— Und was machst du hier? Wir hätten nie gedacht, dass du auftauchst, — murmelte die Schwägerin bestürzt, als sie Rita an der Schwelle ihrer eigenen Datscha erblickte.

— Und was machst du hier? Wir hätten nie gedacht, dass du auftauchst, — murmelte die Schwägerin bestürzt, als sie Rita an der Schwelle ihrer eigenen Datscha erblickte.

Rita stellte den Motor ab und blickte durch die Windschutzscheibe auf das kleine Landhaus. Eigentlich hatte sich nichts verändert — das gleiche blaue Dach, die gleichen Birken am Rand des Grundstücks, das gleiche Gartentor, das ihr Vater einst grün gestrichen hatte. Nur dass auf der Veranda Licht brannte, kam ihr seltsam vor. Vielleicht Nachbarn? Obwohl… die Nachbarn wussten doch, dass Rita seit fast einem Jahr nicht mehr hier gewesen war.

Sie griff nach ihrer Tasche auf dem Rücksitz und erstarrte plötzlich. Jemand lief über das Grundstück. Ein Schatten huschte zwischen den Apfelbäumen, dann erschien er wieder — diesmal näher am Haus. Eine Frau im T-Shirt und in Shorts, mit einem Kind auf dem Arm.

— Was zum Teufel… — murmelte Rita und stieg aus dem Auto.

Sie ging zum Gartentor und blieb wie angewurzelt stehen. Aus dem Haus drangen Stimmen, Lachen, Klirren von Geschirr. Auf der Veranda hing Kinderwäsche zum Trocknen. Unter dem Vordach standen Fahrräder — zwei für Erwachsene und eines für ein Kind. Und das Tor… war nicht verschlossen. Rita drückte gegen den Flügel, er öffnete sich leicht mit dem vertrauten Quietschen.

Ihre Beine trugen sie wie von selbst zur Treppe. Ein einziger Gedanke hämmerte in ihrem Kopf: Jemand wohnt in dem Haus. In ihrem Haus. Auch die Tür war offen, und im Flur stolperte Rita beinahe über Kindersandalen. An den Haken hingen fremde Jacken, in der Ecke standen zwei große Koffer und ein Korb voller Spielsachen.

Ihr Herz schlug bis zum Hals. Rita lauschte — aus der Küche kam die Stimme einer Frau, irgendetwas über einen morgigen Ausflug in den Wald, dann Kinderlachen und das Klappern von Geschirr. Es roch nach Bratkartoffeln und Dill.

— Mama, dürfen wir morgen an den Fluss? — ertönte die helle Stimme eines Jungen.

— Schauen wir mal, Artjomka. Wenn es nicht regnet…

Rita machte einen Schritt in Richtung Küche. Noch einen. An der Schwelle blieb sie stehen.

Am Tisch saß ein etwa fünfunddreißigjähriger Mann im karierten Hemd, neben ihm eine Frau im gleichen Alter — hellbraunes Haar, zu einem Pferdeschwanz gebunden. Auf ihrem Schoß saß ein kleines Mädchen von vielleicht drei Jahren, und ihnen gegenüber erzählte ein älterer Junge gestikulierend mit der Gabel etwas voller Begeisterung.

Die Frau bemerkte Rita zuerst. Ihr Gesicht erstarrte, die Augen weiteten sich. Die Teetasse glitt ihr aus den Händen und zerbrach klirrend auf dem Boden.

— Und was machst du hier? — stammelte die Frau bestürzt. — Wir hätten nie gedacht, dass du auftauchst…

Rita erkannte die Stimme. Inna. Die Schwester ihres Ex-Mannes. Die Schwägerin, die immer freundlich und zuvorkommend gewesen war, solange Rita mit Viktor verheiratet war. Nach der Scheidung hatte sie Begegnungen sofort gemieden.

— Inna? — Ritas Stimme klang seltsam heiser. — Was macht ihr hier?

Der Mann — offenbar Innas Ehemann — erhob sich langsam vom Tisch. Sein Gesicht war rot und verlegen. Die Kinder verstummten und starrten neugierig auf die fremde Tante.

— Rita… — begann der Mann. — Wir dachten… Also, Witka meinte, du würdest hier nicht mehr herkommen. Dass die Datscha leer stünde.

