„…Ich kann nicht mehr, Sweta! Meine Frau lebt schon nur von Nudeln, und du verlangst noch mehr Geld!“ — murmelte Maksim zu seiner Schwester.

— …Ich kann nicht mehr, Sweta! Meine Frau lebt schon nur von Nudeln, und du verlangst noch mehr Geld! — murmelte Maxim zu seiner Schwester.

Maxim schlug die Kühlschranktür zu und wandte sich mit einem unzufriedenen Gesichtsausdruck seiner Frau zu.

— Elena, was sind das für Würstchen, dreihundert Rubel pro Kilo? Bist du verrückt geworden?

Elena erstarrte am Herd und rührte weiter in der Pfanne. Ihre Finger umklammerten den Holzlöffel fester.
— Maxim, es gab keine anderen. Nur diese und günstigere für hundertfünfzig, aber die hatten eine seltsame Farbe – grau-grün, ehrlich gesagt.

— Ist dir nicht in den Sinn gekommen, in einen anderen Laden zu fahren? — Die Stimme ihres Mannes wurde schärfer. — Ich gebe dir Geld nicht, damit du es zum Fenster hinauswirfst! Du solltest mit dem Kopf denken, nicht mit dem Teil, auf dem du sitzt!

Elena drehte sich um, ihr Blick glitt über den Teller ihres Mannes, auf dem Kalbsschnitzel für achthundert Rubel pro Kilo, frisches Gemüse und eine Scheibe teuren Schweizer Käses für eintausendzweihundert Rubel lagen.

— Ich verstehe, Liebling. Und dein Kalbfleisch, ist das etwa von selbst in den Kühlschrank geflogen? Auf den Flügeln der Sparengel?
— Sei nicht schlau! — Maxim schlug mit der Faust auf den Tisch, sodass das Salzfass aufsprang. — Ich habe eine verantwortungsvolle Arbeit, mein Gehirn muss funktionieren, ich muss gut essen! Und was würde es dich kosten, ein günstigeres Würstchen zu essen? Du sitzt zu Hause, putzt die Nägel und spuckst an die Decke!

Elena wandte sich wieder dem Herd zu und spürte, wie etwas Dunkles und Heißes in ihr hochkochte. Vor einem Jahr hatte sie auf seinen Wunsch ihren Job aufgegeben – „eine Frau soll sich um Haus und Mann kümmern, nicht durch Büros streifen wie eine streunende Katze“. Jetzt lief jeder Groschen durch seine Kontrolle, als wäre er ein Metalldetektor am Flughafen.

— Maxim, vielleicht sollten wir doch unser Budget überdenken? — schlug sie vorsichtig vor, ohne sich umzudrehen. — Ich könnte doch wieder arbeiten…
— Damit zu Hause wieder Schweinestall ist? — schnaubte er. — Nein, deine Aufgabe ist sparen. Fahr morgen zu „Auchan“, da gibt es Sonderangebote. Und überhaupt, lerne endlich, zu sparen! Andere Frauen ernähren eine Familie mit zehntausend!

— Andere Frauen sind nicht mit anderen Männern verheiratet, — murmelte Elena leise.
— Was murmelst du da? — Maxim wurde misstrauisch.
— Nichts. Ich denke nur über die Launen des Schicksals nach und darüber, wie schwer es ist, die Frau eines Spargenies zu sein.

Maxim sah sie misstrauisch an, beschloss aber, nicht weiter nachzufragen. Er griff nach seiner Jacke und ging zur Tür.
— Ich gehe zu Sergej, um Arbeitsangelegenheiten zu besprechen. Warte nicht auf mich. Und bereite morgen ein richtiges Abendessen vor, nicht diesen Unsinn!


— Natürlich. Aus Luft und Mondlicht. Oder haben wir etwa ein magisches Bankkonto? — sprach Elena ins Leere.

Die Tür schlug zu. Elena drehte den Gasherd ab und setzte sich auf einen Stuhl. In der Pfanne lagen die überbratenen Würstchen – genau die „wahnsinnig teuren“. Sie nahm eines mit der Gabel und betrachtete es nachdenklich.
— Dreihundert Rubel pro Kilo… — murmelte sie. — Und sein Kalbfleisch kostet achthundert. Interessante Mathematik unseres Familienbudgets.

Draußen regnete es, und Elena dachte plötzlich, dass der Regen ihrer eigenen Lebenserfahrung ähnelte – grau, monoton und endlos.

— Sag mir ehrlich, — beugte sich Marina über den Tisch im Café und studierte das Gesicht ihrer Schwester aufmerksam, — wie viel gibt er dir pro Monat?
Elena zögerte, drehte den Löffel in der Tasse. Kleine Blasen auf der Kaffeeoberfläche platzen wie ihre Illusionen vom Familienleben.
— Zwanzigtausend. Nun ja, manchmal ein bisschen mehr – wenn er gut gelaunt ist oder Gäste kommen.
— Für den ganzen Haushalt? — Die Schwester öffnete die Augen weit, als hätte sie einen Außerirdischen in Hausschuhen gesehen. — Lena, das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein! Ich gebe so viel nur für mich aus! Und wie viel verdient er?
— Er sagt, achtzig. Aber nach Nebenkosten, Benzin, seinen persönlichen Ausgaben… — Elena zuckte mit den Schultern.
— Seine persönlichen Ausgaben? — Marina schnaufte, verschluckte sich beinahe am Kaffee. — Und deine? In einer parallelen Welt?

Elena zuckte mit den Schultern. Sie hatte keine eigenen Ausgaben. Neue Kleidung kaufte sie einmal im Jahr, und dann im Second-Hand-Laden, Kosmetik – die billigste aus dem Massenmarkt, Friseur – einmal alle sechs Monate, und selbst da schnitt eine Schülerin ihre Haare zum halben Preis.
— Lena, meine Liebe, — Marina lehnte sich näher und senkte die Stimme, — hast du nicht daran gedacht, dass er vielleicht… andere Ausgaben haben könnte? Intimerer Art?
— Welche? — Elena verstand wirklich nicht.

