber stattdessen mit dem Laptop aufs Sofa setzte.

— Kochst du? — fragte Elena nach.
— Ach ja, natürlich, — antwortete Ira zerstreut. — Aber ich muss bis drei noch ein Projekt abgeben. Fang du doch schon mal an, ich helfe dann gleich…

Elena ging wortlos in die Küche.

Am Abend war sie völlig am Ende. Den ganzen Tag hatte sie gekocht, zweimal gespült, die Katze beruhigt, die sich in der neuen Umgebung nicht einfinden wollte, und unzählige Fragen der Kinder beantwortet. Arbeiten hatte sie kaum können.

Als die Männer von der Arbeit zurückkamen, war die Atmosphäre in der Wohnung angespannt.

— Wie läuft’s? — fragte Andrei seine Frau.
— Geht so, — antwortete Elena trocken.

Beim Abendessen berichtete Sergej von der Wohnungssuche:
— Heute haben wir uns zwei angesehen, aber beide taugen nichts. Die eine zu teuer, die andere in schrecklichem Zustand. Morgen schauen wir noch ein paar an.
— Macht euch keinen Stress, — meinte Andrei großzügig. — Wir haben doch genug Platz.

Elena schaute ihren Mann scharf an. Genug Platz? In einer Zweizimmerwohnung für sechs Personen?

— Na ja, wir sind ja nicht für immer hier, — sagte Ira unsicher.
— Natürlich nicht für immer, aber solange ihr sucht — lebt ruhig hier.

Nach dem Abendessen, als die Kinder im Bett waren und die anderen es sich im Wohnzimmer vor dem Fernseher gemütlich machten, rief Elena ihren Mann in die Küche.

— Andrei, wir müssen reden.
— Worum geht’s?
— Um die Situation. Es ist schwieriger, als ich dachte.
— Wie meinst du das?
— Ich habe nicht verstanden, worauf wir uns eingelassen haben. Die Kinder machen ständig Lärm, arbeiten ist unmöglich, ich muss für eine ganze Horde kochen, überall hinterher aufräumen…


— Lena, bitte, hab ein bisschen Geduld. Das ist doch meine Schwester.
— Ich verstehe das. Aber warum muss alles ich allein machen?…

— Und wer denn sonst? Ira kümmert sich um die Kinder, die Männer sind auf der Arbeit.

— Und ich? Arbeite ich etwa nicht?

— Na ja, du bist ja zu Hause…

— Zu Hause heißt nicht frei!

Andrej schwieg einen Moment, seufzte dann:

— Gut, ich rede mit Ira. Sie soll mehr helfen.

Doch am nächsten Tag änderte sich nichts. Ira war weiterhin mit Arbeit und Kindern beschäftigt, die Männer gingen zur Arbeit, und Elena steckte mitten im Chaos einer fremden Familienwelt.

Am Ende des dritten Tages war ihre Geduld am Ende.

— Hört mal, — sagte Elena beim Abendessen. — Wollen wir nicht Küchen­dienste einführen? Sonst koche immer nur ich.

— Ja, ja, natürlich, — stimmte Ira hastig zu. — Morgen koche ich.

— Und das Abwaschen machen wir auch abwechselnd, — fügte Elena hinzu.

— Selbstverständlich, — nickte Sergej.

Doch am nächsten Morgen erklärte Ira, dass sie dringend arbeiten müsse, und bat Elena, sie „zu vertreten“. Sergej war früh zur Arbeit gegangen und würde spät zurückkehren. Auch Andrej war beschäftigt.

— Also wieder ich, — stellte Elena fest.

— Tut mir leid, so ist es eben, — hob Ira die Hände.

Am Abend hielt Elena es nicht mehr aus:

— Andrej, so kann es nicht weitergehen.

— Was genau?

— Ich bin zu einer Art Dienstpersonal für die ganze Familie geworden. Ich koche, räume auf, passe auf die Kinder auf. Und alle anderen leben einfach, als wären sie im Hotel.

— Du übertreibst.

— Wirklich? Dann sag mir: Wer hat heute das Frühstück gemacht?

— Nun… du.

— Das Mittagessen?

— Du.

— Und das Abendessen?

— Auch du, aber…

— Wer hat abgewaschen?

— Lena, jetzt reicht’s. Ich verstehe, dass es dir schwerfällt.