— Witka meinte? — Rita spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss. — Und was meinte Witka noch?

Inna hob die Tasse vom Boden auf, immer noch mit der Tochter auf dem Arm. Das Mädchen schmiegte sich an die Schulter der Mutter und schnaufte.

— Nun… wir hätten wirklich nicht gedacht… — Inna sprach hastig, nervös. — Wir haben Urlaub, und ein Haus zu mieten ist teuer. Witka sagte, die Schlüssel wären noch von damals, als wir alle zusammen hierherkamen. Erinnerst du dich? An deinem Geburtstag, vor drei Jahren…

— Die Schlüssel wären noch da, — wiederholte Rita langsam. — Und ihr habt beschlossen, einfach in meinem Haus einzuziehen?

— Wir hätten gefragt, — warf Innas Mann schnell ein. — Aber deine Telefonnummer… wir wussten nicht, wie wir dich erreichen sollten.

Rita blinzelte fassungslos. Glaubten sie im Ernst, das Problem sei, dass sie nicht um Erlaubnis gefragt hatten? Dass sie, wenn sie gefragt hätten, ihr Einverständnis gegeben hätte, damit eine ganze Familie in ihrem Haus lebt?

— Wie lange seid ihr hier? — fragte Rita.

— Eine Woche, — antwortete Inna leise. — Wir wollten noch etwa zehn Tage bleiben…

— Zehn Tage, — wiederholte Rita wie ein Echo.

Schwere Stille legte sich über die Küche. Der Junge legte vorsichtig die Gabel beiseite und schielte zu seinen Eltern. Das kleine Mädchen auf Innas Schoß begann zu quengeln — sie hatte wohl die Anspannung gespürt.

— Hör zu, Rita, — begann Innas Mann. — Wir wollten wirklich nichts Böses. Das Haus stand doch ohnehin leer. Wir räumen auf, gießen die Blumen, haben sogar das Gras gemäht. Nicht schlechter, als es war.

— Nicht schlechter? — Ritas Stimme überschlug sich. — Ihr seid ohne Erlaubnis in mein Haus eingedrungen, lebt hier wie in eurem eigenen, und sagt, es sei nicht schlechter?

— Wir sind nicht eingedrungen! — empörte sich Inna. — Witka hatte die Schlüssel! Wir dachten…

— Was dachtet ihr? — unterbrach Rita. — Dass ich gestorben bin? Dass das Haus niemandem gehört?

Inna drückte ihre Tochter fester an sich. Ihr Gesicht war ganz blass geworden.

— Du verstehst nicht, — begann Inna mit zitternder Stimme. — Wir haben nur zwei Wochen Urlaub im Jahr. Für eine Miete reicht das Geld nicht. Die Kinder haben sich so auf die Datscha gefreut…

— Und was hat das mit meinen Problemen zu tun? — Rita trat in die Küche, und die ganze Familie drängte sich unwillkürlich an die gegenüberliegende Wand. — Das ist mein Haus! Meins! Ich habe es von meinem Vater geerbt!

— Wir wissen das, — murmelte Innas Mann. — Wir dachten nur…

— Nur was? Dass man sich einfach Fremdes nehmen darf, ohne zu fragen?

Der Junge fing plötzlich laut an zu weinen. Rita zuckte zusammen und sah ihn an. Ein schmächtiger Knirps von etwa acht Jahren, mit strubbeligen Haaren, die in alle Richtungen abstanden. Tränen liefen ihm über die Wangen, und seine Lippen zitterten.

— Mama, fahren wir jetzt nach Hause? — schluchzte er. — Und was ist mit dem Fluss? Und den Fahrradausflügen?

Ritas Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Die Kinder konnten nichts dafür. Sie wollten doch nur Ferien in der Natur verbringen. Aber… aber das hier war ihr Haus! Ihr einziger Ort, an dem sie Ruhe und Frieden finden konnte!

— Rita, — begann Inna leise. — Bitte… Lass uns doch wenigstens noch ein paar Tage bleiben. Wir haben schon alles geplant, die Lebensmittel für die ganze Woche gekauft. Die Kinder haben sich so gefreut…

— Und wo soll ich dann wohnen? — fragte Rita. — Auf der Straße?

