— Das bist alles du! — schrie die Schwiegermutter, während sie die Gäste zur Seite drängte. — So ein Geschenk hast du mir eingebrockt, Nichtsnutz!
In der Dreizimmer-Chruschtschowka an der Preobraschenski begann der Krieg schon am ersten Tag, als Anna Michailowna sah, wie sich ihre frischgebackene Schwiegertochter Katja im Flur die Schuhe auszog. Nicht ordentlich, wie es sich für ein wohlerzogenes Mädchen gehört, sondern sie riss sie von den Füßen und ließ sie mitten im Korridor liegen.

— Schuhe stellt man in den speziellen Schrank, — sagte die Schwiegermutter kühl und deutete auf den schmalen Schrank neben der Tür.
— Natürlich, Anna Michailowna, — lächelte Katja, doch in ihren Augen blitzte etwas Scharfes auf.
Sergej schenkte diesem Blickwechsel damals keine Beachtung. Er war glücklich — endlich hatte er seine Frau nach Hause zu seiner Mutter gebracht. Er dachte, sie würden sich anfreunden. Zwei der wichtigsten Frauen in seinem Leben würden bestimmt einen gemeinsamen Nenner finden.
Wie sehr er sich irrte.
Anna Michailowna, sechzig Jahre alt und mit dem stählernen Charakter einer Kindergartenleiterin, war an Ordnung und bedingungslosen Gehorsam gewöhnt. Katja hingegen, eine siebenundzwanzigjährige Ökonomin mit Ambitionen und eigenen Vorstellungen vom Leben, hatte nicht vor, sich zu fügen.
Die ersten Wochen verliefen wie ein Sondierungskampf. Die Schwiegermutter machte Bemerkungen beim Kochen („Sauerrahm gibt man am Ende dazu, nicht während des Kochens“), die Schwiegertochter dagegen stellte die Töpfe in den Küchenschränken nach eigenem Ermessen um („so ist es viel praktischer, Anna Michailowna“). Wenn die Schwiegermutter über Unordnung im Bad klagte, hängte Katja ihre Strumpfhosen demonstrativ an die Heizung im Wohnzimmer. Wenn jene sich über Musik am Abend empörte, schaltete Katja den Staubsauger pünktlich um sieben Uhr morgens ein.
Sergej versuchte, nichts zu bemerken. Bei der Arbeit fragten die Kollegen, wie es zu Hause laufe, und er antwortete:
— Alles normal. Sie reiben sich langsam aneinander.
Doch zu Hause fand kein Einleben statt. Im Gegenteil — die scharfen Kanten ihrer Charaktere stießen immer heftiger aneinander und hinterließen tiefe Kratzer im Familienfrieden.
Katja wusste, dass sie nicht im eigenen Haus lebte, und versuchte, eine Grenze nicht zu überschreiten. Aber wenn die Schwiegermutter wieder einmal in ihrer Gegenwart seufzte: „Wenn Sergej doch nur Lenotschka aus dem Nachbarhaus geheiratet hätte, die kann wenigstens kochen“, dann war die Geduld am Ende.

— Anna Michailowna, — sagte Katja dann mit ruhiger Stimme, — wissen Sie eigentlich, dass ich im Monat mehr verdiene als Ihre Lenotschka in einem halben Jahr an der Kasse im ‚Pjatjorotschka‘?
— Geld ist nicht das Wichtigste in der Familie, — konterte die Schwiegermutter.
— Da stimme ich zu. Das Wichtigste ist Respekt. Der uns in unserer Familie leider fehlt.
Solche Gespräche endeten gewöhnlich damit, dass sich beide Frauen in verschiedene Zimmer zurückzogen, und Sergej nach Feierabend ein Zuhause voller gespannter Stille und ein halbfertiges Abendessen vorfand.
Doch der eigentliche Konflikt entbrannte wegen eines Seidenkleides.
Sergej, dem auffiel, dass seine Frau verschlossen und gereizt geworden war, beschloss, die Situation mit einem romantischen Abend zu retten. Er reservierte einen Tisch im Restaurant und kaufte Theaterkarten.
— Katjuscha, — sagte er am Morgen zu seiner Frau und küsste sie auf die Wange, — heute Abend entführe ich dich. Zieh dich schön an, wir haben ein Date.
Kats Gesicht erhellte sich mit dem ersten ehrlichen Lächeln seit vielen Tagen.
— Serjoscha, wie wunderbar! Ich werde mein neues Kleid anziehen.
Dieses Kleid war ihr ganzer Stolz — reine Seide in edlem Smaragdgrün, gekauft von der ersten Prämie im neuen Job. Katja holte es behutsam aus dem Schrank und hängte es über die Tür, damit sich die Falten aushingen.
— Mama, — wandte sich Sergej an Anna Michailowna, — wir gehen heute Abend ins Restaurant. Du hast doch nichts dagegen?
— Aber natürlich, mein Sohn. Amüsiert euch, — antwortete sie, doch ihr Blick blieb an dem Kleid hängen.
Als Katja nach der Arbeit voller Vorfreude auf den Abend nach Hause kam, war das Kleid nicht mehr an der Schranktür. Ein beunruhigender Gedanke huschte ihr durch den Kopf, doch sie verscheuchte ihn rasch. Sicher war es nur heruntergefallen.
Aber das Kleid war weder im Schrank noch auf dem Boden, noch auf dem Bett.
— Anna Michailowna, — rief Katja und bemühte sich, ruhig zu bleiben, — haben Sie mein grünes Kleid gesehen?
— Ach, dieses Kleid, — die Schwiegermutter erschien in der Tür und wischte sich die Hände an der Schürze ab. — Verzeihen Sie, ich dachte, Sie hätten es zum Waschen aufgehängt. Es war ja sehr zerknittert. Ich habe es in die Waschmaschine gesteckt.
Katjas Kehle wurde trocken:
— In welche Waschmaschine?