Marina schwieg einen Moment, dann sagte sie vorsichtig:
— Nun, Männer… haben manchmal jemanden nebenbei. Und das kostet. Geschenke, Restaurants, Hotels… Ein ganzes Unternehmen, um Geld loszuwerden.
— Maxim? — Elena schüttelte den Kopf, als wolle sie eine lästige Fliege vertreiben. — Nein, er ist doch ein Stubenhocker. Arbeit – Haus, Arbeit – Haus. Wo sollte er noch jemanden finden? Seine Fantasie reicht nur aus, um meine Kochkünste zu kritisieren.
— Wohin verschwinden dann die Gelder? — Marina runzelte die Stirn. — Achtzigtausend ist ein gutes Gehalt. Selbst nach Nebenkosten und Benzin bleibt noch einiges übrig. Die Mathematik stimmt nicht.

Elena schwieg, rührte langsam ihren Kaffee um. Marina hatte Recht, aber der Gedanke, dass ihr Mann sie betrügen könnte, schien unglaublich. Maxim war vorhersehbar wie eine Schweizer Uhr – morgens Arbeit, abends nach Hause mit saurem Gesicht und Vorwürfen zum Abendessen, am Wochenende zu Freund Sergej oder zu Schwester Swetlana.
— Vielleicht spart er für etwas Großes? — schlug Marina vor. — Für ein neues Auto, ein Ferienhaus mit Pool? Einen Flug ins All?…

— …Ich kann nicht mehr, Sweta! Meine Frau lebt schon nur von Nudeln, und du verlangst noch mehr Geld! — murmelte Maxim zu seiner Schwester.

— Elena, was sind das für Würstchen, dreihundert Rubel pro Kilo? Bist du verrückt geworden?

Elena erstarrte am Herd und rührte weiter in der Pfanne. Ihre Finger umklammerten den Holzlöffel fester.

— Maxim, es gab keine anderen. Nur diese und günstigere für hundertfünfzig, aber die hatten eine seltsame Farbe – grau-grün, ehrlich gesagt.

— Ist dir nicht in den Sinn gekommen, in einen anderen Laden zu fahren? — Die Stimme ihres Mannes wurde schärfer. — Ich gebe dir Geld nicht, damit du es zum Fenster hinauswirfst! Du solltest mit dem Kopf denken, nicht mit dem Teil, auf dem du sitzt!

Elena drehte sich um, ihr Blick glitt über den Teller ihres Mannes, auf dem Kalbsschnitzel für achthundert Rubel pro Kilo, frisches Gemüse und eine Scheibe teuren Schweizer Käses für eintausendzweihundert Rubel lagen.

— Ich verstehe, Liebling. Und dein Kalbfleisch, ist das etwa von selbst in den Kühlschrank geflogen? Auf den Flügeln der Sparengel?

— Sei nicht schlau! — Maxim schlug mit der Faust auf den Tisch, sodass das Salzfass aufsprang. — Ich habe eine verantwortungsvolle Arbeit, mein Gehirn muss funktionieren, ich muss gut essen! Und was würde es dich kosten, ein günstigeres Würstchen zu essen? Du sitzt zu Hause, putzt die Nägel und spuckst an die Decke!

Elena wandte sich wieder dem Herd zu und spürte, wie etwas Dunkles und Heißes in ihr hochkochte. Vor einem Jahr hatte sie auf seinen Wunsch ihren Job aufgegeben – „Eine Frau soll sich um Haus und Mann kümmern, nicht durch Büros streifen wie eine streunende Katze“. Jetzt lief jeder Groschen durch seine Kontrolle, als wäre er ein Metalldetektor am Flughafen.

— Maxim, vielleicht sollten wir doch unser Budget überdenken? — schlug sie vorsichtig vor, ohne sich umzudrehen. — Ich könnte doch wieder arbeiten…

— Damit zu Hause wieder Schweinestall ist? — schnaubte er. — Nein, deine Aufgabe ist sparen. Fahr morgen zu „Auchan“, da gibt es Sonderangebote. Und überhaupt, lerne endlich, zu sparen! Andere Frauen ernähren eine Familie mit zehntausend!

— Andere Frauen sind nicht mit anderen Männern verheiratet, — murmelte Elena leise.

— Was murmelst du da? — Maxim wurde misstrauisch.

— Nichts. Ich denke nur über die Launen des Schicksals nach und darüber, wie schwer es ist, die Frau eines Spargenies zu sein.

Maxim sah sie misstrauisch an, beschloss aber, nicht weiter nachzufragen. Er griff nach seiner Jacke und ging zur Tür.

— Ich gehe zu Sergej, um Arbeitsangelegenheiten zu besprechen. Warte nicht auf mich. Und bereite morgen ein richtiges Abendessen vor, nicht diesen Unsinn!

— Natürlich. Aus Luft und Mondlicht. Oder haben wir etwa ein magisches Bankkonto? — sprach Elena ins Leere.

Die Tür schlug zu. Elena drehte den Gasherd ab und setzte sich auf einen Stuhl. In der Pfanne lagen die überbratenen Würstchen – genau die „wahnsinnig teuren“. Sie nahm eines mit der Gabel und betrachtete es nachdenklich.

— Dreihundert Rubel pro Kilo… — murmelte sie. — Und sein Kalbfleisch kostet achthundert. Interessante Mathematik unseres Familienbudgets.

Draußen regnete es, und Elena dachte plötzlich, dass der Regen ihrem eigenen Leben ähnelte – grau, monoton und endlos.

— Sag mir ehrlich, — beugte sich Marina über den Tisch im Café und studierte das Gesicht ihrer Schwester aufmerksam, — wie viel gibt er dir pro Monat?