— Schwer? Nicht schwer, sondern unfair! Warum soll ich eine ganze Familie versorgen?

— Versorgen? Sie bleiben doch nicht für immer!

— Es ist schon eine Woche vergangen. Ohne Fortschritte. Im Gegenteil, gestern meinte Ira, dass gute Wohnungen frühestens in einem Monat zu haben seien.

— Na, ein Monat, zwei Monate — das ist doch nicht schlimm.

— Für dich nicht schlimm! Du gehst morgens weg, kommst abends heim zu einem fertigen Essen. Und ich…

— Und du bist ja zu Hause, also was macht dir das schon aus…

— Stopp! — Elena erblasste fast vor Empörung. — Ich sitze zu Hause? Ich ARBEITE! Im Homeoffice, aber ich arbeite! Und arbeiten kann ich nicht, weil ich ständig jemanden füttern, hinter jemandem aufräumen oder jemanden beschäftigen muss!

Andrej verstand, dass er zu weit gegangen war.

— Schon gut, schon gut. Morgen rede ich ernsthaft mit Ira. Wir teilen die Aufgaben auf.

— Und mit Sergej auch.

— Mit Sergej auch.

Doch am nächsten Tag verlief das Gespräch in allgemeinen Floskeln über gegenseitige Hilfe und Verständnis. Konkrete Entscheidungen wurden nicht getroffen.

Und am Abend geschah ein Vorfall, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Elena bereitete gerade das Abendessen zu, als Andrej zu ihr kam:

— Lena, übrigens, ich habe vergessen, dir zu sagen: Morgen gehen Iras Kinder in Schule und Kindergarten — sie sind ja hier im Viertel vorübergehend untergebracht. Also muss das Frühstück früher fertig sein.

— Verstehe.

— Und Pausenbrote einpacken.

— Aha.

— Außerdem meint Ira, dass die Kindersachen bald alle schmutzig sind. Vielleicht kannst du waschen?

— Vielleicht wäscht sie selbst?

— Aber sie weiß doch nicht, wie eure Maschine funktioniert.

— Dann lernt sie es.

Andrej schwieg, fügte dann hinzu:

— Und überhaupt, jetzt sind wir mehr Leute, da muss auch mehr gekocht werden.

Elena drehte sich zu ihrem Mann um:

— Wie meinst du das?

— Na ja, sie essen jetzt ständig hier zu Hause…

— Und?

— Du wirst also auch für die Familie meiner Schwester kochen, — sagte der Ehemann im Befehlston, bereute es jedoch sofort.

Elena legte das Messer, mit dem sie Gemüse schnitt, ganz langsam zur Seite. Ebenso langsam drehte sie sich zu ihrem Mann. In ihrem Gesicht lag ein Ausdruck, den Andrej noch nie gesehen hatte.

— Wiederhol das, — sagte sie leise.

— Was wiederholen?

— Was du eben gesagt hast. Dass ich kochen werde.

Andrej spürte plötzlich, dass er etwas Falsches gesagt hatte. Doch zurücknehmen konnte er es nicht mehr:

— Nun… also, du wirst eben kochen… weil wir jetzt mehr Leute sind…

— Ich werde kochen, — wiederholte Elena. — Verstanden.

Sie zog wortlos die Schürze aus, hängte sie an den Haken und verließ die Küche.

— Lena, wohin gehst du? — fragte Andrej verwirrt.
— Ins Schlafzimmer.
— Und das Abendessen?
— Was ist mit dem Abendessen? Du hast doch gesagt — ich werde kochen. Also werde ich. Wenn ich es entscheide.

Elena schloss sich im Schlafzimmer ein und setzte sich aufs Bett. Ihre Hände zitterten leicht — vor Wut, Kränkung, Erschöpfung. In zwei Wochen war sie von einer Ehefrau zu einer Dienstmagd geworden. Und ihr Mann verstand nicht einmal, was daran falsch war.

Sie stand auf, holte einen großen Koffer aus dem Schrank und begann, Andrejs Sachen hineinzulegen. Hemden, Hosen, Unterwäsche, Socken. Alles ordentlich, wie sie es immer tat.

Nach einer Weile schloss Elena den Koffer und ging ins Wohnzimmer, wo die ganze Familie vor dem Fernseher saß.

— Entschuldigt, dass ich störe, — sagte sie und stellte den Koffer mitten in den Raum. — Ich habe einen Vorschlag.