— In unsere natürlich. Auf neunzig Grad, damit es auch ganz sicher sauber wird.
Katja stürzte zur Waschmaschine. Durch die Glastür war ein graugrüner formloser Lappen zu sehen, der einst ihr Lieblingskleid gewesen war.
— Anna Michailowna, — Kattjas Stimme zitterte, — das war ein Seidenkleid. Zwölftausend Rubel hat es gekostet. Seide wäscht man nur in kaltem Wasser.
— Oh, das wusste ich nicht, — die Schwiegermutter breitete die Arme aus. — Ich dachte, man kann alle Sachen bei neunzig Grad waschen. Na, dann kauf dir eben ein neues, wenn es so teuer war.
Katja sah auf die Überreste des Kleides und spürte, wie sich in ihr alles zu einem harten Knoten zusammenzog. Es war nicht einfach nur ein Kleid. Es war ein Symbol ihrer Unabhängigkeit, ihrer Erfolge, ihres Rechts, in diesem Haus sie selbst zu sein.
— Das werde ich niemals vergessen, — sagte sie leise und trat von der Maschine zurück.
Am Abend fuhren sie mit Sergej zwar ins Restaurant, aber Katja war schweigsam und abwesend in ihrem alten schwarzen Kleid.
— Was ist los? — fragte ihr Mann.
— Nichts. Ich bin nur müde.
Sie erzählte nichts von dem ruinierten Kleid. Wozu auch? Er hätte sowieso Partei für seine Mutter ergriffen, gesagt, dass sie es nicht böse gemeint habe, dass man nachsichtig sein müsse mit einem älteren Menschen.
Doch Katja bewahrte den Groll tief in sich und wartete auf den richtigen Moment.
Dieser Moment kam einen Monat später, als Anna Michailowna begann, sich auf ihren Geburtstag vorzubereiten. Einundsechzig Jahre — kein rundes Datum, aber ein Anlass, die ganze Verwandtschaft einzuladen und zu zeigen, welch wunderbare Familie sie habe.
— Wir laden alle ein, — verkündete die Schwiegermutter beim Abendessen, — auch deine Eltern, Katjenka. Sollen sie sehen, wie harmonisch wir zusammenleben.
Katja nickte und entwarf im Stillen bereits einen Plan.
Eine Woche vor dem Fest herrschte zwischen den Frauen plötzlich ein unerwarteter Waffenstillstand. Man musste das Menü zusammenstellen, die Einkäufe erledigen, die Tischdekoration durchdenken. Sie besprachen Rezepte, teilten Aufgaben auf, berieten sich sogar über die Dekoration der Wohnung.
— Vielleicht machen wir den Olivier-Salat nicht mit Wurst, sondern mit Rinderzunge? — schlug Katja vor.
— Gute Idee. Und den Hering im Pelzmantel rollen wir zu einer Rolle, das sieht schön aus.
Sergej verfolgte diese Zusammenarbeit mit Erleichterung. Endlich hatten seine Frauen einen gemeinsamen Nenner gefunden.