— Das Haus ist groß, — warf Innas Mann schüchtern ein. — Es gibt viele Zimmer. Wir könnten zusammenrücken…

Rita sah ihn so an, dass er sofort verstummte.

— Zusammenrücken? In meinem eigenen Haus?

Sie ließ den Blick durch die Küche schweifen. Auf dem Tisch standen fremde Teller, im Spülbecken lag fremdes Geschirr. Auf der Fensterbank prangte ein Strauß Wildblumen in einer Vase, die Rita noch aus ihrer Kindheit kannte. Auf dem Herd stand ein Topf mit Kartoffeln, aus dem ein appetitlicher Duft aufstieg.

Sie hatten sich hier richtig eingerichtet. Als wäre es ihr rechtmäßiges Heim und nicht fremdes Eigentum.

— Wo ist Witka? — fragte Rita plötzlich.

Inna und ihr Mann sahen sich an.

— Witka? — wiederholte Inna. — Wozu brauchst du ihn?

— Dazu, dass er die Schlüssel hatte. Und offenbar auch die Erlaubnis gegeben hat.

— Witka ist in der Stadt, — antwortete Inna widerwillig. — Er hat seine eigenen Angelegenheiten.

— Aha. Eigene Angelegenheiten. — Rita lächelte schief, ohne jede Spur von Freude. — Und fremde Häuser zu verschenken gehört wohl auch zu seinen Angelegenheiten?

Das kleine Mädchen auf Innas Arm begann wieder zu wimmern. Der Junge schniefte ebenfalls und vergrub sein Gesicht im Ärmel.

— Rita, bitte, — flehte Inna. — Wir sind doch Verwandte. Früher waren wir uns so nah. Kannst du uns das wirklich nicht gönnen?

— Verwandte? — Rita runzelte die Stirn. — Wir waren nur so lange Verwandte, wie ich mit deinem Bruder verheiratet war. Nach der Scheidung, was für Verwandte sind wir da noch?

— Aber doch…

— Kein Aber, — unterbrach Rita. — Und überhaupt, was spielt das für eine Rolle? Selbst wenn wir verwandt wären, gäbe euch das kein Recht, über fremdes Eigentum zu verfügen!

Inna setzte ihre Tochter auf den Boden und richtete sich auf. In ihren Augen glomm plötzlich etwas Hartnäckiges, Entschlossenes.

— Weißt du was, Rita, — sagte Inna in einem Ton, den man von ihr nicht kannte. — Natürlich kannst du uns hinauswerfen. Aber überleg doch mal: Das Haus stand ein Jahr leer. Wir haben es gelüftet, aufgeräumt, den Garten in Ordnung gebracht. Vielleicht reicht es jetzt, so… geizig zu sein?

Rita blieb wie angewurzelt stehen, blinzelte und wusste nicht, wie sie reagieren sollte.

— Geizig? — wiederholte sie, als sie endlich ihre Sprache wiederfand. — Ich bin geizig, nur weil ich fremden Leuten nicht erlaube, in meinem Haus zu wohnen?…

— Wir sind keine Fremden! — fuhr Inna auf. — Wir kennen uns doch schon so viele Jahre! Und außerdem, was macht es dir denn aus? Du wohnst hier ja sowieso nicht!

— Und woher willst du wissen, dass ich hier nicht wohne? — Ritas Stimme wurde immer leiser und gefährlicher. — Vielleicht hatte ich gerade vor, den ganzen Sommer hier zu verbringen?

— Hattest vor? — fauchte Inna. — Wolltest du das nicht schon vor einem Jahr? Und vor zwei Jahren auch?

Rita ballte die Fäuste. Innas Frechheit war schlicht unfassbar. Erst zieht sie eigenmächtig in ein fremdes Haus ein, und dann erklärt sie auch noch der Eigentümerin, warum diese kein Recht hat, sich aufzuregen.

— Hör mir jetzt genau zu, — sagte Rita langsam. — Morgen früh packt ihr eure Sachen und verschwindet. Ende der Diskussion.

— Rita, bist du denn völlig verrückt geworden? — Inna trat einen Schritt vor, ihre Augen funkelten vor Zorn. — Wie kannst du nur!