Alle drehten sich zu ihr um.

— Ich habe Andrej die nötigsten Sachen für die erste Zeit eingepackt. Ich denke, es ist für alle bequemer, wenn ihr zu Mama aufs Land zieht. Das Haus ist groß, es gibt genug Platz für alle.

— Lena, was soll das? — fragte Ira fassungslos.

— Ich denke nur an euer Wohlbefinden. Auf dem Land bei Mama haben die Kinder Platz zum Spielen, und auch für die Erwachsenen wird es nicht eng.

— Aber wir haben uns doch hier schon eingerichtet… — begann Sergej.

— Eingelebt, ja. Aber ich nicht. In den zwei Wochen habe ich verstanden, dass ich mit der Rolle, die ihr mir zugedacht habt, nicht zurechtkomme.

— Mit welcher Rolle? — wunderte sich Sergej.

— Als Köchin, Putzfrau, Kindermädchen und Wäscherin in einer Person.

Es trat Stille ein.

— Lena, — sagte Ira vorsichtig. — Wenn du meinst, dass wir dich ausnutzen…

— Ich denke das nicht. Ich weiß es. Zwei Wochen lang habe ich gekocht, aufgeräumt, auf die Kinder aufgepasst und gewaschen. Ganz allein. Und heute wurde mir im Befehlston erklärt, dass es auch so weitergehen wird.

Alle schauten auf Andrej.

— Lena, ich habe doch nicht im Befehlston… — begann er.

— Genau im Befehlston. „Du wirst auch für die Familie meiner Schwester kochen.“ Ohne Alternativen, ohne Diskussion.

— Aber so habe ich es nicht gemeint…

— Wie denn? Erklär es allen, wie du es gemeint hast.

Andrej schwieg.

— Dachte ich mir, — sagte Elena. — Deshalb schlage ich vor, dass wir alle zusammen zu deiner Mutter aufs Land fahren. Dort könnt ihr in Ruhe überlegen, wie ihr weiterleben wollt. Und wenn ihr einen Plan habt, wie wir alle zusammenleben können, indem nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten verteilt werden, dann könnt ihr zurückkommen und ihn mit mir besprechen.

— Lena, — sagte Andrej ratlos. — Das ist doch Unsinn…

— Was ist Unsinn? Dass ich keine Dienstmagd im eigenen Haus sein will?

— Wir sehen dich doch nicht als Dienstmagd!

— Wirklich? Dann sag mir — wer hat zuletzt hier gekocht?

Schweigen.

— Wer hat gestern Abend das Geschirr gespült?

Schweigen.

— Wer hat vorgestern die Kindersachen gewaschen?

— Aber wir könnten doch…

— Könntet ihr, aber ihr tut es nicht. Ich kann es, also mache ich es. Für alle.

Elena nahm die Autoschlüssel vom Tisch.

— Ich fahre euch zu Mama. Packt eure Sachen.

— Lena, sei doch nicht so radikal, — mischte sich Ira ein. — Lass uns einfach reden…

— Worüber? Darüber, dass ich eine sechsköpfige Familie versorgen soll? Haben wir schon besprochen. Mehrmals. Das Ergebnis seht ihr selbst.

— Wir verstehen schon, wir teilen alles auf, — beeilte sich Sergej.

— Wunderbar. Dann teilt es auf. Auf dem Land. Da gibt es mehr Platz und Zeit zum Nachdenken.

— Mama, was passiert? — fragte Max.

— Nichts Schlimmes, Schatz. Wir fahren nur zu Oma zu Besuch.

— Für immer?

— Noch nicht. Für eine Weile.

Eine Stunde später saß die ganze Familie im Auto auf dem Weg zur Datscha. Elena fuhr schweigend, auch die anderen redeten nicht.

Dort empfing sie Andrejs Mutter — eine rüstige Siebzigjährige.

— Was verschlägt euch denn alle her? — wunderte sie sich.

— Mama, wir sind zu Besuch, — sagte Andrej verlegen.

— Alle zusammen? Für lange?

— Für eine Weile, — antwortete Elena. — Sie müssen einige Fragen der gemeinsamen Haushaltsführung klären.

Die ältere Frau musterte aufmerksam die Schwiegertochter, dann ihren Sohn.

— Verstanden, — sagte sie. — Kommt rein, Platz gibt es genug.

Elena half, die Sachen auszuladen, und wollte sich verabschieden.