Am Geburtstag wirbelten sie schon am Morgen in der Küche herum wie ein gut geöltes Uhrwerk. Katja schnitt Gemüse für die Salate, Anna Michailowna zauberte an den warmen Speisen. Bis vier Uhr bog sich der Tisch unter Köstlichkeiten — da gab es traditionelle Salate, gefüllten Hecht, hausgemachte Piroggen und die Torte „Napoleon“, die sie gemeinsam gebacken hatten.
— Oh, Mädels, was für eine Pracht! — rief Tante Walja, die erste der Gäste. — Wie in einem richtigen Restaurant!
— Das haben unsere fleißigen Hausdamen geschafft, — sagte Sergej stolz und umarmte gleichzeitig seine Frau und seine Mutter.
Der Abend verlief wunderbar. Die Gäste lobten das Essen, Anna Michailowna nahm die Komplimente entgegen, Katja lächelte bescheiden. Sogar „Moskauer Nächte“ wurde gesungen.
— Katja, mein Goldstück, würdest du mir das Rezept für den Hering im Pelzmantel verraten? — bat die Nachbarin Tante Marina.
— Das ist nicht mein Rezept, — antwortete Katja, — das hat mich Anna Michailowna gelehrt.
Die Schwiegermutter nickte zufrieden. Jetzt sprach die Schwiegertochter endlich die richtigen Worte.
Um zehn Uhr, als die Gäste sich in Gruppen aufgeteilt hatten und jeder über sein eigenes sprach, beschloss Anna Michailowna, dass es Zeit war, die Geschenke zu öffnen.
Der Tisch im kleinen Zimmer war mit Schachteln, Tüten und Blumen übersät. Anna Michailowna öffnete die Verpackungen der Reihe nach, bedankte sich, zeigte die Geschenke den Gästen. Da war ein schöner Schal von der Schwester, ein Topfset von der Nichte, ein Parfum von den Nachbarn.
Zuletzt lag da ein weißer Umschlag ohne jegliche Kennzeichnung.
— Und was ist das? — wunderte sich die Jubilarin und hielt ihn gegen das Licht…
— Und was ist das? — wunderte sich die Jubilarin und hielt den Umschlag gegen das Licht.
Katja stand an der gegenüberliegenden Wand und sah ihre Schwiegermutter aufmerksam an.
Anna Michailowna öffnete den Umschlag und zog ein gefaltetes Blatt heraus. Nachdem sie die ersten Zeilen gelesen hatte, wurde sie blass, dann rot, dann wieder blass.
— Was steht da, Mama? — trat Sergej näher.
Doch die Schwiegermutter lief bereits quer durch das Wohnzimmer, drängte die tanzenden Gäste beiseite und schwenkte das Blatt.

— Das bist alles du! — schrie sie, — so ein Geschenk hast du mir eingebrockt, Nichtsnutz!
Die Gäste erstarrten, die Musik verstummte. Anna Michailowna hielt Katja das Papier vors Gesicht:
— Lest! Lest alle, was sie mir geschenkt hat!
Sergej nahm das Blatt aus den zitternden Händen seiner Mutter und las laut:
— „Sehr geehrte Anna Michailowna! Als Antwort auf Ihre Anfrage bezüglich einer möglichen Unterbringung in unserer Einrichtung laden wir Sie herzlich zu einer Besichtigung des Altenheims ›Goldene Jahre‹ ein. Jekaterina Sergejewna rief an und erkundigte sich nach den Bedingungen für ihre Schwiegermutter. Kommen Sie jederzeit…“
Es herrschte eine solche Stille, dass man das Ticken der Uhr an der Wand hören konnte.
— Katja, — sagte Sergej leise, — stimmt das?
Katja sah die Schwiegermutter mit einem kalten Lächeln an:
— Na und? Wenn Anna Michailowna nicht imstande ist zu verstehen, wie man Wäsche wäscht, sollte man vielleicht ihre geistigen Fähigkeiten überprüfen? In dieser Einrichtung gibt es hervorragendes, qualifiziertes Personal, sie lassen sie keine Dummheiten machen.
— Wie kannst du es wagen! — kreischte die Schwiegermutter. — Ich werde dir zeigen, was geistige Fähigkeiten sind!
Sie stürzte auf Katja zu, doch Sergej hielt die Mutter an den Armen fest:
— Mama, vor den Gästen! Das ist doch beschämend! Und du, Katja, — er wandte sich an seine Frau, — so ein Geschenk — das ist zu viel.
— Zu viel? — Katja lachte höhnisch. — Und als sie mein Kleid für zwölftausend ruiniert hat — das war nicht zu viel?
— Welches Kleid? — fragte Sergej verwirrt.
— Mein Seidenkleid, das deine Mami auf neunzig Grad gewaschen hat! Natürlich zufällig. Sie wusste ja nicht, dass man Seide nicht so wäscht.
— Ich wusste es wirklich nicht! — schrie Anna Michailowna und riss sich aus den Händen des Sohnes. — Und überhaupt, du hast mich dazu gebracht! Wegen dir steht die ganze Wohnung Kopf!
— Ich bringe die Wohnung durcheinander? — Katja trat einen Schritt vor. — Bin ich es, die jeden Tag Bemerkungen macht? Bin ich es, die seufzt, was für eine unpassende Frau ihr Sohn sich genommen hat?
Die Gäste standen im Halbkreis, unschlüssig, ob sie eingreifen oder sich lieber still verabschieden sollten. Tante Walja zog sich schon den Mantel an.
— Mädels, — versuchte Onkel Kolja zu beschwichtigen, — vielleicht nicht vor den Leuten?
Doch die Frauen hörten längst niemanden mehr. Sie standen einander gegenüber, und in ihren Augen war all das, was sich monatelang angesammelt hatte.
— Denkst du, ich merke nicht, was du tust? — fauchte Katja. — Jeden Tag diese Nörgeleien — mal steht der Topf falsch, mal sauge ich zur falschen Zeit. Denkst du, dein Sohn liebt dich mehr?
— Ich bin seine Mutter! — schrie Anna Michailowna. — Dreißig Jahre habe ich ihn großgezogen, und wer bist du?
— Ich bin seine Frau! Und ich werde mit ihm leben, nicht du!