— Ich verrückt? — Rita lachte, doch ihr Lachen klang hysterisch. — Ihr habt mein Haus besetzt, lebt hier wie die Herrschaften, und ich soll die Verrückte sein?

Der Junge brach erneut in lautes Weinen aus, diesmal stimmte auch das Mädchen mit ein. Das Heulen der Kinder erfüllte die Küche, hallte von Wänden und Decke wider.

— Siehst du, was du angerichtet hast! — schrie Inna, um das Weinen der Kinder zu übertönen. — Zufrieden jetzt?

Rita sah die weinenden Kinder an und spürte, wie sich in ihrem Inneren ein harter, schmerzhafter Knoten bildete. Einerseits tat es ihr leid um die Kinder. Andererseits — warum sollte sie für die Dreistigkeit ihrer Eltern bezahlen?

— Ihr habt sie in diesen Zustand gebracht, nicht ich, — sagte Rita.

— Wir wollten doch nur Urlaub machen! — rief Inna und nahm die weinende Tochter auf den Arm. — Ist das wirklich so schlimm?

— Macht Urlaub, aber nicht in meinem Haus!

— Und wo denn? — schrie Innas Mann. — Wo sollen wir denn hin? Wir haben kein Geld für eine Miete! Die Gehälter sind klein, Kredite, Hypothek! Wir haben ein Jahr lang für diesen Urlaub gespart!

— Wieder nicht mein Problem, — schnitt Rita ab.

Doch irgendetwas in der Stimme des Mannes ließ sie genauer hinschauen. Sein Gesicht wirkte müde, dunkle Ringe unter den Augen. Das Hemd war ausgewaschen, an den Ärmeln geflickt. Und Inna… auch sie sah nicht gut aus. Die Kleidung offensichtlich nicht neu, das Haar ungleichmäßig und offenbar selbst geschnitten.

— Rita, — begann Inna leise, während sie ihre Tochter wiegte. — Versuch uns zu verstehen. Die Kinder haben das ganze Jahr auf die Datscha gewartet. Wir haben es ihnen versprochen…

— Versprochen mit fremdem Eigentum? — unterbrach Rita. — Vielleicht habt ihr ihnen auch noch ein fremdes Auto versprochen?

— Das ist nicht dasselbe!

— Wieso nicht? Das Prinzip ist doch identisch — sich einfach etwas Fremdes nehmen, ohne zu fragen.

Inna ließ sich plötzlich auf einen Stuhl sinken und bedeckte das Gesicht mit den Händen. Ihre Schultern bebten.

— Ich… — schluchzte Inna. — Ich bin einfach so müde. Von der Arbeit, vom ständigen Geldmangel, davon, dass wir den Kindern nichts ermöglichen können. Als Witka vorschlug, hierherzufahren, schien es wie ein Ausweg. Wenigstens zwei Wochen normal leben…

Rita stand da, sah auf die schluchzende Schwägerin, die weinenden Kinder, den ratlosen Mann — und wusste nicht, was tun. Mitleid kämpfte mit Empörung, doch noch siegte die Empörung.

Das Bild war kläglich: eine Familie, die sich keinen normalen Urlaub leisten konnte und deshalb gezwungen war, fremde Häuser in Beschlag zu nehmen. Aber war das eine Entschuldigung? Gab Armut das Recht auf fremdes Eigentum?

— Inna, — sagte Rita.

Die Frau hob ihre verweinten Augen.

— Was?

— Wo arbeitet ihr? Und wie viel verdient ihr?

Inna wischte sich mit dem Kleidärmel die Nase.

— Ich arbeite im Kindergarten als Erzieherin. Sergej ist Schlosser in der Fabrik. Ich bekomme zweiundfünfzigtausend, Sergej achtundsechzig.

— Das sind über hunderttausend zusammen, — rechnete Rita. — Nicht schlecht.

— Nicht schlecht? — Inna lachte bitter. — Die Hypothek — fünfundvierzigtausend im Monat. Nebenkosten — acht. Kindergarten — zwölf. Lebensmittel, Kleidung, Medikamente… Am Monatsende bleibt fast nichts.

— Und deshalb darf man fremde Häuser besetzen?

