Die Wohnung ist geräumig. Meine Mutter und mein Sohn werden jetzt bei uns wohnen – „freute“ mich mein Mann

– Die Wohnung ist geräumig. Meine Mutter und mein Sohn werden jetzt bei uns wohnen, – „freute“ mich mein Mann.

Nastja legte noch ein weiteres Hemd von Danila auf das Bett und hing es sorgfältig in den Schrank. Er hatte mehr Sachen, als sie erwartet hatte, aber es gab genug Platz.

— Wo soll ich am besten deine Bücher hinstellen? — fragte Nastja und hielt einen Stapel Fachliteratur in den Händen.
— Oben ins Regal, wenn es dir nichts ausmacht, — antwortete Danila und legte seine Socken in die Kommode. — Liebling, kannst du dir vorstellen, wie schön es ist, dass wir jetzt zusammenleben?

Nastja lächelte und nickte. Gestern hatte er ihr noch einen Heiratsantrag gemacht, und heute richteten sie bereits ihren gemeinsamen Haushalt ein. Die drei Monate bis zur Hochzeit würden wie im Flug vergehen.

— Danetschka, bereust du nicht, dass wir alles so schnell entschieden haben? — streichelte Nastja ihm über die Wange.
— Keine Sekunde, — umarmte Danila sie um die Taille. — Du bist das beste Mädchen der Welt. So eine Schönheit muss man beschützen und nicht gehen lassen.

Nastja schmiegte sich an ihn und genoss seine Wärme. Sie konnte ihr Glück kaum fassen.

Drei Monate später war dieser Tag endlich gekommen. Die Musik spielte leise, die Gäste tanzten und lachten. Nastja wirbelte in ihrem strahlend weißen Kleid mit ihrem Mann über die Tanzfläche. Danila flüsterte ihr Komplimente ins Ohr, und sie errötete vor Vergnügen.

— Liebe frisch Vermählte! — erhob sich Schwiegermutter Jelena Wiktorowna mit einem Glas in der Hand. — Ich möchte ein paar warme Worte über euer wunderbares Paar sagen.

Alle Gäste verstummten und richteten ihre Aufmerksamkeit auf die elegante Frau mittleren Alters.

— Nastjenka, Liebes, du hast meinem Sohn wahres Glück geschenkt. Danila, mein Sohn, behüte dieses wunderbare Mädchen. Möge eure Liebe mit jedem Tag stärker werden!

Nastja war von dieser herzlichen Ansprache gerührt. Die Schwiegermutter war immer freundlich und liebevoll zu ihr gewesen.

— Vielen Dank, — flüsterte Nastja, als Jelena Wiktorowna herankam, um sie persönlich zu beglückwünschen.
— Wofür, Tochterherz? Wir sind jetzt eine Familie.

Unmerklich vergingen drei Monate Eheleben. Nastja hatte sich noch nicht an den neuen Nachnamen in den Dokumenten gewöhnt und vergaß manchmal, darauf zu reagieren.

Es klingelte an der Tür.

— Jelena Wiktorowna! — lächelte Nastja, als sie die Tür für ihre Schwiegermutter öffnete. — Kommen Sie rein, wir haben auf Sie gewartet.

— Nastjenka, Liebes, — begrüßte die Schwiegermutter herzlich. — Wie geht es dir, Tochterherz?

– Die Wohnung ist geräumig. Meine Mutter und mein Sohn werden jetzt bei uns wohnen, – „freute“ mich mein Mann.

Sie gingen in die Küche, wo Danila bereits am gedeckten Tisch saß. Jelena Wiktorowna setzte sich neben ihren Sohn, und sie begannen fröhlich, die Familienneuigkeiten zu besprechen.

— Wie läuft die Arbeit, mein Sohn? — fragte die Schwiegermutter, während sie sich etwas Salat auflud.
— Ausgezeichnet, Mama, wir haben ein neues Projekt gestartet, — antwortete Danila und goss Tee nach. — Und wie geht es dir?

Nastja hörte ihrem Gespräch zu und freute sich, dass sie so eine harmonische Familie hatten. Doch plötzlich wurde Jelena Wiktorownas Gesichtsausdruck ernst.

— Danila, — sagte die Schwiegermutter, indem sie die Gabel beiseitelegte. — Es ist an der Zeit, Nastja etwas zu erzählen.

Nastja spürte ein Zusammenziehen in ihrem Inneren. Danila senkte den Blick und rieb nervös seine Hände.

— Nastja, Liebling, — begann ihr Mann leise. — Ich habe einen Sohn. Er ist neun Jahre alt und heißt Artem.

Nastja erstarrte. Die Welt schien stillzustehen. Danila sprach weiter, aber sie konnte seine Worte kaum fassen.

— Ich war vorher verheiratet, aber sie ist sofort nach der Scheidung gegangen, — die Stimme ihres Mannes zitterte. — Artem lebt seit drei Jahren bei seiner Mutter.

— Nastja, Liebes, — mischte sich Jelena Wiktorowna sanft ein. — Ein Kind ist kein Hindernis für wahre Liebe. Wenn du Danila wirklich liebst, wird diese Information nichts ändern, richtig?