Elena zögerte, drehte den Löffel in der Tasse. Kleine Blasen auf der Kaffeeoberfläche platzen wie ihre Illusionen vom Familienleben.

— Zwanzigtausend. Nun ja, manchmal ein bisschen mehr – wenn er gut gelaunt ist oder Gäste kommen.

— Für den ganzen Haushalt? — Die Schwester öffnete die Augen weit, als hätte sie einen Außerirdischen in Hausschuhen gesehen. — Lena, das ist doch ein Tropfen auf den heißen Stein! Ich gebe so viel nur für mich aus! Und wie viel verdient er?

— Er sagt, achtzig. Aber nach Nebenkosten, Benzin, seinen persönlichen Ausgaben… — Elena zuckte mit den Schultern.

— Seine persönlichen Ausgaben? — Marina schnaufte, verschluckte sich beinahe am Kaffee. — Und deine? In einer parallelen Welt?

Elena zuckte mit den Schultern. Sie hatte keine eigenen Ausgaben. Neue Kleidung kaufte sie einmal im Jahr, und dann im Second-Hand-Laden, Kosmetik – die billigste aus dem Massenmarkt, Friseur – einmal alle sechs Monate, und selbst da schnitt eine Schülerin ihre Haare zum halben Preis.

— Lena, meine Liebe, — Marina lehnte sich näher und senkte die Stimme, — hast du nicht daran gedacht, dass er vielleicht… andere Ausgaben haben könnte? Intimerer Art?

— Welche? — Elena verstand wirklich nicht.

Marina schwieg einen Moment, dann sagte sie vorsichtig:

— Nun, Männer… haben manchmal jemanden nebenbei. Und das kostet. Geschenke, Restaurants, Hotels… Ein ganzes Unternehmen, um Geld loszuwerden.

— Maxim? — Elena schüttelte den Kopf, als wolle sie eine lästige Fliege vertreiben. — Nein, er ist doch ein Stubenhocker. Arbeit – Haus, Arbeit – Haus. Wo sollte er noch jemanden finden? Seine Fantasie reicht nur aus, um meine Kochkünste zu kritisieren.

— Wohin verschwinden dann die Gelder? — Marina runzelte die Stirn. — Achtzigtausend ist ein gutes Gehalt. Selbst nach Nebenkosten und Benzin bleibt noch einiges übrig. Die Mathematik stimmt nicht.

Elena schwieg, rührte langsam ihren Kaffee um. Marina hatte Recht, aber der Gedanke, dass ihr Mann sie betrügen könnte, schien unglaublich. Maxim war vorhersehbar wie eine Schweizer Uhr – morgens Arbeit, abends nach Hause mit saurem Gesicht und Vorwürfen zum Abendessen, am Wochenende zu Freund Sergej oder zu Schwester Swetlana.

— Vielleicht spart er für etwas Großes? — schlug Marina vor. — Für ein neues Auto, ein Ferienhaus mit Pool? Einen Flug ins All?

— Ich weiß nicht, — antwortete Elena leise.

— Er sagt nichts. Wir reden seit fast einem Jahr kaum miteinander. Nur noch „reich mir das Salz“ oder „warum wieder Nudeln“.

Marina legte ihre Hand auf ihre — warm, weich, so vertraut.

— Lena, mein Sonnenschein, du musst die Wahrheit herausfinden. Man kann nicht im Dunkeln leben wie ein Maulwurf in seinem Bau. Du hast das Recht zu wissen, wofür das Geld deiner Familie ausgegeben wird.

— Und wenn ich etwas… Schlimmes herausfinde? — Elena hob die Augen, voll Sorge.

— Dann triffst du eine Entscheidung. Aber in Unwissenheit zu leben — das ist kein Leben, sondern bloßes Existieren.

Zu Hause wanderte Elena durch die Räume, das Gespräch mit ihrer Schwester ließ sie nicht los, drehte sich wie eine alte Schallplatte. Wohin geht das Geld wirklich? Maxim zeigte ihr nie Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge, sprach nur über grobe Summen und dann auch noch widerwillig, als würde er ein Staatsgeheimnis preisgeben.

— Ich weiß nicht, — antwortete Elena leise. — Er sagt nichts. Wir reden im letzten Jahr fast gar nicht miteinander. Nur „reich mir mal das Salz rüber“ und „warum wieder Nudeln“.

Marina legte ihre warme, weiche, vertraute Hand über Elenas.

— Lena, mein Sonnenschein, du musst die Wahrheit herausfinden. Man kann nicht im Dunkeln leben wie ein Maulwurf im Bau. Du hast das Recht zu wissen, wofür das Geld deiner Familie ausgegeben wird.

— Und wenn ich etwas… Schlimmes erfahre? — Elena hob die Augen, voll Sorge.

— Dann triffst du deine Entscheidung. Aber in Unwissenheit zu leben ist kein Leben, sondern nur Existieren.

Zu Hause wanderte Elena durch die Zimmer, das Gespräch mit ihrer Schwester ging ihr nicht aus dem Kopf, drehte sich wie eine festgefahrene Schallplatte. Wohin fließt das Geld wirklich? Maxim hatte ihr nie Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge gezeigt, nur allgemeine Zahlen genannt, und das auch noch widerwillig, als würde er ein Staatsgeheimnis verraten.

Sie machte sauber im Büro ihres Mannes, umging vorsichtig sein Heiligtum — den Schreibtisch. Maxim hatte verboten, dort irgendetwas anzufassen, nur Staub durfte man wischen.

Beim Staubsaugen unter dem Tisch beugte sie sich, um einen heruntergefallenen Bleistift aufzuheben, und entdeckte ein weißes Blatt Papier, weit unter das Tischbein geschoben. Sie zog es heraus — ein Kontoauszug vom letzten Monat.