— Wir haben nichts besetzt! — fuhr Sergej auf. — Witka hat uns die Schlüssel gegeben! Er meinte, du hättest nichts dagegen!

— Witka meinte? — Rita hob die Augenbrauen. — Und seit wann verfügt Witka über mein Eigentum?

— Na ja… er ist doch dein Ex-Mann…

— Eben. Ex. Er hat keinerlei Rechte an diesem Haus.

Sergej wollte etwas erwidern, doch Rita kam ihm zuvor:

— Im Übrigen: Das Gespräch ist beendet. Ich bin müde und will in meinem eigenen Haus ausruhen. Heute verlasst ihr das Haus. Punkt.

— Rita…

— Genug. Ende der Diskussion.

Rita drehte sich um und verließ die Küche. Im Flur blieb sie stehen und lauschte den leisen Stimmen. Inna flüsterte ihrem Mann etwas zu, er antwortete, die Kinder schluchzten weiter.

Vor ihr lag eine lange Nacht in ihrem eigenen Haus, das von Fremden besetzt worden war. Und morgen früh…

Rita ging ins Schlafzimmer — ihr Schlafzimmer — und sah auf dem Bett Kindersachen. Kleine Kleidchen, Shorts, Söckchen. Auf dem Nachttisch standen eine Wasserflasche und Kinderbücher. Alles deutete darauf hin, dass hier Innas Kinder schliefen.

— Entschuldige, — ertönte hinter ihr eine schüchterne Stimme.

Rita drehte sich um. In der Tür stand Sergej mit schuldbewusstem Gesicht.

— Sollen wir… sollen wir unsere Sachen packen? — fragte er.

— Packen, — antwortete Rita knapp. — Sofort.

— Und wo… wo sollen wir übernachten? Hier in der Nähe gibt es keine Hotels.

— Weiß ich nicht. Das ist euer Problem.

Sergej blieb noch einen Moment stehen, dann ging er leise hinaus. Aus der Küche drangen gedämpfte Stimmen, Rascheln von Sachen. Rita setzte sich auf die Bettkante und blickte zum Fenster hinaus. Draußen war es inzwischen ganz dunkel geworden, in den Nachbarhäusern brannten Lichter.

Vielleicht handelte sie wirklich zu hart? Die Kinder konnten nichts dafür. Und Inna mit ihrem Mann… vielleicht glaubten sie wirklich, dass nichts Schlimmes geschah. Aber nein. Nein, nein und nochmals nein. Es war ihr Haus, und niemand hatte das Recht, darüber ohne ihre Erlaubnis zu verfügen.

Eine halbe Stunde später war die Familie abfahrbereit. Die Kinder zogen ihre Jacken über die Pyjamas, Inna stopfte die letzten Kindersachen in eine Tüte. Sergej trug schweigend die Koffer zum Auto.

— Rita, — rief Inna, als alles gepackt war. — Wirklich, könntest du uns nicht über Nacht hier lassen? Morgen früh fahren wir, versprochen.

— Nein, — antwortete Rita. — Fahrt sofort.

— Die Kinder sind müde! Artjomka ist den halben Tag Rad gefahren, und Liska ist noch klein! Wohin sollen wir um diese Uhrzeit fahren?

— Daran hättet ihr früher denken sollen.

Inna presste die Lippen zusammen und ging zur Tür. Auf der Schwelle drehte sie sich um:

— Na schön! Darum lebst du allein.

Die Tür knallte zu. Rita trat ans Fenster und beobachtete, wie die Familie das alte Auto belud. Artjomka weinte und wollte nicht einsteigen. Liska quengelte in den Armen des Vaters. Inna sprach wütend auf ihren Mann ein und gestikulierte heftig.

Endlich sprang der Motor an, und der Wagen rollte langsam die Auffahrt hinunter. Zwischen den Bäumen flackerten die roten Rücklichter, dann verschwanden sie. Rita schob den Riegel am Gartentor vor und ging ins Haus zurück.

Stille. Endlich Stille.