Nastja schaute sie beide an und konnte kein Wort hervorbringen. Danila hatte nie ein Wort über ein Kind erwähnt. Kein einziges Mal während ihrer gesamten Beziehung.

— Nastja, du bist so blass, — bemerkte Jelena Wiktorowna. — Trink etwas Wasser.

Mechanisch nahm Nastja ein Glas. Ein Wirbelsturm von Gedanken drehte sich in ihrem Kopf. Neun Jahre. Das Kind ist neun Jahre alt. Und Danila hatte ihr seinen Sohn verheimlicht.

— Artem ist ein sehr guter Junge, — fuhr die Schwiegermutter sanft fort. — Klug, gut erzogen. Du wirst ihn lieben, Tochterherz.

Nastja stand vom Tisch auf und flüsterte schwach:

— Ich muss ein wenig nachdenken.

Danila versuchte, ihre Hand zu nehmen. Doch Nastja zog sich zurück und verließ die Küche.

Jelena Wiktorowna ging früh. Danila ging seiner Frau vorsichtig aus dem Weg.

Drei Tage lang grübelte Nastja über das Gehörte nach. Danila benahm sich, als sei nichts geschehen, scherzte beim Frühstück und erzählte von der Arbeit. Aber Nastja bemerkte, wie er sie heimlich beobachtete.

— Danila, — sagte Nastja und stellte ihre Kaffeetasse ab. — Warum hast du mir das nicht erzählt?

Ihr Mann lächelte schmunzelnd und zuckte mit den Schultern.

— Nicht jedes Mädchen will einen Mann mit einem Kind aus einer früheren Ehe, — antwortete er ruhig. — Schon gar nicht mit einem Kind, das nicht bei der Mutter lebt.

Nastja runzelte die Stirn. Sein gleichgültiger Ton schnitt ihr ins Herz.

— Aber wovon kann man in einer Familie von Vertrauen sprechen, wenn du so eine wichtige Information verheimlichst?

Danila zuckte erneut mit den Schultern und biss in ein Sandwich.

— Ich sehe kein Problem. Jetzt weißt du es.

Nastja sah ihren Mann an und verstand. Er sah wirklich nichts Schlechtes an seinem Verhalten. Diese Erkenntnis traf sie stärker als die Nachricht über das Kind selbst.

Drei weitere Wochen vergingen. Nastja erwischte sich immer öfter dabei, dass sie ihren Mann anders ansah. Das Vertrauen, das sich über Monate aufgebaut hatte, war auf einen Schlag zerstört. Jedes seiner Worte weckte nun Zweifel. Über was hatte er ihr noch nichts erzählt?

Danila lebte indes weiter sein normales Leben. Kam von der Arbeit, aß zu Abend, sah fern. Als sei nichts geschehen. Seine Gleichgültigkeit gegenüber ihren Gefühlen ärgerte Nastja noch mehr.

Am Abend fiel ein starker Regen. Nastja war bis auf die Haut durchnässt, als sie von der Bushaltestelle nach Hause kam. Die Schlüssel zitterten in ihren Händen, als sie das Schloss öffnete.

Die Tür ging auf, und Nastja blieb am Türrahmen stehen. Im Flur standen Kartons. Viele Kartons. Mindestens ein Dutzend, in verschiedenen Größen, einige noch mit Klebeband versiegelt.

— Danila! — rief Nastja und schloss die Tür hinter sich. — Was ist das?

Aus dem zweiten Schlafzimmer kam ihr Mann mit einem Schraubenzieher in der Hand. Die Haare zerzaust, Staubflecken auf dem T-Shirt.

— Ach, du bist schon zu Hause, — sagte Danila und wischte sich den Schweiß von der Stirn. — Wie läuft die Arbeit?

— Danila, was passiert hier? — wiederholte Nastja und deutete auf die Kartons.

Ihr Mann sah sie an, als sei die Frage überraschend.

— Meine Familie wird hierherziehen, — antwortete er einfach. — In diese Wohnung. Meine Mutter hat ihre Sachen schon gepackt, und ich richte das Zimmer für Artem her.

Nastja blieb an der Eingangstür wie versteinert stehen. Das kalte Wasser von ihrer nassen Jacke tropfte auf den Boden, doch sie nahm es kaum wahr. Die Welt wirkte plötzlich unreal.

— Die Wohnung ist geräumig, — fuhr Danila fort, als erzähle er vom Wetter. — Meine Mutter und mein Sohn werden jetzt bei uns wohnen. Das zweite Schlafzimmer bekommt mein Sohn, und im Wohnzimmer wird die Mutter wohnen. Wir müssen noch ein paar Möbelstücke kaufen, aber das wird schon.

Nastja zog ihre nassen Schuhe aus und ging ins zweite Schlafzimmer. Danila folgte ihr. Das Zimmer war komplett umgestaltet. Neue Regale entlang der Wand, ihr Schreibtisch in die Ecke geschoben, das Bett abgebaut und weggeräumt.

— Warum überhaupt dieser Umzug? — fragte Nastja und betrachtete die Veränderungen.