Elena setzte sich direkt auf den Boden und begann, das Dokument mit zitternden Händen zu studieren. Gehaltseingang — 78.000 Rubel. Also, er hatte nicht gelogen. Nebenkosten — 8.000. Benzin — 5.000. Lebensmittel — 3.000. Und dann…

Regelmäßige Überweisungen von je 20.000 Rubel, zweimal im Monat. Empfänger — ein gewisser A.S. Insgesamt 40.000 Rubel pro Monat.

Ihre Hände zitterten so stark, dass das Blatt raschelte wie Herbstlaub. War Marina also doch recht gehabt? Maxim hatte tatsächlich geheime Ausgaben. Aber wer war dieser mysteriöse A.S.?

Elena las den Auszug immer wieder, versuchte zu verstehen. Geliebte? Aber warum dann offizielle Überweisungen über die Bank und nicht bar? Wäre es nicht vorsichtiger gewesen, solche Ausgaben zu verbergen?

— Oder vielleicht Erpressung? — flüsterte sie in den leeren Raum. — Oder Glücksspiel? Schulden?

Sie steckte das Dokument in ihre Handtasche. Maxim durfte auf keinen Fall von ihrem Fund erfahren, zumindest vorerst. Alles musste sorgfältig überdacht werden.

Den Rest der Reinigung erledigte Elena mechanisch, ihre Gedanken waren ganz woanders. Ein Jahr lang in der Täuschung leben? An allem sparen, jeden Cent zählen, während ihr Mann jemandem das Doppelte überweist, was er seiner eigenen Frau gibt?

— 40.000 Rubel im Monat, — flüsterte sie, während sie die Bettwäsche zusammenlegte. — Vierzig! Mit diesem Geld könnte man wie ein Mensch leben, nicht wie eine Kirchenmaus.

— 40.000 im Monat?! — pfiff Marina überrascht und stellte ihre Tasse ab. — Lena, das ist mehr, als er dir gibt! Doppelt so viel!

— Also lebe ich von den Resten, — lächelte Elena bitter. — Und der Hauptteil des Geldes geht an diesen mysteriösen A.S.

— Wir müssen herausfinden, wer das ist. — Marina runzelte die Stirn, in ihren Augen blitzten kampfeslustige Funken. — Hast du Zugriff auf sein Handy?

— Er hat vor etwa drei Monaten ein Passwort gesetzt. Arbeitssache, vertraulich, sagte er.

— Verstehe, — nickte Marina. — Klassisches Zeichen. Dann beobachte ihn genauer. Vielleicht verrät er etwas oder du findest Hinweise.

Elena nickte, aber innerlich zog sich alles zu einem schmerzhaften Knoten zusammen. Hat ihr Mann sie all die Zeit wirklich betrogen? Sie zum Sparen gezwungen, zum Verzicht aufs Nötigste, in Second-Hand-Kleidung geschickt, während er das Geld an unbekannte Empfänger überwies?

— Vielleicht ist es keine Frau, — versuchte Marina, ihre Schwester zu beruhigen. — Vielleicht Schulden, Investitionen oder etwas Unschuldiges.

— Welche Schulden alle zwei Wochen von 20.000 Rubel? — schüttelte Elena den Kopf. — Und wenn es etwas Unschuldiges ist, warum dann verbergen?

Marina zuckte mit den Schultern. Eine logische Erklärung gab es wirklich nicht.

— Weißt du, was mich am meisten aufregt? — fuhr Elena fort. — Nicht einmal, dass er Geld ausgibt. Sondern dass er mich für jeden Cent schuldig fühlen lässt. Für die Würstchen zu 300 Rubel hält er Vorträge, und selbst…

— Lena, Liebes, — nahm Marina ihre Hand, — jetzt ist das Wichtigste, die Wahrheit herauszufinden. Dann sehen wir weiter, was zu tun ist.

— Und wenn ich die Wahrheit nicht wissen will?

— Du wirst es wollen. Weil du nicht zu denen gehörst, die mit geschlossenen Augen leben.

Elena kehrte vom Laden mit schweren Taschen zurück. Wieder musste sie das Billigste kaufen — Nudeln, Getreide, Würstchen. Für normales Fleisch reichte das Geld nicht, wie in den letzten Monaten üblich.

Als sie sich dem Haus näherte, sah sie ein bekanntes rotes Auto im Hof. Swetlana, die Schwester ihres Mannes. Elena verzog das Gesicht — diese Frau nervte sie mit ständigen Klagen und Forderungen.

Oben angekommen, öffnete Elena die Tür und hörte Stimmen. Maxim sprach mit seiner Schwester, und der Ton war alles andere als freundlich.

— …Ich kann nicht mehr, Sweta! Meine Frau lebt schon nur von Nudeln, und du verlangst noch mehr!

— Soll ich etwa draußen leben? — Swetlanas Stimme war scharf und wütend. — Du hast versprochen zu helfen, bis wir das Haus fertig haben! Oder ist dein Wort nichts wert?

Elena blieb an der Tür stehen, Schlüssel in der Hand. Interessant, worüber sie reden.

— Ich verstehe deine Probleme, aber 40.000 Rubel im Monat sind zu viel! Ich habe eine Familie zu ernähren!

— Welche Familie? — fauchte Swetlana verächtlich. — Deine Frau gibt nur Geld für ihre Launen aus! Und ich sitze alleine mit einem Kredit da, wie eine Dummkopfin! Du selbst hast doch gesagt, das Haus müsse fertiggestellt und verkauft werden, sonst bekomme ich meine Schulden nie zurück!

— Ich habe es gesagt, aber nicht gedacht, dass es sich über ein Jahr hinzieht…

— Keine Ausreden! — Swetlanas Stimme wurde noch schärfer. — Du hast unseren Eltern versprochen, für mich einzustehen! Sie haben dir doch den größten Teil des Erbes hinterlassen, und was ist mit mir? Krümel?