Doch seltsamerweise fand ihre Seele keine Ruhe. Rita ging durch die Zimmer, sammelte die vergessenen Kindersachen ein — eine Haarspange, einen Gummiball, ein Malbuch. Im Bad standen auf dem Regal fremde Zahnbürsten und eine Tube Kinderzahnpasta. Im Kühlschrank lagen Lebensmittel — Milch, Joghurts, Obst.

Das alles musste sie wegwerfen. Oder den Nachbarn geben.

Rita ging spät ins Bett, wälzte sich lange, horchte auf jedes Geräusch. Was, wenn Inna mit der Familie zurückkehrte? Was, wenn sie noch einen Schlüsselbund hatten?

Am Morgen rief Rita als Erstes den Schlosser an. Der Handwerker kam eine Stunde später — ein kräftiger Mann um die fünfzig mit einem Werkzeugkasten.

— Sollen beide Schlösser gewechselt werden? — fragte er.

— Beide. Am Gartentor und an der Haustür.

— Verstanden. Alte Schlüssel sind also noch irgendwo im Umlauf?

— Ja. Deshalb wechseln wir.

Der Meister nickte verständnisvoll und machte sich an die Arbeit. Nach zwei Stunden war alles fertig. Neue Schlösser, neue Schlüssel — nur bei Rita. Selbst wenn ihr Exmann irgendwo noch alte Schlüssel herumliegen hatte, sie würden ihm nichts mehr nützen.

— Gute Schlösser habe ich eingebaut, — sagte der Schlosser beim Kassieren. — Sicher. Da bricht keiner so einfach ein.

— Danke.

Als der Handwerker weggefahren war, ging Rita durch das ganze Haus. Auf dem Küchentisch standen ungespülte Tassen, in der Spüle Teller mit Resten von Brei. Im Kinderzimmer lagen vergessene Socken unter dem Bett. Im Bad hing ein Handtuch mit Comicfiguren.

Alles Spuren fremder Anwesenheit. Rita sammelte sie methodisch in Müllsäcke. Die Lebensmittel aus dem Kühlschrank kamen in einen separaten Beutel — den würde sie der Nachbarin bringen. Das Geschirr spülte sie noch einmal ab, obwohl es sauber wirkte. Den Boden wischte sie mit Desinfektionsmittel.

Bis zum Mittag sah das Haus wieder so aus wie früher. Keine Spuren ungebetener Gäste.

Rita ging hinaus in den Garten und besah sich das Grundstück. Tatsächlich, das Gras war gemäht, die Sträucher angebunden. Inna und ihr Mann hatten nicht gelogen — sie hatten sich gekümmert. Aber gab ihnen das ein Recht, hier einfach einzuziehen?

Im Schuppen fand Rita ein altes Holzschild, das noch von ihrem Vater stammte. Früher war dort der Name einer Apfelsorte aufgemalt. Rita kratzte die alten Buchstaben ab und schrieb sorgfältig neue: „Privatgrundstück. Betreten verboten.“

Das Schild befestigte sie gut sichtbar am Tor. Nun sollte jeder wissen — hier lebt die Eigentümerin, und ohne Einladung gibt es keinen Zutritt.

Am Abend klingelte das Telefon. Eine unbekannte Nummer.

— Hallo?

— Rita, hier ist Inna.

— Was willst du?

— Wir… wir haben die ganze Nacht im Auto gesessen. Die Kinder sind krank geworden. Artjomka hustet, und Liska hat Fieber.

Rita schwieg einen Moment. Sie tat ihr leid, die Kinder… aber.

— Und was erwartest du jetzt von mir?

— Vielleicht lässt du uns doch ein paar Tage bleiben? Bis die Kinder wieder gesund sind?

— Nein.

— Rita, wie kannst du nur! Die Kinder sind krank!

— Fahrt nach Hause. Kümmert euch dort um sie.

— Du… du bist herzlos! — Innas Stimme zitterte vor Tränen. — Wie kannst du so grausam sein?

— Ich verteidige mein Eigentum. Und du lernst hoffentlich, das nächste Mal um Erlaubnis zu fragen, bevor du in ein fremdes Haus einziehst.

— Wir dachten…

— Denken hättet ihr früher sollen.

Rita legte auf und blockierte Innas Nummer. Weitere Anrufe gab es nicht.