— Lena, — holte Andrej sie ein. — Das ist alles Unsinn. Lass uns nach Hause zurückfahren und in Ruhe reden.

— Es gibt nichts zu besprechen. Ihr wolltet, dass ich für alle koche und putze? Schön. Aber das mache ich nach meinem Zeitplan und zu meinen Bedingungen. Bis dahin — denkt über meinen Vorschlag nach.

— Welchen Vorschlag?

— Die Pflichten gleichmäßig auf alle Erwachsenen zu verteilen. Kochen, putzen, waschen, Kinderbetreuung. Alles im Wechsel, alles gerecht.

— Aber…

— Keine „Aber“. Entweder alle machen mit, oder sie leben getrennt.

— Und wenn wir einverstanden sind?

— Dann kommt ihr zurück und legt mir einen Plan vor. Wer, wann und was macht. Mit den Unterschriften aller Beteiligten.

Am nächsten Tag schlief Elena zum ersten Mal seit zwei Wochen richtig aus. Wachte um acht auf, nicht von Kindergeschrei, sondern ganz von selbst. Sie machte sich Kaffee, frühstückte in Ruhe. Arbeitete ungestört, ohne Fragen der Kinder oder das Miauen der Katze.

Am Abend rief Andrej an:

— Lena, wir haben nachgedacht…
— Und?
— Du hast recht. Wir haben dir wirklich zu viel aufgebürdet.
— Weiter.
— Mama hat uns die Leviten gelesen. Sie sagte, wir benehmen uns wie Egoisten.
— Weise Frau.
— Wir haben einen Plan gemacht. Soll ich dir vorlesen?
— Zeig ihn mir lieber, wenn ihr zurückkommt.
— Können wir morgen kommen?
— Könnt ihr. Aber mit dem Plan. Und unterschrieben von allen.

Am nächsten Tag kam die Familie zurück.

— Lena, verzeih uns, — sagte Ira. — Wir haben uns wirklich furchtbar benommen.
— Wir haben erst gar nicht gemerkt, wie schlimm es war, — ergänzte Sergej.

Andrej reichte seiner Frau ein Blatt Papier:

— Hier ist unser Plan.

Elena studierte das Dokument. Alles war nach Tagen und Stunden aufgelistet: Frühstücke kochten abwechselnd alle Erwachsenen, Mittag- und Abendessen ebenfalls. Das Geschirr spülten jeweils die, die auch gekocht hatten. Die Reinigung machten alle der Reihe nach. Jeder wusch seine eigene und die Sachen seiner Kinder. Um die Kinder kümmerten sich die Eltern, nicht die Tante.

— Sieht vernünftig aus, — sagte Elena. — Aber das ist nur Papier.

— Wir halten uns dran, — versprach Ira.
— Unbedingt, — bekräftigte Sergej.

— Wir werden sehen, — sagte Elena.

Und tatsächlich änderte sich das Leben. In den ersten Tagen hielten sich alle gewissenhaft an ihre Pflichten. Ira stand früh auf und bereitete nach Plan das Frühstück. Sergej spülte nach dem Abendessen das Geschirr. Andrej saugte am Wochenende die Wohnung. Die Kinder liefen nicht mehr mit jeder Kleinigkeit zu Elena.

Natürlich gab es Ausrutscher. Ira vergaß manchmal ihre Kochtage und verwies auf die Arbeit. Sergej „übersah“ ein paarmal das schmutzige Geschirr. Andrej versuchte, das Putzen auf seine Frau abzuwälzen, indem er sich auf Müdigkeit berief.

Aber diesmal schwieg Elena nicht. Sie erinnerte ruhig an die Abmachungen und forderte deren Einhaltung.

— Ira, heute bist du mit dem Frühstück dran.
— Oh, ganz vergessen. Ich habe ein dringendes Projekt, vielleicht könntest du…
— Nein. Du hast eine halbe Stunde, bevor du die Kinder weckst. In einer halben Stunde schafft man einen Brei.

— Sergej, das Geschirr von gestern Abend steht immer noch schmutzig da.
— Ach ja, stimmt. Tut mir leid. Gestern bin ich spät heimgekommen…

— Verstehe. Aber eine Abmachung ist eine Abmachung.

— Andrej, Samstag ist Großputztag. Du bist eingetragen für Staubsaugen und Bodenwischen.