— Sweta, ich weigere mich doch nicht zu helfen. Lass uns einfach fünfzehn geben, okay? So sparen wir wenigstens ein bisschen.

— Fünfzehn? — kreischte die Frau. — Bist du völlig verrückt? Meine Rate beträgt dreißig im Monat! Woher soll ich die anderen fünfzehn nehmen? Vom Himmel schütteln?

Elena stellte langsam die Taschen auf den Boden. A.S. — Alexandra Swetlana. Die Schwester ihres Mannes. Also keine Geliebte. Aber diese Erkenntnis machte es nicht leichter — im Gegenteil, es fühlte sich noch bitterer an.

— Maxim, wenn du jetzt an mir sparen willst, zahle ich die Bank nicht! Dann nehmen sie das Haus samt Grundstück! Willst du das? Dass alles verloren geht?

— Nein, natürlich nicht…

— Dann hör auf wie eine alte Frau zu jammern! Deine Frau wird diese Schwierigkeiten schon irgendwie überstehen. Lass sie arbeiten, wenn das Geld nicht reicht! Sie ist schließlich keine Behinderte!

— Ich habe ihr verboten zu arbeiten, du weißt es doch selbst…

— Dann halt den Mund und zahl ohne Gejammer! Ich bitte nicht ewig um dieses Geld. Ich verkaufe das Haus — und bekomme alles zurück, bis auf den letzten Cent, mit Zinsen.

— Und wenn du es nicht verkaufst? — fragte Maxim zaghaft.

— Ich verkaufe auf jeden Fall! — schrie Swetlana. — Nur steh mir nicht im Weg, ein ordentliches Haus zu bauen, keinen Schuppen irgendeiner Art!

Elena legte leise die Schlüssel auf die Kommode. Maxim und Swetlana standen mit dem Rücken zu ihr im Wohnzimmer und setzten ihren Streit fort.

— Sweta, versteh doch, sie fragt schon, wohin das Geld fließt. Bald wird sie es herausfinden…

— Dann sag ihr doch die Wahrheit, wenn du so ehrlich bist! — Swetlana drehte sich um und sah Elena. — Oh, da bist du ja. Genau rechtzeitig.

Maxim wirbelte abrupt herum. Sein Gesicht errötete sofort.

— Elena… wann bist du gekommen? Wir haben nichts gehört…

— Schon vor einiger Zeit, — antwortete Elena kalt, während sie ihren Mantel ablegte. — Um alles im Detail zu hören. Sehr aufschlussreich.

— Elena, Liebes, ich kann alles erklären…

— Natürlich kannst du. Sehr interessant, deine Erklärungen zu hören. Besonders, wie ich Geld für Launen ausgebe.

Elena trat ins Wohnzimmer, und Maxim huschte nervös mit den Blicken zwischen seiner Frau und seiner Schwester hin und her.

— Verstehst du, Sweta hat wirklich eine schwierige Situation. Das Haus ist unvollendet, der Kredit riesig. Die Eltern haben ihn gebeten, sich um sie zu kümmern…

— Sich kümmern? — Elena lächelte bitter. — Du nennst das kümmern? 40.000 im Monat — das ist schon Vollpension für sie.

— Woher weißt du die genaue Summe? — fragte Maxim misstrauisch.

Elena zog den Kontoauszug aus ihrer Tasche und schwenkte ihn vor der Nase ihres Mannes.

— Hierher, Liebling. Kontoauszüge sind eine erstaunliche Sache, sie zeigen alles ohne Geheimnisse. Und jetzt sag mir ehrlich, wie viele Monate „kümmerst“ du dich schon um deine Schwester?

Maxim senkte den Kopf, wie ein strafender Schuljunge.

— Fast ein Jahr…

— Fast ein Jahr, — wiederholte Elena langsam, als würde sie die Worte auf der Zunge kosten. — Also hast du mich fast ein Jahr lang gezwungen, billige Würstchen zu essen, Kleidung im Second-Hand zu kaufen, bei jedem Cent zu sparen. Und selbst hast du dieser… — sie drehte sich mit verächtlichem Blick zu Swetlana — …dieser Person die Hälfte deines Gehalts überwiesen.

— Hey, hey, langsam mit den Vorwürfen, Süße! — kreischte Swetlana kampfeslustig. — Ich bin keine „Person“, ich bin seine leibliche Schwester! Und ich habe gesetzliche Rechte auf Bruderhilfe!

— Gesetzliche Rechte? — Elena lachte höhnisch. — Interessante juristische Position. An fremdem Geld, nehme ich an?

— An dem Geld meines eigenen Bruders! — kreischte Swetlana. — Und was hast du damit zu tun? Du arbeitest doch gar nicht, sitzt ihm auf der Tasche wie ein Parasit!

— Auf seinen eigenen Wunsch hin, nebenbei bemerkt! — schrie Elena. — Und ich sitze hier mit Nudeln und Würstchen, während du dir einen Palast baust!

— Mädchen, beruhigt euch doch… — versuchte Maxim mit kläglicher Stimme einzuschreiten.

— Halt die Klappe! — schrieen beide Frauen gleichzeitig.

Swetlana machte aggressiv einen Schritt auf Elena zu.

— Hör mir gut zu, mein Schatz. Maxim ist nach dem Tod unserer Eltern mein einziger Verwandter. Und wenn sie ihn gebeten haben, sich um mich zu kümmern, dann wird das so bis zum Ende sein!

— Auf Kosten einer fremden Familie? — Elena wich keinen Schritt zurück. — Auf Kosten dessen, dass ich in abgetretenen Schuhen und geflickter Kleidung herumlaufe?

— Niemand hat dich gezwungen, ihn zu heiraten! — giftig warf Swetlana mit einem Grinsen. — Gefällt dir dieses Leben nicht — dann scheide und quäl dich nicht! Der Weg in die Freiheit steht dir offen!