— Schluss jetzt! — donnerte Sergej so laut, dass alle zusammenzuckten. — Genug für euch beide! Ich schäme mich für euch! Vor Gästen solche Szenen…
Doch es war zu spät. Die Gäste packten schweigend ihre Sachen. Einige murmelten Dank für die Bewirtung, andere nickten nur. In einer halben Stunde war die Wohnung leer.
Es blieben nur sie drei — Mann, Frau und Schwiegermutter, zwischen den Resten des Festmahls und den Scherben des Familienfriedens.
— Katja, — sagte Sergej müde, — das mit dem Altenheim war grausam.
— Aber mein teures Kleid ruinieren — das war in Ordnung? — entgegnete die Frau.
— Mir hängt dein Kleid zum Hals raus! — schluchzte Anna Michailowna. — Immer nur dieses Kleid! Es ist ruiniert, na und, passiert doch!
— Anna Michailowna, — Katja sprach sehr leise, doch jedes Wort klang deutlich, — das war kein Zufall. Sie wussten genau, was Sie tun.
Die Schwiegermutter verstummte und sah die Schwiegertochter mit weit aufgerissenen Augen an.
— Und das Altenheim — auch kein Zufall. Das war die Antwort. Auf Ihre Sticheleien, Ihre Bemerkungen, auf das verdorbene Kleid.
Anna Michailowna drehte sich wortlos um und ging in ihr Zimmer. Auf der Schwelle blieb sie stehen:
— Nun gut, dann eben Krieg.
— Dann Krieg, — bestätigte Katja.

Nach dem Fest wurde das Leben in der Wohnung noch schwerer. Der Waffenstillstand war vorbei, und die Frauen begannen, sich mit doppelter Energie gegenseitig zu schaden. Anna Michailowna „vergaß“ Kattjas Sachen mit blutroten Socken zusammenzuwaschen. Katja stellte im Gegenzug den Wecker der Schwiegermutter eine Stunde zurück, sodass diese zu spät zur Arbeit kam. Versteckte die Schwiegermutter Kattjas Haarklammern, salzte die Schwiegertochter ihren Kaffee statt Zucker hinein.
Sergej rannte zwischen ihnen hin und her, flehte um Frieden, aber die Frauen waren unnachgiebig. Jede war überzeugt, im Recht zu sein, jede erinnerte sich nur zu gut an die eigenen Kränkungen.
— Mama, versuch doch, Katja zu verstehen, — bat er seine Mutter.
— Katjuscha, Mama ist doch schon älter, — flehte er seine Frau.
Aber Verständnis stellte sich nicht ein. In der kleinen Wohnung tobte ein richtiger Krieg, und ein Ende war nicht abzusehen.
Abends saß Sergej in der Küche, trank Tee und dachte daran, dass es irgendwo auf der Welt Familien gibt, in denen sich alle lieben und keine Skandale wegen Kleidern und Altenheimen machen. Aber in seiner Familie war der Frieden ein zerbrechliches Ding, das an einem unbedachten Wort zerbrach.
Und in den Nachbarzimmern saßen zwei der wichtigsten Frauen in seinem Leben und erfanden immer neue Wege, einander weh zu tun — und niemand konnte sie aufhalten.
Nicht einmal die Liebe.