— Lena, ich bin nach der Woche völlig erledigt…

— Wir alle sind müde. Aber die Wohnung muss sauber sein.

Allmählich gewöhnten sich alle an den neuen Rhythmus. Sogar die Kinder machten mit — sie lernten, ihr Spielzeug selbst wegzuräumen und den Eltern bei einfachen Aufgaben zu helfen.

Nach einem Monat fanden Ira und Sergej eine neue Wohnung.

— Weißt du, — gestand Ira Elena vor dem Auszug, — ich bin sogar froh, dass es so gekommen ist.

— Warum?

— Bei uns zu Hause herrschte Chaos mit den Pflichten. Sergej arbeitete nur, ich kümmerte mich nur um die Kinder, und richtig aufgeräumt hat keiner. Jetzt sind wir es gewohnt, nach einem Plan zu leben. Und die Kinder sind es gewohnt zu helfen.

— Das ist gut, — sagte Elena.

— Danke dir. Dafür, dass du uns nicht auf der Nase herumtanzen lassen hast.

— Schon gut.

Am Tag des Umzugs versammelten sich alle in der Küche, um sich zu verabschieden und Bilanz zu ziehen.

— Lena, — sagte Andrej. — Verzeih mir für jenen Abend. Für das, was ich über das Kochen gesagt habe. Das war unverschämt.

— Schon vergessen, — antwortete seine Frau.

— Nein, nicht vergessen. Ich habe damals verstanden, dass ich mich wie ein Despot benehme. So will ich nie wieder sein.

— Gut.

— Und überhaupt… vielleicht sollten auch wir einen Plan machen? Für unser normales Leben?

Elena lächelte:
— Weißt du, das ist gar keine schlechte Idee.

Als die Verwandten ausgezogen waren und es in der Wohnung wieder ruhig und geräumig wurde, fragte Andrej:

— Bereust du nicht, dass du so hart reagiert hast?

— Nein, — antwortete Elena ehrlich. — Hätte ich geschwiegen, hätten wir so weitergelebt. Du hättest dich ans Kommandieren gewöhnt, sie ans Ausnutzen, und ich wäre zur Dienstmagd geworden.

— Wahrscheinlich hast du recht.

— Ich habe sicher recht. Familie ist keine Armee. Hier darf es keine Befehle und keinen bedingungslosen Gehorsam geben.

— Verstanden.

— Und noch etwas, Andrej. Wenn du je wieder meinst, mir Befehle erteilen zu können, erinnere dich an jenen Abend. Erinner dich an den Koffer und an die Datscha.

Andrej nickte:
— Werde ich.

Ein halbes Jahr später, beim Geburtstagstreffen mit Ira und Sergej, erzählte Ira stolz:

— Stell dir vor, die Kinder räumen ihre Zimmer jetzt selbst auf. Ganz allein! Und Sergej hat gelernt, Borschtsch zu kochen. Und ich habe mich mit dem Staubsauger angefreundet.

— Großartig, — lächelte Elena.

— Alles dank dir. Hättest du uns damals nicht wachgerüttelt, wir würden immer noch im Chaos leben.

— Wachgerüttelt ist milde gesagt, — lachte Sergej. — Du hast uns einfach rausgeworfen.

— Ich habe euch nicht rausgeworfen. Ich habe euch vorgeschlagen, nachzudenken.

— Na ja, nachdenken auf der Datscha, — grinste Andrej. — Mit dem Koffer in der Hand.

— Aber wir haben nachgedacht, — sagte Ira. — Und jetzt herrscht Ordnung in der Familie.

— Jetzt herrscht Gerechtigkeit in der Familie, — verbesserte Elena. — Und das ist die Grundlage jeder Ordnung.

Und tatsächlich gab es seitdem in ihrer Familie keine Befehle mehr. Alle Fragen wurden gemeinsam besprochen, alle Pflichten gleichmäßig verteilt. Der Satz „du wirst kochen“ fiel nie wieder im Befehlston.

Denn alle erinnerten sich an jenen Abend, als Elena den Koffer packte und zeigte, dass es in einer Familie keine Dienstmädchen geben kann. Nur gleichberechtigte Partner, die bereit sind, sowohl Freude als auch Pflichten zu teilen.

Und Andrej bereute seine Worte damals wirklich sehr. Er vergaß die Lektion nie: In einer Familie gibt es keine Befehle. In einer Familie trifft man Absprachen.

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