Stille senkte sich über den Raum. Maxim sah die Frauen mit wachsendem Entsetzen an.

— Weißt du was, Swetlana? — sagte Elena leise mit gefährlicher Ruhe. — Eine großartige Idee. Einfach wunderbar. Verzieh dich aus meinem Haus. Gleich jetzt.

— Was? — Swetlana war verblüfft.

— Verschwinde! Sofort. Und damit deine Füße hier nie wieder auftauchen.

— Elena, nicht so abrupt… — begann Maxim mit flehendem Ton.

— Und du verschwindest auch, — wandte sich Elena mit eisigem Unterton an ihn. — Raus aus meiner Wohnung. Leb bei deiner geliebten Schwester, wenn sie dir mehr wert ist als deine eigene Frau.

— Bist du völlig verrückt geworden? — schrie Swetlana, ihre Stimme schrie nicht mehr nach ihr selbst.

— Welches Recht hast du, uns hinauszuwerfen? Das ist nicht deine Wohnung!

— Das direkteste Recht, Liebling. — Elena lächelte kalt. — Die Wohnung ist auf meine Mutter eingetragen. Und damit auch auf mich. Maxim hat hier nur ein Schlafrecht. Nicht mehr.

Maxim wurde noch blasser. Er wusste genau, dass ihnen die Wohnung die Schwiegermutter geschenkt hatte, hatte sich aber nie mit den juristischen Feinheiten beschäftigt.

— Elena, Liebes, ich erkläre dir doch alles…

— Nein, jetzt hörst du mir zu, lieber Mann, — Elena ging ins Wohnzimmer und nahm Maxim die Jacke vom Sessel. — Ein Jahr lang hast du mich hungern lassen für ihre Launen.

— Was redest du da! — Maxim versuchte, die Jacke wegzunehmen. — Welcher Hunger? Du bist doch nicht verhungert!

— Und wie soll man sonst das Leben auf zwanzigtausend im Monat nennen, wenn deine kostbare Schwester regelmäßig die Hälfte deines Gehalts für ihre Bau-Spielereien bekommt?

Elena riss entschlossen zu einem Schrank und begann, seine Kleidung in die Mitte des Zimmers zu werfen.

— Elena, hör sofort auf! — Maxim stürzte panisch auf sie zu. — Wir können alles ruhig besprechen, einen Kompromiss finden!

— Es gibt nichts mehr zu besprechen. Verschwinde hier und komm nie wieder zurück.

— Elena, du verstehst die ganze Situation nicht! — Maxim packte sie an den Armen. — Swetka wird das Haus verkaufen und alles bis auf den letzten Cent zurückgeben! Ich verschwende das Geld ja nicht für immer!

— Lüg weiter, — sagte Elena kalt, riss sich heftig los. — Wenn du mich ein ganzes Jahr lang betrogen hast, lügst du auch jetzt ohne jede Scham.

— Ich lüge nicht! Sie hat ehrlich versprochen, alles zurückzugeben!

— Deine Schwester? — Elena lachte bitter. — Diejenige, die mir gerade vorschlug, mich scheiden zu lassen und zu verschwinden? Maxim, du hast endgültig den Verstand verloren.

Sie warf methodisch weiter seine Sachen in die Tasche. Maxim wirbelte daneben herum.

— Elena, bitte! Das ist doch meine einzige Familie!

— Und wer bin ich dann? — Elena drehte sich langsam zu ihm um. — Eine temporäre Mieterin? Eine zufällige Begleiterin?

— Du bist meine geliebte Frau…

— War meine Frau. Jetzt verschwinde aus meinem Haus und nimm deine „Familie“ mit.

— Aus deinem? — Maxim versuchte spöttisch zu lächeln. — Wir leben doch seit drei Jahren hier zusammen!

— Du schläfst hier nur und isst. Die Wohnung gehört meiner Mutter. Und damit auch mir. Juristisch ist alles sauber.

Maxim wurde blass bis zur Bläue. Er verstand genau, dass Elena juristisch völlig im Recht war.

— Elena, ich werde mich bessern, ich gebe dir mein ehrliches Wort…

— Zu spät für schöne Versprechen.

Elena schleppte die schwere Tasche zur Diele und öffnete die Haustür weit.

— Raus. Beide. Und zwar schnell.

— Wie kannst du… — kreischte Swetlana. — Wagst du das!

— Genau, dass ich es wage. Und es ist erstaunlich einfach, — antwortete Elena ruhig. — Also verschwindet, bevor ich die Polizei wegen Hausfriedensbruchs rufe.

Maxim übernachtete drei Tage bei seinem Freund Sergej und rief Elena jeden Tag an. Sie ging nicht ans Telefon. Am vierten Tag beschloss er, nach Hause zu kommen.

Die Tür öffnete die Nachbarin Tante Galja.

— Maxim, was machst du hier? Elena ist beim Standesamt, hat die Scheidung eingereicht.

— Was? — Maxim lehnte sich an die Wand. — Wann?

— Gestern Morgen. Sie sagt, es reicht, mit einem Betrüger verheiratet zu sein. Sie ist offenbar von deinen Spielchen müde.

— Ach, Tante Galja, so einfach ist das doch nicht…

— Einfachheit hat sich gerade rächen lassen, — schüttelte die Frau den Kopf. — Ein kluges Mädchen, deine Elena. Früher oder später musste sie es merken.

Maxim drehte sich um und schlurfte zum Aufzug. Also ist es ernst. Elena ist entschlossen.

Das Telefon klingelte — Swetlana.

— Maxim, wo ist mein Geld? Morgen ist Zahlung! — Die Stimme der Schwester klang bereits in den ersten Sekunden fordernd.

— Swetka, ich habe Probleme…

— Mir egal, was für Probleme du hast! — kreischte sie. — Ich muss die Bank bezahlen! Hast du deine Verpflichtungen etwa vergessen?