Danila schnaubte leise und legte den Schraubenzieher auf das Fensterbrett.

— Meine Mutter ist schon älter, sie kann das Kind nicht allein betreuen, — erklärte er gleichgültig. — Sie braucht eine Helferin.

— Helferin? — wiederholte Nastja fragend.

— Ja, du wirst kochen und putzen, und die Mutter wird sich um den Sohn kümmern, — nickte Danila. — Und dem Sohn braucht seine Mutter Hilfe, du wirst diese für ihn sein.

Nastja drehte sich scharf um und ging in die Küche. Ihre Hände zitterten, als sie Wasser in ein Glas goss.

— Danila, hat dein Sohn hier Einzug gehalten? — fragte Nastja und stellte das Glas auf den Tisch.

Danila zog überrascht die Augenbrauen hoch.

— Aber das ist doch mein Kind, praktisch schon unser, — sagte er, als erkläre er das Offensichtliche.

Nastja explodierte. Alles, was sich in den letzten Wochen angestaut hatte, brach aus ihr heraus.

— Ich wusste nichts von einem Kind! — schrie sie. — Ich habe mich nicht bereit erklärt, einen fremden Jungen aufzuziehen! Ich will nicht einmal eigene Kinder, geschweige denn fremde!

Danila versuchte, sie zu unterbrechen, doch Nastja ließ ihm kein Wort.

— Diese Wohnung gehört mir vor der Ehe. Und ohne meine Zustimmung zieht hier niemand ein!

Danila verlor die Beherrschung.

— Du bist keine Frau! Du hast keinen Mutterinstinkt! Eine normale Ehefrau würde ihren Mann unterstützen!

Sein Gesicht verzerrte sich vor Wut. Nastja sah einen völlig anderen Menschen vor sich.

— Wozu brauchst du mich dann überhaupt, wenn du meinen Sohn nicht akzeptieren willst? — warf er ihr ins Gesicht.

Nastja schien die Augen geöffnet zu bekommen. Danila hatte alles absichtlich verschwiegen, um sie durch die Ehe zu halten. Er wollte nur eine Mutter für das Kind und die Wohnung.

— Und wozu brauchst du mich? — fragte Nastja kalt. — Um mein Leben zu ruinieren? Verschwinde!

— Du bist verrückt! — schrie Danila. — Wir sind doch Mann und Frau!

— Waren wir, — schnitt Nastja ihm das Wort ab. — Raus aus meinem Haus! Pack deine Kartons und verschwinde!

— Nastja, stopp! — rief Danila. — Wir müssen ruhig reden!

— Reden? — lachte Nastja hysterisch. — Wirklich! Wir hätten vor der Hochzeit reden sollen!

Bald gelang es Nastja, den Verräter aus ihrer Wohnung zu vertreiben.

Die Tür fiel mit einem lauten Knall ins Schloss. Nastja drehte den Schlüssel um und lehnte sich mit dem Rücken gegen die Tür. Ihre Beine gaben nach, und sie glitt langsam auf den Boden.

Hinter der Tür waren noch lange die Schreie und Forderungen zu hören, sie solle öffnen. Dann kehrte Stille ein. Nastja saß bis zum Morgen auf dem Boden und überdachte, was geschehen war. Danila hatte sie benutzt. Einfach benutzt.

Früh am Morgen arbeitete ein Schlosser in der Wohnung. Nastja hatte ihn schon in der Nacht gerufen, kaum dass Danila gegangen war. Der Mann bohrte methodisch die alten Schlösser aus und montierte neue.

— Hochwertige Schlösser, zuverlässig, — erklärte der Handwerker und zeigte den Mechanismus. — Schwierig zu knacken.

Das Geräusch des Aufzugs ließ Nastja aufhorchen. Jelena Wiktorowna stieg mit einem Blumenstrauß in der Hand aus der Kabine. Als sie das Geschehen sah, blieb die Schwiegermutter wie angewurzelt stehen.

— Was soll hier passieren? — explodierte Jelena Wiktorowna und ließ die Blumen fallen. — Nastja, was machst du da? Das ist falsch! Danila ist doch dein Mann! Du bist stolz und frech!

Der Schlosser packte hastig sein Werkzeug zusammen und ging zum Aufzug, offensichtlich nicht gewillt, Zeuge familiärer Auseinandersetzungen zu werden. Nastja nahm das neue Schlüsselbund in die Hand und wandte sich ruhig an Jelena Wiktorowna.

— Ja, ich habe Stolz, — sagte Nastja, während sie die glänzenden Schlüssel betrachtete. — Deshalb lasse ich mir von niemandem über die Füße laufen.

— Wie kannst du nur! — schrie die Schwiegermutter weiter. — Du zerstörst die Familie! Und das Kind? Hast du ans Kind gedacht?

— Ans Kind hätte Ihr Sohn denken müssen, — antwortete Nastja kühl.

Nastja betrat die Wohnung und schlug die Tür hinter sich zu, schnitt damit nicht nur die Schreie der Schwiegermutter ab, sondern auch jede Verbindung zu dieser Familie.

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