Am Sonntagmorgen kam Viktor. Der Exmann war in den drei Jahren seit der Scheidung sichtbar gealtert — Falten um die Augen, graue Schläfen. Er war nachlässig gekleidet — zerknitterte Jeans, ein ausgewaschenes T-Shirt.

— Rita, mach auf, — klopfte Viktor ans Tor. — Wir müssen reden.

Rita trat hinaus auf das Grundstück, öffnete das Tor jedoch nicht.

— Sprich von dort.

— Inna hat angerufen. Sie hat erzählt, dass du sie hinausgeworfen hast.

— Und?

— Wie — und? Die Kinder sind krank! Wegen dir!

— Wegen mir? — Rita lachte auf. — Habe ich ihnen etwa die Erlaubnis gegeben, in meinem Haus zu wohnen?

— Ich dachte, du hättest nichts dagegen…

— Du dachtest? Und fragen konntest du nicht?

Viktor trat unschlüssig am Tor von einem Fuß auf den anderen.

— Na, entschuldige. Ich war wirklich überzeugt, dass du es normal aufnehmen würdest. Das Haus stand ja ohnehin leer.

— Leer bedeutet nicht herrenlos.

— Ich verstehe ja! Aber Inna mit den Kindern… Sie haben nur einmal im Jahr Urlaub. Kein Geld für eine Miete.

— Ich wiederhole es zum x-ten Mal: nicht mein Problem.

— Rita, sei doch menschlich! Lass sie rein.

— Nein.

— Was ist nur mit dir passiert? Früher warst du nicht so!

— Früher wurde mein Haus auch nicht besetzt.

Viktor blieb noch einen Moment, dann winkte er ab und ging. Er tauchte nie wieder auf.

Eine Woche verging. Rita fuhr jedes Wochenende zur Datscha, manchmal blieb sie auch ein paar Tage. Das Haus erwachte nach und nach wieder zum Leben — sie strich den Zaun, erneuerte die Veranda, pflanzte neue Blumen in die Beete.

Die Nachbarn wunderten sich zunächst — früher kam Rita selten, und plötzlich war sie häufig da. Doch sie gewöhnten sich schnell. Sie grüßten über den Zaun, kamen gelegentlich vorbei, um Rat in Gartenfragen zu holen.

— Und was ist mit der Familie, die bei dir gewohnt hat? — fragte eines Tages die Nachbarin, Valentina Iwanowna.

— Welche Familie?

— Na, die mit den Kindern. Sie fuhren Fahrrad, gingen in den Wald.

— Ach, die. Die sind ausgezogen.

— Schade. Es waren gute Leute. Die Kinder waren sehr wohlerzogen.

Rita schwieg. Soll die Nachbarin doch denken, was sie will.

Einen Monat später brachte Rita auch am Schuppentor ein neues Schloss an. Sie hatte bemerkt, dass jemand versucht hatte, dort einzudringen — das Schloss war zerkratzt, die Erde vor der Tür aufgewühlt. Offenbar hatten Inna und ihr Mann gehofft, Ersatzschlüssel für das Haus zu finden.

Sie fanden keine. Es gab keine Ersatzschlüssel.

Eine weitere Woche später installierte Rita auf dem Grundstück Überwachungskameras. Zwei Stück — eine am Tor, die andere am Hauseingang. Jede Eindringversuch würde nun aufgezeichnet.

Am Ende des Sommers hatte sich die Datscha verwandelt. Rita ließ Internet verlegen, kaufte neue Möbel fürs Wohnzimmer, richtete sich eine Arbeitsecke ein. Jetzt konnte sie nicht nur am Wochenende herkommen, sondern auch von hier aus arbeiten.

Das Haus war wieder ein Zuhause geworden, kein leerstehendes Gebäude mehr, das jeder Beliebige in Beschlag nehmen konnte. Und das Wichtigste: Rita hatte keine Angst mehr, bei ihrer Ankunft fremde Menschen im Haus vorzufinden. Neue Schlösser, Kameras — all das gab ihr ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle über das eigene Leben.

Inna rief nicht mehr an. Viktor ließ sich ebenfalls nicht mehr blicken. Offenbar hatten sie endlich begriffen, dass die Zeiten des kostenlosen Nutzens fremden Eigentums vorbei waren.

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