— Ich kann jetzt nicht… Versteh doch, die Situation ist kompliziert…

— Wie kannst du nicht? Bist du völlig verrückt geworden? Ich bin keine Wohltätigkeitsorganisation!

— Elena hat die Scheidung eingereicht, ich bin ohne Wohnung…

— Und was dann? — schrie Swetlana ins Telefon. — Miet dir eine andere und zahl mir! Ich stecke wegen dir in Schulden! Oder glaubst du, die Bank wird meine Tränen abwischen?

— Wegen mir? — Maxim hielt es nicht aus. — Du hast doch das Haus gebaut! Das war deine Entscheidung!

— Nach deinem Rat! — heulte die Schwester. — Du hast doch selbst gesagt — baue, ich helfe! Und jetzt, was, Gedächtnisverlust?

— Ich habe nicht gedacht, dass du den größten Teil des Erbes für Unsinn verschwendest! Man hätte rechnen müssen! Ich dachte, du…

— Hätte früher rechnen sollen! — unterbrach Swetlana. — Und jetzt gib das Geld! Ohne Ausflüchte!

— Sweta, hör zu, gib mir Zeit…

— Zeit hattest du genug! — schrie sie. — Genug mit den Märchen!

Maxim legte auf und wusste: Es gibt keinen Weg zurück.

Ein halbes Jahr verging. Maxim mietete eine miserable Wohnung, die Hälfte seines Gehalts ging für die Miete drauf. Für Swetlana reichte das Geld nicht. Die Schwester rief jeden Tag an, forderte, drohte, schimpfte.

— Swetka, ich kann dir nicht mehr vierzigtausend geben! — sagte Maxim müde in einem weiteren Gespräch.

— Und wie viel kannst du, lieber Bruder? — fragte sie giftig und zog die Worte in die Länge. — Zehn? Fünfzehn? Vielleicht fünf für ein Tässchen Tee?

— Maximal zehn.

— Zehn? — Swetlana lachte boshaft. — Machst du Witze? Meine Rate beträgt dreißig! Bist du völlig verrückt geworden?

— Dann verkauf das Haus! Ich sehe keine anderen Möglichkeiten.

— Unfertig gebaut? — schrie sie auf. — Die kriegen doch nur ein paar Kröten! Meinst du, ich bin dumm?

— Aber das ist besser, sonst nimmt die Bank es! Sei vernünftig, Swetlana…

— Halt mir keine Vorträge! — schrie die Schwester. — Wegen deiner Ratschläge stecke ich jetzt in diesem Sumpf!

— Niemand hat dich gezwungen, das Geld achtlos auszugeben, — bemerkte Maxim ruhig.

— Halt die Klappe! — schrie Swetlana. — Ich brauche jetzt keine klugen Reden! Ich brauche Geld!

Swetlana fluchte noch eine Minute ins Telefon, dann legte sie auf. Einen Monat später reichte die Bank Klage ein — sie hatte schon drei Monate lang nicht gezahlt.

Swetlana verkaufte das Haus zum halben Preis. Sie tilgte den Kredit, und als Maxim schüchtern an die Rückzahlung erinnerte, lachte sie ihm ins Gesicht.

— Welche Rückzahlung? — schnaubte sie. — Bist du verrückt?

— Sweta, ich habe dir fast fünfhunderttausend gegeben! — versuchte Maxim vernünftig zu erklären.

— Und? — sie sah ihn wie einen Idioten an. — Wegen dir habe ich das Haus zum halben Preis verkauft! Zähle es als erledigt!

— Wegen mir? — konnte Maxim kaum glauben.

— Na klar! — schrie die Schwester, immer wütender. — Hättest du dich nicht von deiner Frau scheiden lassen, wärst bei ihr geblieben, hättest keine Wohnung gemietet, und ich hätte meinen Kredit normal zahlen können! So musste ich dringend verkaufen! Die ganze Kette ist durch deine Schuld zusammengebrochen!

— Sweta, meinst du das ernst? — fragte Maxim leise.

— Absolut ernst! — schrie sie. — Und wende dich nie wieder an mich! Ich habe genug eigene Probleme! Hör auf zu parasitieren!

— Parasitisieren? Ich habe dir eine halbe Million gegeben!

— Gegeben heißt, du wolltest es selbst! — schnitt Swetlana ab. — Niemand hat dich gezwungen! Und jetzt sieh dir das Ergebnis an!

Sie drehte sich um und ging, ließ ihren Bruder mit offenem Mund zurück.

— Na, Swetka, du legst ja was hin… — brachte er noch hervor.

— Elena Andrejewna, die Unterlagen sind fertig, — sagte der Makler und reichte ihr die Mappe. — Das Haus gehört Ihnen.

Elena unterschrieb die Papiere, nahm die Schlüssel und verließ das Büro. Neben ihr wartete ihr Cousin Nikolai — genau über ihn hatte sie das Haus gekauft, damit Swetlana es nicht merkt.

— Na, neue Hausbesitzerin? — lächelte er.

— Kaum zu glauben, — gestand Elena. — Ich dachte, das Geld meiner Mutter aus dem Wohnungsverkauf würde jahrelang reichen, und hier so ein Glück.

— Swetka wollte eilig verkaufen, deswegen hat sie es zum halben Preis abgegeben, — schmunzelte Nikolai. — Gier hat den Narren ruiniert, wie man so sagt.

— Nicht Gier, sondern Dummheit, — korrigierte Elena. — Gott hat ihr wohl keinen Verstand gegeben.

Sie fuhren zum Haus. Klein, solide, mit einer schönen Veranda. Nur die Innenarbeiten waren noch unvollständig.

— In ein bis anderthalb Jahren schaffen wir das fertig, — schätzte Nikolai. — Meine Hände wachsen aus der richtigen Stelle.

— Kola, du bist einfach ein Retter, — umarmte Elena ihren Bruder. — Ohne dich hätte ich mich nicht auf so ein Abenteuer eingelassen.

— Das ist kein Abenteuer, — schüttelte Nikolai den Kopf. — Das ist Gerechtigkeit. Wenigstens soll etwas Gutes aus dieser Geschichte hervorgehen.

Ein Jahr später glänzte das Haus mit frischer Farbe und neuem Dach. Elena stand auf der Veranda und goss Blumen in den Kästen, als sie eine vertraute Stimme hörte.

— Lena!

Sie drehte sich um — Maxim ging durch das Tor. Gealtert, in zerknittertem Hemd, mit flehender Miene.

— Was willst du? — fragte sie kalt, ohne das Gießen zu unterbrechen.

— Lena, verzeih mir! — er kam näher. — Ich war ein Narr! Ich habe alles verstanden, alles erkannt!

— Verstanden? — Elena lächelte. — In etwas mehr als einem Jahr? Ziemlich schnell für dich, nicht wahr?

— Ich liebe dich immer noch! Lass uns einen neuen Versuch wagen!

— Und wo war deine Liebe dieses Jahr? — fragte Elena ruhig und stellte die Gießkanne ab. — Kein Anruf, keine Blumen, nicht einmal zum Geburtstag.

— Ich dachte, du willst nicht mit mir sprechen…

— Richtig gedacht, — nickte Elena. — Und jetzt will ich auch nicht.

— Lena, versteh doch, ich habe mich geändert! Sweta hat mich auch fallen lassen, ich habe alles verstanden!

— Verstanden, dass du jetzt ohne Geld dastehst? — lachte Elena. — Und plötzlich erinnerst du dich an deine Ex-Frau? Welch rührende Geschichte.

Maxim versuchte, näher zu kommen, doch Elena griff nach den Harken auf der Veranda.

— Noch ein Schritt — und du bekommst eins auf den Kopf, — warnte sie.

— Lena, ich bin ein anderer Mensch geworden! Ich habe einen Job…

— Wunderbar, — nickte Elena. — Arbeit gut, aber weit weg von mir.

— Aber wir waren doch glücklich!

— Du warst glücklich, — korrigierte Elena. — Und ich war eine Dummkopf. Aber das lässt sich ändern.

— Lena, bitte! Gib mir eine Chance!

— Chance? — schwang Elena die Harke. — Deine Chance endete, als du deine Schwester gewählt hast. Geh, Maxim. Sofort.

Maxim sprang zurück und rannte zum Tor.

— Lena, denk nach! — rief er unterwegs. — Wir können alles wieder gut machen!

— Ich habe es schon gut gemacht, — rief Elena ihm nach. — Ich habe mich von dir scheiden lassen!

Das Tor schlug zu. Elena verfolgte seinen Blick und lachte.

— Was für ein Zirkus, — sagte Nikolai, als er das Haus verließ. — Lange stand er unter den Fenstern?

— Zehn Minuten, — antwortete Elena. — Wahrscheinlich hat er sich überwunden, zu kommen. Wahrscheinlich hat er überlegt, welche Worte er wählen soll.

— Und Worte waren gar nicht nötig, — lächelte Nikolai. — Die Harken sprechen Bände.

Hinter der Ecke des Hauses tauchte Marina auf, kaum in der Lage, ihr Lachen zu unterdrücken.

— Ich konnte nicht mehr! — schluchzte sie vor Lachen. — Wie er vor diesen Harken wegrannte! Ganz wie im Film!

— Er hat selbst darum gebeten, — zuckte Elena mit den Schultern. — Ein Jahr geschwiegen und jetzt kommt er mit Reue. Offenbar hat das Leben ihn gründlich durchgeschüttelt.

— Und was ist mit Swetlana? — fragte Marina neugierig. — Hat sie vom Haus erfahren?

— Durch gemeinsame Bekannte, — nickte Nikolai. — Man sagt, sie hat Maxim einen solchen Skandal gemacht, dass der ganze Hof es gehört hat. Sie hat geschrien, dass er sie verraten habe, indem er die Information weitergegeben hat.

— Information? — wunderte sich Elena. — Welche Information?

— Na ja, sie denkt, dass er dir von dem Hausverkauf erzählt hat, — erklärte ihr Bruder. — Sie kann nicht glauben, dass sie selbst in der Friseur­salon-Plapperstunde alles verraten hat.

Marina lachte los.

— Ich kann mir ihr Gesicht vorstellen! Sie dachte, die arme Ex-Verlobte versteckt sich irgendwo, und stattdessen wohnt sie in ihrem Haus!

— Nicht in ihrem, — korrigierte Elena. — In meinem. Ehrlich gekauft.

— Und merkt sie es überhaupt nicht? — fragte Marina.

— Noch nicht, — lächelte Nikolai. — Aber das wird nicht lange so bleiben. Früher oder später wird sie es herausfinden.

— Dann soll sie es herausfinden, — sagte Elena gleichgültig. — Ich habe nichts zu verbergen.

— Die Sauna ist fertig! — rief Nikolai.

— Gehen wir, — Elena umarmte Marina an den Schultern. — Feiern wir die Befreiung von den Parasiten.

Elena stand auf der Terrasse ihres Hauses, beobachtete, wie Maxim ein letztes Mal zurück zum Tor blickte, und begriff: Der Kreis hatte sich geschlossen. Der Mann, der sie vor einem Jahr gelehrt hatte, bei Würstchen zu sparen, bettelte nun selbst um Almosen bei der Frau, die er für eine Verschwenderin gehalten hatte. Und sie, die dank des Erbes ihrer Mutter und eigener Arbeit das Haus seiner Schwester zum halben Preis gekauft hatte, empfand weder Wut noch Bedauern — nur ein leichtes Erstaunen darüber, wie schnell das Leben alle an ihren Platz gesetzt hatte.

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